{"id":26586,"date":"2023-01-27T17:18:59","date_gmt":"2023-01-27T16:18:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26586"},"modified":"2023-01-27T17:18:59","modified_gmt":"2023-01-27T16:18:59","slug":"filmtipp-fuer-befuerworter-von-waffenlieferungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26586","title":{"rendered":"Filmtipp f\u00fcr Bef\u00fcrworter von Waffenlieferungen"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend sah ich auf DVD den Film <a href=\"https:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0472062\/?ref_=nv_sr_srsg_0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Der Krieg des Charlie Wilson&#8220;<\/a>. Der ist zwar schon etwas \u00e4lter, n\u00e4mlich von 2006, ist aber von der Thematik her zurzeit brandaktuell!<\/p>\n<p>Zurzeit ist ja vor allem die Neuverfilmung von Erich Maria Remarques &#8222;Im Westen nicht Neues&#8220; in aller Munde, da der Film f\u00fcr einen Schwung Oscars nominiert wurde. Der ist mit Sicherheit auch sehenswert, wobei man den ja gerade nur auf Netflix schauen kann, aber die Grauen des Krieges schilderte Remarque ja auf eine sehr eindringliche Art und Weise.<\/p>\n<p>Das spielt nun bei &#8222;Der Krieg des Charlie Wilson&#8220; auch eine Rolle, wenngleich nicht so dominant, da Kriegsfolgen dort zwar auch thematisiert werden, aber nicht im Zentrum der Handlung stehen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal zum Film selbst: Der ist sehr prominent besetzt mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffman und Amy Adams in den Hauptrollen, und die machen ihre Sache auch wirklich gut. Die Handlung ist allerdings nicht fiktiv, denn <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Charlie_Wilson_(Politiker,_1933)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Charlie Wilson<\/a> gab es wirklich: Er war Kongressabgeordneter f\u00fcr die Demokraten von 1972 bis 1997. In diese Zeit fiel auch der sowjetischee Krieg in Afghanistan, und als Wilson sich einmal mehr oder weniger zuf\u00e4llig vor Ort ein Bild von der Lage in einem Fl\u00fcchtlingslager in Pakistan machte und sich die Schilderungen der Menschen dort anh\u00f6rte, fing er an, sich f\u00fcr die afghanische Seite zu engagieren.<\/p>\n<p>Dazu galt es nun, damit der Kalte Krieg nicht allzu hei\u00df wurde, verdeckte Waffenlieferungen an die Mudschahidin zu organisieren, damit diese dem technisch \u00fcberlegenen sowjetischen Milit\u00e4r etwas entgegenzusetzen hatten. Angesichts der Tatsache, dass die Zivilbev\u00f6lkerung massiv unter diesem Krieg zu leiden hatte und auch gezielt von den Invasoren attackiert wurde, erscheint das auch erst mal nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Genauso wie es jetzt auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheint, Waffen in die Ukraine zu liefern, damit die Menschen dort sich gegen die russische \u00dcbermacht zur Wehr setzen k\u00f6nnen. Und damit sind wir auch schon beim aktuellen Bezug von diesem Film.<\/p>\n<p>Wie schlie\u00dflich jeder einigerma\u00dfen historisch und politisch Interessierte wei\u00df (weshalb ich das hier auch nicht als Spoiler f\u00fcr den Inhalt des Filmes ansehe), musste die UdSSR sich schlie\u00dflich nach immer gr\u00f6\u00dferen Verlusten aus Afghanistan zur\u00fcckziehen &#8211; was zu einem Gro\u00dfteil der Verdienst von Charlie Wilson war, der f\u00fcr den afghanischen Widerstand die Mittel dazu organisiert hatte.<\/p>\n<p>Was in dem Film nicht vorkommt, man aber beispielsweise erf\u00e4hrt, wenn man zu diesem Kriegsgeschehen ein bisschen auf <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mudschahid\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wikipedia<\/a> rumst\u00f6bert: Die USA hielten es f\u00fcr eine gute Idee, afghanische Kinder und Fl\u00fcchtlinge ein bisschen ideologisch zu radikalisieren:<\/p>\n<blockquote><p>Um den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan anzuspornen, hatten die USA unter anderem mehrere Millionen Dollar in gewaltverherrlichende Lehrb\u00fccher investiert. Diese B\u00fccher mit Gewaltdarstellungen und militanten islamistischen Lehren brachten den afghanischen Schulkindern die Lehre vom Dschihad im Sinne vom \u201eHeiligen Krieg\u201c nahe. Diese B\u00fccher wurden ebenfalls in Lagern f\u00fcr afghanische Fl\u00fcchtlinge in Pakistan im Unterricht eingesetzt. Auch die Taliban verwendeten die von den USA produzierten B\u00fccher.