{"id":27581,"date":"2023-09-08T17:12:02","date_gmt":"2023-09-08T15:12:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27581"},"modified":"2023-09-08T17:12:48","modified_gmt":"2023-09-08T15:12:48","slug":"eine-reise-im-schlafwagen-ein-erlebnisbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27581","title":{"rendered":"Eine Reise im Schlafwagen &#8211; ein Erlebnisbericht"},"content":{"rendered":"<p>Am letzten Wochenende waren wir bei einer Freundin in Basel zu einer gr\u00f6\u00dferen Geburtstagsfeier eingeladen. Da uns das von Rendsburg in Schleswig-Holstein zu weit war, um mit dem Auto zu fahren, und fliegen f\u00fcr uns sowieso nicht infrage kommt, haben wir uns f\u00fcr den Schlafwagen der Bahn entschieden.<\/p>\n<p>Da wir einen Hund haben, w\u00e4re eine Bahnfahrt am Tage nicht so gut zu bewerkstelligen gewesen, denn das Tierchen muss sich dann ja auch mal erleichtern k\u00f6nnen, was bei kurzen Stopps an Bahnh\u00f6fen nicht so richtig entspannt gewesen w\u00e4re. In der Nacht hingegen ist unser Hund ja gewohnt zu schlafen und eine l\u00e4ngere Zeit nicht Gassi zu gehen.<\/p>\n<p>So ein Schlafwagenabteil ist zwar nicht ganz g\u00fcnstig, aber die Aussicht, dann am Donnerstagabend loszufahren um 22 Uhr und am n\u00e4chsten Morgen dann gleich erholt am Ziel anzukommen, erschien uns doch recht attraktiv. Zumal von Hamburg nach Basel auch ein Direktzug f\u00e4hrt, sodass n\u00e4chtliches Umsteigen entf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die Deutsche Bahn bietet seit einigen Jahren keine Schlafwagenpl\u00e4tze mehr an, daher hat die \u00d6sterreichische Bundesbahn (\u00d6BB) die Wagen \u00fcbernommen, ein bisschen modifiziert und betreibt nun unter dem trendigen Signet &#8222;Nightjet&#8220; die Nachtfahrten mit Schlafm\u00f6glichkeiten auf dem deutschen Schienennetz. Das hat dann immerhin den Vorteil, dass man nicht auf die extrem unzuverl\u00e4ssige Deutsche Bahn angewiesen ist, wenngleich deren runtergekommenes Streckennetz nat\u00fcrlich immer noch f\u00fcr Probleme und damit zusammenh\u00e4ngende Versp\u00e4tungen sorgen kann &#8211; was bei uns auf der Hinfahrt auch der Fall war, als wir \u00fcber eine Stunde zwischen Hamburg und Bremen in der Pampa rumstanden und deswegen am Ende gut 40 Minuten zu sp\u00e4t in Basel ankamen. Aber da wir dort ja keinen Anschlusszug brauchten, war das durchaus zu verschmerzen.<\/p>\n<p>Was hingegen schon etwas belastender war, war die Enge in dem Abteil. Und dabei hatten wir auf der Hinfahrt sogar noch ein Viererabteil, bei dem dann zwei Pritschen (als Betten kann man das kaum bezeichnen) nicht heruntergeklappt waren. Dort hatten wir dann zumindest eine kleine Sitzbank.<\/p>\n<p>Ansonsten war immer viel Tetris angesagt, denn es gab im Grunde keine Ablage f\u00fcrs Gep\u00e4ck. Zwar fand sich \u00fcber dem Fenster ein Metallgitter zur Gep\u00e4ckaufbewahrung, das war allerdings so dicht an der Abteildecke dran, dass da weder unser kleiner Koffer noch unsere Rucks\u00e4cke reingepasst haben. Zum Gl\u00fcck waren wir ja nur f\u00fcr ein verl\u00e4ngertes Wochenende unterwegs, sodass wir keine gr\u00f6\u00dferen Koffer oder Reisetaschen dabeihatten.<\/p>\n<p>So kauerten wir auf der Sitzbank, und fragten uns, wie man sich wohl zu viert in diesen schon zu zweit reichlich beengten R\u00e4umlichkeiten f\u00fchlen w\u00fcrde. Dabei sichteten wir die Papiert\u00fctchen, die wir bekommen haben: Darin fanden sich eine Schlafmaske, Ohrst\u00f6psel, Einmal-Filzpuschen (dringend notwendig, wenn man nachts mal auf die Toilette muss und dann nicht seine Schuhe anziehen m\u00f6chte &#8211; barfu\u00df empfiehlt sich das in keinem Fall), zwei Miniatur-Manner-Schnitten, eine kleine T\u00fcte mit irgendwelchen etwas merkw\u00fcrdig schmeckendem Kr\u00fcmelkram auf Gem\u00fcsebasis, ein kleiner Wachschlappen und ein St\u00fcckchen Seife. Dazu gab es dann sp\u00e4ter vom Schaffner auch noch eine Picoloflasche Sekt, um so zumindest formal den Eindruck von Luxus und Komfort zu erwecken.