{"id":28268,"date":"2024-01-20T16:04:25","date_gmt":"2024-01-20T15:04:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28268"},"modified":"2024-01-20T16:34:20","modified_gmt":"2024-01-20T15:34:20","slug":"demonstration-dafuer-anstatt-dagegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28268","title":{"rendered":"Demonstration: F\u00dcR und GEGEN"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gestern war in Hamburg, wie schon zuvor in vielen St\u00e4dten in Deutschland, eine Demonstration \u201e&#8230; \u00a0gegen Rechtsextremismus und neonazistische Netzwerke\u201c. Der Widerstand gegen Extremismus (jeder Couleur) und gegen rechte Netzwerke entspringt bei den meisten Menschen wahrscheinlich dem Gedanken, nie wieder einen Nationalsozialismus wie im Dritten Reich zuzulassen. Aus meiner Sicht ein absolut sinniger Gedanke! Allerdings habe ich damit nicht nur ein sprachliches, sondern auch ein inhaltliches Problem (mal schauen, wer jetzt wieder loszetert, ohne den Kontext abzuwarten).\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich war gestern zwei Stunden auf der Demo, bin durch die Menschenmassen einmal quer durch, vom G\u00e4nsemarkt bis zum Rathausplatz, die komplette Masse aufgesogen und allen Sprechges\u00e4ngen gelauscht. Doch jedes Mal, wenn ich destruktive oder hassgeladene Parolen h\u00f6re, zucke ich innerlich zusammen. Das klingt dann z. B. so: \u201eGanz &#8230; Hamburg &#8230; hasst die AfD!\u201c Mein Problem damit: Ich \u201ehasse\u201c nicht. Hass ist blind, Hass ist die Negierung einer Auseinandersetzung. Wenn ich das Wort \u201eHass\u201c h\u00f6re, dann meistens in dem Kontext, dass Menschen sich mit etwas nicht besch\u00e4ftigen wollen oder nicht in der Lage sind, die Realit\u00e4t anzunehmen (z. B: \u201eIch hasse schlechtes Wetter\u201c oder \u201eIch hasse Mathe\u201c). Dann br\u00fcllen die n\u00e4chsten: \u201eNazis raus! Nazis raus!\u201c, und ich frage mich unweigerlich: Und wohin? Raus aus Deutschland und dann ab nach Polen oder Russland? In die Arktis?<\/p>\n<p>Es klingt abgedroschen, aber wenn Nazis etwas brauchen, dann Liebe. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Druck erzeugt Gegendruck. Auge um Auge macht die Gesellschaft am Ende blind. Wenn ich mich vor einen Nazi stelle und sie oder ihn anschreie, dass sie oder er eine Sau ist und dass sie oder er sich verpissen soll, dann ist das aus meiner Sicht nur sehr bedingt hilfreich dabei, sie oder ihn vom \u201eNazisein\u201c abzubringen. Die AfD f\u00e4hrt mit ihrer medialen Aufmerksamkeit in Kombination mit dem st\u00f6rrischen \u201eegal, was die Regierung macht, wie nehmen einfach grunds\u00e4tzlich die Gegenposition ein und fischen alle unzufriedenen Menschen damit ein, die einfache L\u00f6sungen f\u00fcr komplizierte Sachverhalte fordern\u201c beste Ergebnisse ein.<\/p>\n<p>Meinen Standpunkt gegen rechtes Gedankengut kann ich auch ausdr\u00fccken, indem ich \u201ef\u00fcr\u201c Dinge wie Menschenrechte, Toleranz, Vielfalt, Diversity oder schlichtweg Gleichberechtigung eintrete. Ich kann \u201ef\u00fcr ein Parteiverbot der AfD\u201c eintreten, anstatt \u201egegen die AfD\u201c zu wettern und damit nur die anderen st\u00f6rrischen Menschen zu best\u00e4rken, die es aus oben genannten Gr\u00fcnden f\u00fcr eine \u201eProtestwahl\u201c halten, wenn man Nazis w\u00e4hlt, die gegen die Gro\u00dfparteien wettern. Als g\u00e4be es keine Alternativen zur Alternative, aber daf\u00fcr m\u00fcsste man sich ja mit den Alternativen besch\u00e4ftigen, was sehr viel anstrengender ist, als sich kindlich hinzustellen und einfach das Gegenteil von dem zu machen, was man vorher gemacht hat. Egal, ob man sich damit ins eigene Fleisch schneidet, weil man gar keine Konzernchefin oder kein Superreicher ist, weil man in Wirklichkeit selbst von deren Parteiprogramm und politischem Kurs zur Verliererin oder zum Verlierer gemacht wird.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re vielleicht f\u00fcr einige etwas \u00fcberspitzt zu schreiben, dass \u201eNazis raus!\u201c intellektuell nicht weit von \u201eAusl\u00e4nder raus!\u201c entfernt ist, weil dieser Protestruf vielleicht genau daher kommt. Aber ist es wirklich das Mittel der Wahl, die Nazis nicht zuletzt wegen ihrer Methoden zu verachten, um dann selbst zum gleichen Werkzeug zu greifen? Rauswurf, Hass und vielleicht sogar den Tod zu w\u00fcnschen? Es tut mir leid, wenn das vielleicht die politische Linke schw\u00e4cht, wenn ich bei solchen Gro\u00dfveranstaltungen fehle, aber ich m\u00f6chte mich nicht mit Hass und Hetze f\u00fcr eine solidarische, offene und vielf\u00e4ltige Gesellschaft einsetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war in Hamburg, wie schon zuvor in vielen St\u00e4dten in Deutschland, eine Demonstration \u201e&#8230; \u00a0gegen Rechtsextremismus und neonazistische Netzwerke\u201c. Der Widerstand gegen Extremismus (jeder Couleur) und gegen rechte Netzwerke entspringt bei den meisten Menschen wahrscheinlich dem Gedanken, nie wieder einen Nationalsozialismus wie im Dritten Reich zuzulassen. Aus meiner Sicht ein absolut sinniger Gedanke! 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