{"id":28352,"date":"2024-02-09T22:53:39","date_gmt":"2024-02-09T21:53:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28352"},"modified":"2024-02-09T22:53:39","modified_gmt":"2024-02-09T21:53:39","slug":"monopole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28352","title":{"rendered":"Monopole"},"content":{"rendered":"<p>Monopole sind eigentlich etwas, das dem immer wieder viel beschworenen &#8222;freien Markt&#8220; entgegensteht. Und vor allem sind sie auch nicht gut f\u00fcr die Verbraucher. Dennoch erleben wir in den letzten Jahren eine zunehmende Monopolisierung der Wirtschaft.<\/p>\n<p>Dabei gibt es ja beispielsweise eine Institution wie das Bundeskartellamt, die das Entstehen solcher monopolitischen Strukturen unterbinden soll. Allerdings scheint das nicht so recht zu klappen &#8211; was daran liegen k\u00f6nnte, dass die Tendenz zur Monopolisierung in unserem Wirtschaftssystem, dem neoliberalen Kapitalismus, quasi eingebaut ist.<\/p>\n<p>Freier Wettbewerb funktioniert n\u00e4mlich tats\u00e4chlich nur dann, wenn alle Marktteilnehmer die gleichen Voraussetzungen haben. Das ist in der Theorie des Neoliberalismus zwar der Fall bzw. eine Grundannahme, hat aber leider nicht der Realit\u00e4t nichts zu tun. Wenn n\u00e4mlich beispielsweise Amazon seine Rechnungen f\u00fcr K\u00e4ufe in Deutschland aus Luxemburg verschickt und somit keine Umsatzsteuer zahlt, dann kann der station\u00e4re Einzelhandel da einfach nicht mithalten. Und das ist ein generelles Prinzip, das gro\u00dfe internationale Unternehmen gegen\u00fcber kleinen lokalen Betrieben Vorteile verschafft.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen auch Gro\u00dfkonzerne aufgrund ihrer Abnahmemengen ganz andere Preise bei den Erzeugern und Produzenten aushandeln, als dies bei kleinen und mittleren Unternehmen der Fall ist.<\/p>\n<p>Deswegen braucht es eben auch eine Regulierung durch die \u00f6ffentliche Hand, sprich: den Staat. Doch wurde hier gem\u00e4\u00df der neoliberalen Maxime, dass der Staat sich aus der Wirtschaft weitestgehend raushalten soll, zunehmend in den letzten Jahrzehnten der Schutz f\u00fcr kleine Marktteilnehmer abgebaut. Die Folge: Immer mehr Familienbetriebe und mittelst\u00e4ndische Unternehmen sind verschwunden oder wurden von gro\u00dfen Konzernen geschluckt.<\/p>\n<p>Dass sich an diesem Zustand nichts \u00e4ndert, daf\u00fcr werden jedes Jahr viele Millionen Euro f\u00fcr Lobbyismus ausgegeben &#8211; in erster Linie von gro\u00dfen Konzernen. Und genau diese k\u00f6nnen eben in Aufsichtsr\u00e4ten oder Vorst\u00e4nden sowie als Berater auch immer wieder Politiker nach deren Ausscheiden aus dem Amt lukrative Posten verschaffen &#8211; quasi als Dankesch\u00f6n f\u00fcr zuvor geleistete gute Dienste. Auch diese M\u00f6glichkeit steht kleinen und mittleren Unternehmen in der Regel nicht offen.<\/p>\n<p>Diese Wettbewerbsvorteile von Gro\u00dfunternehmen f\u00fchren dann in Summe zur Monopolisierung. Kennt jeder: Die Innenst\u00e4dte ver\u00f6den immer mehr, und Amazon baut zeitgleich an den Stadtr\u00e4ndern immer gr\u00f6\u00dfere Lager.<\/p>\n<p>Dabei denken die meisten Verbraucher schlichtweg zu kurz, wenn sie aus Gr\u00fcnden der Kostenersparnis bei Konzernen statt bei kleinen (lokalen) Anbietern kaufen. Zwar spart man zun\u00e4chst mal beim direkten Kaufvorgang vielleicht etwas Geld, aber mittelfristig sind Steuervermeidungstaktiken von Amazon und Co. etwas, das uns alle Geld kostet. Dazu kommt, dass so h\u00e4ufig gute Arbeitspl\u00e4tze verschwinden und schlechte entstehen &#8211; mit Folgen f\u00fcr die Sozialkassen, in die dann weniger eingezahlt wird.<\/p>\n<p>In letzter Zeit habe ich einiges gelesen zu den negativen Auswirkungen von zu gro\u00dfer Marktmacht von Unternehmen, die quasi eine Monopolstellung haben.