{"id":24699,"date":"2022-02-09T16:21:23","date_gmt":"2022-02-09T15:21:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24699"},"modified":"2022-02-09T16:21:23","modified_gmt":"2022-02-09T15:21:23","slug":"muell-zurueck-zum-hersteller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24699","title":{"rendered":"M\u00fcll zur\u00fcck zum Hersteller"},"content":{"rendered":"<p>Gestern ging ich durch Rendsburg mit meinem Hund und sah, dass in einem schon l\u00e4nger leer stehenden Ladengesch\u00e4ft demn\u00e4chst ein Unverpacktladen er\u00f6ffnet wird. Super Sache! Danach kam ich in den Stadtpark und sah \u00fcberall Verpackungsm\u00fcll einfach so in der Gegend rumliegen, was dann schon ein ziemlicher Kontrast zur vorherigen Entdeckung war und meine gute Laune ein wenig d\u00e4mpfte. Und dann habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie denn vielleicht diese Unmenge an Verpackungsm\u00fcll reduziert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Das Problem dabei: Die Leute wissen ja eigentlich, dass das kacke ist. Und kaufen dennoch alles M\u00f6gliche ein, was teilweise echt unn\u00f6tig aufwendig verpackt ist. Na ja, und auch, dass man M\u00fcll nicht einfach so in die Umwelt pfeffern, sondern lieber einen M\u00fclleimer daf\u00fcr benutzen sollte, d\u00fcrfte hinl\u00e4nglich bekannt und vermutlich auch von den meisten akzeptiert sein, wenn man sie direkt darauf anspr\u00e4che. Oder kennt Ihr jemanden, der auf die Frage &#8222;Findest du herumliegenden M\u00fcll super?&#8220; mit &#8222;Ja, klar doch!&#8220; antworten w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Der Verbraucher wei\u00df also schon Bescheid &#8211; und \u00e4ndert dennoch nichts an seinem Verhalten. Was nat\u00fcrlich auch daran liegt, dass ihm seit Jahrzehnten (Stichwort neoliberale Indoktrination) immer wieder eingetrichtert wird, dass jeder sich selbst der N\u00e4chste ist, dass alle anderen Konkurrenten sind, dass man nur seinen eigenen Vorteil (in diesem Fall: die eigene Bequemlichkeit) im Auge haben sollten, dass gesellschaftliche Solidarit\u00e4t unwichtig ist. Und dann kommt so was dabei raus, was man auch als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kognitive_Dissonanz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kognitive Dissonanz<\/a> bezeichnet.<\/p>\n<p>Auch die Unternehmen, die solche Verpackungen herstellen, werden von Menschen gef\u00fchrt, und auch diese sollten eigentlich wissen, dass (unn\u00f6tiger) M\u00fcll keine gute Sache ist. Aber klar: Da steht nat\u00fcrlich der Profit im Vordergrund, so ist das nun mal im Kapitalismus, vor allem in dessen neoliberal radikalisierter Form.<\/p>\n<p>Wenn also sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite in Form von Herstellern und Konsumenten wei\u00df, dass etwas nicht gut ist, aber dennoch nichts dagegen unternimmt, dann muss wohl eine andere Instanz her, da der stetig viel (aber auch ungerechtfertigterweise) ger\u00fchmte &#8222;Markt&#8220; das anscheinend nicht auf die Reihe bekommt: die \u00d6ffentlichkeit in Form ihrer Regierungsadministration.<\/p>\n<p>Und so kam ich dann gestern auf folgenden Gedanken: Wie w\u00e4re es denn, wenn in der Gegend herumliegende Verpackungen nach dem Einsammeln durch die Stadtreinigung (oder wer auch immer an verschiedenen Orten daf\u00fcr zust\u00e4ndig ist) dann nicht entsorgt, sondern an die Hersteller retourniert w\u00fcrden? Was diese dann nat\u00fcrlich schon ordentlich Geld kosten sollte. Und zwar so viel, dass es wehtut &#8211; zumindest ein bisschen.<\/p>\n<p>In dem Moment w\u00fcrde man n\u00e4mlich an dem einzigen Hebel, der in unserem derzeitigen Wirtschaftssystem tats\u00e4chliche \u00c4nderungen bewirken kann, ansetzen: dem monet\u00e4ren.