{"id":23778,"date":"2021-09-03T16:09:34","date_gmt":"2021-09-03T14:09:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=23778"},"modified":"2021-09-03T16:09:34","modified_gmt":"2021-09-03T14:09:34","slug":"spotify-keine-gute-idee-wenn-man-musik-mag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=23778","title":{"rendered":"Spotify &#8211; keine gute Idee, wenn man Musik mag"},"content":{"rendered":"<p>Gerade las ich in der Musikzeitschrift <em>eclipsed<\/em> in einem Interview mit David Crosby, was der mittlerweile 80 Jahre alte Musiker \u00fcber Spotify denkt, und das hat mich dann dazu angeregt, doch mal das gesamte Gesch\u00e4ftsmodell des Streamingdienstes zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst mal die Aussage von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/David_Crosby\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">David Crosby<\/a>, als er gefragt wurde, ob sich der Titel seines neuen Albums &#8222;For Free&#8220; auf Streamingdienste bez\u00f6ge:<\/p>\n<blockquote><p>Ganz genau! Ich habe nie Alben aufgenommen, um damit Geld zu verdienen &#8211; sondern weil sie Spa\u00df machten. Allerdings ist es nicht okay, dass Streamingdienste damit Millionen scheffeln, den Gewinn aber nicht mit den K\u00fcnstlern teilen. Wenn das jemandem wie mir das Leben schwer macht, ist es f\u00fcr junge Leute, die gerade erst anfangen, geradezu t\u00f6dlich. Ich halte Spotify f\u00fcr einen Haufen Diebe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind mal deutliche Worte, und das von einem Musiker, der sich mit Sicherheit keine gro\u00dfen Gedanken mehr \u00fcber Geldprobleme machen muss.<\/p>\n<p>Na ja, und wenn es denn mal nur Millionen w\u00e4ren &#8230; Wenn man sich anschaut, was der CEO von Spotify <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daniel_Ek\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Daniel Ek<\/a> so treibt, dann wir einem klar, dass es dabei um viel, viel mehr Geld geht. Der hatte n\u00e4mlich gerade vor ein paar Monaten die Absicht, den Fu\u00dfballverein Arsenal London zu kaufen &#8211; was wohl eine Summe von 2,8 Milliarden Dollar erfordert h\u00e4tte. Nebenbei erf\u00e4hrt man dann in einem <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/spotify-chef-daniel-ek-will-arsenal-kaufen-a-2f68ed22-afbb-407e-9b2a-0af097c39081\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel vom <em>manager magazin<\/em><\/a> zu dem Thema, dass das Verm\u00f6gen von Ek laut Forbes auf 4,4 Milliarden Dollar beziffert wird.<\/p>\n<p>Das Musikbusiness hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt, da viele K\u00fcnstler, die nicht im Radio oder Fernsehen gespielt werden, ihr Geld in erster Linie mit Livekonzerten verdienen. Der Verkauf von Tontr\u00e4gern ist als Einnahmequelle immer unbedeutender geworden &#8211; gerade auch wegen Unternehmen wie Spotify, bei denen die Musik der K\u00fcnstler bereitgestellt wird und die daf\u00fcr von ihren Kunden Geb\u00fchren kassieren. Davon landet allerdings nur sehr wenig bei den Musikern.<\/p>\n<p>Und wenn man sich anschaut, wie Daniel Ek damit Geld gescheffelt hat, dann wei\u00df man sich auch, wo die Kohle vor allem bleibt.<\/p>\n<p>Nun kam zu dieser Situation die Corona-Pandemie hinzu, die es vielen Musikern unm\u00f6glich gemacht hat, weiterhin aufzutreten und mit Konzerten Geld zu verdienen. Und auch nun, wo das kulturelle Leben wieder ein bisschen hochgefahren wird, ist f\u00fcr viele Musiker nicht gleich alles so wie vor der Pandemie: Konzert-Locations haben dicht gemacht wegen der Lockdowns, viele Musiker mussten sich mittlerweile andere Jobs suchen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und auch weitere f\u00fcr den Livebetrieb notwendige Dienstleister (z. B. Booking- und Musikmanagementagenturen) haben die Segel streichen m\u00fcssen, da ihnen die Einnahmen weggebrochen sind.