{"id":24630,"date":"2022-01-28T17:49:37","date_gmt":"2022-01-28T16:49:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24630"},"modified":"2022-01-29T12:54:57","modified_gmt":"2022-01-29T11:54:57","slug":"die-wannseekonferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24630","title":{"rendered":"Die Wannseekonferenz"},"content":{"rendered":"<p>Am 20. Januar j\u00e4hrte sich das Datum der Wannseekonferenz, bei der die sogenannte Endl\u00f6sung der Judenfrage beschlossen wurde, zum 80. Mal. Anl\u00e4sslich dessen zeigte das ZDF den Film <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/filme\/die-wannseekonferenz\/die-wannseekonferenz-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Die Wannseekonferenz&#8220;<\/a>, der noch bis zum 17. Januar 2024 in der Mediathek des Sender angeschaut werden kann.<\/p>\n<p>Das Besondere daran: Der Film basiert auf dem einzigen noch existierenden Protokoll dieses Zusammentreffens, das wortw\u00f6rtlich umgesetzt wurde und somit die Grundlage der meisten Dialoge bildet. Einige wenige Szenen sind um die eigentliche Konferenz herumgruppiert, in denen Unterhaltungen von einzelnen Personen stattfinden, die so nicht aus dem Protokoll stammen.<\/p>\n<p>Das klingt erst mal ein bisschen trocken, ist aber genau das Gegenteil. Die b\u00fcrokratisierte und teilweise verschleiernde Sprache, mit der dort 15 Personen die Einzelheiten f\u00fcr die Ermordung von elf Millionen Menschen planen, ist in ihrer N\u00fcchternheit erschreckend. Passend dazu wird auch auf Musik zur Unterlegung der Szenen verzichtet, und die 104 Minuten der Handlung d\u00fcrften auch ziemlich genau der real vergangenen Zeit entsprechen.<\/p>\n<p>So ergibt sich ein Einblick in einer vollkommen amoralische Denkweise der Protagonisten, von denen keiner auch nur mal Zweifel daran \u00e4u\u00dfert, dass so ein genau geplanter millionenfacher Massenmord ja vielleicht eine \u00fcble Sache sein k\u00f6nnte. Ganz im Gegenteil: Einige Male klingt an, dass sich die Teilnehmer ausmalen, sp\u00e4ter vonseiten der Geschichtsschreibung gew\u00fcrdigt zu werden &#8211; was f\u00fcr eine komplette Fehleinsch\u00e4tzung, die allerdings zeigt, in welchem psychopathischen Kollektivwahn sich diese Leute befanden!<\/p>\n<p>Von den Teilnehmern d\u00fcrften den meisten nur Adolf Eichmann und Reinhard Heydrich bekannt sein: Heydrich leitete die Veranstaltung und war auch bestrebt, die sogenannte Endl\u00f6sung unter seine Federf\u00fchrung zu bekommen, Eichmann war der Kopf hinter vielen \u00dcberlegungen und verantwortlich f\u00fcr das Protokoll, das von seiner Sekret\u00e4rin Ingeburg Werlemann angefertigt wurde.<\/p>\n<p>Die restlichen Anwesenden waren entweder solche mit bereits praktischen Morderfahrungen (SS) oder Vertreter von NSDAP, Verwaltung und Ministerien. Untereinander war man sich \u00fcberwiegend bekannt, allerdings werden diese Leute historisch nicht wirklich als Nazigr\u00f6\u00dfen wahrgenommen.<\/p>\n<p>Die trockene und n\u00fcchterne Darstellung der Konferenz hat mich sprachlos zur\u00fcckgelassen, da die so zur Schau gestellte Rationalit\u00e4t einen schauderhaften Kontrast zu dem geplanten Massenmord steht. Diskussionsw\u00fcrdig sind eher Details im Ablauf, also wie man die ganzen Juden aus allen Teilen Europas dorthin transportiert, wo die Vernichtung (die meistens verharmlosend mit dem Begriff &#8222;Behandlung&#8220; bezeichnet wird) stattfinden soll, und wo man damit anfangen wird. Die einzigen Menschen, um deren Befindlichkeit sich Gedanken gemacht werden, sind diejenigen, die dann diese Morde ausf\u00fchren w\u00fcrden. Hier klingt doch das eine oder andere Mal Besorgnis an, dass so etwas schlie\u00dflich zu psychischen Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren k\u00f6nnte, was auch schon bei den Massenerschie\u00dfungen von Juden vor allem in Osteuropa beobachtet wurde.