<\/p>\n<p>Erw\u00fcnschter Nebeneffekt: Herumliegender M\u00fcll w\u00fcrde nicht nur mit den sich unsozial verhaltenden Konsumenten in Verbindung gebracht werden, sondern auch mit den Herstellern, die den Kram \u00fcberhaupt erst produzieren. Und das w\u00e4re f\u00fcrs Image nicht eben gut &#8211; was wiederum auch wieder Einfluss auf die Ums\u00e4tze\/Profite haben kann und somit ebenfalls wirksam ist.<\/p>\n<p>Wenn nun also Firmen einen Negativsaldo in ihren Bilanzen bemerken w\u00fcrden, der vorher nicht da war &#8211; n\u00e4mlich das Geld, was f\u00fcr den retournierten Verpackungsm\u00fcll aufgewendet werden muss -, dann k\u00f6nnte ich mir vorstellen, dass das vielleicht zu einem Umdenken in vielen F\u00fchrungsetagen f\u00fchren k\u00f6nnte. So in die Richtung: Lasst uns mal den M\u00fcll minimieren, indem wir auf Pfandverpackungen umstellen.<\/p>\n<p>Was dann wiederum schon sehr w\u00fcnschenswert w\u00e4re, finde ich, denn Pfand ist eben doch ein sehr wirksames Mittel gegen M\u00fcll: Entweder der Konsument bringt es selbst wieder zur\u00fcck, um sein Pfandgeld zur\u00fcckzuerhalten, oder aber jemand anders sammelt die gefundene Pfandverpackung auf, um diese dann abzugeben.<\/p>\n<p>Ist ja schon auff\u00e4llig, dass Pfandflaschen beispielsweise sehr selten lange irgendwo als M\u00fcll rumliegen, oder?<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnte dann die Wirtschaft endlich einmal richtig ihr viel ger\u00fchmtes Innovationspotenzial unter Beweis stellen, indem ein gut funktionierendes, umfassendes Pfandsystem f\u00fcr nahezu alle Produkte entwickelt wird. Denn Verpackungen, die man nach dem kostenpflichtigen Erwerb nicht wieder unproblematisch retournieren kann, sind eben auch nicht so der Bringer und d\u00fcrften dann zu Umsatzeinbu\u00dfen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Kombiniert werden k\u00f6nnte das Ganze dann noch mit vermehrten Unverpacktl\u00f6sungen &#8211; auch da w\u00e4ren der Innovationsfreude keine Grenzen gesetzt.<\/p>\n<p>Und was noch hinzukommt: Die \u00f6ffentliche Hand d\u00fcrfte das relativ wenig kosten, wenn es nicht sogar Geld einbringt durch den aufgesammelten und dann retournierten Verpackungsm\u00fcll.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde also der Umweltverschmutzung entgegengewirkt werden, genauso wie die dann wegfallende Ressourcenverschwendung f\u00fcr die immer wieder erneute Herstellung von Einwegverpackungen sich positiv auf den Klimaschutz auswirken w\u00fcrde. Und gegen ein weniger verm\u00fclltes Landschaftsbild d\u00fcrften wohl auch die wenigsten etwas haben, sch\u00e4tze ich.<\/p>\n<p>Klingt irgendwie so, als w\u00e4re das f\u00fcr alle Beteiligten eine gute Sache, oder? Nun gut, die Firmen, die bisher ihr Zeug in Einwegverpackungen verkaufen, d\u00fcrften erst mal nicht so begeistert sein, aber letztendlich kommt es denen dann ja auch zugute &#8211; sp\u00e4testens wenn sie sich selbst als B\u00fcrger und nicht nur als Unternehmenslenker oder -mitarbeiter wahrnehmen.<\/p>\n<p>Oder \u00fcbersehe ich da gerade etwas Entscheidendes? So ad hoc f\u00e4llt mir zumindest nichts ein &#8230;<\/p>\n<p>Das w\u00e4re doch mal Politik f\u00fcr die B\u00fcrger, f\u00fcr die Umwelt und f\u00fcrs Klima. Und zumindest ein kleiner Schritt dahin, den \u00f6kologischen Kollaps vielleicht doch noch ein bisschen abzuwenden.<\/p>\n<p>Man wird ja wohl noch tr\u00e4umen d\u00fcrfen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern ging ich durch Rendsburg mit meinem Hund und sah, dass in einem schon l\u00e4nger leer stehenden Ladengesch\u00e4ft demn\u00e4chst ein Unverpacktladen er\u00f6ffnet wird. Super Sache! Danach kam ich in den Stadtpark und sah \u00fcberall Verpackungsm\u00fcll einfach so in der Gegend rumliegen, was dann schon ein ziemlicher Kontrast zur vorherigen Entdeckung war und meine gute Laune ein wenig d\u00e4mpfte. 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