{"id":24552,"date":"2022-01-21T16:24:28","date_gmt":"2022-01-21T15:24:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24552"},"modified":"2022-01-21T16:32:20","modified_gmt":"2022-01-21T15:32:20","slug":"wir-muessen-auf-die-wissenschaft-hoeren-ach-ja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24552","title":{"rendered":"&#8222;Wir m\u00fcssen auf die Wissenschaft h\u00f6ren!&#8220; Ach ja?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Credo, was immer wieder w\u00e4hrend der Corona-Pandemie verlautbart wird, ist ja, dass sich die Politik an den Aussagen der Wissenschaft orientiert in ihrem Handeln. Und auch die prominenten Stellung von Wissenschaftlern wie dem Charit\u00e9-Chefvirologen Christian Drosten oder RKI-Chef Lothar-Wieler in der Berichterstattung deutet darauf hin, dass die Wissenschaft doch ein gewichtiges Wort mitzureden h\u00e4tte bei den politischen Entscheidungen zur Bew\u00e4ltigung der Pandemie. Das ist ja f\u00fcr die Regierenden auch ein bequemes Narrativ, da man so das eigene Handeln als alternativlos, weil eben von der Wissenschaft gefordert, darstellen kann.<\/p>\n<p>Nun scheint es mir allerdings \u00f6fter so zu sein, dass vor allem die Wissenschaftler herangezogen werden, mit deren Aussagen sich das Regierungshandeln gut begr\u00fcnden l\u00e4sst. Das war ja schon am Anfang der Pandemie deutlich zu erkennen, als Christian Drosten absurderweise meinte, dass Masken keinen Schutz vor einer Infektion b\u00f6ten &#8211; klar, es waren ja auch viel zu wenig verf\u00fcgbar zu dem Zeitpunkt. Hier folgte also die Stimme der Wissenschaft offensichtlich den politischen Notwendigkeiten &#8211; und nicht umgekehrt.<\/p>\n<p>Und auch Lydia Rosenfelder monierte bereits vor ziemlich genau einem Jahr in einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/corona-politik-die-bestellten-berater-kommentar-a-9edd178d-1843-4522-8bde-f4c8bc0dfa30\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommentar auf <em>Spiegel Online<\/em><\/a>, dass die Bundesregierung doch sehr selektiv und wenig meinungspluralistisch bei der Auswahl ihres Beratergremiums vorginge:<\/p>\n<blockquote><p>Im Gegensatz zu Bundestagsanh\u00f6rungen, die der umfassenden Meinungsbildung dienen, hat diese Beraterrunde offenbar eine andere Aufgabe: Sie soll die gew\u00fcnschten Argumente liefern und Druck auf die Ministerpr\u00e4sidenten aus\u00fcben. Die Vielfalt an Positionen, die die wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte \u00fcber die Corona-Politik inzwischen erreicht hat, wird dort nicht abgebildet. Vor allem wird der grunds\u00e4tzlichen Frage, ob die Lockdown-Ma\u00dfnahmen in den vergangenen Wochen erfolgreich und notwendig waren, wenig Raum gegeben.<\/p>\n<p>Eine breite Diskussion ist offenbar unerw\u00fcnscht. Die Kollateralsch\u00e4den, die abgeh\u00e4ngten Sch\u00fcler, die vernichteten beruflichen Existenzen bleiben ausgeblendet. Es gibt auch keinen Anwalt der Strategie, mit massenhaften Schnelltests viel mehr Infizierte zu entdecken und so vielleicht auch bald wieder Pr\u00e4senzunterricht an den Schulen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Stattdessen erklingt ein nahezu einstimmiges Warnkonzert zur Durchsetzung von weiteren Versch\u00e4rfungen \u2013 ohne jeden kritischen Blick auf die Schw\u00e4chen der bisherigen Strategie. Das ist Alarmismus auf Bestellung.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das kennt man so ja auch schon aus dem \u00f6konomischen Diskurs, wo grunds\u00e4tzlich auch nur auf Verfechter des neoliberalen Mainstreams geh\u00f6rt wird und andere Positionen unterrepr\u00e4sentiert sind oder gar nicht erst wahrgenommen werden (s. dazu exemplarisch <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/lars-feld-vor-abtritt-schluss-mit-dem-maerchen-von-den-wirtschaftsweisen-kolumne-a-66afcbf5-4dea-4634-a45a-76237ad16748\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Da ist es dann auch v\u00f6llig egal, dass sich die neoliberalen Theorien l\u00e4ngst als falsch erwiesen haben, es wird mit betonk\u00f6pfigem Starrsinn daran festgehalten, und ein wirklich offener Austausch mit Ansichten verschiedenster Konzepte (die es n\u00e4mlich gibt, Wirtschaftswissenschaften geh\u00f6ren schlie\u00dflich zu den Geisteswissenschaften und nicht zu den Naturwissenschaften) findet nicht statt. Da st\u00f6rt es dann im politischen Handeln auch nicht, wenn sich verk\u00fcndete Gewissheiten als falsch erweisen, so wie bei der Staatsschuldenquote (s. <a href=\"https:\/\/www.handelszeitung.ch\/konjunktur\/der-peinliche-excel-fehler-des-staroekonomen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) &#8211; es wird dennoch weiter daran festgehalten.