{"id":27543,"date":"2023-08-30T20:46:09","date_gmt":"2023-08-30T18:46:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27543"},"modified":"2023-08-31T17:04:37","modified_gmt":"2023-08-31T15:04:37","slug":"aiwanger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27543","title":{"rendered":"Aiwanger"},"content":{"rendered":"<p>Dass gerade ein reichlich scheu\u00dfliches Neonazi-Pamphlet \u00f6ffentlich wurde, von dem der stellvertretende bayrische Ministerpr\u00e4sident Hubert Aiwanger (Freie W\u00e4hler) als 17-J\u00e4hriger einige Exemplare in seiner Schultasche hatte, schl\u00e4gt gerade gro\u00dfe Wellten. Ich habe mal ein paar m. E. bedenkenswerte Sichtweisen dazu hier zusammengetragen und ziehe auch meine eigenen Schl\u00fcsse zu diesem Skandal.<\/p>\n<p><strong>Worum geht es?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal soll ein Blick auf das &#8222;Corpus Delicti&#8220; geworfen werden:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-27549\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/369638752_10227801675058593_819582917545442345_n-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/369638752_10227801675058593_819582917545442345_n-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/369638752_10227801675058593_819582917545442345_n-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/369638752_10227801675058593_819582917545442345_n-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/369638752_10227801675058593_819582917545442345_n-60x60.jpg 60w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/369638752_10227801675058593_819582917545442345_n.jpg 885w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Reichlich widerw\u00e4rtig, oder?<\/p>\n<p>Im Jahr 1987 wurden davon einige Exemplare in Aiwangers Schultasche gefunden, als er in die elfte Klasse ging. Mit diesem Flugblatt sollte der &#8222;Sch\u00fclerwettbewerb Deutsche Geschichte&#8220; verh\u00f6hnt werden. Ein <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/fall-aiwanger-fakten-widersprueche-raetsel,To8boYv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von <em>BR24<\/em><\/a> tr\u00e4gt die Fragen, die sich dazu stellen, zusammen. Etwas weiter geht ein <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/faktencheck\/aiwanger-antisemitismus-skandal-alle-fakten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel vom <em>Volksverpetzer<\/em><\/a>, der die bisher bekannten Fakten darstellt.<\/p>\n<p><strong>Die Chronologie der SZ-Ver\u00f6ffentlichung<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem Hubert Aiwanger im Juni als Redner auf einer Anti-Heizungs-Demo (so einen Schwachsinn gibt es tats\u00e4chlich) Reden geschwungen hat, wie man sie sonst vor allem von AfDlern gewohnt ist, setzte es einiges an Kritik, und auch im bayrischen Landtag wurde hitzig debattiert. Teile der Opposition forderten sogar den R\u00fccktritt von Aiwanger, der hingegen bezeichnenderweise gerade auch von AfD-Abegordneten f\u00fcr sein rechtspopulistisches Gepolter (u. a. man solle sich die &#8222;Demokratie zur\u00fcckholen&#8220;) Zuspruch bekam.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser \u00c4u\u00dferungen Aiwangers hat sich dann ein ehemaliger Lehrer von ihm an die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung <\/em>gewandt und den Journalisten das Flugblatt ausgeh\u00e4ndigt. Daraufhin wurde recherchiert und nat\u00fcrlich auch Aiwanger selbst um Stellungnahme gebeten, was dann insgesamt ein bisschen Zeit in Anspruch nahm, sodass die Story erst jetzt in der Zeitung erschien. Es wurde also keineswegs eine alte Geschichte ausgegraben, um den Freien W\u00e4hlern im bayrischen Landtagswahlkampf St\u00f6cke zwischen die Speichen zu halten, sondern Aiwanger selbst hat durch sein Rechtsau\u00dfengerede den Lehrer dazu gebracht, dass der nun weitergegeben hat, dass Aiwanger eben schon als Jugendlicher durchaus mit rechtsextremen Inhalten aufgefallen ist.