<\/p>\n<p>So fand sich in der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> ein <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/wirtschaft\/gastwirtschaft\/uebergrosse-marktmacht-92802264.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gastkommentar von Imke Dier\u00dfen<\/a> (<em>LobbyControl<\/em>) zu den derzeitigen Problemen in der Landwirtschaft, die dazu f\u00fchren, dass gerade viele kleinb\u00e4uerliche Betriebe kaum noch rentabel wirtschaften k\u00f6nnen. Darin hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Diese \u00fcbergro\u00dfe Marktmacht einiger weniger Konzerne benachteiligt vor allem kleinere b\u00e4uerliche Betriebe. Die Preise an der Ladentheke spiegeln bei weitem nicht die wahren sozialen und \u00f6kologischen Herstellungskosten wider. Um von ihren Produkten leben und ihren notwendigen Beitrag zu Natur- und Tierschutz leisten zu k\u00f6nnen, muss die Landwirtschaft aus der strukturellen Abh\u00e4ngigkeit von wenigen Konzernen befreit werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Edeka, Rewe, Lidl und Aldi &#8211; das sind die gro\u00dfen vier der Lebensmittelbranche, die den Markt weitgehend beherrschen. Und die diese Position schamlos ausnutzen, um den Landwirten immer schlechtere Preise zu diktieren. Doch anstatt dass die Bauernproteste sich gegen diese Unternehmen richteten, zeterte man lieber gegen die Bundesregierung &#8211; kein Wunder, sind doch die Bauernverb\u00e4nde von CDUlern dominiert, und die haben ja stets ein gro\u00dfes Herz f\u00fcr Konzerne.<\/p>\n<p>So f\u00fchrt also die Marktdominanz einiger weniger Unternehmen dazu, dass der notwendige Umbau der Landwirtschaft &#8211; weg von industrieller Massenproduktion hin zu \u00f6kologischem Anbau &#8211; zum Schaden der Allgemeinheit nicht vorangebracht wird.<\/p>\n<p>Doch auch viel unmittelbarere negative Folgen f\u00fcr die Verbraucher resultieren aus monopolisitschen Strukturen, wie Felix Duffy und Max Bank in einem <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/macht-der-digitalkonzerne\/monopolmacht-von-amazon-fuehrt-zu-steigenden-preisen-113360\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von <em>LobbyControl<\/em><\/a> am Beispiel von Amazon schildern.<\/p>\n<blockquote><p>Der Konzern nutzt diese Machtposition aus, um seinen Gewinn zu steigern. H\u00e4ndler sind der Macht von Amazon ausgeliefert und gezwungen, teure Werbung zu kaufen und diese Kosten auf die Produkte aufzuschlagen, auch in anderen Online-Shops. [\u2026] Die Monopolmacht von Amazon kann also auch in Deutschland zu steigenden Preisen f\u00fchren.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da man als H\u00e4ndler an Amazon kaum noch vorbeikommt, muss man sich den dort herrschenden Spielregeln beugen. Und diese sind so ausgelegt, dass vor allem Amazon davon profitiert &#8211; und die Kunden eben dann doch draufzahlen. So von wegen, dass Amazon ja immer so g\u00fcnstig sei &#8230; zumindest mittelfristig ist eher das Gegenteil der Fall.<\/p>\n<p>Dazu kommt noch, dass solche Mechanismen wie von Amazon praktiziert, auch nicht im Geringsten demokratisch sind, da Konzerne in der Regel nicht demokratisch gef\u00fchrt werden, sondern eine streng hierarchische Organisation aufweisen. Einzelpersonen k\u00f6nnen so aufgrund ihrer Machtposition in einem gro\u00dfen Unternehmen einfach die Regeln des wirtschaftlichen Zusammenlebens bestimmen, ohne daf\u00fcr durch irgendeine Art der demokratischen Meinungsbildung legitimiert worden zu sein. Und diese Unternehmen schreiben dann oft genug Staaten vor, wie sie zu handeln haben.<\/p>\n<p>Und gleich noch mal was zu Amazon, denn an diesem Konzern kommt man eben nicht vorbei, wenn man das Thema Monopole am Wickel hat. In einem <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Prime-Video-mit-Werbung-Verbraucherschuetzer-bereiten-Klage-vor-9616371.