{"id":26769,"date":"2023-03-09T11:46:08","date_gmt":"2023-03-09T10:46:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26769"},"modified":"2024-08-09T16:15:36","modified_gmt":"2024-08-09T14:15:36","slug":"umverteilung-wird-noch-mal-forciert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26769","title":{"rendered":"Umverteilung wird noch mal forciert"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Meldungen, die eigentlich zusammengeh\u00f6ren, aber irgendwie nicht in einen Zusammenhang gebracht werden von den meisten Medien: die Auszahlungen an Dividenden und die Reallohnentwicklung im letzten Jahr. Darum will ich das nun mal gemeinsam betrachten und ein paar Schl\u00fcsse daraus ziehen.<\/p>\n<p>Schon im November konnte man lesen (beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/dividenden-dax-konzerne-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), dass die Dividendenaussch\u00fcttungen der DAX-Konzerne ein Rekordniveau erreicht haben und um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Und dann gab es gerade letzte Woche die Meldung (s. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/verbraucher\/inflation-reallohn-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), dass die Reall\u00f6hne nach wie vor im Sinkflug sind, im letzten Jahr um satte 3,1 Prozent.<\/p>\n<p>Was dabei interessant ist: In beiden verlinkten Meldungen auf <em>tagesschau.de<\/em> werden die Leser schon ein St\u00fcck weit auf eine falsche F\u00e4hrte gef\u00fchrt. So hei\u00dft es gleich in der ersten Zeile beim Bericht \u00fcber die hohen Dividenden:<\/p>\n<blockquote><p>Trotz Ukraine-Krieg und Energiekrise &#8211; viele DAX-Konzernen erwirtschaften in diesem Jahr hohe Gewinne.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da sollte man meines Erachtens das W\u00f6rtchen &#8222;Trotz&#8220; besser durch &#8222;Aufgrund von&#8220; ersetzen, dann k\u00e4me man der Realit\u00e4t schon ein bisschen n\u00e4her. Schlie\u00dflich hat Thomas Fricke schon im vergangenen Juni in seiner <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/steuern-auf-krisengewinne-die-pathologische-inflation-der-profite-kolumne-a-692b6293-ea39-4c4f-a83c-cf8aa3e3855e\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kolumne auf <em>Spiegel Online<\/em><\/a> darauf hingewiesen, dass die kriegsbedingte Inflation aufgrund der gestiegenen Energiepreise von vielen Unternehmen dazu genutzt wird, nun einfach mal die Preise zu erh\u00f6hen und damit auch die Profite zu vergr\u00f6\u00dfern. Und das Ergebnis sind dann eben, wenig \u00fcberraschend, rekordverd\u00e4chtige Aussch\u00fcttungen an die Aktion\u00e4re.<\/p>\n<p>Aber auch die Energiekonzerne selbst, die ja eigentlich unter einer &#8222;Energiekrise&#8220; besonders leiden sollten, haben nicht wirklich etwas auszustehen, denn Shell beispielsweise konnte im letzten Jahr einen Rekord\u00fcberschuss von 38 Milliarden Euro einfahren (s. <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/wirtschaft\/oelindustrie-gewinn-energiekrise-faq-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Da wundern sich nun die Normalb\u00fcrger, die gerade mit extrem gestiegenen Energiepreisen zu k\u00e4mpfen haben. Und diese Energiepreise sind dann eben auch einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die Inflation, die dann laut <em>tagesschau.de<\/em> f\u00fcr das Sinken der Reall\u00f6hne verantwortlich ist. Und dann wird auch gleich noch eine weitere Ursache ausgemacht am Ende des Artikels:<\/p>\n<blockquote><p>Die hohe Inflation d\u00fcrfte der Bundesbank zufolge auch wegen hoher Tarifabschl\u00fcsse noch eine Weile anhalten. &#8222;Sp\u00fcrbare Zweitrundeneffekte auf die Preise sind absehbar&#8220;, hei\u00dft es im aktuellen Monatsbericht. &#8222;Sie tragen dazu bei, dass die Inflationsrate \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum deutlich \u00fcber dem mittelfristigen Ziel von zwei Prozent f\u00fcr den Euroraum bleiben wird.