{"id":2500,"date":"2015-02-14T10:17:01","date_gmt":"2015-02-14T09:17:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2500"},"modified":"2015-02-14T11:16:20","modified_gmt":"2015-02-14T10:16:20","slug":"kriegshetzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2500","title":{"rendered":"Kriegshetzer"},"content":{"rendered":"<p>Sich in sozialen Medien zu bewegen konfrontiert einen zuweilen aufgrund deren Netzwerkstruktur mit Menschen, mit denen man sonst nichts zu tun h\u00e4tte, und gew\u00e4hrt einen Einblick in deren Innenleben. Zuweilen ergeben sich so recht nette Kontakte oder interessante Anregungen, es passiert allerdings auch immer wieder, dass man in Abgr\u00fcnde blickt, die man lieber nicht gesehen h\u00e4tte. So stolpere ich in letzter Zeit immer wieder \u00fcber &#8222;Freunde von Freunden&#8220;, die sich vollkommen ungeniert\u00a0an\u00a0Krieg und T\u00f6tung anderer erfreuen und diese Haltung auch munter durch eigene Hetzbeitr\u00e4ge befeuern.<\/p>\n<p>&#8222;Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg,\u00a0bis ich herausfand, da\u00df es welche gibt, die nicht hingehen m\u00fcssen.&#8220; Dies stellte der Schriftsteller Erich Maria Remarque schon vor langer Zeit fest, und diese Aussage hat heute nach wie vor G\u00fcltigkeit. Und wenn Remarque damit vermutlich eher die Staatenlenker meinte, die Soldaten aufeinanderhetzen und selbst sch\u00f6n sicher in heimischen Bunkern, weit weg von der Front sitzen, so trifft dies mittlerweile auch auf ganz normale B\u00fcrger zu, die in der (vermeintlichen) Sicherheit ihrer eigenen Stube sitzen und sich daran erg\u00f6tzen, dass in anderen Teilen der Welt Menschen derart aufgehetzt werden, dass sie sich gegenseitig massakrieren.<\/p>\n<p>Diesem Denken liegt m. E. ein gef\u00e4hrliches Weltbild zugrunde. Wenn man den Hauptunterschied zwischen rechter und linker Gesinnung darin sieht, dass auf rechter Seite Menschen streng hierarchisiert betrachtet werden, w\u00e4hrend auf linker Seite Menschen eher als grunds\u00e4tzlich gleich aufgefasst werden, dann befinden sich diese eben beschriebenen Kriegsfreunde schon mal ziemlich auf der rechten Seite. Dabei k\u00f6nnen sie den Nationalsozialismus durchaus vehement ablehnen,\u00a0denn diese Einteilung ist losgel\u00f6st von politischen Ideologien zu sehen und daher eher universeller Natur. Menschen werden in gro\u00dfe (oft ausgesprochen heterogene) Gruppen eingeteilt, die zumeist aufgrund von recht feststehenden und vom Einzelnen nur schwer bis gar nicht zu beeinflussenden Kriterien definiert werden: Nationalit\u00e4t, Hautfarbe, Religion, Ethnie, geschlechtliche Orientierung, Geschlecht, Stammeszugeh\u00f6rigkeit usw. Dabei ist nat\u00fcrlich immer die Gruppe, zu der man sich selbst z\u00e4hlt, ganz oben in der Hierarchie angesiedelt, und je weiter\u00a0unten in dieser Hierarchie sich eine Gruppe befindet, desto gr\u00f6\u00dfer ist auch die eigene Berechtigung, die dieser Gruppe angeh\u00f6rigen Menschen mit Vernichtungsfantasien zu bedenken. In perverser und bisher geschichtlich einmaliger Konsequenz fand sich dieses Denken im Holocaust, doch leider sind die Prinzipien, die hinter dieser bestialischen Vernichtung von Menschen standen, nach wie vor f\u00fcr viele Menschen g\u00fcltig. Es hei\u00dft nat\u00fcrlich nach wie vor viel zu oft\u00a0&#8222;die Juden&#8220;, aber eben mit genau der gleichen Intention &#8222;die Moslems&#8220;, &#8222;die Schwulen&#8220;, &#8222;die