<\/p>\n<p>Mitgef\u00fchl mit den Opfern hingegen klingt nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise durch. Das Ganze ist so eine Darstellung von menschlicher K\u00e4lte, gepaart mit psychopathischer Geradlinigkeit bei der m\u00f6glichst perfekten Umsetzung einer im h\u00f6chsten Ma\u00dfe amoralischen Sache.<\/p>\n<p>Ein Freund von mir, der mich auf Facebook auf den Film aufmerksam machte, bezeichnete die Teilnehmer als Monster. Doch das trifft es m. E. nicht so ganz, wenngleich die empathielose Planung nat\u00fcrlich etwas ausgesprochen Monstr\u00f6ses hat. Allerdings waren das alles Menschen und keine Monster. Monster kann man als eine Bedrohung von au\u00dferhalb wahrnehmen, diese Menschen sind aus der Mitte der Gesellschaft gekommen, viele von ihnen studiert und mit Doktortitel, aus b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen kommend. Menschen, die in ihrer Nachbarschaft als ganz normale Personen wahrgenommen wurden. Und die dann zum Beschluss des monstr\u00f6sesten Verbrechens der Menschengeschichte in der Lage waren.<\/p>\n<p>Interessant ist als Erg\u00e4nzung zum Film auch noch eine <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/dokumentation-sonstige\/die-wannseekonferenz---die-dokumentation-vom-24-januar-2022-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">44-min\u00fctige Dokumentation<\/a>, die einiges an Hintergrundinfos bietet und neben der Holocaust-\u00dcberlebenden Margot Friedl\u00e4nder auch einige Historiker zu Wort kommen l\u00e4sst. Diese ist sogar bis zum 20. Januar 2027 in der ZDF-Mediathek verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>Was ich mir in der Doku noch gew\u00fcnscht h\u00e4tte, w\u00e4re eine Schilderung, was aus den Teilnehmern geworden ist. Na gut, daf\u00fcr gibt es ja Wikipedia, und im dortigen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wannseekonferenz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eintrag zur Wannseekonferenz<\/a> finden sich dann auch alle Teilnehmer, die zudem jeweils auch eigene Eintr\u00e4ge haben.<\/p>\n<p>Eigentlich sollte man ja meinen, dass diejenigen, die den Krieg \u00fcberlebt haben, dann allesamt vor Gericht gestellt und harte Strafen bekommen h\u00e4tten, aber das ist nicht ganz so der Fall. Einige, darunter auch Heydrich, der 1942 bei einem Attentat des tschechischen Widerstands schwer verletzt wurde und einige Tage sp\u00e4ter dann starb, sind noch vor Kriegsende gestorben, teilweise auch durch Suizid, um sich einer m\u00f6glichen Gefangennahme so zu entziehen. Einige wenige wurden tats\u00e4chlich vor Gericht gestellt und sogar hingerichtet (der Prozess von Adolf Eichmann sorgte 1961 f\u00fcr viel Aufsehen), aber f\u00fcr f\u00fcnf der 15 Anwesenden hatte ihre Teilnahme an der Wannseekonferenz und damit an der direkten Planung des Holocausts kaum nennenswerte Konsequenzen.