<\/p>\n<p><strong>Der Sch\u00fcler Aiwanger<\/strong><\/p>\n<p>Bei so einer medial pr\u00e4senten Geschichte kommen erfahrungsgem\u00e4\u00df dann immer Zeugen in die \u00d6ffentlichkeit, um Be- oder Widerlegendes auszusagen. Bei Aiwanger sind das nun ehemalige Mitsch\u00fcler. Einer berichtet beispielsweise gegen\u00fcber report M\u00fcnchen vor laufender Kamera (s. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/fernsehen\/das-erste\/sendungen\/report-muenchen\/report-interview-mitschueler-aiwanger-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), dass Aiwanger \u00f6fter dadurch aufgefallen sei, dass er mit dem Hitlergru\u00df den Klassenraum betreten h\u00e4tte, zudem heischte er auch um Aufmerksamkeit durch das Imitieren von Adolf Hitlers Redestil, gab vor dem Spiegel auswendig gelernte Hitler-Reden wieder und riss gern antisemitische Witze.<\/p>\n<p>Ein anderer Mitsch\u00fcler hat eine eidesstattliche Erkl\u00e4rung abgegeben und darin Folgendes ausgesagt, als er \u00fcber den Besuch einer KZ-Gedenkst\u00e4tte in der ehemaligen DDR berichtet (s. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/juden-witz-anlaesslich-kz-besuch-weiterer-mitschueler-zu-aiwanger,ToOcXCV\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>):<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;An einem Abend ist mir sehr stark aufgesto\u00dfen, dass er einen Witz \u00fcber Juden gemacht hat, der mir als sehr absto\u00dfend in Erinnerung geblieben ist&#8220;, erz\u00e4hlt der Schulkamerad BR24. &#8222;Auch an einen Witz \u00fcber Kinder in Afrika mit Hungerbauch kann ich mich gut erinnern. Es erschien mir, dass Hubert diese Art von Humor sehr k\u00f6stlich fand.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Da finde ich es schon nicht so ganz abwegig, den Inhalt des widerw\u00e4rtigen Flugblattes mit diesen Schilderungen in Einklang zu bringen. Wenn man sich dann vor allem noch mal ein Klassenfoto aus der damaligen Zeit betrachtet, wie es Philipp T\u00fcrmer von den Jusos gemacht hat, dann verfestigt sich da schon ein bestimmtes Bild:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-27554\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/371867543_10230312693219606_596635252508223297_n-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"404\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/371867543_10230312693219606_596635252508223297_n-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/371867543_10230312693219606_596635252508223297_n.jpg 520w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-27555\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/371887142_10230312225687918_2302337475803964439_n-300x290.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"579\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/371887142_10230312225687918_2302337475803964439_n-300x290.jpg 300w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/371887142_10230312225687918_2302337475803964439_n.jpg 464w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Hier scheint es also um einen Jugendlichen (oder von mir aus auch jungen Mann) zu gehen, der nicht nur keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste vor neonazistischem Gedankengut hat, sondern dies offensichtlich auch stark auslebt &#8211; bis hier zur \u00e4u\u00dferen Erscheinung.