{"id":28968,"date":"2024-06-19T16:28:14","date_gmt":"2024-06-19T14:28:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28968"},"modified":"2024-06-19T16:28:43","modified_gmt":"2024-06-19T14:28:43","slug":"57-beantwortete-fragen-nach-der-europawahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28968","title":{"rendered":"57 beantwortete Fragen nach der Europawahl"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich las ich einen <a href=\"https:\/\/uebermedien.de\/96135\/57-fragen-die-wir-uns-am-tag-nach-der-europawahl-stellen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel auf <em>\u00dcber Medien<\/em><\/a> von letzter Woche. Darin wurden 57 Fragen gestellt am Tag nach der Europawahl. Ich hab mich mal hingesetzt und die f\u00fcr mich beantwortet &#8230;<\/p>\n<p><strong>1. Sind Sie heute auch so m\u00fcde wie wir?<\/strong><\/p>\n<p>N\u00f6, war ich eigentlich nicht, da mich das Ergebnis nicht sonderlich \u00fcberrascht hat.<\/p>\n<p><strong>2. Wie m\u00fcssten Medien \u00fcber die AfD berichten, damit sie weniger gew\u00e4hlt wird?<\/strong><\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der AfD m\u00fcsste vor allem mal auf sozialpolitische Themen fokussiert werden. Stattdessen werden immer wieder typische AfD-Themen in den Mittelpunkt der Berichterstattung und von politischen Talkshows gestellt und dazu dann auch noch AfDler zu Wort gebeten (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Gebt-der-AfD-Suendenboecke-Lasst-sie-siegen-9197307.html?seite=2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>3. Oder ist das die falsche Frage?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, die Frage ist ganz genau richtig und wichtig. Vor allem wenn man dann zu dem Schluss kommt, dass neoliberale Medienschaffende offenbar gar kein Interesse daran haben, die AfD m\u00f6glichst nicht immer gr\u00f6\u00dfer werden zu lassen.<\/p>\n<p><strong>4. Haben die etablierten Medien die Politik der Ampelparteien zu wenig kritisiert?<\/strong><\/p>\n<p>Zu wenig bestimmt nicht, aber vor allem meistens f\u00fcr die falschen Sachen (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27989\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Wird ja schon einen Grund geben, dass der Wahlkampf der rechten Parteien von CDU bis AfD vor allem auf &#8222;Weg mit der Ampel&#8220; basierte und nicht auf eigenen Konzepten (die sie meistens ja auch gar nicht haben).<\/p>\n<p><strong>5. Oder, im Gegenteil, zu heftig draufgeschlagen?<\/strong><\/p>\n<p>Wie eben schon angedeutet: vor allem auf unsachliche Art und Weise draufgeschlagen. Und meistens sch\u00f6n die FDP au\u00dfen vor gelassen, obwohl diese ja nun die destruktivste Rolle in der Koalition spielt.<\/p>\n<p><strong>6. Wie viel Ampel-Hass beruht auf tats\u00e4chlichen Entscheidungen der Regierungskoalition, wie viel auf Schlagzeilen \u00fcber \u201eDauer-Streit\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>95 % auf Schlagzeilen, w\u00fcrde ich mal so sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p><strong>7. Gab\u2019s eigentlich eine Wahlparty in der Pony Bar und wieso hat noch niemand die Videos davon ver\u00f6ffentlicht?<\/strong><\/p>\n<p>Vermutlich eher nicht, dazu ist bisher noch zu wenig Gras \u00fcber die Sache gewachsen. Aber das ist ja vermutlich eh eine eher lustig gemeinte rhetorische Frage.<\/p>\n<p><strong>8. Darf man \u00fcberhaupt noch lustige Fragen stellen?<\/strong><\/p>\n<p>Unbedingt! Denn die AfD trifft man am meisten, wenn man sich \u00fcber diese Pappnasen lustig macht.<\/p>\n<p><strong>9. Hat sich Tom Buhrow schon entschuldigt?<\/strong><\/p>\n<p>Hab ich was nicht mitbekommen? Das war doch das letzte Mal prominent bei dem Oma-im-H\u00fchnerstall-Ged\u00f6ns der Fall. Was hat das hiermit zu tun? Oder hab ich nur gerade den Witz nicht kapiert?