<\/p>\n<p>Ich zitiere mal aus deren Wikipedia-Eintr\u00e4gen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Stuckart\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wilhelm Stuckart<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Vom Entnazifizierungshauptausschuss im Regierungsbezirk Hannover wurde Stuckart 1950 ohne Beschr\u00e4nkungen als \u201eMitl\u00e4ufer\u201c eingestuft. Die Verfahrenskosten von 500 DM wurden ihm auferlegt.[27] Stuckart hatte im Vorfeld versucht, Vorbereitung und Gang des Verfahrens \u00fcber einen fr\u00fcheren Mitarbeiter zu beeinflussen und anscheinend auch Entlastungserkl\u00e4rungen vorformuliert, die er von fr\u00fcheren Mitarbeitern unterzeichnen lie\u00df.[28] Das Verfahren sah er an als \u201eUnrechtsverfahren, wie es im Buche steht\u201c.[29]<\/p>\n<p>Stuckart betrieb \u00fcber den Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), dessen 3. Landesvorsitzender in Niedersachsen er 1951 geworden war,[30] Initiativen, um die Entnazifizierung allgemein zu beenden und u. a. Personen wie ihn selbst, deren Beamtenverh\u00e4ltnisse 1945 erloschen waren, besser zu stellen.[31]<\/p>\n<p>Um ein weiteres Entnazifizierungsverfahren in West-Berlin zu verhindern, das an seinen Hauserwerb 1938 in der Villenkolonie Wannsee ankn\u00fcpfte, veranlasste er u. a. den nieders\u00e4chsischen BHE-Landesvorsitzenden und Landwirtschaftsminister von Kessel zu einem entsprechenden Schreiben an den parteilosen Berliner Innensenator Werner M\u00fcller,[32] das erfolglos blieb. Die Berliner Spruchkammer konnte Akten ber\u00fccksichtigen, die in Hannover nicht in das Verfahren eingegangen waren, und entschied am 4. August 1952, Stuckart f\u00fcr drei Jahre Wahlrecht und W\u00e4hlbarkeit zu entziehen sowie ihn von \u00f6ffentlichen \u00c4mtern und Berufen mit besonderen Zulassungsvoraussetzungen und von Versorgungsleistungen aus \u00f6ffentlichen Mitteln auszuschlie\u00dfen. Als S\u00fchnema\u00dfnahme wurde eine Geldstrafe von 50.000 DM verh\u00e4ngt.[33] Auf Stuckarts Berufung wurde die Sache jedoch zur erneuten Entscheidung zur\u00fcckverwiesen und, nach dessen zwischenzeitlichem Tod, im Mai 1954 eingestellt. Ein gleichzeitiger Er\u00f6ffnungsbeschluss, nunmehr gegen Stuckarts Ehefrau, wurde im Juni 1959 aufgehoben.[34]<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1953 verklagte Stuckart das Land Niedersachsen nach dem Gesetz zur Regelung der Rechtsverh\u00e4ltnisse der unter Artikel 131 des Grundgesetzes fallenden Personenund erreichte im Oktober 1953 die Festsetzung ruhegehaltf\u00e4higer Dienstbez\u00fcge nach Besoldungsgruppe B 5 der Reichsbesoldungsordnung,[35] in die Ministerialdirektoreneingestuft waren.<\/p>\n<p>Nach seiner Freilassung 1949 soll er Stadtk\u00e4mmerer von Helmstedt gewesen sein[36] und wurde 1950 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des \u201eInstituts zur F\u00f6rderung der nieders\u00e4chsischenWirtschaft\u201c[37].<\/p>\n<p>Stuckart war Mitglied der 1952 verbotenen neonazistischen Sozialistischen Reichspartei.[38]<\/p>\n<p>Er kam im November 1953 auf der Fahrt von Hannover zu seinem Wohnsitz in Lemmie bei einem Autounfall ums Leben<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Leibbrandt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Georg Leibbrandt<\/a> (gestorben 1982)<\/p>\n<blockquote><p>Von 1945 bis 1949 war Leibbrandt in Automatischem Arrest.[1] W\u00e4hrend dieser Zeit wurde er im Wilhelmstra\u00dfen-Prozess als Zeuge vernommen. Bez\u00fcglich des Holocaust gab er unter anderem an: \u201eIch habe dem Minister [Rosenberg] bei der ersten m\u00f6glichen Gelegenheit gesagt, dass ich diesen Wahnsinn nicht teile.