{"id":26523,"date":"2023-01-19T11:26:31","date_gmt":"2023-01-19T10:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26523"},"modified":"2023-01-19T11:26:31","modified_gmt":"2023-01-19T10:26:31","slug":"luetzerath","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26523","title":{"rendered":"L\u00fctzerath"},"content":{"rendered":"<p>Das kleine Dorf L\u00fctzerath in Nordrhein-Westfalen sorgte in den letzten Tage f\u00fcr gro\u00dfe Schlagzeilen, da es n\u00e4mlich f\u00fcr den Braunkohletagebau von RWE weggebaggert werden soll. Dagegen regt sich Widerstand &#8211; und zwar nicht nur vor Ort. Um den Klimaaktivisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, fangen die neoliberalen Politiker und die ihnen zugeneigten Medien nun an, m\u00e4chtig Stimmung zu machen. Und das auf eine \u00fcberwiegend unterirdische und abartig populistische Art und Weise.<\/p>\n<p>Und das ist aus deren Sicht wohl auch zwingend notwendig, denn wenn man einer Umfrage des ZDF glauben darf, deren Ergebnis <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/campact\/posts\/pfbid0hdWd3UwhqKmEFycmt5NzyhQ9Xjs2apx7s25aei8Kq59gGt22yRrcZh9nLZQsK6uZl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Campact<\/em> auf seiner Facebook-Wall<\/a> pr\u00e4sentiert, dann ist eine Mehrheit der Deutschen auf Seiten der Klimaaktivisten und spricht sich ebenfalls dagegen aus, dass in noch gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe Braunkohle abgebaut werden soll:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-26536\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/323386623_479230357520738_7800706409850347196_n-240x300.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"625\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/323386623_479230357520738_7800706409850347196_n-240x300.jpg 240w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/323386623_479230357520738_7800706409850347196_n-819x1024.jpg 819w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/323386623_479230357520738_7800706409850347196_n-768x960.jpg 768w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/323386623_479230357520738_7800706409850347196_n.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Besonders die Gr\u00fcnen stehen dabei sehr in der Kritik. Zwar hat die Partei nicht die seit viele Jahren auf Bundesebene verbockte Energiewende zu verantworten, aber immerhin ist es die Wirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen Mona Neubaur, die nun den &#8222;Kompromiss&#8220; mit RWE ausgehandelt hat, und die ist nun mal bei den Gr\u00fcnen. Genauso wie der Einsatzleiter \u00a0der Polizei, die in L\u00fctzerath teils sehr brutal gegen Aktivisten vorgegangen ist (s. <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/einsatz-luetzerath-polizei-brutal-verletzte-sanitaeter-protest-klima-nrw-92034879.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Ach ja, und der k\u00fcnftige (an 1. M\u00e4rz 2023) Cheflobbyist von RWE ist ein langj\u00e4hriger Mitarbeiter von Bundesau\u00dfenministerin Annalena Baerbock \u00a0(auch Gr\u00fcne) (s. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/baerbock-mitarbeiter-rwe-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Wenn man sich diese Personalien so anschaut und ber\u00fccksichtigt, dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Gr\u00fcne) ebenfalls wohl in den Vorgang bzw. die Verhandlungen involviert war, dann scheint es auch nicht so ganz absurd zu sein, bei dieser Gr\u00fcnen-H\u00e4ufung dann doch auch die Partei daf\u00fcr in die Verantwortung zu nehmen, oder?<\/p>\n<p>Zumal ja den Gr\u00fcnen nach wie vor das Image anhaftet, eine Partei zu sein, die etwas f\u00fcr Umwelt- und Klimaschutz machen m\u00f6chte. Auch wenn sie das meisten in Regierungsverantwortung dann doch nicht tun, aber so ein Image will ja schlie\u00dflich gepflegt werden &#8211; und das br\u00f6ckelt nun eben gewaltig, da viele der Klimaaktivisten von den Gr\u00fcnen eben anderes erwartet haben, als hier nun so offensichtlich den Dienstleister f\u00fcr RWE zu geben.