{"id":24112,"date":"2021-10-29T10:13:23","date_gmt":"2021-10-29T08:13:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24112"},"modified":"2021-10-29T10:13:23","modified_gmt":"2021-10-29T08:13:23","slug":"smartphone-zwang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24112","title":{"rendered":"Smartphone-Zwang"},"content":{"rendered":"<p>Vorige Woche bekam ich von meiner Bank ein Schreiben, dass das bisherige TAN-Verfahren f\u00fcrs Onlinebanking nun umgestellt w\u00fcrde auf sogenannte Push-TANs, die man dann auf sein Smartphone geschickt bek\u00e4me. Das Problem dabei: Ich habe nach wie vor kein Smartphone.<\/p>\n<p>Und das ist auch eine sehr bewusste Entscheidung, denn ich habe bisher in meinem Umfeld noch niemanden erlebt, der durch die Benutzung eines Smartphones auch tats\u00e4chlich smarter geworden w\u00e4re &#8211; eher das Gegenteil ist \u00f6fter mal zu beobachten. Das habe ich ja bereits vor \u00fcber f\u00fcnf Jahren in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=5029\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> angemerkt, und die Entwicklung seitdem best\u00e4tigt das immer wieder.<\/p>\n<p>Was noch hinzukommt zu dem Suchtfaktor: Sp\u00e4testens seitdem bekannt wurde, wie die Pegasus-Software arbeitet (s. exemplarisch dazu <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/2021-07\/edward-snowden-spionage-software-pegasus-handy-ueberwachung-diktaturen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2021-07\/dubai-prinzessin-latifa-al-maktum-flucht-pegasus-ueberwachung-smartphone?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.unterstroemt.de%2F%3Fp%3D23461\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/ueberwachung-willkommen-in-der-ohnmacht-kolumne-a-c11f3c88-177c-45e7-a392-9f00f13595c0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), die mittlerweile auch vom Bundesnachrichtendienst BND eingesetzt wird (s. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/pegasusprojekt-nso-pegasus-bundesnachrichtendienst-1.5433974\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), sollte eigentlich jedem klar sein, dass ein Smartphone ein wunderbares Eingangstor zur kompletten \u00dcberwachung darstellt. Was ich nun auch nicht so prickelnd finde, zumal man das Ding ja auch st\u00e4ndig mit sich rumschleppt, was dann noch mal ein Mehr an Infos generiert im Vergleich zu einem Desktop-Rechner.<\/p>\n<p>Na ja, ich hab dann also bei meiner Bank angerufen, um zu fragen, wie ich denn dann k\u00fcnftig ohne Smartphone auf mein Onlinebanking zugreifen kann.<\/p>\n<p>Dazu muss ich kurz erl\u00e4utern, dass es sich dabei eigentlich im meine ehemalige Bank in Hamburg handelt. Als ich vor zwei Jahren nach Rendsburg umgezogen bin, habe ich mir eine Bank hier vor Ort gesucht, da ich es ganz angenehm finde, auch einen pers\u00f6nlichen Ansprechpartner in der N\u00e4he zu haben. Allerdings habe ich bei meiner ehemaligen Bank noch einen Kredit laufen, bei dem ich dann doch ab und zu mal reinschaue, wie viel denn da noch abzuzahlen ist.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund habe ich auch keine EC-Karte mehr bei meine ehemaligen Bank, da ich ja auch kein Girokonto mehr dort habe. Mit einer EC-Karte w\u00e4re es n\u00e4mlich noch m\u00f6glich gewesen, aufs Onlinebanking zuzugreifen, dann n\u00e4mlich mittels eines Tanjack-Ger\u00e4tes. So konnte die Dame mir am Telefon dann nur mitteilen, dass ich das Onlinebanking leider nicht mehr nutzen k\u00f6nne ab n\u00e4chstem Monat, wenn auf das Push-TAN-Verfahren umgestellt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich gebe ja zu, dass das nun schon ein etwas spezieller Fall ist, bei einer Bank, auf deren Onlinebanking man zugreifen m\u00f6chte, kein Konto mehr zu haben, andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das nun eine einmalige Konstellation ist. Schlie\u00dflich laufen Kredite ja oft \u00fcber viele Jahre, sodass da zwischendurch schon mal ein Wechsel des Kontos erfolgen kann, zumal bei einer lokalen Bank wie der, bei der ich war.