<\/p>\n<p><strong>Der Bruder war&#8217;s &#8211; auf einmal zumindest<\/strong><\/p>\n<p>Nun hat dieses gr\u00e4ssliche Pamphlet schon damals zu Aiwangers Schulzeit f\u00fcr Aufsehen gesorgt, sodass Hubert Aiwanger deswegen zum Direktor einbestellt wurde. Dort nahm er dann auch eine Strafe daf\u00fcr auf sich und erw\u00e4hnte keinesfalls, dass sein Bruder das Teil verfasst h\u00e4tte. Was dabei ins Bild passt: Das Flugblatt wurde laut einem Sachverst\u00e4ndigengutachten auf derselben Schreibmaschine verfasst, mit der auch Aiwangers Facharbeit getippt wurde.<\/p>\n<p>Doch als Aiwanger nun nicht mehr mit Abstreiten, Einsch\u00fcchterungsversuchen und Erinnerungsl\u00fccken weiterkam, tauchte auf einmal sein etwas \u00e4lterer Bruder Helmut auf, der damals ebenfalls in der elften Klasse war, und behauptet nun, dass er dieses Pamphlet geschrieben habe. Da stellt sich dann allerdings die Frage, warum Hubert damals seinen Bruder in Schutz genommen und die Strafe kassiert hat. So kommt der oben verlinkte <a href=\"https:\/\/www.volksverpetzer.de\/faktencheck\/aiwanger-antisemitismus-skandal-alle-fakten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Volksverpetzer<\/em>-Artikel<\/a> zum hierbei entscheidenden Punkt:<\/p>\n<blockquote><p>Entweder hatte Hubert seinen Bruder Helmut 1988 gedeckt (- doch warum?) oder Helmut seinen Bruder 2023. Was davon wahr ist, ist unklar. Es ist jedoch klar und gestanden, dass die Br\u00fcder offensichtlich entgegen der Wahrheit bereit sind, die Schuld f\u00fcr den Antisemitismus auf sich zu nehmen. Es geht nur darum, ob wir Helmut 2023 oder Hubert 1988 glauben sollen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und da kommen dann m. E. schon ein paar Indizien zusammen, die daf\u00fcr sprechen, dass der damals offen rechtsextrem auftretende Hubert das Flugblatt verfasst hat. Vor allem wenn man dann noch ber\u00fccksichtigt, dass im <em>Volksverpetzer<\/em>-Artikel auch noch erw\u00e4hnt wird, dass Hubert Aiwanger bereits 2008 versucht hat, die Sache mit diesem Ekelpamphlet zu vertuschen &#8230;<\/p>\n<p>Und man darf sich dann auch schon mal \u00fcberlegen, wem es denn mehr nutzt, jemanden zu decken bzw. wo dieses Besch\u00fctzen denn gr\u00f6\u00dfere Auswirkungen hat: damals in der Schule oder heute mitten im Landeswahlkampf. Also nur um mal ein bisschen die Motivationslage der beiden Br\u00fcder zur jeweiligen Zeit auszuloten. Zumal ja der Hubert als Politiker seinem Bruder auch immer gern das Wort geredet hat, wenn er laxeres Waffenrecht forderte und die gute Helmut Besitzer eines <a href=\"https:\/\/www.vdb-waffen.de\/de\/mitglieder\/waffen-fachgeschaefte\/waffen_und_ausruestungen_aiwanger_helmut_aiwanger.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Waffenladens<\/a> ist. Da ist es ja ausgesprochen beruhigend, dass jemand, der den ganzen Tag mit Schusswaffen hantiert, offensichtlich eine tiefbraune Vergangenheit haben soll. Nicht. Zumal ja Hubert dann auch \u00fcber die Neigungen und Gewaltfantasien seines Bruders Bescheid gewusst haben muss &#8211; und dennoch eine Liberalisierung des Waffenrechts forderte.<\/p>\n<p>So richtig toll w\u00e4re es also auch nicht, wenn die Geschichte von Hubert stimmt, dass Helmut der Flugblattverfasser sein soll.<\/p>\n<p><strong>Die Reaktionen auf den Skandal<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tte Aiwanger auch nur einen Funken Format und Anstand, dann w\u00e4re er nach der Sache schnellstens zur\u00fcckgetreten. Hat er aber offenbar nicht und ist er deswegen auch nicht. Und es gibt ja auch genug Leute, die ihm beispringen.