<\/p>\n<p>In einigen Bereichen kennt man zudem ja auch schon seit Jahren, dass die Politik wissenschaftliche Expertise komplett ignoriert, und oft genug fordert diese Ignoranz sogar zahlreiche Menschenleben. So bewirken wissenschaftliche Erkenntnisse zur Sch\u00e4dlichkeit von Luftverschmutzung kein entsprechendes politisches Handeln, um dem entgegenzuwirken &#8211; und wir reden hier immerhin \u00fcber etwa 80.000 Toten jedes Jahr, und das nur in Deutschland (s. <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2020\/juli\/die-lehre-aus-corona-weniger-wachstum-wagen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).\u00a0Auch in Bezug auf multiresistente Keime, an denen jedes Jahr bis zu 20.000 Deutsche sterben (s. <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/news\/medizin\/deutschland-bis-zu-20-000-tote-jaehrlich-durch-krankenhauskeime\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), gibt es von Fachleuten eindeutige Ursachenbeschreibungen &#8211; ge\u00e4ndert wird daran ebenfalls nichts. Und genauso verh\u00e4lt es sich beim Tempolimit auf Autobahnen, durch dessen Einf\u00fchrung jedes Jahr laut Experten etliche Unfalltote verhindert werden k\u00f6nnten (s. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/auto\/aktuell\/tempolimit-koennte-jaehrlich-bis-zu-140-todesfaelle-verhindern-a-1254504.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) &#8211; mal von der positiven Wirkung in puncto Klimaschutz ganz abgesehen.<\/p>\n<p>Auch aktuell gibt es gerade wieder ein paar Themen, bei denen wissenschaftliche Expertise einfach ignoriert wird:<\/p>\n<p>Das ist beispielsweise bei Pestiziden der Fall. Deren Sch\u00e4dlichkeit sowohl f\u00fcr Menschen als auch f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t ist hinreichend nachgewiesen worden (s. beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.bund.net\/service\/publikationen\/detail\/publication\/pestizidatlas-2022\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), und wenn dann eine Zulassungsverl\u00e4ngerung wie beim umstrittenen Ackergift Glyphosat ansteht, dann wird vonseiten der politischen Entscheider auf fehlerhafte Herstellerstudien zugegriffen, anstatt zu einer m\u00f6glichst fundierten Bewertung, die auf verschiedenen unabh\u00e4ngigen Quellen basiert, zu kommen (s. <a href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2022\/01\/12\/glyphosat-zulassung-copy-paste-der-behoerden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bund.net\/fileadmin\/user_upload_bund\/publikationen\/umweltgifte\/Glyphosat_und_Krebs_Gekaufte_Wissenschaft_BUND_23032017.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.umweltinstitut.org\/aktuelle-meldungen\/meldungen\/2021\/pestizide\/glyphosat-im-pruefverfahren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Auch aktuell gro\u00df im Gespr\u00e4ch: Die EU-Kommission hat beschlossen, dass Atomenergie und Gas als gr\u00fcne Energieformen gelten. Die an dieser Taxonomie urspr\u00fcnglich beteiligten Wissenschaftler finden das laut einem <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/investigativ\/ndr-wdr\/eu-taxonomie-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf <em>tagesschau.de<\/em><\/a> gar nicht so richtig witzig:<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt \u00fcben Hoepner und andere deutsche Wissenschaftler gegen\u00fcber <em>NDR\/WDR <\/em>und <em>S\u00fcddeutscher Zeitung<\/em> <em>(SZ) <\/em>scharfe Kritik an dem Entwurf der Von-der-Leyen-Kommission zur Taxonomie. Da sei &#8222;null Prozent von der Empfehlung der wissenschaftlichen Expertengruppe drin&#8220;, sagt Hoepner. Auch Rink spricht von einem &#8222;verw\u00e4sserten&#8220; Entwurf.