&#8220;<\/p>\n<p>Die Unternehmen k\u00f6nnten wegen h\u00f6herer Personalkosten ihre Verkaufspreise weiter anheben, bef\u00fcrchten viele \u00d6konominnen und \u00d6konomen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ach so, die Arbeitnehmer sind schuld, wenn sie nun also weiterhin h\u00f6here Tarifabschl\u00fcsse fordern, damit die Reall\u00f6hne nicht noch weiter sinken. Klar, die enormen Gewinne der Gro\u00dfunternehmen haben mit Sicherheit nichts damit zu tun. Oder warum wird das sonst nicht erw\u00e4hnt auf <em>tagesschau.de<\/em>?<\/p>\n<p>Dabei ist es doch klar: Je mehr Geld f\u00fcr die Finanzierung leistungsloser Einkommen von Aktion\u00e4ren, Investoren usw. ben\u00f6tigt wird, desto weniger bleibt dann f\u00fcr diejenigen \u00fcbrig, die in der Realwirtschaft das Geld erarbeiten, da ihnen ein zunehmend gr\u00f6\u00dferer Anteil ihres Einkommens vorenthalten werden muss.<\/p>\n<p>Und genau das passiert ja nun auch gerade, wie man offenkundig an den beiden oben verlinkten Meldungen sieht. Das ist n\u00e4mlich ein kapitalistisches Grundprinzip: Von Krisen profitieren immer einige wenige in besonders gro\u00dfem Ma\u00dfe, w\u00e4hrend die Kosten zur Beseitigung der Krise und deren Folgen auf die Allgemeinheit umgelegt werden. Nichts ganz Neues also, aber in seiner offensichtlichen Dreistigkeit zurzeit schon etwas Besonderes.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr mich ja so ein ganz kleine bisschen darauf hindeutet, dass man in Wirtschaft und Politik mittlerweile schon so langsam rafft, dass das Wirtschaftssystem am Kollabieren ist, sodass man nun noch schnell so viel wie m\u00f6glich f\u00fcr sich selbst rauspressen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Und auch hier gilt dann das, was schon w\u00e4hrend der Corona-Pandemie galt: Es sind mal wieder die \u00fcblichen Nutznie\u00dfer der Krise bzw. der politischen Entscheidungen des Krisenmanagements. Und diese Profiteure kaufen sich ja nun grunds\u00e4tzlich schon eine Menge Einflussnahme auf politische Entscheidungen, sei es durch Korruption und Lobbyismus oder durch P\u00f6stchenvergabe und die daraus resultierende Vernetzung mit politischen Entscheidungstr\u00e4gern. Da hierbei noch nie besonders r\u00fccksichtsvoll, ethisch oder moralisch vorgegangen wurde (s. <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=21281\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), ist wohl davon auszugehen, dass man auch keine Probleme hat, nun im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber ukrainische und russische Leichen zu gehen, um die sprudelnde Einnahmequelle des Krieges nicht so schnell wieder versiegen zu lassen.<\/p>\n<p>Mal davon abgesehen, dass im eigenen Lande immer mehr Menschen Probleme damit haben, ihre elementaren Grundbed\u00fcrfnisse (so wie Heizen, Warmwasser, ein Dach \u00fcber dem Kopf und gesunde Ern\u00e4hrung) zu befriedigen, w\u00e4hrend bei anderen der Champagner in immer gr\u00f6\u00dferen Str\u00f6men flie\u00dft. Klingt ziemlich feudalistisch? Ist es auch, und genau diese Denkweise liegt ja auch dem Neoliberalismus zugrunde.<\/p>\n<p>Insofern finde ich ja, dass man auf diese Zusammenh\u00e4nge zwischen hohen Dividenden einerseits und sinkenden Reall\u00f6hnen andererseits ruhig \u00f6fter mal aufmerksam machen k\u00f6nnte. Das w\u00fcrde dann n\u00e4mlich vielleicht mal dazu f\u00fchren, dass sich ein paar mehr Leute fragen, ob so ein Wirtschaftssystem denn wohl das richtige f\u00fcr sie ist.<\/p>\n<p>Aber solche systemkritischen Gedanken sind nat\u00fcrlich von den meisten journalistischen Entscheidern (und erst recht von ihren Verlegern) nicht gewollt &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Meldungen, die eigentlich zusammengeh\u00f6ren, aber irgendwie nicht in einen Zusammenhang gebracht werden von den meisten Medien: die Auszahlungen an Dividenden und die Reallohnentwicklung im letzten Jahr. 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