<\/p>\n<p><strong>10. Warum h\u00f6ren und lesen wir so oft von \u201eProtestw\u00e4hlern\u201c, wenn 70 Prozent der AfD-W\u00e4hler:innen sagen, dass sie die Partei <a href=\"https:\/\/bsky.app\/profile\/akm0803.bsky.social\/post\/3kuj7znj5gf2t\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wegen ihrer politischen Forderungen<\/a> w\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Protestw\u00e4hler&#8220; h\u00f6rt sich eben besser und vor allem harmloser an, als wenn man sich eingesteht, dass die neoliberale Politik der letzten Jahrzehnte die Menschen zunehmend entsolidarisiert und zu menschenverachtenden Agitatoren treibt (s. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Es-gibt-einen-Zusammenhang-zwischen-Neoliberalismus-und-Rechtspopulismus-article24384417.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>11. Berichten Medien genug \u00fcber die Themen, die Menschen zur AfD treiben?<\/strong><\/p>\n<p>N\u00f6, tun sie nicht. Die springen in der Regel nur auf das S\u00fcndenbock-Gekeife der AfD an, thematisieren dann Gefl\u00fcchtete u. \u00c4., was aber nichts mit den realen N\u00f6ten der Menschen im Land zu tun hat. Aber das, was die Menschen zur AfD treibt, w\u00e4re dann ja auch, wenn man es kritisch sieht, nur mit Systemkritik vorzubringen. Uiuiuiui &#8211; das ist eben nicht unbedingt erw\u00fcnscht.<\/p>\n<p><strong>12. Oder zu viel?<\/strong><\/p>\n<p>Mit Sicherheit nicht, s. die Antwort hiervor.<\/p>\n<p><strong>13. Oder in falscher Weise?<\/strong><\/p>\n<p>Das trifft es eben schon: Man springt zu gern \u00fcber die St\u00f6ckchen, die von der AfD hingehalten werden, anstatt die Blaubraunen selbst \u00fcber St\u00f6ckchen springen zu lassen, mit denen sie beispielsweise ihren marktradikalen Wesenskern offenbaren w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>14. Kaufen Menschen die NZZ, um am Tag nach so einer Wahl die \u201eAnalyse\u201c zu lesen: \u201eDas Problem ist der Kanzler\u201c?<\/strong><\/p>\n<p>Da die NZZ meines Wissens eher von Konservativen gelesen wird: ja. Denn Konservative suchen ja bei Problemen (genau wie noch weiter rechts Stehende) nie nach L\u00f6sungen, sondern stets nach S\u00fcndenb\u00f6cken.<\/p>\n<p><strong>15. Hat es Ulf Poschardt dieses Mal <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/bundestagswahl\/video234034452\/Schlange-war-so-lang-dass-ich-es-nicht-geschafft-habe-zu-waehlen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zur Wahl geschafft<\/a>?<\/strong><\/p>\n<p>Hoffentlich nicht, denn der w\u00e4hlt mit Sicherheit etwas, wovor sich zivilisierte Menschen ekeln.<\/p>\n<p><strong>16. Wie viel Mitschuld tr\u00e4gt Julian Reichelt, so allgemein?<\/strong><\/p>\n<p>Julian Reichelt ist durch seine Arbeit bei BILD und nun mit seinem neuen rechten Hetzportal <em>Nius<\/em> mit Sicherheit nicht unbeteiligt daran, rechtes Gedankengut zu verbreiten und hoff\u00e4hig zu machen. Dass solche Gestalten in der Medienbranche in f\u00fchrenden Positionen kommen, ist m. E. ein ziemlich gro\u00dfes Problem &#8211; allerdings offenbar nicht f\u00fcr diejenigen, die so einen Typen einstellen und besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>17. Welche Medien w\u00fcrden Sie konsumieren, wenn am Sonntag Bundestagswahl w\u00e4re?<\/strong><\/p>\n<p>Die gleichen wie sonst auch immer.<\/p>\n<p><strong>18. Welche Art von Journalismus hilft gegen Populismus?<\/strong><\/p>\n<p>Sachliche Berichterstattung mit nachvollziehbaren Belegen, dazu auch mit einer guten Meinungspluralit\u00e4t versehen. Wobei L\u00fcgen nicht als Meinung durchgehen sollten. Zudem w\u00e4ren mehr Journalisten mit Haltung notwendig, die Antidemokraten keine B\u00fchne bieten und von Politikern verbreiteten Unwahrheiten deutlich widersprechen.<\/p>\n<p><strong>19. W\u00fcrde es helfen, wenn der \u201eStern\u201c endlich die H\u00f6cke-Tageb\u00fccher ver\u00f6ffentlicht?<\/strong><\/p>\n<p>Um Himmels willen, wer will denn lesen, was in dessen verdrehtem, piefigem Hirn so vor sich geht? Das Schlimme ist bei H\u00f6cke (im Gegensatz zu vielen anderen AfD-Karrieristen): Der glaubt offensichtlich, was er da so an M\u00fcll von sich gibt. Insofern w\u00e4ren Tageb\u00fccher von ihm wohl wenig aufschlussreich oder gar entlarvend.