<\/p>\n<p>Schlechte Zeiten also f\u00fcr Profimusiker, die zu einem gro\u00dfen Teil finanziell ohnehin schon immer nicht auf Rosen gebettet waren, sondern eben aus Idealismus f\u00fcr ihre Kunst ein eher karges Dasein fristeten. Denn die Gro\u00dfverdiener sind nur ein Bruchteil derjenigen, die Musik schaffen. Und dabei oft noch nicht mal f\u00fcr wirklich Interessantes und Neues verantwortlich.<\/p>\n<p>Und nun werden diesen Musikern also auch noch die Milliarden quasi vorenthalten, die sich jemand wie Daniel Ek einverleibt. Wobei da die anderen Streamingdienste wie Apple Music oder Amazon Music wohl auch nicht viel spendabler sein d\u00fcrften &#8230;<\/p>\n<p>Vor gut eineinhalb Jahren hab ich ja schon mal auf die Nachteile von der zunehmend weiteren Verbreitung von Streamingdiensten in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=18851\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> hingewiesen. Dazu kommt nun noch die Bereicherung von denjenigen, die diese Dienste anbieten und dort in der F\u00fchrungsetage arbeiten. \u00dcber kurz oder lang d\u00fcrfte auch dies zu einer Verarmung der musikalischen Vielfalt f\u00fchren, da eben viele Musiker nicht mehr von ihrer Kunst leben k\u00f6nnen, umso mehr Menschen streamen, anstatt sich physikalische Tontr\u00e4ger zuzulegen.<\/p>\n<p>Und um eine CD oder Vinylplatte zu kaufen, muss man ja auch nicht solche fiesen L\u00e4den wie Amazon nutzen. Es gibt schlie\u00dflich gen\u00fcgend M\u00f6glichkeiten, das zu umgehen. Am besten nat\u00fcrlich, indem man bei den Musikern direkt kauft, die oft auf ihren Websites Shops anbieten. Oder Portale wie <a href=\"https:\/\/bandcamp.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bandcamp<\/a>\u00a0als Vertriebsm\u00f6glichkeit nutzen, wo man Tontr\u00e4ger oder Downloads beziehen kann. Und dann gibt es auch noch etliche Onlineversender, die sich auf bestimmte Genres spezialisiert haben und ihren Laden mit viel Herzblut betreiben &#8211; f\u00fcr all diejenigen, die keine Bezugsquelle f\u00fcr Tontr\u00e4ger bei sich in der Umgebung haben.<\/p>\n<p>Wenn man Spotify und andere Streamingdienste nutzt, und das wom\u00f6glich noch als einzige M\u00f6glichkeit, um sich neue Musik zuzulegen, dann sollte man sich vor Augen f\u00fchren, dass man auf diese Weise zwar ein paar sehr reiche Leute noch reicher macht, aber eben vielen Musikern, deren Musik man sch\u00e4tzt, das Wasser abgr\u00e4bt. Klar, auch Plattenfirmen und herk\u00f6mmliche Vertriebsplattformen sind keine karitativen Organisationen und verschaffen oft einigen wenigen Menschen sehr viel Geld, aber die Diskrepanz zwischen dem Verm\u00f6gen der Vertriebler und dem, was bei den Musikern h\u00e4ngen bleibt, d\u00fcrfte nicht ansatzweise so hoch sein wie beim Streaming.<\/p>\n<p>Auch wenn Straming bequem und billig ist &#8211; es d\u00fcrfte zumindest mittelfristig die musikalische Vielfalt zerst\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade las ich in der Musikzeitschrift eclipsed in einem Interview mit David Crosby, was der mittlerweile 80 Jahre alte Musiker \u00fcber Spotify denkt, und das hat mich dann dazu angeregt, doch mal das gesamte Gesch\u00e4ftsmodell des Streamingdienstes zu hinterfragen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52,51],"tags":[74,1089,1046],"class_list":["post-23778","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-musikindustrie","tag-spotify","tag-streamingdienste"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23778"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23787,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23778\/revisions\/23787"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}