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf <em>heise online<\/em><\/a> geht es um eine Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen das Unternehmen, weil auf Amazon Prime Video nun Werbung geschaltet werden soll. Diese k\u00f6nnen Kunden zwar gegen Zahlung von einigen Euro im Monat ausblenden. Das Problem hieran ist aber, dass hierf\u00fcr nicht um Zustimmung gefragt wurde, sodass die User nun quasi mit einer versteckten Preiserh\u00f6hung konfrontiert werden, wenn sie den Streamingdienst weiter so nutzen wollen wie bisher.<\/p>\n<p>Interessanterweise haben Spotify und Netflix \u00c4hnliches wohl auch schon versucht, wie in dem Artikel angedeutet wird.<\/p>\n<p>Und das ist ja das Problem mit Streamingdiensten: Davon gibt es nur relativ wenige, anders als bei Verlagen f\u00fcr Musik und Filme, von denen es eine ganze Menge gibt. Wenn sich diese Anbieter dann einig sind und die Konkurrenz der physischen Ton- und Filmtr\u00e4ger erst mal plattgemacht haben, dann d\u00fcrften mit ziemlicher Sicherheit die Preise massiv nach oben gehen. Klar, die Kunden haben dann ja auch keine M\u00f6glichkeit mehr, dies abzulehnen und wieder auf andere Medien umzusteigen, wenn es diese nicht oder kaum noch gibt. Erste deutliche Anzeichen davon sieht man schon an dem oben geschilderten Verhalten wie von Amazon mit der Werbung.<\/p>\n<p>In einem weiteren <a href=\"https:\/\/www.lobbycontrol.de\/konzernmacht\/davos-lobbymacht-und-monopolmacht-der-top-20-konzerne-113376\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von Felix Duffy und Max Bank von <em>LobbyControl<\/em><\/a> wird die gesamtgesellschaftliche Dimension der Problematik von Monopolen erl\u00e4utert. Dazu beruft man sich auf eine internationale Studie (der Link dazu findet sich in dem Artikel), die zusammen mit einigen Partnerorganisationen erstellt wurde. Ich zitiere mal ein paar Passagen aus dem Artikel, die f\u00fcr sich sprechen:<\/p>\n<blockquote><p>Die Auswirkungen dieser Monopolmacht sind weitreichend. Die Preise steigen, w\u00e4hrend viele kleine Unternehmen Schwierigkeiten haben, \u00fcberhaupt Gewinne zu erzielen. Dies f\u00fchrt zu einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Kluft zwischen den Superreichen und dem Rest der Gesellschaft, die als Aktion\u00e4re oder Konzernlenker von der Monopolmacht profitieren. Um ihre Macht zu verteidigen, geben die Konzerne Millionen f\u00fcr Lobbyarbeit aus.<\/p>\n<p>Die Studie weist nach, dass die gr\u00f6\u00dften Unternehmen die h\u00f6chsten Preisaufschl\u00e4ge verlangen, w\u00e4hrend viele kleinere Firmen darum k\u00e4mpfen, \u00fcberhaupt einen Gewinn zu erwirtschaften. \u00dcber einen Zeitraum von f\u00fcnf Jahren liegt die durchschnittliche Gewinnspanne der 20 gr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt bei 50 Prozent, w\u00e4hrend sie bei kleineren Unternehmen durchschnittlich 25 Prozent betr\u00e4gt. Dies bedeutet, dass die gr\u00f6\u00dften Unternehmen ihre Monopolmacht nutzen, um Verbraucher:innen auszubeuten und exorbitante Preise zu verlangen.<\/p>\n<p class=\"Core_Paragraph_paragraph__0D_kw\" data-paragraph=\"\">Die Monopolmacht erstreckt sich nicht nur auf Preiserh\u00f6hungen, sondern hat auch erheblichen Einfluss auf den demokratischen Prozess. Die Untersuchung zeigt auch die Lobbymacht dieser Firmen, die sich auf ein Lobbynetz von 236 Organisationen, Verb\u00e4nden, Wirtschaftsvereinigungen und Think Tanks in Europa st\u00fctzen. Die 20 gr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt geben j\u00e4hrlich mehr als 155 Millionen Euro f\u00fcr Lobbyarbeit aus, um die politischen Institutionen in den USA und der EU zu beeinflussen. Davon 118,3 Millionen Euro in den USA und 36,9 Millionen Euro in der EU.