<\/p>\n<p><strong>20. Was bringt es, vor \u201eRechtsextremismus\u201c zu warnen, wenn dieses Label \u00fcber 80 Prozent der AfD-W\u00e4hler:innen <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wahl\/archiv\/2024-06-09-EP-DE\/charts\/umfrage-afd\/chart_1647218.shtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">gar nicht abschreckt<\/a>?<\/strong><\/p>\n<p>Rechtsextremismus ist f\u00fcr viele eine recht vage Angelegenheit, deswegen jammern Rechtsextreme ja auch immer, wenn man sie als Rechtsextreme bezeichnet. Die bringen sich selbst damit gar nicht in Verbindung, das ist f\u00fcr die eine Art Stigmatisierung des &#8222;linksgr\u00fcnversifften Establishments&#8220;. Besser w\u00e4re es auch hier mal wieder, auf die realen sozial- und wirtschaftspolitischen Forderungen der AfD zu fokussieren, um die Blaubraunen zu entzaubern.<\/p>\n<p><strong>21. Was bedeutet es f\u00fcr die AfD-Berichterstattung, wenn Menschen die Partei m\u00f6glicherweise extra w\u00e4hlen, weil sie <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/kommunen-quent-viele-gelaendegewinne-fuer-die-afd-im-osten-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240610-99-338608\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201ed\u00e4monisiert\u201c<\/a> wird?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist so wie das Silvesterb\u00f6llern, wenn man noch nicht 18 ist: Der Reiz des Verbotenen macht da den gr\u00f6\u00dften Teil des Spa\u00dfes aus. Zudem: Wenn Menschen nachvollziehbarerweise die Schnauze voll haben von der immer gleichen neoliberalen Politik nur mit jeweils etwas anderem Anstrich, dann wird das, was &#8222;d\u00e4monisiert&#8220; wird, auf einmal attraktiv. Aber das ist ja m. E. auch der eigentliche Sinn dieser &#8222;Alternative&#8220;, die keine ist: die Unzufriedenen einzufangen und von Systemkritik abzuhalten, indem man genauso neoliberal wie der Rest ist, aber eben einiges an volkst\u00fcmlichen Abartigkeiten raushaut (s. <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6796\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>22.Warum sollten AfD-W\u00e4hler:innen Medien konsumieren, die sie als ihre Gegner empfinden?<\/strong><\/p>\n<p>Um sich einer offenen Diskussion zu stellen und eventuell den eigenen Standpunkt zu revidieren, wenn dieser sich als unhaltbar herausstellen sollte. Das Problem dabei: Gerade AfD-W\u00e4hler unterliegen in gro\u00dfem Ma\u00dfe dem Alter-wei\u00dfer-Mann-Syndrom (s. <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28797\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), sodass es ihnen vor allem darum geht, recht zu haben und ihre Ansichten best\u00e4tigt zu bekommen. Solche Menschen sind \u00fcber Medien m. E. ohnehin nicht mehr zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>23. Wird Landolf Ladig MDR-Intendant, wenn Bj\u00f6rn H\u00f6cke bei der Landtagswahl in Th\u00fcringen gewinnt?<\/strong><\/p>\n<p>Nee, den Job kriegt G\u00f6tz Kubitschek.<\/p>\n<p><strong>24. Wenn der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk f\u00fcr alle da ist, muss er dann auch die politischen Pr\u00e4ferenzen der AfD-W\u00e4hler:innen widerspiegeln, insbesondere in den ostdeutschen L\u00e4ndern, wo die AfD st\u00e4rkste Partei ist?<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk gibt den AfD-W\u00e4hlern ja schon gen\u00fcgend Futter. Allerdings gibt es ja auch klare Ansagen im <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/medien-journalismus\/medienpolitik\/500714\/programmauftrag\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Programmauftrag<\/a>: &#8222;Auftrag der \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und \u00f6ffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bed\u00fcrfnisse der Gesellschaft zu erf\u00fcllen. [&#8230;] Sie sollen hierdurch die internationale Verst\u00e4ndigung, die europ\u00e4ische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und L\u00e4ndern f\u00f6rdern.&#8220; Hier nun antidemokratische und mit Sicherheit nicht integrative oder v\u00f6lkerverst\u00e4ndigende Aussagen als legitime Meinungs\u00e4u\u00dferungen darzustellen, widerspricht diesem Auftrag. Insofern: klare Kante gegen Rechts sollte da allein deswegen schon Maxime sein.