\u201c[28]<\/p>\n<p>Im Januar 1950 er\u00f6ffnete das Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth wegen des Verdachts des mehrfachen Mordes ein Ermittlungsverfahren gegen Leibbrandt.[29] Die Untersuchung wurde am 10. August 1950 eingestellt.[1] Ein Gerichtsverfahren wurde nicht er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>1955 fungierte Leibbrandt als Berater Konrad Adenauers bei der R\u00fcckf\u00fchrung deutscher Kriegsgefangener aus der Sowjetunion. Sp\u00e4ter leitete er das Bonner B\u00fcro der Salzgitter AG.[30]<\/p>\n<p>Leibbrandts Bruder Gottlieb (1908\u20131989) war ebenfalls fr\u00fch als Nationalsozialist in Wien t\u00e4tig. Er emigrierte 1952 nach Kanada, um nicht verurteilt zu werden.[31]<\/p>\n<p>In der Nachkriegszeit wohnte Leibbrandt in Unterweissach in Baden-W\u00fcrttemberg.[1]<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerhard_Klopfer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gerhard Klopfer<\/a><\/p>\n<blockquote><p>Kurz vor Kriegsende verlie\u00df Klopfer M\u00fcnchen und begab sich zum F\u00fchrersperrgebiet Obersalzberg, um sich dem Stab Kesselrings anzuschlie\u00dfen. Sp\u00e4ter tauchte er bei seiner Familie in Zell am See unter, wohin sie im Fr\u00fchjahr 1945 aus der Siedlung Sonnenwinkel gezogen war.[6] Am 1. M\u00e4rz 1946 wurde er in M\u00fcnchen durch den CIC mit falschen Papieren, lautend auf den Namen Otto Kunz, festgenommen und interniert. Klopfer wurde von Robert Kempner mehrfach verh\u00f6rt und im Wilhelmstra\u00dfen-Prozess als Zeuge befragt. Klopfer behauptete, sich an den genauen Inhalt der Besprechung bei der Wannseekonferenz nicht erinnern zu k\u00f6nnen. Er sei immer davon ausgegangen, dass die Juden nur \u201eumgesiedelt\u201c werden sollten. Er sei 1935 gegen seinen Willen zur Parteikanzlei abkommandiert worden.<\/p>\n<p>Nach der Entlassung aus dem Internierungslager wurde Klopfer im M\u00e4rz 1949 durch eine N\u00fcrnberger Hauptspruchkammer als \u201eminderbelastet\u201c entnazifiziert.[6] Er erhielt eine Geldstrafe und eine dreij\u00e4hrige Bew\u00e4hrungsfrist, w\u00e4hrend der er keine verantwortungsvolle berufliche T\u00e4tigkeit aufnehmen durfte. Ab 1952 war er Helfer in Steuersachen, und ab 1956 als Rechtsanwalt in Ulm t\u00e4tig.<\/p>\n<p>Ein auf Betreiben von Kempner und Franz Neumann eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen Klopfers Teilnahme an der Wannseekonferenz durch die Staatsanwaltschaft Ulm wurde 1962 eingestellt. Neben seiner anwaltlichen T\u00e4tigkeit besch\u00e4ftigte er sich auf einem ihm geh\u00f6renden Bauernhof im Landkreis Schw\u00e4bisch Hall mit dem Anbau und der Lagerung von Dinkel f\u00fcr den seiner Ansicht nach kommenden \u201eKampf gegen den Bolschewismus\u201c.[6] Er lebte bis zu seinem Tod unauff\u00e4llig in Ulm. Nachdem er 1987 als letzter Teilnehmer der Wannseekonferenz gestorben war, erregte seine Todesanzeige mit dem Text \u201enach einem erf\u00fcllten Leben zum Wohle aller, die in seinem Einflu\u00dfbereich waren\u201c\u00f6ffentliche Emp\u00f6rung.[7]<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Otto_Hofmann_(SS-Mitglied)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Otto Hofmann<\/a> (gestorben 1982)<\/p>\n<blockquote><p>Zum Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Hofmann in alliierte Gefangenschaft. Nach l\u00e4ngerer Internierung wurde er als einer der Hauptangeklagten im Prozess gegen das Rasse- und Siedlungshauptamt angeklagt und im M\u00e4rz 1948 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu 25 Jahren Haft verurteilt.