{"id":29303,"date":"2024-08-23T11:49:35","date_gmt":"2024-08-23T09:49:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=29303"},"modified":"2024-08-23T11:49:35","modified_gmt":"2024-08-23T09:49:35","slug":"pr-schlaegt-qualitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=29303","title":{"rendered":"PR schl\u00e4gt Qualit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Es wird ja immer behauptet, dass sich durch die Nachfrager die beste Qualit\u00e4t am Markt durchsetzen w\u00fcrde. Doch ist das tats\u00e4chlich so? Hier mal ein Beispiel, dass zeigt, dass definitiv die Angebotsseite mit ihrem ganzen PR- und Marketingapparat das Geschehen dominiert.<\/p>\n<p>Spotify ist der Platzhirsch auf dem Markt der Streaminganbieter. Gerade junge Menschen h\u00f6ren oftmals Musik nicht mehr \u00fcber physische Tontr\u00e4ger und Downloads, sondern via Streaming. Und da nutzen dann eben die meisten Spotify, sodass das ja wohl der besten Anbieter sein muss. Oder etwa doch nicht?<\/p>\n<p>Ich selbst nutze kein Streaming aus verschiedenen Gr\u00fcnden (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=23778\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), sondern vorwiegend noch Tontr\u00e4ger (CDs und Vinyl), und f\u00fcr unterwegs hab ich meinen iPod. Nun habe ich allerdings gerade in der Musikzeitschrift <em>eclipsed<\/em> in einem Artikel \u00fcber Audiophilie (liegt mir nur als Print-Version vor) eine Auflistung der g\u00e4ngigsten Streamingdienste gesehen. Und wenn man die Angaben dort mal vergleicht, dann schneidet Spotify nicht so wirklich gut ab.<\/p>\n<p>Was die Anzahl der verf\u00fcgbaren Songs angeht, geben sich da alle nicht so viel, die liegt \u00fcberall bei 100 bis 120 Millionen Titeln, wobei Spotify hier auch &#8222;nur&#8220; 100 Millionen vorweisen kann. Preislich liegen die g\u00fcnstigsten Abovarianten auch nicht richtig weit auseinander, das schwankt zwischen 9,99 Euro und 14,99 Euro (Spotify: 10,99 Euro).<\/p>\n<p>Was allerdings auff\u00e4llt: Bis auf zwei Anbieter (Spotify und YouTube) bieten alle qualitativ h\u00f6herwertige Audiooptionen an, also Hi-Fi, Hi-Res und\/oder 3D-Audio. Wer also ein bisschen Wert auf Soundqualit\u00e4t legt, sollte eher nicht Spotify nutzen.<\/p>\n<p>Und dann stellt sich ja auch immer noch die Frage, wem man da sein Geld in den Rachen schmei\u00dft. Einige Anbieter wie Amazon Music, Apple Music oder YouTube geh\u00f6ren offenkundig zu keinen wirklich coolen Unternehmen, doch wie sieht das bei Spotify aus?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal ist es ja mittlerweile hinreichend bekannt, dass die meisten Musiker von Spotify nur sehr wenig Geld bekommen (s. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/spotify-bezahlung-kuenstler-verguetungsmodell-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Auf der anderen Seite ist Spotify-Chef Daniel Ek mittlerweile Multimilliard\u00e4r und \u00fcberlegte auch schon, ob er sich mal eben den Fu\u00dfballclub Arsenal London kaufen sollte (s. <a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/spotify-chef-daniel-ek-will-arsenal-kaufen-a-2f68ed22-afbb-407e-9b2a-0af097c39081\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Na ja, stattdessen investiert er dann lieber 100 Millionen Euro in ein R\u00fcstungsunternehmen (s. <a href=\"https:\/\/taz.de\/Spotifygruender-investiert-in-Militaertechnik\/!5820447\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) &#8211; richtig tolle Sache!<\/p>\n<p>Nun kann man sagen: &#8222;Ach, lass den doch mit seiner Kohle machen, was er will.&#8220; Klar, aber wenn derjenige sich dann auch noch mit ausgesprochen fragw\u00fcrdigen Aussagen in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert, dann sollte man sich vielleicht noch mal mehr \u00fcberlegen, so eine Person weiter finanziell zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>So meinte Ek vor ein paar Wochen doch tats\u00e4chlich, dass es ja so gut wie nichts kosten w\u00fcrde, heutzutage Content zu erstellen (s. <a href=\"https:\/\/www.bonedo.de\/artikel\/spotify-ceo-daniel-ek-inhalte-erschaffen-kostet-so-gut-wie-nichts\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), was sich bei ihm nat\u00fcrlich auf Musik bezieht. Das fanden dann etliche Musiker nicht so witzig, die n\u00e4mlich genau wissen, dass es nicht nur einiges an Geld (Instrumente, Ausbildung, Proberaum, Aufnahmen usw.), sondern auch reichlich viel Zeit kostet, wirklich gute Musik zu erschaffen.<\/p>\n<p>Und dann kommt jemand wie Ek, dessen Gesch\u00e4ftsmodell ist, Musik nicht selbst zu machen, sondern parasit\u00e4r zu verbreiten und damit mehr Geld zu scheffeln als die meisten Musiker, und entwertet deren k\u00fcnstlerische Produktivit\u00e4t mit so einem Statement. Ziemlich gro\u00dfe Klappe f\u00fcr einen Schmarotzer, der vom Content anderer lebt, finde ich &#8211; und das sehen etliche andere K\u00fcnstler auch so, sodass es reichlich Kritik f\u00fcr Ek hagelte.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte ihn allerdings alles recht wenig interessieren, denn Konsequenzen der Spotify-User bleiben weitestgehend aus. Die nutzen den Dienst nach wie vor, obwohl dessen Qualit\u00e4t eher schlechter als von anderen Anbietern ist und dessen CEO offensichtlich ein ziemlich bornierter Widerling ist. PR sei Dank.<\/p>\n<p>Denn es gibt eben durchaus bessere Streamingdienste, wie beispielsweise Qobuz. Die haben von Anfang an auf eine bessere Bezahlung der Musiker gesetzt, bieten auch einen Download-Store an, was f\u00fcr K\u00fcnstler recht lukrativ ist, bringen ein eigenes Musikmagazin mit Hintergrundinfos und Rezensionen raus f\u00fcr ihre Abonnenten und steuern ihre Musikauswahl nicht mit Algorithmen, sondern mit redaktioneller Arbeit. Ach ja, den Laden gibt es auch schon seit 2007, das sind also keine Neulinge, die nicht wissen was sie machen.<\/p>\n<p>Da sollte man doch glatt meinen, wenn man den Theorien der Marktapologeten folgt, dass Qobuz Spotify schon l\u00e4ngst h\u00e4tte aus dem Wettbewerb dr\u00e4ngen m\u00fcssen. Ist aber nicht so &#8211; oder wie viele von Euch haben zuvor schon mal was von Qobuz geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>So hat Spotify offensichtlich eben mehr Geld ins Marketing statt in die K\u00fcnstler gesteckt &#8211; und ist damit auch noch erfolgreich. Das Angebot schafft sich hier also mal wieder seine Nachfrage, und die Nachfrage dackelt dem recht unreflektiert hinterher. So und nicht anders funktioniert es heute (und schon seit Jahren), und das nicht nur bei Streaminganbietern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird ja immer behauptet, dass sich durch die Nachfrager die beste Qualit\u00e4t am Markt durchsetzen w\u00fcrde. Doch ist das tats\u00e4chlich so? 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