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Schl\u00fcsselrolle hin oder her, der jetzige Entwurf greift die Vorschl\u00e4ge der Wissenschaftler kaum auf. F\u00fcr Atomkraft hatten sie eigentlich keinen Platz in der Taxonomie gesehen. Auch nicht f\u00fcr Sonderregeln wie f\u00fcr Gaskraftwerke. Wie verdreht er den Vorschlag findet, beschreibt Hoepner mit: &#8222;Das ist so, als w\u00fcrde man Pommes frites als Salat bezeichnen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Da werden also Wissenschaftler mit an Bord geholt, die allerdings offensichtlich nur als eine Art Feigenblatt zur Imagepflege dienen, weil man dann ohnehin nur auf die Interessen von Konzernen, in diesem Fall aus der Energiebranche, R\u00fccksicht nimmt. Und wenn man dann sieht, wie die Bundesregierung darauf reagiert, dann wird deutlich, dass es nie um Wissenschaft geht, sondern immer nur um Eigeninteressen. Dass Atomenergie nun als gr\u00fcn gelten soll, dar\u00fcber wird sich (zu Recht) aufgeregt, aber bei Gasenergie findet man das total super.\u00a0Klar: Deutschland hat den Atomausstieg bereits beschlossen, nutzt aber weiterhin viel Gas. Bigotterie in Reinkultur!<\/p>\n<p>Und damit, auf Wissenschaftler als Experten zu h\u00f6ren, hat das Ganze schon mal \u00fcberhaupt gar nichts zu tun.<\/p>\n<p>Auch das Artensterben wird gerade von wissenschaftlicher Seite thematisiert, und zwar von Matthias Glaubrecht in einem <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/artenschutz-als-ignoriertes-thema-das-biologische-analphabetentum-der-politik-bringt-uns-noch-alle-um\/27975842.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel im <em>Tagesspiegel<\/em><\/a>. Und der Professor f\u00fcr Biodiversit\u00e4t der Tiere findet deutliche kritische Worte f\u00fcr die Ignoranz der Politik gegen\u00fcber wissenschaftlichen Erkenntnissen, bezeichnet die meisten Politiker als biologische und naturwissenschaftliche &#8222;Analphabeten&#8220;.<\/p>\n<p>Keine besonders gute Voraussetzung, wenn man sich die Dramatik beim Artensterben vor Augen f\u00fchrt, die Glaubrecht mit drastischen Zahlen in seinem Artikel belegt. Und dazu muss man sich auch noch die Auswirkungen auf unsere menschliche Spezies vergegenw\u00e4rtigen, denn die gehen weit dar\u00fcber hinaus, dass man vielleicht irgendwann Tiger und Eisb\u00e4ren nur noch in Zoos sehen kann. Gerade das Artensterben bei den Insekten hat extremen und vielf\u00e4ltigen Einfluss auf das Bestehen von \u00d6kosystemen, von denen wir alle in hohem Ma\u00dfe abh\u00e4ngig sind. Glaubrecht dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Die Arten aber sind es, die durch ihr komplexes Netzwerk die irdischen \u00d6kosysteme aufbauen, von deren unentgeltlicher Dienstleistung wir dann profitieren. Die Natur erbringt Leistungen, die mehr als das 1,5fache des weltweiten Bruttosozialprodukts ausmachen. Zugleich ist die Biodiversit\u00e4t die Lebensversicherung unseres Planeten. Sie sei unsere wertvollste aber am wenigsten gesch\u00e4tzte Ressource, sagte der gerade verstorbene Evolutionsbiologe Edward O. Wilson einmal.<\/p>\n<p>Es geht letztendlich um unser eigenes \u00dcberleben<\/p>\n<p>Im Kern geht es \u2013 \u00e4hnlich wie beim Klima \u2013 nicht um die Erde und das Leben darauf, sondern um uns Menschen und unser \u00dcberleben auf diesem einzigen Planeten, den wir haben und je haben werden. Denn wir h\u00e4ngen mit unserer Ern\u00e4hrung und Gesundheit von den funktionierenden und resilienten \u00d6kosystemen ab; sie produzieren Fleisch, Fisch und Fr\u00fcchte, alles vom Honig bis zum Holz, vom Apfel und Avocado bis zu Kaffee und Kakao. Je mehr biologische Arten wir verlieren, desto mehr \u00f6kologische Maschen gehen verloren, bis das Netz irgendwann rei\u00dft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch Tanja Busse beschrieb bereits im November 2019 in einem <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2019\/november\/die-artenvielfalt-stirbt-und-wir-schauen-zu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in den <em>Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em><\/a> die dramatischen