{"id":27586,"date":"2023-12-13T14:44:45","date_gmt":"2023-12-13T13:44:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27586"},"modified":"2023-12-13T14:52:39","modified_gmt":"2023-12-13T13:52:39","slug":"kein-wettkampf-mehr-im-kindersport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27586","title":{"rendered":"Kein Wettkampf mehr im Kindersport"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich las ich, dass im Kindersport zunehmend der Wettkampfcharakter rausgenommen wird, indem beispielsweise in der G- und F-Jungend beim Fu\u00dfball keine Tore mehr gez\u00e4hlt werden und es keine Tabellen mehr gibt (s. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/jugendfussball-leistung-spass-diskussion-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) oder bei Bundesjugendspielen die Leistungen von Grundsch\u00fclern nicht mehr so genau gemessen werden sollen (s. <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/welt\/bundesjugendspiele-kein-wettkampf-fuer-grundschueler-mehr-zr-92382680.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Ich wei\u00df ja nicht, ob das wirklich so sinnvoll ist &#8230;<\/p>\n<p>Das mag jetzt zun\u00e4chst mal ein bisschen absurd klingen, wenn Ihr meine Artikel hier verfolgt, die ich seit einigen Jahren ver\u00f6ffentliche. Normalerweise sehe ich ja das Wettbewerbsdenken eher kritisch und beklage auch oft die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Ist es da nicht positiv, wenn man den Konkurrenzgedanken bei Sport zumindest bei kleineren Kindern au\u00dfen vor l\u00e4sst?<\/p>\n<p>Hier stehen nun m. E. zwei Schutzr\u00e4ume gegen\u00fcber, die es abzuw\u00e4gen gilt: der Schutzraum Kindheit und der Schutzraum Sport.<\/p>\n<p>Der Schutzraum Kindheit wird dabei immer br\u00fcchiger, denn Kinder werden zunehmend als kleine Konsumenten gesehen, was nicht eben besonders kindspezifisch ist. Dabei bleiben dann einige kognitive und auch soziale Kompetenzen auf der Strecke, die sich eigentlich in diesem Schutzraum Kindheit entwicklen sollten, damit sie dann bei jungen Erwachsenen herangereift sind &#8211; was eben immer h\u00e4ufiger nicht mehr hinhaut, wie ich ja vorvorletzte Woche schon mal in einem <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27960\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> thematisiert habe.<\/p>\n<p>Und dann haben wir da den Schutzraum Sport, der eben vom realen Leben ein St\u00fcck weit entkoppelt ist. Die Spieler in der gegnerischen Fu\u00dfballmannschaft auf dem Bolzplatz k\u00f6nnen sehr gut meine besten Freunde sein, mit denen ich nach dem Kick dann noch andere Sachen zusammen mache. Die Wettbewerbssituation ist also genau zeitlich und r\u00e4umlich definiert, zudem dient sie vor allem der Freude am Spiel. Das ist eben das Besondere am Sport (wobei das f\u00fcr den Profisport nat\u00fcrlich nicht gilt): Das, was man da macht, hat nach dem Ende der sportlichen Bet\u00e4tigung keine weiteren Auswirkungen mehr &#8211; es sei denn, dass man am n\u00e4chsten Tag vielleicht ein bisschen Muskelkater hat.<\/p>\n<p>Und so ergeben sich in diesem Schutzraum Sport wichtige Erkenntnisse, die auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass es dabei dann Sieger und Verlierer gibt:<\/p>\n<ul>\n<li>Messe dich im Sport mit anderen, aber nicht im normalen Leben.<\/li>\n<li>Du kannst dich verbessern, wenn du etwas \u00fcbst.<\/li>\n<li>Es ist wichtig, sowohl bei Gewinnen als auch beim Verlieren Gr\u00f6\u00dfe zu zeigen.<\/li>\n<li>Bei Mannschaftssportarten: Man gewinnt als Team und man verliert als Team.<\/li>\n<li>Fairness ist wichtiger als ein auf betr\u00fcgerische oder unsportliche Weise errungener Sieg.<\/li>\n<li>Manchmal geh\u00f6rt einfach auch nur Gl\u00fcck dazu, um erfolgreich zu sein.<\/li>\n<li>Eine knappe Niederlage kann mehr Spa\u00df machen als ein allzu deutlicher Sieg.