<\/p><\/blockquote>\n<p>Womit wir dann n\u00e4mlich auch schon bei den Taliban w\u00e4ren. Nachdem die Sowjet-Truppen abgezogen sind, entspann sich n\u00e4mlich ein ziemlich fieser B\u00fcrgerkrieg in Afghanistan zwischen den einzelnen Warlords der Mudschahidin und zudem noch weiteren Gruppierungen, aus dem dann letztendlich die Taliban als Sieger hervorgingen (wobei sich in deren Reihen auch zahlreiche Mudschahidin befanden) und ihre radikal islamistische, totalit\u00e4re Herrschaft antreten konnten.<\/p>\n<p>Was dann nach den Anschl\u00e4gen auf das World Trade Center im Jahr 2001 dazu f\u00fchrte, dass die USA wiederum in Afghanistan einmarschierten. Hat also nicht allzu lange gedauert, bis die einstigen mit Waffen ausger\u00fcsteten Freunde zu Todfeinden wurden &#8230;<\/p>\n<p>Das ist vor allem keine einmalige Sache, denn ein paar Jahre zuvor hat sich im Irak \u00c4hnliches zugetragen: Nachdem Saddam Hussein im Krieg gegen den Iran von den USA noch kr\u00e4ftig unterst\u00fctzt wurde, hat er dann danach diese Waffen genutzt, um in Kuwait einzumarschieren &#8211; was dann wiederum die USA dazu brachte, zweimal in den Irak einzumarschieren.<\/p>\n<p>Die R\u00fcstungsindustrie freut sich \u00fcber solche Entwicklungen ungemein. Die zahlreichen Opfer dieser Kriege eher weniger &#8230;<\/p>\n<p>Mit Blick auf das, was gerade in der Ukraine geschieht, kann man nun nat\u00fcrlich einwenden, dass das dort ja auch eine Demokratie sei und nicht so ein zerr\u00fcttetes Land wie Afghanistan nach der sowjetischen Invasion oder keine Autokratie wie der Irak. Aber stimmt das denn wirklich so ganz? Vor etwa einem Dreivierteljahr habe ich mal ein in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=25153\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> zusammengetragen, wie denn die deutsche Medienlandschaft die Kiewer Regierung vor dem Krieg beurteilt hat &#8211; und da war eher von ausufernder Korruption, Oligarchie, Kleptokratie und fehlender Pressefreiheit die Rede.<\/p>\n<p>Na ja, und auch das, was da nun w\u00e4hrend des Krieges von Selenskij und seinen Spie\u00dfgesellen so abgezogen wird, erweckt nach meinem Daf\u00fcrhalten zumindest nicht den Eindruck, dass es sich dabei um das Gebaren einer gefestigten demokratisch-rechtsstaatlichen Regierung handelt. Auch dazu habe ich vor einigen Monaten mal einiges in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=25656\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> zusammengefasst.<\/p>\n<p>Und wenn ich mir dann noch \u00fcberlege, wie jemand wie der ehemalige Botschafter der Ukraine in Berlin und jetzige stellvertretende Verteidigungsminister Andrij Melnyk wohl mit politischen Gegnern umspringen d\u00fcrfte, wenn er denn die M\u00f6glichkeit dazu bekommt &#8230;<\/p>\n<p>Zumal ja auch noch gar nicht klar sein wird, in welchem Zustand die Ukraine nach diesem Krieg \u00fcberhaupt sein wird. Das ist ja auch einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr, warum man eben besser keine Waffen in Kriegsgebieten senden soll: Man wei\u00df nie, was in dem dortigen Chaos dann mit denen so alles passieren wird.<\/p>\n<p>Insofern ist &#8222;Der Krieg des Charlie Wilson&#8220; all denjenigen zu empfehlen, die sich nun f\u00fcr immer mehr Lieferungen von immer st\u00e4rkeren Waffen an die Ukraine aussprechen, um sich dann mal die Frage zu stellen: War das denn damals wirklich so eine richtig gute Idee, die Mudschahidin einfach so hochzur\u00fcsten, oder w\u00e4ren nicht eventuell Diplomatie und Verhandlungsgeschick, gepaart mit humanit\u00e4rer Hilfe, die besseren Optionen gewesen?<\/p>\n<p>Die Geschichte gibt darauf eine ziemlich eindeutige Antwort &#8211; und w\u00e4re es nicht sinnvoll, vielleicht auch mal aus der Geschichte zu lernen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend sah ich auf DVD den Film &#8222;Der Krieg des Charlie Wilson&#8220;. 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