Ausma\u00dfen des Artensterbens und die Ignoranz der Politik, dem entgegenzuwirken:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt einen gro\u00dfen Konsens unter Wissenschaftlern und Natursch\u00fctzern dar\u00fcber, welche Regelungen es br\u00e4uchte, um Biodiversit\u00e4t nicht nur an einzelnen Orten, sondern \u00fcberall zu bewahren. Das gemeinsame Gutachten zum fl\u00e4chenwirksamen Insektenschutz, verfasst vom Sachverst\u00e4ndigenrat f\u00fcr Umweltfragen und vom Wissenschaftlichen Beirat f\u00fcr Biodiversit\u00e4t und genetische Ressourcen sei nur als ein prominentes Beispiel genannt. Der Sachverst\u00e4ndigenrat ber\u00e4t die Bundesregierung, der Beirat das Bundeslandwirtschaftsministerium, beides sind also Gremien mit Gewicht. Die wichtigsten Forderungen der beiden R\u00e4te: Wir m\u00fcssen die Agrarf\u00f6rderung an \u00f6kologischen Belangen ausrichten. Wir m\u00fcssen vielf\u00e4ltige Landschaftsstrukturen f\u00f6rdern. Wir brauchen weniger Pflanzenschutzmittel und N\u00e4hrstoffeintr\u00e4ge. Wir m\u00fcssen die bestehenden Schutzgebiete st\u00e4rken, die k\u00fcnstliche Beleuchtung verringern und den Fl\u00e4chenverbrauch reduzieren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da sollte man doch meinen, dass Artenschutz ganz weit oben auf der politischen Agenda stehen sollte und die entsprechenden Ma\u00dfnahmen schnellstens ergriffen werden. Das ist nur leider nicht ansatzweise der Fall &#8211; und das wider jede wissenschaftlicher Erkenntnis.<\/p>\n<p>Was dann noch hinzukommt: Das Artensterben ist auch eine wesentliche Ursache f\u00fcr das Entstehen von Zoonosen, die dann solche Pandemien wie jetzt Covid-19 ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Auch darauf wurde schon mehrfach hingewiesen, so zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/das-kommt-nicht-von-aussen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Forscher-ueber-Corona-Ursprung\/!5740763\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wissen\/umwelt\/2021-02\/virologie-pandemie-regenwald-abholzung-sandra-junglen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/taz.de\/Zukuenftige-Pandemien-vermeiden\/!5750763\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>, sodass man meinen k\u00f6nnte, dass eine wissenschaftsbasierte und verantwortungsvolle Politik, die ja von der Regierung stets f\u00fcr sich proklamiert wurde im Zuge der Pandemie, alles daransetzt, um das Risiko von zuk\u00fcnftigen Pandemien zu minimieren.<\/p>\n<p>Tja, falsch gemeint, denn nichts geschieht in diese Richtung. Da muss man sich nur mal die EU-Agrarsubventionen anschauen, die zum Gro\u00dfteil an die industrielle Landwirtschaft gehen &#8211; und eben nicht an \u00f6kologisch arbeitende kleinb\u00e4uerliche Betriebe (s. <a href=\"https:\/\/kontrast.at\/eu-agrarsubventionen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Da die Agrarkonzerne ein wesentlicher Treiber f\u00fcrs Artensterben sind, wird diesem also auf diese Weise nicht nur nicht entgegengewirkt, sondern es wird nach wie vor \u00fcber finanzielle Unterst\u00fctzung gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Eine weitere Ursache f\u00fcr das Entstehen von Pandemien wie Covid-19 ist dann auch noch der Klimawandel (der \u00fcbrigens auch das Artensterben beschleunigt &#8211; s. dazu <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2021\/september\/klimawandel-und-artensterben-die-globale-zwillingskrise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), und das ist ja nun ein Thema, bei dem die Politik sich seit Jahren str\u00e4ubt, den wissenschaftlichen Konsens (s. <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/klima\/klima-konsens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) anzuerkennen, dass wir uns n\u00e4mlich mit einem stumpfen Weiter-so als Menschheit unser eigenes Grab schaufeln.