{"id":24947,"date":"2022-03-24T15:48:53","date_gmt":"2022-03-24T14:48:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24947"},"modified":"2022-03-24T15:51:14","modified_gmt":"2022-03-24T14:51:14","slug":"jetzt-nimmt-uns-putin-auch-noch-das-fleisch-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=24947","title":{"rendered":"Jetzt nimmt uns Putin auch noch das Fleisch weg!"},"content":{"rendered":"<p>Gerade las ich einen <a href=\"https:\/\/utopia.de\/news\/cem-oezdemir-weniger-fleisch-zu-essen-waere-ein-beitrag-gegen-putin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von <em>Utopia<\/em><\/a> mit der \u00dcberschrift: Cem \u00d6zdemir: \u201eWeniger Fleisch zu essen, w\u00e4re ein Beitrag gegen Putin\u201c. Aha, das fand ich nun interessant, wie das zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte. Doch statt \u00fcber Ern\u00e4hrung lernte ich dann unfreiwillig etwas \u00fcber Kriegs-PR, die ja gerade \u00fcberall im \u00dcberma\u00df betrieben wird.<\/p>\n<p>In dem Artikel wurde vor allem wiedergeben, was der Bundeslandwirtschaftsminister von den Gr\u00fcnen in einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/weniger-fleisch-zu-essen-waere-ein-beitrag-gegen-putin-a-c587d907-deed-45f6-b302-9cdfc113fd82\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview mit dem <em>Spiegel<\/em><\/a>, was \u00fcbrigens den gleichen Titel hat, sagte. Da man das Interview allerdings nur mit einem <em>Spiegel<\/em>-Abo lesen kann, beziehe ich mich hier auf die Aussagen im <em>Utopia<\/em>-Artikel.<\/p>\n<p>Und die sind auch gar nicht mal so schlecht, wie ich finde, denn da geht es beispielsweise darum, dass sehr viel Getreide f\u00fcr die Tiermast verwendet wird, was deutlich effektiver genutzt werden k\u00f6nnte, wenn es direkt der menschlichen Ern\u00e4hrung zugef\u00fchrt w\u00fcrde. So m\u00fcsse der Preis f\u00fcr Fleisch endlich auch dessen Kosten widerspiegeln und daher h\u00f6her liegen als jetzt, da die \u00f6kologischen Kosten sonst eben die Allgemeinheit zahlen m\u00fcsste. \u00a0Zitat von \u00d6zdemir dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Wir alle bezahlen dann indirekt diese Kosten, wenn das Wasser belastet ist, Insekten sterben und der Regenwald abgeholzt wird.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann f\u00fchrt er auch noch an, dass mehr Tierschutz sowie mehr kleinteilige und nachhaltige Landwirtschaft gef\u00f6rdert werden m\u00fcsste, was ich so auch alles sehr sinnvoll finde. Auch die Aussage, dass weniger Lebensmittel weggeschmissen werden sollten, entspricht meiner Ansicht, wobei da nicht nur der Endverbraucher, sondern auch der Gesetzgeber gefragt ist &#8211; Stichwort Wegwerfen von abgelaufenen Lebensmitteln im Einzelhandel, beispielsweise.<\/p>\n<p>Dann wird eine Br\u00fccke geschlagen zur Ukraine, die ja viel Weizen exportiert. Und zwar in etwa so viel, wie in Deutschland an Tiere verf\u00fcttert wird (wobei dieses Getreide dann nicht unbedingt aus der Ukraine kommt). Was schon reichlich schr\u00e4g ist und von \u00d6zdemir auch entsprechend kritisiert wird:<\/p>\n<blockquote><p>Grunds\u00e4tzlich ist ein System nicht nachhaltig, in dem 60 Prozent des Getreides in den Futtertr\u00f6gen landen, wie in Deutschland.