{"id":28898,"date":"2024-05-30T13:54:35","date_gmt":"2024-05-30T11:54:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28898"},"modified":"2024-06-06T14:20:54","modified_gmt":"2024-06-06T12:20:54","slug":"lamours-toujours","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28898","title":{"rendered":"L&#8217;Amour Toujours"},"content":{"rendered":"<p>Eine Horde Jungschn\u00f6sel hat in einer Schicki-Bar auf Sylt rechtsextreme Parole zum gut 20 Jahre alten Disco-Hit &#8222;L&#8217;Amour Toujours&#8220; von Gigi D&#8217;Agostino gesungen und sich dabei auch noch selbst mit den Smartphones aufgenommen. Nun wird der Song auf dem Oktoberfest (und auch auf anderen Volksfesten) verboten. Aha &#8230;<\/p>\n<p>Das Handyvideo hat f\u00fcr gro\u00dfe Aufregung gesorgt: Da singen vor dem Sylter Nobel-Club &#8222;Pony&#8220; (150 Euro Eintritt ohne Getr\u00e4nke) einige verzogene Bonzeng\u00f6ren &#8222;Deutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder raus&#8220; zu einem Disco-Kracher (s. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/gesellschaft\/sylt-gaeste-groelen-rechtsextreme-parolen-in-pony-bar-video-sorgt-fuer-entsetzen-a-7fae4f21-68e7-4aa9-b597-4c7d7c509a17\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Das ist nat\u00fcrlich ekelhaft, vor allem weil es mit einer gro\u00dfen Selbstverst\u00e4ndlichkeit in der \u00d6ffentlichkeit geschah (ich wei\u00df nicht, wie ich reagiert h\u00e4tte, wenn ich da zuf\u00e4llig vorbeigekommen w\u00e4re zu dem Zeitpunkt, aber das h\u00e4tte dann durchaus eskalieren k\u00f6nnen) und offensichtlich auch null Unrechtsbewusstsein bei den Partygr\u00f6lern bestand, denn sonst h\u00e4tten sie sich dabei ja nicht noch gefilmt und das Ganze dann online gestellt.<\/p>\n<p>Und dann kommt auch noch raus, dass es sowieso schon immer mal wieder Usus ist, diese Parole zu diesem Gigi-D&#8217;Agostino-Song zu singen, das kam also immer mal wieder vor auf irgendwelchen Volksfesten und in Dorfdiscos (s. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Rechtsextreme-Gesaenge-auf-Sylt\/!6012559\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>So weit, so schlecht, zeigt sich daran doch, wie verbreitet rechtsextremes Gedankengut mittlerweile in unserem Land wieder ist, wenn irgendwelche Leute hemmungslos eine Parole singen, die vor 20 Jahren noch ausschlie\u00dflich von \u00fcberzeugten Neonazis ge\u00e4u\u00dfert wurde.<\/p>\n<p>Vor allem scheint es gerade auch im Sylter Club &#8222;Pony&#8220; durchaus \u00fcblich gewesen zu sein, dass der Betreiber sich dort selbst immer mal wieder rassistisch ge\u00e4u\u00dfert hat, wie Jens Berger dank einer kleinen <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/JensBergerNDS\/posts\/pfbid02Romg2MDZZsufnvL4VEdAXwUnS5EYCSBAnvE6fEviX8HhMC9TvgBV8d5KACNBRfW3l\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Recherche auf seiner Facebook-Wall<\/a> dargestellt hat:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-28901\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19-246x300.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"733\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19-246x300.png 246w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19-838x1024.png 838w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19-768x938.png 768w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19-1258x1536.png 1258w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19-1320x1612.png 1320w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2024-05-30-um-09.45.19.png 1364w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Dass gerade in sehr wohlhabenden Kreisen rechtsextremes und rassistisches Denken durchaus beheimatet ist, sollte einen hingegen auch nicht wundern, denn schlie\u00dflich sind es ja gerade diese Menschen, die von rechter Politik auch profitieren. Diese dient den Interessen von Verm\u00f6genden &#8211; das war schon immer so und wird auch immer so sein, auch wenn die rechten Agitatoren nat\u00fcrlich behaupten, f\u00fcr &#8222;das Volk&#8220; und &#8222;die kleinen Leute&#8220; eintreten zu wollen. Ein Blick ins AfD-Parteiprogramm, wo dann solche &#8222;Leckerlis&#8220; stehen wie Abschaffung der gesetzlichen Rente und Zwangsarbeit f\u00fcr Arbeitslose, entlarvt solche Floskeln jedoch als L\u00fcgen &#8211; wobei leider gerade AfD-J\u00fcnger genau das in der Regel nicht wahrhaben wollen.