<\/p>\n<p><strong>25. Ist es ein Problem, wenn die Positionen einer sehr gro\u00dfen Zahl von W\u00e4hler:innen \u2013 zum Beispiel zu Russland \u2013 in den Medien nur absolute Minderheitenpositionen sind?<\/strong><\/p>\n<p>Solange Positionen sich im demokratischen und rechtsstaatlichen Spektrum befinden, sollten sie auch in den Medien Widerhall finden und entsprechend dargestellt werden, da sonst der Vorwurf der einseitigen Berichterstattung schnell zur Hand ist und generalisierte Medienschelte zur Folge hat. Leider ist die Unausgewogenheit von Positionen ja immer wieder zu beobachten, gerade auch wenn es um progressiv systemkritische Ansichten geht.<\/p>\n<p><strong>26. Muss der sogenannte \u201eMeinungskorridor\u201c breiter werden?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn damit gemeint ist, sich der &#8222;Das wird man ja noch sagen d\u00fcrfen&#8220;-Fraktion anzubiedern, dann ganz klar: nein. Wie eben schon gesagt: Demokratisch und rechtsstaatlich legitime Positionen sollten hingegen schon ausgewogen dargestellt werden.<\/p>\n<p><strong>27. Was bedeutet es f\u00fcr die Berichterstattung von Lokalmedien, wenn in einer Kommune die AfD die st\u00e4rkste Kraft ist?<\/strong><\/p>\n<p>Dann m\u00fcssen die Journalisten eben so viel Arsch in der Hose haben, dass sie sich mit ihrer lokalen Obrigkeit anlegen. Ansonsten schaffen sie sich letztlich irgendwann selbst ab, denn Faschisten halten ja nun mal nicht so viel von freier Presse.<\/p>\n<p><strong>28. Hat Rainer Wendt schon bei \u201eWelt\u201c das Wahlergebnis analysiert?<\/strong><\/p>\n<p>Ist mir wurscht, da ich die Aussagen sowohl von Wendt als auch von der WELT nicht ernst nehmen kann.<\/p>\n<p><strong>29. Wie viel Einfluss haben Medien \u00fcberhaupt darauf, wie Menschen w\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p>Ziemlich viel. Das Wahlprognosen, die \u00fcber Medien zur Verf\u00fcgung gestellt werden, einen Einfluss auf das Wahlverhalten haben, ist ja schon l\u00e4nger bekannt (s. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2017-09\/meinungsforschung-wahlumfragen-prognosen-einflussnahme-fuenf-fisch-d17\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Genauso wie zu beobachten war, dass die FDP immer wieder in Fernsehsendungen auftauchte zu einer Zeit, als sie nicht mal im Bundestag war, weil eben viele Chefredakteure und Alphajournalisten FDP-Fans sind und so die Partei gepusht haben (bei der BILD kam das ja sogar ganz direkt raus \u00fcber geleakte Mails von Mathias D\u00f6pfner; s. <a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/unternehmen\/it-medien\/axel-springer-verlag-mathias-doepfner-nach-radikalen-mails-unter-druck\/29092358.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Zudem bestimmen Medien, vor allem die sogenannten Leitmedien mit gro\u00dfer Reichweite, welche Themen \u00fcberhaupt in den \u00f6ffentlichen Diskurs kommen und welche nicht. Als Stichwortgeber der AfD bringt man dann nat\u00fcrlich auch mehr Leute dazu, die Blaubraunen zu w\u00e4hlen (s. <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=15425\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>30. \u00dcbersch\u00e4tzen wir diesen wom\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p>Nein, ganz sicher nicht.<\/p>\n<p><strong>31. Und welchen Einfluss sollten sie haben?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00fcnschenswert w\u00e4re, wenn Medien dazu beitragen w\u00fcrden, politische Inhalte zu vermitteln und diese auch mit Parteipositionen abzugleichen, statt \u00fcberwiegend oberfl\u00e4chliche und auf Krawall geb\u00fcrstete Formate anzubieten. <em>Die Anstalt<\/em> macht das beispielsweise hervorragend, auch andere Satiresendungen bieten gut recherchierte und sogar investigative Informationen, die eigentlich eher nicht in ein kom\u00f6diantisches, sondern in ein politisches Sendungsformat geh\u00f6rten. Zurzeit treiben die meisten Medien allerdings leider die <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=19458\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Entrationalisierung<\/a> voran &#8211; und beteiligen sich flei\u00dfig an der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Divide_et_impera\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teile-und-herrsche-Strategie<\/a>, indem zunehmend nicht auf Dinge fokussiert wird, bei denen es \u00dcbereinstimmung gibt, sondern Triggerpunkte in den Vordergrund gestellt werden, an denen sich die Menschen dann (auf)reiben.