<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00fcrde also weniger Fleisch gegessen, k\u00f6nnte mehr Getreide in die Regionen der Welt geschickt werden, in denen Hunger herrscht. Auch nachvollziehbar, wie ich finde. \u00d6zdemir dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Als westliche Nationen haben wir zuallererst die Pflicht, die Agrarm\u00e4rkte offenzuhalten und die weltweite Versorgung mit Getreide zu gew\u00e4hrleisten. Sonst spielen wir Putin in die H\u00e4nde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum das nun Putin in die H\u00e4nde spielen soll, wird leider nicht weiter erkl\u00e4rt, aber immerhin wurde nun schon mal Putin erw\u00e4hnt. Das passt zurzeit ja irgendwie immer, hab ich zumindest den Eindruck.<\/p>\n<p>Nun ja, in einer Zwischen\u00fcberschrift kurz davor hie\u00df es ja auch schon: Fleischkonsum einschr\u00e4nken \u2013\u00a0 gegen weltweiten Hunger und \u201egegen Putin\u201c. Allerdings folgt dann keine Erkl\u00e4rung, warum eine bessere Ern\u00e4hrungssituation von Menschen in L\u00e4ndern vor allem des globalen S\u00fcdens denn nun etwas ist, was Putin schaden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Dann folgen in dem <em>Utopia<\/em>-Artikel noch drei Ma\u00dfnahmen, die Wissenschaftler vorschlagen, und da findet sich dann unter Punkt 2 tats\u00e4chlich mal was, was einen direkten Bezug zu Russland herstellt:<\/p>\n<ol>\n<li>Umstellung auf eine <strong>ges\u00fcndere Ern\u00e4hrung mit weniger tierischen Erzeugnissen<\/strong>. Das gilt vor allem f\u00fcr Europa und andere L\u00e4nder mit durchschnittlich hohem Einkommen.<\/li>\n<li><strong>Mehr H\u00fclsenfr\u00fcchte produzieren und die\u00a0EU-Agrarpolitik weiter \u00f6kologisieren<\/strong>. Nebeneffekt: Dadurch w\u00e4ren wir auch weniger abh\u00e4ngig von Stickstoffd\u00fcnger und Erdgas aus Russland.<\/li>\n<li><strong>Weniger Lebensmittelverschwendung<\/strong>, um zum Beispiel Weizen mehr Menschen als Lebensmittel verf\u00fcgbar zu machen. (Aktuell entspricht die Menge an vergeudetem Weizen allein in der EU etwa der H\u00e4lfte der Weizenexporte der Ukraine.)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Das mit dem D\u00fcnger ist nachvollziehbar, beim Erdgas gibt es dann doch andere Bereiche als die Landwirtschaft, die da wesentlich mehr verbrauchen. Zumindest ist die Landwirtschaft in einem <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/daten\/energie\/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren#allgemeine-entwicklung-und-einflussfaktoren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel zum Energieverbrauch des Umweltbundesamtes<\/a> noch nicht mal als eigener Sektor aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bleibt noch das Fazit von Utopia:<\/p>\n<blockquote><p>Dass die Menge an Getreide, die in Deutschland an Tiere verf\u00fcttert wird, der Exportmenge eines Landes wie der Ukraine entspricht, ist bizarr \u2013 und die Tatsache zeigt ein dringendes Problem auf. Die Fleischwirtschaft hat viele ernsthafte Nachteile: Massentierhaltung, wie sie in Deutschland betrieben wird, qu\u00e4lt Tiere und tr\u00e4gt zum Klimawandel bei. Doch sie verschlingt auch Unmengen an Ressourcen, denn Rinder, Schweine und Co. m\u00fcssen teils \u00fcber Jahre unter anderem mit Nahrung versorgt werden, ehe sie geschlachtet werden. Diese Ressourcen fehlen an anderer Stelle \u2013\u00a0leider in diesem Fall auf den Tellern von Menschen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch das finde ich insgesamt richtig und nachvollziehbar &#8211; aber was hat da nun mit der \u00dcberschrift zu tun, so von wegen &#8222;gegen Putin&#8220;?<\/p>\n<p>Irgendwie recht wenig, oder?