<\/p>\n<p>Denn um nichts anderes handelt es sich dabei. Dass der Kohleausstieg von RWE als &#8222;Gegenleistung&#8220; f\u00fcr das Abbagern von L\u00fctzerath nun von 2038 auf 2030 vorgezogen wurde, wird zwar von gr\u00fcnen Politikern als Erfolg gefeiert, allerdings meinen Kritiker zu Recht, dass wohl ab 2030 der Kohleabbau ohnehin nicht mehr rentabel w\u00e4re, da auf EU-Ebene die CO2-Preise dann deutlich angestiegen sein werden (s. <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Energiewende-Klimaforscher-sieht-Braunkohle-schon-vor-2030-unrentabel-7453616.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Auf mich wirkt das Ganze daher so, als w\u00fcrde RWE nun schnell noch mal versuchen, in der verbleibenden Zeit deswegen richtig viel Kohle zu verfeuern &#8211; und vielleicht ist ja aufgrund dieses nun geschlossenen &#8222;Kompromisses&#8220; dann sogar eine kleine Entsch\u00e4digungszahlung drin? Zuzutrauen w\u00e4re es RWE allemal, genauso wie den verhandelnden Politikern, die ja nun gezeigt haben, dass sie dem Energiekonzern nur allzu gern zu Diensten sind.<\/p>\n<p>Denn das RWE nicht wirklich \u00fcber den Weg getraut werden kann, beschreibt auch Christian St\u00f6cker in seiner <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/luetzerath-warum-rwe-nicht-zu-trauen-ist-kolumne-a-5e8e3254-1665-4bc3-8d84-d402901d89ee\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kolumne auf <em>Spiegel Online<\/em><\/a>. Die ganze Branche der Unternehmen, die mit fossilen Brennstoffen ihr Geld machen, ist n\u00e4mlich mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht zu begegnen, da schon oft genug gelogen wurde oder Studien mit unliebsamen Ergebnissen in Schubladen gelandet sind, anstatt der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert zu werden. Und RWE ist ja nun einer der sogenannte Big Player in diesem Bereich.<\/p>\n<p>Und auch im aktuellen Fall L\u00fctzerath st\u00fctzen die meisten Studien die Standpunkte der Klimaaktivisten (s. beispielsweise <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/landespolitik\/studie-kohle-unter-luetzerath-unnoetig-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/luetzerath-rwe-kohle-tagebau-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), die von RWE zur Untermauerung des eigenen Vorhabens vorgebrachten Studien, dass n\u00e4mlich L\u00fctzrath weggebaggert werden m\u00fcsse, hingegen scheinen offensichtlich einige M\u00e4ngel aufzuweisen. Zudem wurde aufgezeigt, dass die Zerst\u00f6rung von L\u00fctzerath nicht unbedingt notwendig f\u00fcr die Energieversorgung sei, RWE dadurch jedoch betriebswirtschaftliche Vorteile h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Und hie\u00df es nicht eigentlich w\u00e4hrend der Corona-Pandemie st\u00e4ndig, dass man eben auf die Wissenschaft h\u00f6ren m\u00fcsse?<\/p>\n<p>Tja, das scheint nun allerdings immer nur dann zu gelten, wenn die Wissenschaft genau das sagt, was der Politik gerade so in den Kram passt.<\/p>\n<p>Und das sieht man dann auch recht deutlich bei den Versuchen, die Klimaaktivisten nun in der \u00d6ffentlichkeit zu delegitimieren, wenn nicht gar zu diffamieren &#8211; wobei dann etliche Medien auch sehr hilfreich zur Seite stehen.