<\/p>\n<p>In jedem Fall wurde mir von der Mitarbeiterin am Telefon dann noch nahegelegt, mir vielleicht doch ein Smartphone zuzulegen &#8211; was ich dankend verneinte.<\/p>\n<p>Und das ist auch kein Einzelfall. So berichtete mir vor einigen Wochen ein Freund, dass er bei einem Konzert war, wo nur eingelassen wurde, wer die Luca-App auf dem Smartphone hatte. Mal abgesehen davon, dass diese App offensichtlich der letzte Mist ist (s. dazu beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Luca-App-Dilettantisch-und-sinnlos-6007111.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ccc.de\/de\/updates\/2021\/luca-app-ccc-fordert-bundesnotbremse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/digital\/datenschutz\/2021-04\/luca-app-sicherheitsluecken-datenschutz-kritik-corona\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), so sind doch Menschen ohne Smartphone vom Besuch des Konzertes ausgeschlossen &#8211; selbst wenn sie ein g\u00fcltiges Eintrittsticket haben.<\/p>\n<p>Die Digitalisierung und das Internet sind tolle Sachen, die viel Sinnvolles hervorbringen. Und gerade als Blogger w\u00e4re es ja auch absurd, wenn ich Onlineaktivit\u00e4ten generell verteufeln w\u00fcrde. Allerdings halte ich wenig davon, wenn es quasi einen Zwang dazu gibt, Onlineangebote oder &#8211; wie im hier geschilderten Fall &#8211; ein Smartphone nutzen zu m\u00fcssen. Vor ein paar Jahren habe ich mich in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3015\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> schon mal kritisch dazu ge\u00e4u\u00dfert, da es n\u00e4mlich in Hamburg quasi nicht mehr m\u00f6glich war, sein Auto umzumelden, ohne dabei das Internet oder einen externen Anbieter zu nutzen.<\/p>\n<p>Es gibt daf\u00fcr sogar schon einen Begriff: Digitalzwang. Und da <em>Digitalcourage<\/em> sogar schon einen <a href=\"https:\/\/aktion.digitalcourage.de\/digitalzwangmelder\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digitalzwangmelder<\/a> eingerichtet hat, scheint das auch kein allzu seltenes Ph\u00e4nomen zu sein.<\/p>\n<p>Denn eines muss uns klar sein: Wenn wir uns online bewegen, hinterlassen wir viele Fu\u00dfspuren, die unter Umst\u00e4nden (oder eventuell sogar mit hoher Wahrscheinlichkeit) von jemandem ohne unser Wissen gespeichert werden. Und wer meint, nichts zu verbergen zu haben, der ist auch reichlich auf dem Holzweg, wie ich vor einigen Jahren schon mal in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=7946\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> beschrieb.<\/p>\n<p>Und so sollte ein Onlineangebot eben auch ein Angebot bleiben f\u00fcr diejenigen, die es gern nutzen m\u00f6chten &#8211; und kein Zwang. Und wenn das dann noch an ein konkretes Ger\u00e4t wie ein Smartphone gekoppelt ist, dann wird das Ganze noch mal eine Spur \u00fcbler, wie ich finde. Denn so wird man nicht nur zur Onlinenutzung gen\u00f6tigt, sondern letzten Endes sogar zum Kauf eines Ger\u00e4tes.<\/p>\n<p>Mich best\u00e4rkt so ein Vorfall allerdings eher darin, dass ich mir kein Smartphone zulegen werde, auch wenn ich jetzt schon bemerke, dass die Sozialkontakte mit einigen Menschen, die ausschlie\u00dflich \u00fcber WhatsApp und Co. kommunizieren, rarer werden. Mal schauen, wie lange ich das noch so halten kann, ohne erhebliche Einschr\u00e4nkungen im \u00f6ffentlichen Leben hinnehmen zu m\u00fcssen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorige Woche bekam ich von meiner Bank ein Schreiben, dass das bisherige TAN-Verfahren f\u00fcrs Onlinebanking nun umgestellt w\u00fcrde auf sogenannte Push-TANs, die man dann auf sein Smartphone geschickt bek\u00e4me. 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