{"id":2760,"date":"2015-04-03T00:07:47","date_gmt":"2015-04-02T22:07:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2760"},"modified":"2017-08-14T22:04:29","modified_gmt":"2017-08-14T20:04:29","slug":"wes-brot-ich-ess-des-lied-ich-sing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2760","title":{"rendered":"Wes Brot ich ess, des Lied ich sing"},"content":{"rendered":"<p>Auf <em>Deutschlandradio Kultur<\/em> gab Christiane N\u00fcsslein-Volhard, Biologin, Medizinnobelpreistr\u00e4gerin\u00a0und\u00a0Direktorin am Max-Planck-Institut f\u00fcr Entwicklungsbiologie in T\u00fcbingen, ein <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/gruene-gentechnik-die-leute-haben-keine-ahnung.1008.de.html?dram%3Aarticle_id=314788\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interview zum Thema gr\u00fcne Gentechnik<\/a>, in dem sie mit ziemlicher Vehemenz den deutschen Konsumenten Ahnungslosigkeit vorwarf beim Thema\u00a0Lebensmittel: Kaum einer wisse,\u00a0wo sein Essen \u00fcberhaupt herkommt und wie es erzeugt wird.<\/p>\n<p>Und aus diesem Grund echauffiert sie sich auch m\u00e4chtig dar\u00fcber, dass die Gentechnik eine solche gro\u00dfe Ablehnung in Deutschland erf\u00e4hrt:<\/p>\n<blockquote><p>Ich glaube, die Leute wissen \u00fcberhaupt nicht Bescheid, wo das Essen herkommt. Es ist eine unglaubliche Ignoranz und die Leute lesen Zeitschriften wie &#8222;Landlust&#8220; und &#8222;Landliebe&#8220; und denken, das m\u00fcsste wieder auf den Acker zur\u00fcck, den unsere Gro\u00dfeltern noch mit Hand bestellt haben, und haben eine total romantische Vorstellung von der Nahrungsmittelproduktion und wissen \u00fcberhaupt nicht, welche gro\u00dfen Vorteile die Gentechnik bringen kann.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr mich klingt das zun\u00e4chst mal vor allem ausgesprochen \u00fcberheblich, oberlehrerhaft und blasiert, was N\u00fcsslein-Volhard da von sich gegeben hat, und\u00a0dann gesellten sich auch noch Phrasen dazu, die klingen wie aus Werbebrosch\u00fcren von Monsanto und Co.:<\/p>\n<blockquote><p>Aber inzwischen werden gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen auf zehn Prozent der Agrarfl\u00e4chen angebaut, seit Jahren, und es hat sich nichts Sch\u00e4dliches dabei herausgestellt, eigentlich nur positive Erscheinungen.<\/p>\n<p>In sehr vielen Bereichen der Nahrungsmittelindustrie sind auf gentechnischem Wege hergestellte Produkte inzwischen sehr verbreitet. Das wird nicht gekennzeichnet, das ist auch nicht schlimm. Wie gesagt, es gibt keine Auswirkungen, die eindeutig damit korrelierbar sind.<\/p>\n<p>Und weshalb ich mich daf\u00fcr sehr einsetze, ist, dass gentechnisch ver\u00e4nderte Pflanzen eben helfen, Pestizide einzusparen. Und die Pestizideinsparung zurzeit betr\u00e4gt ungef\u00e4hr 30 bis 40 Prozent. Und das finde ich doch ganz, ganz toll! Denn die Insektenvernichtungsmittel, also die chemischen Waffen, die man einsetzt, sind meiner Ansicht nach viel, viel bedenklicher als die gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun ja, die Frau hat ja nun durchaus einiges vorzuweisen an Fachkompetenz, sodass ich mich einen kurzen Moment dann doch fragte, ob ich nicht vielleicht selbst komplett falsch liege mit meiner Einstellung zu gentechnisch manipulierten Nahrungsmitteln, zumal ich mich in dem Bereich durchaus auch schon ein bisschen mehr informiert habe. Dieser kurze Moment endete aber abrupt, als ich mich mal ein wenig genauer \u00fcber Frau N\u00fcsslein-Volhard informierte. Es gibt n\u00e4mlich sogar eine <em>Christiane N\u00fcsslein-Volhrad-Stiftung<\/em>, also schaute ich auf deren Webseite<a href=\"http:\/\/www.cnv-stiftung.de\/de\/sponsoren.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/a> doch einfach mal nach, wer denn dort so alles bei den Sponsoren aufgef\u00fchrt ist (mittlerweile nicht mehr online). Und siehe da: Die Bayer Stiftung und BASF sprangen mir gleich ins Auge &#8211; zwei Unternehmensnamen, die nun direkt mit\u00a0gr\u00fcner Gentechnik ihr Geld verdienen.