<\/p>\n<p>So geschehe beispielsweise in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ouPki6dPxLQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">phoenix runde<\/a> zum Thema &#8211; mit besonderem Fokus darauf, inwiefern das nun ein Dilemma f\u00fcr die Gr\u00fcnen ist. Das f\u00e4ngt schon mit der Besetzung an, die zwar auf den ersten Blick recht passend ausschaut &#8211; ein Klimaaktivist, ein Politiker der Gr\u00fcnen, ein Parteienforscher und eine Journalistin, sich auf den zweiten Blick dann jedoch schnell als typisch wenig ausgeglichene Runde erweist. David Dresen von der Initiative &#8222;Alle D\u00f6rfer bleiben&#8220; durfte sich n\u00e4mlich mit Ralf F\u00fccks, normalerweise f\u00fcr Bellizismus und Huldigung des Neoliberalismus zust\u00e4ndig, vom \u00e4u\u00dfersten rechten Rand der Gr\u00fcnen und Julia L\u00f6hr, Wirtschaftsredakteurin (warum nicht jemand aus einem Ressort, was mehr mit Klima zu tun hat?) von der konservativen <em>FAZ<\/em>, auseinandersetzen, wobei ihm dann Prof. Lothar Probst auch keine gro\u00dfe Hilfe war, in dessen Elfenbeinturm der Ernst der Lage in Bezug auf die Klimakatastrophe noch nicht angekommen zu sein scheint.<\/p>\n<p>Doch Dresen machte seine Sache schon extrem gut: Er argumentierte ruhig und sachlich, verwies auf wissenschaftliche Belege f\u00fcr seine Aussagen und lie\u00df so die andren drei (die vermutlich deutlich mehr Medienerfahrung aufzuweisen haben d\u00fcrften als er) argumentativ sehr alt aussehen. Was dann auf ziemlich erb\u00e4rmliche Weise zu kaschieren versucht wurde.<\/p>\n<p>Von F\u00fccks ist man ja nun ohnehin nur uns\u00e4gliches Gesabbel gewohnt, aber hier lie\u00df er nun den alten wei\u00dfen Mann so \u00fcberdeutlich raush\u00e4ngen und war sich auch nicht zu schade, d\u00fcmmliche &#8222;Argumente&#8220; vorzubringen, die man sonst immer vor allem von AfDlern und ihren J\u00fcngern zu h\u00f6ren bekommt. So zum Beispiel, dass Deutschland ja allein die Welt nicht retten k\u00f6nne &#8211; eine Aussage, deren argumentative Schw\u00e4che schon vor eineinhalb Jahren in einem <a href=\"https:\/\/graslutscher.de\/warum-aber-china-und-deutschland-alleine-kann-nicht-die-welt-retten-keine-guten-argumente-sind\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von <em>der Graslutscher<\/em><\/a> belegt wurde. Ach ja, und l\u00e4ngere AKW-Laufzeiten findet F\u00fccks auch eine super Sache, da Kernkraft ja so viel sauberer sei als Kohle &#8211; klar, Uran w\u00e4chst ja auch auf B\u00e4umen. Und den M\u00fcll lagern wir dann bei F\u00fccks im Keller &#8211; d\u00fcrfte den Grad seiner Verstrahltheit auch nicht mehr allzu sehr verschlimmern &#8230;<\/p>\n<p>Putzig auch, dass immer wieder Kompromisse gefordert wurden und darauf herumgeritten wurde, dass die Klimaaktivisten ja nicht kompromissbereit und viel zu radikal in ihren Forderungen w\u00e4ren. Tja, schlechte Nachricht f\u00fcr die drei Ewgiggestrigen dieser Runde: Die Natur macht leider auch keine Kompromisse. Und die Klimakatastrophe zeigt sich auch immer mehr von ihrer sehr radikalen Seite. Nicht nur die Millionen Menschen in Pakistan, die im letzten Jahr aufgrund einer Flutkatastrophe ungeheuren Ausma\u00dfes ihrer H\u00e4user verloren haben, k\u00f6nnen das mit Sicherheit bezeugen.<\/p>\n<p>Als Kr\u00f6nung wurde dann auch von Probst noch folgender Satz losgelassen: &#8222;Es gibt keine Alternative, sonst landen wir in einer diktatorischen Gesellschaft!&#8220; Ob er sich wohl schon mal \u00fcberlegt hat, dass Alternativlosigkeit das ziemliche Gegenteil von einem Kompromiss darstellt? Zudem ist Alternativlosigkeit ja gerade ein Zeichen von totalit\u00e4rem Denken, denn demokratische Prozesse sind dadurch gekennzeichnet, dass man stets nach Alternativen sucht und diese dann gegeneinander abw\u00e4gt. Dieser Widerspruch scheint da keinem aufzufallen, genauso wenig wie die Tatsache, dass man bei der &#8222;demokratischen Entscheidungsfindung&#8220;, die dort immer wieder proklamiert wurde, vielleicht Sachen wie Korruption und Lobbyismus nicht ausblenden sollte, die ja leider in zunehmendem Ma\u00dfe diese Entscheidungsfindung pr\u00e4gen und sie daher auch ein St\u00fcck weit entdemokratisieren. Ach ja: Und das, wie oben gezeigt, eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung offenbar gegen weiteren Braunkohleabbau ist, spielt im Demokratieverst\u00e4ndnis von F\u00fccks, Probst und L\u00f6hr wohl auch keine Rolle &#8230;<\/p>\n<p>Das Wolkenkuckucksheim der hohlen Alter-wei\u00dfer-Mann-Phrasen traf hier auf die knallharte wissenschaftlich untermauerte Realit\u00e4t. Nun kann man dem Sender wenigstens zugutehalten, dass jemand wie Dresen die M\u00f6glichkeit hatte, dort seine Standpunkte darzulegen. In dieser Zusammensetzung der Runde d\u00fcrfte davon allerdings bei den wenigsten Zuschauern was h\u00e4ngen geblieben sein. Schade eigentlich &#8211; aber wohl auch genau so gewollt.<\/p>\n<p>Wer nun denkt, mehr Hardcore als Kamerad F\u00fccks geht kaum, der sei dann auf die <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/luetzerath-gewalt-gegen-polizei-integrationsverweigerer-unter-den-protestlern-a-ee9995d2-5c3a-4435-81d9-286c7d88c254\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kolumne von Nikolaus Blome<\/a> (ehemals stellvertretender Chefredakteur der <em>BILD<\/em>) auf <em>Spiegel Online<\/em> verwiesen. Der zeigt auch gleich, wo er einzuordnen ist, wenn er die Ausschreitungen zu Silvester auf rassistische Weise wieder als reines Problem der Integration von Migranten darstellt &#8211; nur um dann gleich danach die Proteste der Klimaaktivisten in L\u00fctzerath auf das gleiche Level zu stellen:<\/p>\n<blockquote>\n<div data-sara-click-el=\"body_element\" data-area=\"text\" data-pos=\"6\">\n<div class=\"RichText lg:w-8\/12 md:w-10\/12 lg:mx-auto md:mx-auto lg:px-24 md:px-24 sm:px-16 break-words word-wrap\">\n<p>Je l\u00e4nger ich zugleich dem Schauspiel an der Tagebaukante in L\u00fctzerath zuschaue, umso mehr habe ich das Gef\u00fchl: Auch die dort zutage tretenden Integrationsm\u00e4ngel sind gravierend, vermutlich sogar gravierender, denn es geht um das Regelwerk einer demokratisch verfassten Gesellschaft.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div data-sara-click-el=\"body_element\" data-area=\"text\" data-pos=\"8\">\n<div class=\"RichText lg:w-8\/12 md:w-10\/12 lg:mx-auto md:mx-auto lg:px-24 md:px-24 sm:px-16 break-words word-wrap\">\n<p>Der harte Kern in L\u00fctzerath und die Unterst\u00fctzertrupps in verschiedenen Gro\u00dfst\u00e4dten sind allem Anschein nach radikal\u00f6kologische Biokartoffeln. Das unterscheidet sie von vielen der Neuk\u00f6llner L\u00fcmmel, aber was sonst noch?<\/p>\n<p>Zwischen dem linken Schlachtruf \u00bbAll Cops Are Bastards\u00ab (ACAB) und dem Neuk\u00f6llner \u00bbWir f*cken Eure Stra\u00dfen\u00ab scheint mir kein qualitativer Unterschied zu bestehen. Die Polizei ist immer der Feind: Die einen sehen sie als Vertreterin staatlicher Gewalt, die sie angeblich t\u00e4glich g\u00e4ngelt und strukturell diskriminiert. Die anderen ziehen in den Kampf, weil Staat und System angeblich die Welt in den Klimatod treiben. Mit dem Staat, wie sie ihn zu kennen glauben, haben beide Gruppen offenbar abgeschlossen, wenngleich B\u00fcrgergeld\/Hartz IV oder ein steuerfinanzierter Studienplatz gegebenenfalls gern genommen werden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<div data-sara-click-el=\"body_element\" data-area=\"text\" data-pos=\"8\">\n<div class=\"RichText lg:w-8\/12 md:w-10\/12 lg:mx-auto md:mx-auto lg:px-24 md:px-24 sm:px-16 break-words word-wrap\">\n<p>Ganz sch\u00f6n widerw\u00e4rtig, was da in einem der deutschen Leitmedien schlechthin an dummen Klischees rausgerotzt wird, oder? Inklusive dezenter Leugnung des menschgemachten Klimawandels.<\/p>\n<p>Den Rest des widerw\u00e4rtigen Geschwalles von Blome kann man sich dann auch getrost schenken, denn im Endeffekt tr\u00f6tet er in das gleiche br\u00e4sige Horn wie seine Spie\u00dfgesellen in der <em>phoenix runde<\/em> &#8211; nur nat\u00fcrlich noch deutlich offener rechtspopulistisch.