<\/p>\n<p><strong>32. Erreichen Journalist:innen mit ihrer Politikberichterstattung irgendwen unter 25 Jahren?<\/strong><\/p>\n<p>Gute Frage &#8211; ich f\u00fcrchte, dass viele junge Menschen mittlerweile derartige Aufmerksamkeitsdefizite haben (s. <a href=\"https:\/\/www.quarks.de\/gesellschaft\/psychologie\/konzentration-aufmerksamkeit-handy-konzentrationsfaehigkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26726\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), dass sie kaum noch in der Lage sind, l\u00e4ngere Texte zu lesen und so auch komplexere Sachverhalte zu verstehen, die sich eben nicht in zwei S\u00e4tzen hinreichend erl\u00e4utern lassen. Dass viele der jungen Menschen mittlerweile AfD w\u00e4hlen (s. <a href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/europawahl--ein-psychologe-erklaert-den-rechtsruck-der-jugend-34681406.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), weist ebenfalls in diese Richtung. Leider sind unsere Schulen ja in einem erb\u00e4rmlichen Zustand (s. <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2024\/april\/die-flucht-in-die-privatschulen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), sodass kaum zu erwarten ist, dass dort entsprechend gegengesteuert wird, indem politische Inhalte und Medienkompetenz st\u00e4rker vermittelt w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>33. Tun wir das bei \u00dcbermedien?<\/strong><\/p>\n<p>Ich f\u00fcrchte, dass Eure Texte zu lang sind f\u00fcr viele Unter-25-J\u00e4hrige &#8230;<\/p>\n<p><strong>34. Nutzen die 16 Prozent der Unter-25-J\u00e4hrigen, die die AfD gew\u00e4hlt haben, die gleichen Medien wie die, die demokratische Parteien gew\u00e4hlt haben?<\/strong><\/p>\n<p>Ich tippe mal, dass die vorwiegend auf TikTok unterwegs sind, dort ist die AfD ja auch von allen deutschen Parteien am st\u00e4rksten vertreten. Klar: populistische Parolen kann man auf dort nat\u00fcrlich bestens pr\u00e4sentieren, komplexe Inhalte eher weniger. Was mir bei dieser Frage aber sonst ein wenig aufst\u00f6\u00dft, ist, dass CDU\/CSU und FDP immer noch wie selbstverst\u00e4ndlich zu den demokratischen Partien gez\u00e4hlt werden. Die kungeln ja nicht nur schon andauernd mit der AfD (nicht nur in Th\u00fcringen), sondern sind aufgrund ihrer Politik und ihrem st\u00e4ndigen Verhindern von Transparenz schon reichlich mit daran beteiligt, dass immer mehr Menschen am parlamentarischen Politbetrieb verzweifeln und dann so was wie die AfD w\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>35. Haben klassische Medien im Wettbewerb mit TikTok und Co. sowieso schon verloren?<\/strong><\/p>\n<p>Mit Sicherheit nicht. Ich kenne einige junge Menschen, die keine Lust mehr auf TikTok haben, weil ihnen das zu oberfl\u00e4chlich ist und sie zudem das Suchtpotenzial des dort verwendeten Algorithmus durchschauen. Also nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern \u00fcberlegen, wie man zusammen mit Eltern, Lehrern und auch der Politik junge Menschen wieder daf\u00fcr gewinnen kann, sich mit Inhalten von mehr als 30 Sekunden L\u00e4nge auseinanderzusetzen. Das wird in unserem aktuellen neoliberalen Wirtschaftssystem und dem damit verbundenen Zeitgeist allerdings schwierig.<\/p>\n<p><strong>36. Oder machen wir es uns zu einfach, wenn wir den sozialen Medien die Schuld an allem m\u00f6glichen geben?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Soziale Medien sind m. E. eher ein Symptom, das nat\u00fcrlich verst\u00e4rkend auf gesellschaftliche Trends einwirken kann. Zudem k\u00f6nnen soziale Medien ja auch konstruktiv genutzt werden.