Zigeuner&#8220;, &#8222;die Russen&#8220;, &#8222;die Tutsis&#8220; usw., die man dann zwar nicht unbedingt in Vernichtungslager sperren m\u00f6chte (wobei sich auch solche Gedanken durchaus finden), aber zumindest niedergebombt, erschossen oder anderweitig massakriert sehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die Grundlage dieser Vernichtungsfantasien ist hier immer das oben benannte\u00a0grobe Gruppenraster, es wird nie gefragt, welches Verhalten des Einzelnen nun so eine Forderung nach dessen Ausl\u00f6schung legitimieren w\u00fcrde. Hiermit befinden sich solche Menschen recht schnell, auch wenn sie f\u00fcr sich durchaus eine antifaschistische Haltung proklamieren m\u00f6gen, im Bereich des faschistischen und totalit\u00e4ren Denkens, und genau solche simpel gestrickten Eiferer sind es im Endeffekt, auf denen jedes als Faschismus und Totalitarismus zu bezeichnende\u00a0menschenverachtende Systeme aufbaut. Sobald sich eine Ideologie findet (und das unabh\u00e4ngig von deren Inhalt oder politischen Orientierung), die mit ihren eigenen Vorstellungen \u00fcbereinstimmt, sind sie augenblicklich bereit, eine Klassifizierung von Menschen vorzunehmen und dann\u00a0denen, die sich in dieser Hierarchie am unteren Ende stehen, das Existenzrecht abzusprechen. Die recht einfache Haltung, einen Menschen nach seinen Handlungen und Aussagen zu beurteilen und nicht nach irgendwelchen Faktoren, die dieser nicht so wirklich beeinflussen kann, ist diesen Gestalten fremd &#8211; und das ist auch notwendig, da man sonst eben halt ganzen Nationen, Volksst\u00e4mmen, Religionen usw. nicht einfach das Existenzrecht absprechen kann. Nette Menschen und Arschl\u00f6cher gibt es schlie\u00dflich \u00fcberall, sodass eine differenzierte Betrachtung von Individuen dem Ausleben (wenn auch oft nur auf verbaler Ebene) der eigenen Hassfantasien schon sehr entgegenst\u00fcnde.<\/p>\n<p>Da eine derart menschenverachtende simplifizierte Haltung sowohl von Politik (bitte nur mal an Gauck denken) als auch Medien (das Sch\u00fcren von Angst vor &#8222;dem Islam&#8220;, &#8222;den Russen&#8220;, &#8222;den rum\u00e4nischen und bulgarischen Zuwanderern&#8220; [gemeint sind hier, wenn auch nicht direkt ausgesprochen, nat\u00fcrlich vor allem die Sinti und Roma] usw.] in den letzten Jahren zunehmend befeuert werden, steht zu bef\u00fcrchten, dass auf diese Weise eine stetig gr\u00f6\u00dfere Gruppe von vernichtungswilligen Schergen herangez\u00fcchtet wird, die dabei behilflich sind, jede Form der Menschenverachtung aufrechtzuerhalten und zu legitimieren. Wichtig ist es daher, diese Typen auch als das zu benennen, was sie sind, und sie so aus der vermeintlichen Harmlosigkeit ihrer eigenen B\u00fcrgerlichkeit herauszuholen. Denn noch d\u00fcrfte es so sein, dass es zumindest einen recht breiten gesellschaftlichen Konsens dar\u00fcber gibt, dass das (zumal vollkommen gobschl\u00e4chtig-undifferenzierte) T\u00f6ten von Menschen nicht in Ordnung ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sich in sozialen Medien zu bewegen konfrontiert einen zuweilen aufgrund deren Netzwerkstruktur mit Menschen, mit denen man sonst nichts zu tun h\u00e4tte, und gew\u00e4hrt einen Einblick in deren Innenleben. Zuweilen ergeben sich so recht nette Kontakte oder interessante Anregungen, es passiert allerdings auch immer wieder, dass man in Abgr\u00fcnde blickt, die man lieber nicht gesehen h\u00e4tte. 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