<\/p>\n<p>In unseren letzten Wochenhinweisen (KW 13) findet sich als 8. Punkt\u00a0etwas, was ich in diesem Zusammenhang gern noch mal zitieren m\u00f6chte:<\/p>\n<blockquote><p>Das Bundesinstitut f\u00fcr Risikobewertung (BfR) bescheinigte dem weltweit am meisten verwendeten Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Unbedenklichkeit, nun ist in einem\u00a0<em><a href=\"http:\/\/taz.de\/Studie-ueber-Pflanzenschutzmittel\/!156894\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">taz<\/a><\/em><a href=\"http:\/\/taz.de\/Studie-ueber-Pflanzenschutzmittel\/!156894\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">-Artikel<\/a>\u00a0zu lesen, dass das Zeug laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend ist und sich das BfR vor allem auf von den Glyphosat-Herstellern in Auftrag gegebene Studien berufen hat. Na klasse, wie fahrl\u00e4ssig hier mit unser aller Gesundheit umgesprungen wird. Am kommenden Dienstag gibt es zu dem Thema \u00fcbrigens eine 45-min\u00fctige\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BzdBU1J2Rms\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Reportage auf\u00a0<em>arte<\/em><\/a>, da kann man sich dann ja vielleicht noch ein fundierteres Urteil bilden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Glyphosat wird vor allem bei gentechnisch ver\u00e4nderten Pflanzen verwendet &#8211; da gibt es also gerade reichlich Gegenwind f\u00fcr diese Technologie, wenn nicht nur die Langzeitfolgen vollkommen unklar sind, sondern auch unmittelbare Sch\u00e4digungen schon jetzt auftreten. Was macht man also, wenn man auf diese Weise seinen Umsatz und seine Reputation gef\u00e4hrdet sieht? Man schickt einen klangvollen Namen mit einer Kompetenz erweckenden Biografie vor, um eventuellen Zweiflern zu erz\u00e4hlen: &#8222;Alles nicht so schlimm, sondern ganz im Gegenteil richtig super!&#8220;<\/p>\n<p>So weit, so sch\u00e4big, dass eine Nobelpreistr\u00e4gerin sich derma\u00dfen zur PR-Tante\u00a0f\u00fcr Unternehmensinteressen macht, da eben ihre eigene Stiftung von den Zuwendungen genau dieser Konzerne\u00a0profitiert. Aber w\u00e4re es nicht an der Redaktion von\u00a0<em>Deutschlandradio Kultur<\/em> gewesen, eben genau diese Zusammenh\u00e4nge, welche doch deutliche\u00a0Zweifel an der\u00a0Objektivit\u00e4t von Frau N\u00fcsslein-Volhard beim Thema gr\u00fcne Gentechnik\u00a0aufkommen lassen, zumindest mal zu erw\u00e4hnen? Das war ja nun keine gro\u00dfartige investigative Detektivarbeit, die notwendig war, um diese finanziellen Verstrickungen herauszubekommen, sondern dauerte ungef\u00e4hr zwei Minuten &#8211; zu viel verlangt f\u00fcr einen Journalisten, der seinen Job ernst nimmt und der nicht nur einfach den kommoden Stichwortgeber f\u00fcr seine Interviewpartner gibt? Und das eben nicht bei <em>RTL, BILD, Spiegel,<\/em>\u00a0<em>Jauch<\/em> und Co., wo man ja das Unterschreiten journalistischer Mindeststandards mittlerweile gewohnt ist, sondern bei einem Radiosender, der vor allem ein an qualitativem Journalismus interessiertes Bildungspublikum anspricht.<\/p>\n<p>Also: Trau, schau, wem &#8211; gerade wenn es um die Nutzung von (auch vermeintlich seri\u00f6sen) Medien geht. Denn wer zahlt, bestimmt letztlich die Musik &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Deutschlandradio Kultur gab Christiane N\u00fcsslein-Volhard, Biologin, Medizinnobelpreistr\u00e4gerin und Direktorin am Max-Planck-Institut f\u00fcr Entwicklungsbiologie in T\u00fcbingen, ein Interview zum Thema gr\u00fcne Gentechnik, in dem sie mit ziemlicher Vehemenz den deutschen Konsumenten Ahnungslosigkeit vorwarf beim Thema Lebensmittel: Kaum einer wisse, wo sein Essen \u00fcberhaupt herkommt und wie es erzeugt wird. Und aus diesem Grund echauffiert sie sich auch m\u00e4chtig dar\u00fcber, dass die Gentechnik eine solche gro\u00dfe Ablehnung in Deutschland erf\u00e4hrt.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,52],"tags":[146,164],"class_list":["post-2760","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medial-manipulatives","category-soziales","tag-gentechnik","tag-manipulation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2760"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8542,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2760\/revisions\/8542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}