<\/p>\n<p>Allerdings konnte und der Schaffner auch nicht weiterhelfen mit der Klimaanlage. Diese pustete wie bl\u00f6de sehr kalte Luft unter der Sitzbank heraus, was das Sitzen dort nicht sehr angenehm machte und zudem recht laut war. Die einzige M\u00f6glichkeit, das zu regulieren, bestand dann darin, an einem Regler die Temperatur zu \u00e4ndern, sodass dann zus\u00e4tzlich zur immer noch sehr kalten Luft unter der Bank warme Luft aus der Heizung am Fenster entstr\u00f6mte. Aber das kann&#8217;s ja irgendwie auch nicht sein.<\/p>\n<p>Dann schnell noch den Zettel f\u00fcrs Fr\u00fchst\u00fcck ausgef\u00fcllt, auf dem man sechs Komponenten ankreuzen kann, die einem dann am n\u00e4chsten Morgen serviert werden, und ab in die Koje. Einen Bistro- oder gar Speisewagen, in dem man etwas kommoder h\u00e4tte sitzen k\u00f6nnen, gab es n\u00e4mlich leider nicht.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr musste man dann zumindest etwas sportlich sein, um die obere Koje zu entern, denn eine Leiter oder so was gab es nicht. F\u00fcr \u00e4ltere Leute k\u00f6nnte dies eine ziemliche H\u00fcrde sein, \u00fcberhaupt den zweiten Schlafplatz nutzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Viererabteil war zwar etwas gr\u00f6\u00dfer als die anderen Abteile im Waggon, hatte daf\u00fcr aber den Nachteil, dass es direkt neben den Toiletten liegt. Und da klappte dann in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit die T\u00fcr durchaus ger\u00e4uschvoll und str\u00f6mte Wasser durch die Leitungen nach, was das Einschlafen nicht eben erleichterte. Zudem schloss die Klappe zu einer Bedieneinheit oder so was \u00c4hnlichem des Zugpersonals im Gang des Waggons nicht richtig, was dann bei jeder Ersch\u00fctterung oder Kurve, die der Zug nahm, zu einem lauten &#8222;Rumms&#8220; f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Als Kr\u00f6nung kam dann noch hinzu, dass immer wieder f\u00fcr eine Zeit Wasserrauschen zu vernehmen war. Ich dachte, dass das vielleicht von einer Zuleitung zu den WCs k\u00e4me, aber gegen Morgen fand meine Frau dann heraus, dass das der Wasserhahn in unserem Zimmer war. Diese Schlafabteile haben n\u00e4mlich auch ein Waschbecken, dass allerdings mit einer Platte abgedeckt ist, die wir dringend als Ablagefl\u00e4che brauchten wegen der Enge im Abteil, sodass wir das Becken gar nicht genutzt haben. Dennoch lief da immer wieder, und das teilweise auch sehr lange, das Wasser &#8211; ohne dass man das abstellen konnte.<\/p>\n<p>Reichlich ger\u00e4dert nahmen wir dann morgens unser Fr\u00fchst\u00fcck ein, das zumindest recht o. k. war. Aber mehr als drei Stunden Schlaf waren f\u00fcr mich nicht drin gewesen in dieser Nacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einem sch\u00f6nen und ereignisreichen Wochenende ging es dann am Sonntagabend in Basel wieder in den Nightjet. Diesmal hatten wir ein anderes Abteil, wie wir schon anhand der Nummerierung sehen konnten, sodass wir zumindest wohl nicht neben den Toiletten untergebracht w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das war auch tats\u00e4chlich der Fall, denn diesmal hatten wir daf\u00fcr auch kein Vierer-, sondern ein Zweierabteil. Und kam uns das auf der Hinfahrt schon wie eine Sardinenb\u00fcchse vor, so wurde das nun noch mal getoppt. Wenn eine Person mit einem Rucksack in das Abteil ging, musste die andere Person im Flur stehen bleiben, da schlichtweg kein Platz mehr vorhanden war.