<\/p>\n<p>Wenn Blome dann noch bem\u00e4ngelt, dass die Klimaaktivisten anders wahrgenommen w\u00fcrde als die Silvester-Randalierer, dann fragt man sich ernsthaft, ob nicht zu einem Journalisten zumindest ein gewisses Ma\u00df an Reflexionsf\u00e4higkeit geh\u00f6ren sollte. Denn Blome blendet hierbei einfach aus, dass eine Handlung nat\u00fcrlich immer auch vor dem Hintergrund ihrer Intention zu bewerten ist. Jemanden mit einem Messer in den Bauch zu schneiden ist nicht in Ordnung &#8211; es sei denn, man ist Chirurg und f\u00fchrt eine geplante Operation durch. Ein kleines Kind wegzuschubsen ist ebenfalls alles andere als o. k. &#8211; wenn man es dadurch davor bewahrt, den Finger in eine Steckdose zu stecken, dann passt das allerdings schon.<\/p>\n<p>Und dann gibt es ja auch noch so was wie Notwehr. Und vielleicht f\u00fchlen sich die Demonstranten in L\u00fctzerath ja genau in so einer Situation, die eben Notwehr erforderlich macht? Damit will ich nun keine willk\u00fcrliche Gewalt gegen Polizisten rechtfertigen, allerdings muss man eben auch ber\u00fccksichtigen, dass der Gro\u00dfteil der Gewalt auch in L\u00fctzerath offensichtlich mal wieder von der Polizei ausgegangen ist.<\/p>\n<p>Auch grotesk, wie Blome dann auch wie viele andere Kohlefans zurzeit mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit auf die Rechtsgrundlage pocht, da das Vorgehen von RWE nun mal gerichtlich abgesegnet sei. Nun hat Deutschland sich aber 2015 in Paris verpflichtet, das 1,5-Grad-Ziel einzuhalten &#8211; und diese vertragliche Verpflichtung wird gerade einfach so gebrochen. Ach ja, 2021 hat dann \u00fcbrigens auch das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass Klimaschutz deutlich mehr vorangebracht werden m\u00fcsse, da sonst das Recht auf Unversehrtheit junger Menschen und kommender Generationen gef\u00e4hrdet sei &#8211; das scheint auch keine Rolle zu spielen, dass durch das Vorgehen von RWE und deren Schergen in der Politik hier quasi verfassungswidrig gehandelt wird.<\/p>\n<p>Diese zwei Beispiele des medial gef\u00fchrten Diskurses zum Thema zeigen, als was f\u00fcr eine gro\u00dfe Bedrohung die Klimaaktivisten vonseiten der Neoliberalen wahrgenommen werden. Klar, da wird ja auch immer offener die Systemfrage gestellt, inwieweit denn ein Abbremsen der Klimakatastrophe im wachstumsgetriebenen Kapitalismus, zumal wenn er neoliberal radikalisiert wurde, \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Und genau das ist dir Frage, um die es gehen muss. L\u00fctzerath ist symptomatisch daf\u00fcr, denn es zeigt, wie r\u00fccksichtslos, verbohrt und wissenschaftsfeindlich die Systemverteidiger vorgehen.<\/p>\n<p>Wenn man dann sieht, wie diese &#8222;Argumente&#8220; verfangen und auch von vielen anderen Menschen aufgegriffen werden, dann frage ich mich schon, wie man denn gegen diese geballte mediale und finanzielle Macht derjenigen, die nach wie vor davon profitieren (oder dies zumindest meinen), dass die Klimakatastrophe voranschreitet, ankommen soll. Im demokratischen Diskurs scheint das ja nicht zu funktionieren, wie man gerade sieht, denn dort werden ja je nach Bedarf wissenschaftliche Aussagen zugelassen oder eben nicht.<\/p>\n<p>Insofern d\u00fcrfte der kleine Weiler L\u00fctzerath wohl auch f\u00fcr etwas ganz Gro\u00dfes stehen, n\u00e4mlich f\u00fcr: Das war&#8217;s dann wohl.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das kleine Dorf L\u00fctzerath in Nordrhein-Westfalen sorgte in den letzten Tage f\u00fcr gro\u00dfe Schlagzeilen, da es n\u00e4mlich f\u00fcr den Braunkohletagebau von RWE weggebaggert werden soll. Dagegen regt sich Widerstand &#8211; und zwar nicht nur vor Ort. Um den Klimaaktivisten den Wind aus den Segeln zu nehmen, fangen die neoliberalen Politiker und die ihnen zugeneigten Medien nun an, m\u00e4chtig Stimmung zu machen. 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