<\/p>\n<p>Aiwanger selbst posaunt nun etwas von einer &#8222;Schmutzkampagne&#8220; gegen ihn in die Gegend. Echt jetzt? Zeichnen sich Schmutzkampagnen nicht dadurch aus, dass dabei Dinge erfunden werden, um jemand anderem zu schaden? Das hat die S\u00fcddeutsche Zeitung aber offensichtlich nicht gemacht, denn es wurde eine Originalquelle ausgewertet und dann dazu Zeugen befragt. Und Aiwanger selbst hatte ja auch die Gelegenheit, sich zu \u00e4u\u00dfern. Dass er das nicht in ad\u00e4quater Form gemacht hat und dann auf einmal gleich einem Deus ex Machina sein Bruder f\u00fcr ihn in die Bresche springen muss, ist in jedem Fall nicht Teil einer Kampagne.<\/p>\n<p>Captain Futura hat in einem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/captainfutura\/posts\/pfbid0pCzu9u3AaGiFqmvfyKJ8Wykv3mYbKt2gbBVvgzENRsGNt4pVJJaxeNZfd3fdXnXQl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Facebook-Posting<\/a> die Absurdit\u00e4t des Vorwurfs von Verdachtberichtserstattung ziemlich gut aufgezeigt, wie ich finde. Es lohnt sich, diesen etwas l\u00e4ngeren Text zu lesen. Und da wird es auch gut auf den Punkt gebracht, wie schwach die Nummer mit dem Bruder als angeblichem Verfasser ist, denn das ist tats\u00e4chlich der einzige Punkt, der noch unklar ist, alles andere, wor\u00fcber die <em>S\u00fcddeutsche<\/em> berichtet hat, hat sich als wahr herausgestellt:<\/p>\n<blockquote><p>Einziger Unterschied: Angeblich hat Helmut getippt und nicht Hubert. Wobei mir schleierhaft ist, was der gigantische moralische Unterschied ist, wenn weiterhin Hubert die in der Schule im Rucksack hatte. Das ist ungef\u00e4hr so die Logik aus der Nazizeit, wo dann alle nur unbeteiligte Mitl\u00e4ufer und fast schon im Widerstand waren, die nicht direkt Teil des Erschie\u00dfungskommandos waren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vor allem ist es schon bezeichnend, dass nun von rechts bis rechtsau\u00dfen (aber durchaus auch von Stimmen aus der angeblichen Mitte) versucht wird, der S\u00fcddeutschen Zeitung den Schwarzen Peter zuzuschustern, was Albrecht M\u00fcller in einem <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103064\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf den <em>NachDenkSeiten<\/em><\/a> sehr zu Recht moniert. Genau das ist doch die Aufgabe von gutem Journalismus, auf solche Ungeheuerlichkeiten wie dieses Flugblatt aufmerksam zu machen. Das ist ja nun keine Lappalie, wie ich finde &#8211; auch wenn das von vielen Seiten so dargestellt wird. Sind wir wirklich schon so abgestumpft als Gesellschaft, dass viele bei so einem widerw\u00e4rtigen menschenverachtenden Pamphlet meinen, zur Tagesordnung \u00fcbergehen zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Zumal ja verbale Fehltritte von Politikern aus dem linken oder linkeren Spektrum dann gern mal breitgewalzt und in hohem Ma\u00dfe skandalisiert werden, selbst wenn sich dann herausstellt, das das Ganze auf Fake News basiert &#8211; und zwar von den gleichen Leuten, die nun von einer Kampagne gegen Aiwanger schwadronieren.<\/p>\n<p><strong>Jugends\u00fcnde?<\/strong><\/p>\n<p>Aiwanger war damals 17 Jahre alt, und das wird oft entlastend f\u00fcr ihn angef\u00fchrt. Klar, als Jugendlicher macht jeder mal Mist, aber so ein Flugblatt, was ja schon recht akkurat ausgearbeitet wurde, ist dann doch noch mal was anderes, als wenn ein 16-J\u00e4hriger im \u00dcbermut des ersten Alkoholrausches mal irgendwo &#8222;Sieg heil&#8220; gr\u00f6lt &#8211; aber eben ansonsten nichts mit rechtsextremer Gesinnung am Hut hat.<\/p>\n<p>Und das ist eben der Unterschied zu Aiwanger: Der war ein krasser Neonazi, wie nicht nur das Pamphlet zeigt, sondern auch Zeugen berichten. Und heute ist der Typ immer noch reichlich rechtspopulistisch unterwegs &#8211; also nehme ich ihm eine L\u00e4uterung schon mal nicht so ganz ab. Denn im Prinzip macht er doch noch genau das Gleiche wie damals: Zustimmung heischen und Aufmerksamkeit gewinnen durch provokante Aussagen mit deutlich rechter Schlagseite. Nur wei\u00df er eben mittlerweile, dass er nicht mehr offen neonazistisches Gedankengut \u00e4u\u00dfern darf, da das sonst seiner politischen Karriere schadet.