<\/p>\n<p>Und dann frage ich mich doch, wie man nun vonseiten des <em>Spiegels<\/em>, aber auch von <em>Utopia<\/em> darauf kommt, gerade so eine \u00dcberschrift zu verwenden. Dabei sollte man immer ber\u00fccksichtigen, dass viele Menschen nur \u00dcberschriften lesen, dass also etwas, was in einer \u00dcberschrift betont wird, viel st\u00e4rker h\u00e4ngen bleibt als das, was dann im darauf folgenden Text erl\u00e4utert wird. Das ist nicht erst seit Social Media so, sondern schon seit Langem journalistisches Grundwissen.<\/p>\n<p>So komme ich dann zu dem Schluss, dass hier vor allem die Intention zu bestehen scheint, etwas mit Putin und dem Ukraine-Krieg zu verkn\u00fcpfen, was nun nicht in erster Linie damit zusammenh\u00e4ngt, sondern in einem anderen Kontext deutlich gr\u00f6\u00dfere Relevanz hat.<\/p>\n<p>Das nennt man dann Stimmungsmache. Zumal wenn man wei\u00df, dass Fleisch quasi einer der vier S\u00e4ulenheiligen der Deutschen ist (gerade \u00d6zdemir sollte als Gr\u00fcnen-Politiker noch den Aufruhr wegen des Vorschlags eines Veggie-Days vor einigen Jahren in Erinnerung haben) &#8211; neben Auto, Fu\u00dfball und Bier. Na ja, und dass angeblich Putin schuld ist an den hohen Benzinpreisen und somit den Autofahrern den Spa\u00df verdirbt, wurde ja auch immer wieder so kommuniziert &#8211; auch wenn es in erster Linie die Mineral\u00f6lkonzerne sind, die mit dem teuren Sprit einen enormen Reibach machen, wie ein <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/hintergrund\/spritpreis-kartell\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von <em>Der Volksverpetzer<\/em><\/a> belegt.<\/p>\n<p>Autofahren wird teuer, wir sollen weniger Fleisch essen &#8211; fehlt nur noch, dass wegen Putin das Bier rationiert werden muss und die Bundesliga pausiert! Sp\u00e4testens dann d\u00fcrften sich deutsche Mobs mit Fackeln und Mistforken bewaffnet auf den Weg Richtung Osten machen &#8230;<\/p>\n<p>O. k., Spa\u00df beiseite, denn neben dieser propagandistischen Auswirkung auf die ohnehin schon reichlich aufgeheizte Stimmung hat die Wahl einer solchen \u00dcberschrift auch noch einen anderen unsch\u00f6nen Nebeneffekt. Auf diese Weise wird n\u00e4mlich f\u00fcr eine wichtige Sache, n\u00e4mlich die Reduzierung des Fleischkonsums, nicht eben nachhaltige \u00dcberzeugungsarbeit geleistet.<\/p>\n<p>Man stelle sich nur mal vor, dass nun tats\u00e4chlich einige Menschen sagen: &#8222;Das \u00fcberzeugt mich jetzt aber, ich esse nun weniger Fleisch!&#8220; Das w\u00e4re eine gute Sache. Wenn diese Notwendigkeit allerdings mit dem Krieg in der Ukraine verkn\u00fcpft wird, was passiert dann wohl, wenn dieser Krieg (hoffentlich bald) vorbei ist? Eben, dann kann sich ja guten Gewissens wieder bergeweise Schnitzel, Wurst, Mettigel und Co. reingepfiffen werden. Putin hat man&#8217;s dann ja schlie\u00dflich so richtig gezeigt mit dem eigenen Verzicht &#8211; darauf erst mal eine Bratwurst!<\/p>\n<p>So werden m. E. richtige Aussagen entwertet, weil sie eben in einen nicht wirklich sachlich stimmigen Kontext gestellt werden. Und dann frage ich mich, wie ernst es denn solchen Politikern und Journalisten mit der Verbreitung der Message, dass weniger Fleischkonsum eine gute und wichtige Sache ist, tats\u00e4chlich sein mag &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade las ich einen Artikel von Utopia mit der \u00dcberschrift: Cem \u00d6zdemir: \u201eWeniger Fleisch zu essen, w\u00e4re ein Beitrag gegen Putin\u201c. Aha, das fand ich nun interessant, wie das zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte. 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