<\/p>\n<p><strong>37. M\u00fcssten wir als Medienmagazin viel mehr kritisch \u00fcber TikTok berichten?<\/strong><\/p>\n<p>Ist die Frage, ob das dann nicht so was wie predigen zu den Gl\u00e4ubigen w\u00e4re. Wer <em>\u00dcber Medien<\/em> liest, d\u00fcrfte weniger auf TioTok unterwegs sein. Andererseits: Problematisieren kann nie schaden, und ich hab den Eindruck, dass viele Eltern gar nicht so richtig wissen, was ihre Kids da so den ganzen Tag auf TikTok treiben.<\/p>\n<p><strong>38. Was sagt Checker Tobi dazu, dass so viele junge Leute die AfD gew\u00e4hlt haben?<\/strong><\/p>\n<p>Da m\u00fcsste man ihn wohl mal fragen &#8230; Ich k\u00f6nnte mir allerdings vorstellen, dass er nicht so begeistert davon ist.<\/p>\n<p><strong>39. Was bringt es, wenn Journalist:innen jetzt wieder symbolisch in \u201eAfD-Rekordd\u00f6rfer\u201c fahren, um die Leute da zu be\u00e4ugen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich sch\u00e4tze mal: nichts. Das ist m. E. nichts anderes als sensationsheischender Oberfl\u00e4chenjournalismus, der vor allem Symptome schildert und die Ursachen au\u00dfen vor l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>40 .Oder m\u00fcssten Journalist:innen noch viel \u00f6fter in \u201eAfD-Rekordd\u00f6rfer\u201c fahren, um den Leuten da Aufmerksamkeit zu schenken und ihnen ernsthaft zuzuh\u00f6ren?<\/strong><\/p>\n<p>Solchen Leuten wird doch viel zu oft ernsthaft zugeh\u00f6rt, sodass die sich in ihrer irrationalen Weltsicht auch noch best\u00e4tigt f\u00fchlen. Versucht man nun schon seit fast zehn Jahren und hat ja nicht so richtig toll geklappt, oder? Zeit, vielleicht mal was anderes auszuprobieren &#8230;<\/p>\n<p><strong>41. M\u00fcssen wir Paul Ronzheimer in den Osten schicken?<\/strong><\/p>\n<p>Oh ja, super Idee, mehr BILD brauchen die Menschen da bestimmt. Nicht.<\/p>\n<p><strong>42. Wann h\u00f6rt die AfD auf, sich als arme, von Medien verfolgte Opferpartei zu beweinen?<\/strong><\/p>\n<p>Nie. Das ist ja deren Erfolgsmasche. Und selbst wenn die Blaubraunen immer wieder \u00fcber Geb\u00fchr wohlwollend in Medien behandelt werden und sch\u00f6n deren Themen bespielt werden, werden sie sich beim n\u00e4chsten Gegenwind wieder als Opfer darstellen. Das verf\u00e4ngt offensichtlich bei einem Anhang, der selbst zu einem nicht unerheblichen Teil zu den Opfern unseres Wirtschaftssystems geh\u00f6rt. Insofern sollte man der AfD lieber zu verstehen geben: &#8222;Klar seid ihr Opfer, ihr seid ja auch f\u00fcr zivilisierte Menschen gesellschaftlich inakzeptabel. Also heult gef\u00e4lligst leiser!&#8220; Und vor allem sollte man der AfD zu verstehen geben, wie es sich anf\u00fchlt, wenn man wirklich zu einem Opfer der Medien wird, und das geht nun mal nicht mit Freundlichkeit.<\/p>\n<p><strong>43. Merken AfD-W\u00e4hler:innen eigentlich, was f\u00fcr ein Geheule das ist?<\/strong><\/p>\n<p>N\u00f6, merken die meisten zumindest nicht. Aber passt halt, wie eben schon bei 42. geschrieben, zu ihrem eigenen Gef\u00fchl in unserer Gesellschaft. Zudem bekommt die AfD dadurch absurderweise ein Flair von Anti-Establishment &#8211; was verkehrter nicht sein k\u00f6nnte, wenn man sich deren Parteigranden mal so anschaut.<\/p>\n<p><strong>44. Wer h\u00e4ngt sich ernsthaft <a href=\"https:\/\/www.compact-shop.de\/shop\/fanartikel\/plakate\/1x-compact-plakat-a1-der-afd-sommer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">solche Plakate<\/a> auf?<\/strong><\/p>\n<p>Also, ich kenn da niemanden &#8230; aber irgendjemanden wird es schon geben. Gibt ja auch Leute, die auf die E-Mail vom nigerianischen Prinzen antworten, der ihnen ein Millionengeschenk verspricht &#8230;<\/p>\n<p><strong>45. Sollten Medien die AfD aktiv bek\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich! Denn sollte die AfD mal an die Macht kommen, d\u00fcrfte es mit der Pressefreiheit schnell vorbei sein. Einfach mal gerade nach Italien schauen, da sieht man ja, was passiert, wenn Faschisten an der Regierung sind. Die AfD nicht aktiv zu bek\u00e4mpfen bedeutet also f\u00fcr Journalisten, massiv an dem Ast zu s\u00e4gen, auf dem man selbst sitzt.