<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">[&#8230;]<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">Zudem verst\u00e4rkt die strukturelle Macht der Monopole deren politischen Einfluss, da sie aufgrund ihrer Stellung in Wirtschaft und Gesellschaft auch ohne direkte Lobbyarbeit gro\u00dfen Druck auf Politiker aus\u00fcben k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p data-paragraph=\"\">Auch ein <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/unternehmen\/dienstleister\/reichtum-drei-grafiken-zeigen-wie-wenige-mega-unternehmen-den-markt-dominieren\/29606690.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in der <em>WirtschaftsWoche<\/em><\/a> greift die Ergebnisse der Studie auf und bringt das Ganze noch mit einer Untersuchung von <em>Oxfam<\/em> zusammen, die im Prinzip das Gleiche aussagt. Zudem liefert man interessante Zahlen, die verdeutlichen, wie sehr in den letzten Jahrzehnten die Monopolisierung vorangeschritten ist:<\/p>\n<blockquote>\n<p data-paragraph=\"\">Lag der Anteil der oberen 0,1 Prozent der Unternehmen am gesamten Verm\u00f6gen in der US-Wirtschaft 1930 noch unter 50 Prozent, so machten die oberen 0,1 Prozent der amerikanischen Unternehmen 2010 nahezu 90 Prozent des Gesamtverm\u00f6gens in der US-Wirtschaft aus.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p data-paragraph=\"\">Monopole sind also schlecht f\u00fcr die Verbraucher, untergraben die Demokratie, spalten Gesellschaften und gef\u00e4hrden das Allgemeinwohl. Und einige Konzerne sind mittlerweile so gro\u00df, dass sie kaum noch von einzelnen Staaten reguliert werden k\u00f6nnen. Was also tun gegen diese Entwicklung? Hier liefert der <em>WirtschaftsWoche<\/em>-Artikel zumindest zwei klare Ans\u00e4tze:<\/p>\n<blockquote>\n<p data-paragraph=\"\">Um gegen die wachsende Monopolmacht weniger Profiteure vorzugehen, brauche es Instrumente der Kartellpolitik, indem marktbeherrschende Unternehmen zerschlagen w\u00fcrden oder sch\u00e4rfere Fusionskontrollen stattf\u00e4nden, fordern die Autoren der am Mittwoch ver\u00f6ffentlichten NGO-Studie.<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">[&#8230;]<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">Es brauche stattdessen h\u00f6here Steuern auf sehr gro\u00dfe Verm\u00f6gen und \u00fcberdurchschnittlich hohe Unternehmensgewinne. N\u00f6tig sei hier das Engagement der Finanzministerien weltweit.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p data-paragraph=\"\">Klingt ja nun nicht gerade nach Zauberei, oder?<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">Allerdings stellt sich dann doch die Frage, wer in der Politik solche Ma\u00dfnahmen denn auch umsetzen w\u00fcrde. Und da f\u00e4llt mir dann leider kaum jemand ein &#8211; weil n\u00e4mlich zum einen die neoliberale Ideologie solche Eingriffe ohnehin verteufelt und zum anderen viel zu viele neoliberale Politiker vor solchen Monopolisten und ihren Lobbyisten entweder furchtsam kuschen oder aber deren Geld- bzw. Gehaltsempf\u00e4nger (gern auch k\u00fcnftig) sind.<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">Na ja, zumindest als Verbraucher kann man zusehen, m\u00f6glichst wenig bei solchen monopolistischen Konzernen zu kaufen. Allerdings d\u00fcrften die meisten daf\u00fcr zu bequem und\/oder zu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28213\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verbl\u00f6det<\/a> sein.<\/p>\n<p data-paragraph=\"\">Schade eigentlich &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Monopole sind eigentlich etwas, das dem immer wieder viel beschworenen &#8222;freien Markt&#8220; entgegensteht. Und vor allem sind sie auch nicht gut f\u00fcr die Verbraucher. 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