<\/p>\n<p>Sitzen konnten wir dann auch erst in dem Abteil, als der Schaffner die obere Koje noch einmal hochgeklappt hatte. Dann konnten wir uns nebeneinander auf der unteren Pritsche platzieren. Gem\u00fctlich geht in jedem Fall anders. Na ja, daf\u00fcr gab&#8217;s dann diesmal auch keinen Sekt, sodass wir uns dann sowieso bald die obere Schlafgelegenheit wieder herrichten lie\u00dfen und uns ins hinlegten.<\/p>\n<p>Immerhin rauschte dieses Mal kein Wasser, allerdgins war das Waschbecken in unserer Kabine so pekig, dass wir das auch gleich nach einer kurzen Inaugenscheinnahme wieder abdeckten und dann zum Z\u00e4hneputzen doch die Toilette auf dem Gang w\u00e4hlten. Zudem war die Klimaanlage nicht ganz so ruppig eingestellt wie im Abteil auf der Hinfahrt, daf\u00fcr waren die Abst\u00e4nde der Pritschen noch geringer, sodass ich mir mehrmals in der Nacht den Kopf stie\u00df. Diese Zweierschlafst\u00e4tten sind n\u00e4mlich so konstruiert, dass immer zwei komplette Abteile \u00fcbereinander angeordnet sind. Mit meinen 1,84 Metern hatte ich da schon reichlich Probleme &#8211; ich mag mir nicht vorstellen, wie das jemandem geht, der 1,90 oder noch gr\u00f6\u00dfer ist &#8230;<\/p>\n<p>Also versuchte ich, auf dem winzigen Kissen (das hatte diesmal tats\u00e4chlich nur die Gr\u00f6\u00dfe eines Sofazierkissens, also etwa 20 x 20 cm) in den Schlaf zu kommen. Diesmal machte zwar kein WC Krach, und es klapperte auch keine T\u00fcr auf dem Gang, aber daf\u00fcr war unser Hund recht unruhig, wenn der Zug hielt und wieder anfuhr. Da die Kabine so klein war, gab es eigentlich keine andere M\u00f6glichkeit, als dass der Hund mit auf der unteren Pritsche schlief. Wie gut, dass wir nur einen eher kleinen Mischling und keinen Sch\u00e4ferhund oder etwas noch Gr\u00f6\u00dferes haben.<\/p>\n<p>Diesmal hatte der Zug keine Versp\u00e4tung, allerdings gab es morgens dann zum Fr\u00fchst\u00fcck weder Kaffee noch Tee, sondern ein kleines Tetrapack mit Orangensaft &#8211; der Boiler war kaputt. Na ja, passte irgendwie zum Rest der ganzen Fahrt &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass diese Angebote als &#8222;Komfortpakete&#8220; bezeichnet werden, ist eigentlich reiner Hohn, denn mit Komfort hat das echt nichts zu tun. O. k., au\u00dfer dem Preis, der mit knapp 800 Euro f\u00fcr Hin- und R\u00fcckfahrt dann schon komfortabel hoch war, wie ich finde.<\/p>\n<p>Die Bahn ist eigentlich ein sehr cooles Verkehrsmittel, nur wird da, wie ich finde, st\u00e4ndig alles falsch gemacht. Dass die Deutsche Bahn mit ihrer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Unzuverl\u00e4ssigkeit Fahrg\u00e4ste abschreckt, ist ja nun wahrlich nichts Neues, aber auch die \u00d6BB macht hier wenig, um Menschen dazu zu bringen, immer mal wieder mit dem Nighjet zu fahren: teuer, unbequem, kein St\u00fcck komfortabel, vollkommen beengt. Ich werde mir das in jedem Fall eher nicht noch mal antun &#8211; und das, obwohl ich die Idee, \u00fcber Nacht zu reisen, eigentlich sehr gut finde. Aber wenn ich dann morgens ger\u00e4dert am Zielort ankomme, dann kann ich auch gleich das Auto nehmen und nachts \u00fcber halbwegs freie Autobahnen fahren.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich spart so eine Zugfahrt CO2 (darauf wurde auch in einem Flyer im Abteil hingewiesen), wenn das allerdings mit einer derart unkommoden Reise verbunden ist, d\u00fcrfte das f\u00fcr viele dann doch nur ein recht kleiner Anreiz sein. Und das sollte eigentlich genau andersrum sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am letzten Wochenende waren wir bei einer Freundin in Basel zu einer gr\u00f6\u00dferen Geburtstagsfeier eingeladen. 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