<\/p>\n<p>Die Ursache ist bei allem dieselbe: Dank Korruption und Lobbyismus werden wirtschaftliche Interessen von Konzernen und der Finanzindustrie stets h\u00f6her gewertet und entsprechend auch priorisiert umgesetzt. Geld schl\u00e4gt Wissenschaft, und das auch dann, wenn es viele Menschenleben fordert und sogar unsere gesamte Spezies bedroht (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/102286-000-A\/klimawandel-die-macht-der-lobbyisten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Und da glaube ich einfach nicht, dass das nun bei der Corona-Pandemie auf einmal anders sein soll, zumal ja auch wieder vor allem diejenigen von den politischen Ma\u00dfnahmen profitieren, die auch sonst immer Nutznie\u00dfer von der Wissenschaftsfeindlichkeit der Regierenden sind: Verm\u00f6gende und Konzerne. Wie gerade ein Bericht von Oxfam ergeben hat (s. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/oxfam-corona-ungleichheit-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), ist f\u00fcr die Klientel der Milliard\u00e4re die Pandemie so etwas wie ein &#8222;Goldrausch&#8220;, da sie ihre ohnehin schon obsz\u00f6nen Verm\u00f6gen extrem vergr\u00f6\u00dfern konnten.<\/p>\n<p>Lobbyismus ist schon immer skrupellos gewesen, wenn es um die Profite der eigenen Klientel ging, und Menschenleben spielen dabei eine nur sehr untergeordnete Rollen. Daf\u00fcr hab ich vor eineinhalb Jahren schon mal einige Beispiele in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21281\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> gebracht und darin dann auch die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, dass nun in der Corona-Pandemie genauso lobbyiert wird, um die eigenen Profite zu steigern &#8211; selbst wenn dadurch die Pandemie verl\u00e4ngert wird und weitere Menschen nicht nur wegen Covid-19, sondern auch wegen der damit zusammenh\u00e4ngenden Ma\u00dfnahmen sterben und Schaden nehmen, gerade auch im globalen S\u00fcden, wie Kwame Anthony Appiah in einem <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2022\/januar\/die-schattenpandemie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in den <em>Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em><\/a> beschreibt.<\/p>\n<p>Insofern ist das &#8222;Krisenmanagement&#8220; der Bundesregierung nur eine Fortsetzung der Politik, die ohnehin schon seit Jahrzehnten unter dem Banner des Neoliberalismus gemacht wird &#8211; inklusive der Ignoranz gegen\u00fcber wissenschaftlichen Erkenntnissen. Auch wenn nun immer etwas anderes behauptet wird.<\/p>\n<p>Wenn man das Gebaren unserer Regierung in der Pandemie nun unter diesem Aspekt betrachtet, dass es n\u00e4mlich nicht um die zielgerichtete Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern &#8211; wie eigentlich immer &#8211; um Klientelpolitik geht, dann stellt sich das nicht als Pleiten-Pech-und-Pannen-Chose dar, als die es in den Medien oft beschrieben wurde, sondern als sehr stringentes Verhalten.<\/p>\n<p>Was nun allerdings nicht bedeutet, dass man selbst zum Wissenschaftsleugner werden sollte. Es gibt hierbei keine reine Einteilung in Schwarz und Wei\u00df, sondern es ist umso wichtiger, sich vielf\u00e4ltig zu informieren (nat\u00fcrlich aus seri\u00f6sen Quellen), um dann f\u00fcr sich erkennen zu k\u00f6nnen, was tats\u00e4chlich wissenschaftlich fundiert ist und was nicht.<\/p>\n<p>Das kann sich dann teilweise mit dem Regierungshandeln decken, zum Beispiel was den Schutz durch Impfungen angeht, ist aber nicht dessen Richtschnur. Also lasst Euch nicht hinters Licht f\u00fchren, wenn mal wieder davon die Rede ist, dass man von Regierungsseite ja nur auf die Wissenschaft h\u00f6ren w\u00fcrde und daher gar nicht anders handeln k\u00f6nne. Denn das Verhalten unserer Regierung ist schon seit Jahren mindestens genauso wissenschaftsfeindlich wie das von irgendwelchen Querdenker-Schwurblern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Credo, was immer wieder w\u00e4hrend der Corona-Pandemie verlautbart wird, ist ja, dass sich die Politik an den Aussagen der Wissenschaft orientiert in ihrem Handeln. Und auch die prominenten Stellung von Wissenschaftlern wie dem Charit\u00e9-Chefvirologen Christian Drosten oder RKI-Chef Lothar-Wieler in der Berichterstattung deutet darauf hin, dass die Wissenschaft doch ein gewichtiges Wort mitzureden h\u00e4tte bei den politischen Entscheidungen zur Bew\u00e4ltigung der Pandemie. 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