<\/p>\n<p>Und nun kommt die Reaktion auf diesen Vorfall, und die ist so bezeichnend f\u00fcr unsere heutige Zeit wie nur irgendwas: Das M\u00fcnchner Oktoberfest (und wohl auch andere Volksfeste) verbannen den Song aus dem Repertoire ihrer DJs, der darf dort nicht mehr gespielt werden (s. <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/panorama\/wiesn-oktoberfest-l-amour-toujours-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Begr\u00fcndung: Das Lied sei zwar nicht rechtsradikal, aber h\u00e4tte nun eine &#8222;ganz klare rechtsradikale Konnotation&#8220; bekommen.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein gro\u00dfartiges Beispiel f\u00fcr plumpe Symptombek\u00e4mpfung, anstatt sich mal mit Ursachen von Problemen auseinanderzusetzen. Das wird nun bestimmt das rechtsextreme und rassistische Denken in Deutschland so richtig eind\u00e4mmen. D\u00fcrfte \u00e4hnlich effektiv sein, als wenn man Beulenpest mit einem Abdeckstift f\u00fcr die Haut behandelt.<\/p>\n<p>Solche Parolen k\u00f6nnen schlie\u00dflich zu jedem anderen Lied auch gegr\u00f6lt werden. Auf &#8222;She Loves You (yeah, yeah, yeah)&#8220; von den Beatles beispielsweise kann man ohne Problem ebenfalls &#8222;Deutschland den Deutschen&#8220; singen. Wenn sich das nun einb\u00fcrgern sollte, w\u00fcrden dann auch Beatles-Songs nicht mehr in der \u00d6ffentlichkeit gespielt werden d\u00fcrfen?<\/p>\n<p>Wobei: Vielleicht kommt ja jemand auf die Idee, diese dumpfe Parole mal \u00fcber ein paar Dieter-Bohlen-Songs zu singen, dann w\u00fcrden die vielleicht endlich auch mal aus der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung verschwinden &#8230; ;o)<\/p>\n<p>Scherz beiseite: Nun zu denken, mit einem Verbot von &#8222;L&#8217;Amour Toujours&#8220; w\u00e4re das Problem gel\u00f6st, ist im besten Fall naiv. Aus den Augen, aus dem Sinn, das hat noch nie so richtig nachhaltige Ver\u00e4nderungen hervorgebracht. Und das wird es auch in diesem Fall nicht.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es nun nicht Aufgabe von Volksfestveranstaltern, gesellschaftliche Analysen anzustellen, warum wir hier offenbar eine schn\u00f6selige Parallelgesellschaft haben, in der die Meinung vorherrscht, dass das, was f\u00fcr andere zu gelten hat, f\u00fcr sie selbst nicht gilt. Aber man k\u00f6nnte beispielsweise strikt darauf achten, Leute, die dann meinen, zu dem D&#8217;Agostino-Hit rassistischen Mist gr\u00f6len zu m\u00fcssen, schnellstm\u00f6glich von seiner Veranstaltung zu entfernen. Wobei: Das k\u00f6nnte dann ja Umsatzeinbu\u00dfen bedeuten, wenn die dann nicht mehr weitersaufen k\u00f6nnen &#8230;<\/p>\n<p>So haben wir nun also mal wieder eine kurzzeitige Aufregung, und danach wird dann zur Tagesordnung \u00fcbergegangen, ohne dass sich substanziell mit dem Problem auseinandergesetzt w\u00fcrde. Leider absolut bezeichnend f\u00fcr Deutschland im Jahr 2024.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Horde Jungschn\u00f6sel hat in einer Schicki-Bar auf Sylt rechtsextreme Parole zum gut 20 Jahre alten Disco-Hit &#8222;L&#8217;Amour Toujours&#8220; von Gigi D&#8217;Agostino gesungen und sich dabei auch noch selbst mit den Smartphones aufgenommen. Nun wird der Song auf dem Oktoberfest (und auch auf anderen Volksfesten) verboten. 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