<\/p>\n<p><strong>46. Oder wenigstens mit aller Kraft f\u00fcr die Demokratie k\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n<p>So diese Medien selbst die Demokratie f\u00fcr eine gute Sache erachten, sollten sie das dringend machen &#8211; ist zurzeit leider sehr notwendig.<\/p>\n<p><strong>47. Aber was w\u00fcrde das konkret bedeuten?<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem w\u00e4re es wichtig, wie schon gesagt, sich nicht immer weiter sich zum Handlanger der Teile-und-herrsche-Strategie zu machen, sondern gesellschaftlichen Konsens st\u00e4rker in den Mittelpunkt zu r\u00fccken. Zudem muss Journalismus sauber arbeiten, um wieder Glaubw\u00fcrdigkeit als &#8222;vierte Macht&#8220; zu bekommen. Das hei\u00dft dann beispielsweise auch, sich von Hetzbl\u00e4ttern wie BILD zu distanzieren und nicht von denen auch noch abzuschreiben.<\/p>\n<p><strong>48. Brauchen wir mehr oder weniger Haltung im Journalismus?<\/strong><\/p>\n<p>Kommt drauf an. Mehr neoliberale Haltung bestimmt nicht, davon gibt es mehr als genug, sondern mehr Haltung im Sinne von konstruktiver Kritik an Regierung und Opposition im Sinne der Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftlichen Solidarit\u00e4t anstatt pro Egoismus, Konkurrenzdenken und was es sonst noch so f\u00fcr kaputte neoliberale Werte gibt. Haltung sollte vor allem immer auch die Schw\u00e4cheren im Blick haben und f\u00fcr sie Partei ergreifen &#8211; leider ist oft das Gegenteil der Fall.<\/p>\n<p><strong>49. Wie vielen Menschen ist Pressefreiheit eigentlich egal?<\/strong><\/p>\n<p>Leider wohl recht vielen, denn die wollen meistens nur das h\u00f6ren, was ihnen in den Kram passt &#8211; und daf\u00fcr braucht es keine Pressefreiheit, sondern nur PR-Schreiber.<\/p>\n<p><strong>50. Warum h\u00f6rte sich viel Wahlberichterstattung gestern so an, als ginge es vor allem um einen \u201eStimmungstest\u201c f\u00fcr Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Das Wahlergebnis spiegelt ja ziemlich die Rezeption der Bundespolitik in den letzten Jahren wieder, zudem stehen dieses Jahr einige Wahlen an, bei denen die AfD st\u00e4rkste Partei werden k\u00f6nnte. Das wird in anderen L\u00e4ndern allerdings offenbar auch so gehandhabt &#8211; oder warum sollte Emmanuel Macron sonst das Parlament in Frankreich aufl\u00f6sen?<\/p>\n<p><strong>51. Und nicht darum, \u00fcber die Zusammensetzung des Europ\u00e4ischen Parlamentes zu entscheiden?<\/strong><\/p>\n<p>Europapolitik ist f\u00fcr viele Menschen kaum noch nachvollziehbar &#8211; zu kompliziert, und zudem wird von vielen Medien ja immer wieder auf &#8222;die schlimmen B\u00fcrokraten&#8220; in der EU eingedroschen. Zudem hat das Europaparlament ja auch nur sehr beschr\u00e4nkte politische Handlungsm\u00f6glichkeiten. Na ja, und dass beim letzten Mal dann eine Politikerin zur Pr\u00e4sidentin der EU-Kommission ernannt wurde, die \u00fcberhaupt nicht zur Wahl stand, st\u00e4rkt bestimmt auch nicht das Vertrauen in die europ\u00e4ischen Institutionen &#8230;<\/p>\n<p><strong>52. Was w\u00e4re anders, wenn es mehr Medien g\u00e4be, die f\u00fcr ganz Europa berichten w\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht w\u00fcrden die Menschen dann mehr Gemeinsamkeiten der Europ\u00e4er erkennen und die Vorteile sehen, welche die EU f\u00fcr uns alle im allt\u00e4glichen Leben bringt.<\/p>\n<p><strong>53. Wissen wir selbst genug \u00fcber Europa? (Wie viele Fraktionen hat noch gleich das Europ\u00e4ische Parlament?)<\/strong><\/p>\n<p>Kommt drauf an, wer &#8222;wir&#8220; ist. Wer sich informieren m\u00f6chte, kann das ja ohne Probleme machen dank Internet, aber ich f\u00fcrchte, dass die meisten daran einfach nicht interessiert sind. Die w\u00e4hlen dann lieber nach Image als nach europapolitischen Inhalten. Und wenn ich mir die Wahlplakate so anschaue, ist das auch kein Wunder &#8211; das war ja nun praktizierte Inhaltsarmut par excellence.