<\/p>\n<p>Zu den kriminellen Aktivit\u00e4ten im Rahmen der Germanisierungspolitik, f\u00fcr die ihm die Verantwortlichkeit nachgewiesen wurde, z\u00e4hlen das Entf\u00fchren ausl\u00e4ndischer Kinder, Zwangsabtreibungen an Ostarbeiterinnen, die Wegnahme der Kinder von Ostarbeitern, illegale und ungerechte Bestrafung von Ausl\u00e4ndern f\u00fcr Geschlechtsverkehr mit Deutschen, Behinderung der Fortpflanzung von Angeh\u00f6rigen von Feindstaaten, zwangsweise Evakuierung und Umsiedlung von ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerungsgruppen, zwangsweise Germanisierung von Angeh\u00f6rigen von Feindstaaten, Verwendung von Angeh\u00f6rigen von Feindstaaten zur Sklavenarbeit. Lediglich die Schuld an der Pl\u00fcnderung von privaten und \u00f6ffentlichem Eigentum konnte ihm nicht nachgewiesen werden.[4]<\/p>\n<p>Am 7. April 1954 wurde er begnadigt und aus dem Zuchthaus Landsberg entlassen. Danach war er kaufm\u00e4nnischer Angestellter in W\u00fcrttemberg.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erich_Neumann_(Staatssekret\u00e4r)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erich Neumann <\/a>(gestorben 1951)<\/p>\n<blockquote><p>Nach Kriegsende erfolgte seine Internierung, aus der er Anfang 1948 wegen Krankheit entlassen wurde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Typen lebten also dann nach dem Krieg \u00fcberwiegend als ganz normale B\u00fcrger weiter. Den Hammer finde ich ja Georg Leibbrandt, der es sogar bis zum Berater von Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) gebracht hat &#8211; was zeigt, dass die CDU schon von Anfang an keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit \u00fcbelsten Nationalsozialisten hatte. Und dass die angebliche Entnazifizierung so nie wirklich stattgefunden hat, wenn selbst Leute, die den Holocaust inszeniert und auf den Weg gebracht hatten, dann in der Bundesrepublik relativ unbehelligt weiterleben konnten &#8211; und wie Wilhelm Stuckart ja offensichtlich nicht mal einen Hehl aus ihrer Gesinnung gemacht haben.<\/p>\n<p>Da sollte es kein Wunder sein, dass die Haltung, die in der Wannseekonferenz zur Schau gestellt wurde, auch immer noch weiterlebt, wenn auch nicht mehr ganz so unverbl\u00fcmt und extrem. Der Umgang mit Gefl\u00fcchteten beispielsweise, wo auch kalte B\u00fcrokratie \u00fcber empathische Ethik triumphiert, sodass jedes Jahr Tausende Menschen im Mittelmeer ertrinken oder gerade aktuell an der polnisch-belarusischen Grenze unter \u00fcbelsten Umst\u00e4nden festsitzen, zeigt f\u00fcr mich in jedem Fall auch deutliche Spuren dieser Geisteshaltung.<\/p>\n<p>Und das macht den Film &#8222;Die Wannseekonferenz&#8220; dann nicht nur zu einer hervorragenden historischen Lehrstunde, sondern weist auch eine ziemliche Aktualit\u00e4t zur neoliberalen Gegenwart auf, in der Menschen allzu oft auch weniger z\u00e4hlen als ideologische Prinzipien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 20. Januar j\u00e4hrte sich das Datum der Wannseekonferenz, bei der die sogenannte Endl\u00f6sung der Judenfrage beschlossen wurde, zum 80. Mal. Anl\u00e4sslich dessen zeigte das ZDF den Film &#8222;Die Wannseekonferenz&#8220;, der noch bis zum 17. 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