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bolzplatz und Co. k\u00f6nnen also eine sehr wichtige Rolle einnehmen bei der Sozialisation von Kindern und recht universelle Werte vermitteln, die auch \u00fcber den Sport hinaus G\u00fcltigkeit haben k\u00f6nnen. Und das auch schon ohne eine fachliche p\u00e4dagogische Begleitung. Um wie viel besser funktioniert dass dann erst in Sportvereinen, wenn ein Trainer diese Werte noch mal extra betonen und hervorheben kann?<\/p>\n<p>Was noch hinzukommt: Auch Kinder schauen Sport im Fernsehen oder live, und da wird dann auf Ergebnis gespielt, es gibt Gewinner und Verlierer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die dann auf dem Bolzplatz das gro\u00dfartig anders machen werden &#8211; zumindest w\u00e4ren wir als Kinder da nicht drauf gekommen. Ist es da nicht etwas seltsam, wenn man in seiner Freizeit mit seinen Kumpels anders kickt (oder nat\u00fcrlich irgendeine andere Sportart macht) als im Verein oder in der Schule? Ich kann mir zumindest vorstellen, dass dann viele Kids den ergebnislosen Sport nicht als wirklich ernsthaft ansehen &#8211; es geht ja um nichts. Und auch Kinder messen sich eben st\u00e4ndig mit anderen, was auch o. k. ist, wenn dies spielerisch geschieht. Das f\u00e4ngt schon bei Brettspielen an, die ja bereits in sehr fr\u00fchem Alter gespielt werden. Soll dann beim Mensch-\u00e4rgere-dich-nicht etwa auch nicht mehr gew\u00fcrfelt werden, und alle eiern da mit ihren Spielfiguren irgendwie auf dem Feld rum? Klingt ja nach richtig viel Spa\u00df &#8230;<\/p>\n<p>Wir leben leider in einer Zeit, in der die Menschen immer mehr auf Wettbewerb und Konkurrenzdenken getrimmt werden. Das macht auch vor Kindern nicht halt, denn schlie\u00dflich gibt es immer noch Noten in Schulen (was einige P\u00e4dagogen oder Neurowissenschaftler, wie beispielsweise Gerald H\u00fcther, ja als \u00fcberkommen ansehen), der Karriereweg der lieben Kleinen wird oft schon in jungen Jahren vorbereitet mit zus\u00e4tzlichen Sprach-, Musik- und sonst was f\u00fcr Kursen, die bei vielen Kindern zu einer straff durchorganisierten Freizeit f\u00fchren, viele Kinder haben im Laufe der Schulzeit bereits ein Burn-out erlitten &#8211; und dann soll gerade in dem Bereich, in dem es eigentlich in Ordnung ist, sich mit anderen zu messen, der Wettbewerbsgedanke raugenommen werden. Irgendwie reichlich absurd, oder?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es \u00fcbereifrige Eltern, die schon bei Achtj\u00e4hrigen am Spielfeldrand stehen und wie die Irren rumb\u00f6lken, den Schiedsrichter beschimpfen oder den eigenen Trainer rundmachen, wenn denn der kleine Prinz oder die kleine Prinzessin nicht so spielt, wie es sich f\u00fcr den kommenden Nationalspieler geh\u00f6ren w\u00fcrde. Nur finde ich es eben verkehrt, diesem Missstand damit zu begegnen, indem man die Ergebnisse einfach wegl\u00e4sst. Vielmehr w\u00e4re es sinnvoll, die oben aufgef\u00fchrten Werte noch st\u00e4rker zu vermitteln und den Fairplay-Gedanken immer wieder zu betonen. Das k\u00f6nnte dann n\u00e4mlich dazu f\u00fchren, dass sich die Kids in sp\u00e4teren au\u00dfersportlichen Konkurrenzsituationen auch anst\u00e4ndig verhalten &#8211; und nicht den Erfolg um jeden Preis zu erzielen suchen.<\/p>\n<p>Denn so was lernt man vor allem im fair gef\u00fchrten Wettkampf, der auch noch Spa\u00df macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich las ich, dass im Kindersport zunehmend der Wettkampfcharakter rausgenommen wird, indem beispielsweise in der G- und F-Jungend beim Fu\u00dfball keine Tore mehr gez\u00e4hlt werden und es keine Tabellen mehr gibt oder bei Bundesjugendspielen die Leistungen von Grundsch\u00fclern nicht mehr so genau gemessen werden sollen. 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