<\/p>\n<p>Was noch hinzukommt: Diejenigen, die das nun als &#8222;Jugends\u00fcnde&#8220; kleinzureden versuchen, sind genau die Gleichen, die sonst gern mal eine Herabsetzung des Strafm\u00fcndigkeitsalters fordern. Lustigerweise haben zudem die Freien W\u00e4hler selbst eine Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre gefordert (s. <a href=\"https:\/\/www.wochenblatt.de\/archiv\/freie-waehler-kaempfen-weiter-fuer-die-absenkung-des-wahlalters-auf-16-jahre-13977479\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Und da w\u00fcrde ich mal sagen: Wer w\u00e4hlen darf, der sollte auch zumindest so weit einen politischen \u00dcberblick haben, dass ihm klar ist, dass antisemitischer Neonazi-Kack eben nicht anderes ist als antisemitischer Neonazi-Kack. Und dass man damit nicht auf ekelhafte Weise Sp\u00e4\u00dfe treibt, zumal wenn die Ironie schon allein deswegen nicht klar ersichtlich ist, weil man selbst wie ein kleiner M\u00f6chtegern-Adolf durch die Gegend l\u00e4uft.<\/p>\n<p><strong>Beistand f\u00fcr Aiwanger<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon weiter oben geschrieben: Das Ding w\u00e4re eigentlich ein Grund, dass Aiwanger zur\u00fccktritt. Doch der denkt eben gar nicht daran &#8211; und bekommt auch noch R\u00fcckendeckung aus seiner eigenen Partei. Was dann die Freien W\u00e4hler f\u00fcr mich endg\u00fcltig zu einer rechtsoffenen Tr\u00fcmmertruppe macht.<\/p>\n<p>Aber auch aus der CSU als Koalitionspartner in Bayern kommen kaum kritische Stimmen. Man wolle dem zwar nachgehen, aber zun\u00e4chst mal sieht Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der keinen Grund, dass sein Stellvertreter nun den Hut nehmen sollte, eine &#8222;Entlassung w\u00e4re ein \u00dcberma\u00df&#8220; (s. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/bayern-koalitionsausschuss-zur-causa-aiwanger-dlf-970c3982-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Geht&#8217;s noch? Wie wenig politischer Anstand ist denn da bitte vorhanden, wenn solche offensichtlich antisemitische Menschenverachtung nicht hinreichend belegt, dass jemand dann f\u00fcr ein politisches Amt wohl eher doch nicht geeignet ist?<\/p>\n<p>Aber das zeigt mal wieder, dass bei der CDU\/CSU nach wie vor gilt, was eigentlich schon immer seit Anbeginn der Bundesrepublik dort galt: &#8222;Wir haben ein Herz f\u00fcr Nazis!&#8220; Die haben sich dort ja in den 50er-Jahren schnell haufenweise eingenistet, bis hin zur rechten Hand von Bundeskanzler Konrad Adenauer: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Globke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans Globke<\/a> war immerhin Mitverfasser der N\u00fcrnberger Rassengesetze, also mit Sicherheit kein Mitl\u00e4ufer, sondern ein antisemitischer Wortf\u00fchrer im Dritten Reich.<\/p>\n<p>Wer solche &#8222;b\u00fcrgerlichen&#8220; Parteien wie CDU\/CSU und Freie W\u00e4hler hat, in denen Neonazis Karriere machen und als Koalitionspartner gern gesehen sind, der muss keine Angst davor haben, dass durch die AfD Rechtsextreme an die Regierung kommen. Denn die Rechtsradikalen sitzen bereits auf hohen Regierungsposten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass gerade ein reichlich scheu\u00dfliches Neonazi-Pamphlet \u00f6ffentlich wurde, von dem der stellvertretende bayrische Ministerpr\u00e4sident Hubert Aiwanger (Freie W\u00e4hler) als 17-J\u00e4hriger einige Exemplare in seiner Schultasche hatte, schl\u00e4gt gerade gro\u00dfe Wellten. Ich habe mal ein paar m. 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