<\/p>\n<p><strong>54. Was l\u00e4sst sich aus der Europawahlberichterstattung f\u00fcr die Wahlen im Herbst lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich hab das, ehrlich gesagt, wenig verfolgt, da mir klar war, was ich w\u00e4hlen w\u00fcrde. In jedem Fall sind solche Sachen wie das H\u00f6cke-Voigt-Interview auf WELT TV schon \u00fcbel, denn solche Leuten sollte man keine Plattform bieten, die sie dazu nutzen, sich als halbwegs normal darzustellen. Aber gut: Springer, was will man da schon erwarten? Ansonsten, wie schon gesagt, sollte die AfD mal auf die Programmpunkte festgenagelt werden, die nichts mit &#8222;Ausl\u00e4nder raus!&#8220; zu tun haben, sondern mit Sozialpolitik. Vielleicht erreicht man damit dann ja den einen oder anderen W\u00e4hler der Blaubraunen, der davon null Ahnung hat bisher (s. <a href=\"https:\/\/taz.de\/DIW-analysiert-AfD-Wahlprogramm\/!5951094\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Und vor allem: richtig harte Bandagen raus gegen die AfDler und auch ihre potenziellen Koalitionspartner von CDU\/CSU und FDP.<\/p>\n<p><strong>55. D\u00fcrfen Medien sich auf die Schulter klopfen, weil sie immerhin zu einer hohen Wahlbeteiligung beigetragen haben?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn eine hohe Wahlbeteiligung, die generell etwas Positives ist, dazu f\u00fchrt, dass viele Nichtw\u00e4hler offenbar nun Rechtsextreme w\u00e4hlen, dann haben die Medien insgesamt da wohl etliches falsch gemacht und mit Sicherheit keinen Grund, sich daf\u00fcr noch selbst zu feiern.<\/p>\n<p><strong>56. Was darf Satire?<\/strong><\/p>\n<p>Im Grunde alles &#8211; und von mir aus auch gern deftig und schwarzhumorig. Allerdings sollte Satire schon zusehen, nicht im Sinne der Herrschenden auf die Schw\u00e4chsten der Gesellschaft einzudreschen, sondern eben genau die M\u00e4chtigen kritisieren. Also das Gegenteil von dem, was beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1960\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieter Nuhr<\/a> macht. Und auch PR f\u00fcr ewiggestrige Gro\u00dfunternehmen, wie sie gern von <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=26829\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vince Ebert<\/a> pr\u00e4sentiert wird, zudem noch garniert mit wissenschaftlichen Fake News, geh\u00f6rt sich m. E. nicht f\u00fcr Satire.<\/p>\n<p><strong>57. Und was fragen Sie sich?<\/strong><\/p>\n<p>Mag etwas zynisch erscheinen, aber ich frage mich, wo wohl die n\u00e4chste Naturkatastrophe in Deutschland stattfinden wird &#8211; und hoffe, dass das nicht wieder wie <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=27773\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im letzten Oktober<\/a> bei mir um die Ecke sein wird. Wobei das ja offensichtlich auch nicht ausreicht, um den Leuten mal die Einsicht zu vermitteln, dass Klimaschutz nicht nur extrem wichtig, sondern mit Union, FDP und AfD (die zusammen mehr als 50 % der Stimmen erhalten haben bei der EU-Wahl) auch nicht zu machen ist. Und dann frage ich mich noch, ob Friedrich Merz in zwei Jahren schon mit der AfD koalieren wird nach der Bundestagswahl, nachdem auf EU-Ebene ja immer st\u00e4rker vonseiten der Konservativen mit Rechtsextremen zusammengearbeitet wird (s. <a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2024\/23\/eu-pakt-konservative-rechtsextreme-postfaschistischer-schwesternkuss\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/comedy\/die-anstalt#\/kanaluebersicht\/2078314\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ob das nun so beabsichtigt war von <em>\u00dcber Medien<\/em>, diese Fragen auch tats\u00e4chlich alle zu beantworten? Keine Ahnung &#8211; in jedem Fall hat es mir dabei geholfen, noch einmal ein wenig \u00fcber das Wahlergebnis und wie es zustande gekommen ist nachzudenken. Und das kann ja nun wahrlich nicht schaden, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich las ich einen Artikel auf \u00dcber Medien von letzter Woche. Darin wurden 57 Fragen gestellt am Tag nach der Europawahl. 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