{"id":30352,"date":"2025-03-12T14:49:07","date_gmt":"2025-03-12T13:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=30352"},"modified":"2025-03-12T14:49:07","modified_gmt":"2025-03-12T13:49:07","slug":"immer-diese-katzenbesitzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=30352","title":{"rendered":"Immer diese Katzenbesitzer!"},"content":{"rendered":"<p>Stellt Euch vor, in einem Paralleluniversum w\u00e4ren Katzenbesitzer in der Weise S\u00fcndenb\u00f6cke, wie das bei uns zurzeit mit Migranten der Fall w\u00e4re &#8230;<\/p>\n<p>Das Ganze ging los, weil irgendein m\u00e4chtiger Medienmogul, nennen wir ihn mal Friedrich L\u00e4ufer, etwas gegen die Stubentiger hatte: Die jagen V\u00f6gel, die kacken \u00fcberall hin, wenn sie Freig\u00e4nger sind, und dann noch die ganze Haare, gegen die ja zudem auch viele Menschen allergisch sind.<\/p>\n<p>Da kam es L\u00e4ufer nun recht gelegen, als bei einem psychisch kranken Menschen, der vollkommen unvorhersehbar bei einem Sch\u00fctzenfest durchdrehte und auf andere Besucher mit einem Messer einstach, in der Berichterstattung auftauchte, dass der Typ ansonsten ein recht unauff\u00e4lliger und freundlicher Geselle gewesen w\u00e4re, der sich immer sehr liebevoll um seine Katze gek\u00fcmmert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Katze?<\/p>\n<p>Sogleich lie\u00df L\u00e4ufer ein paar Redakteure recherchieren: Gab es vielleicht in j\u00fcngerer Vergangenheit schon mal Gewaltverbrechen, bei denen der T\u00e4ter eine Katze hatte?<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Gewaltverbrechen, das irgendwo im Land stattfand, ging es nun in der L\u00e4ufer-Presse vor allem erst mal darum, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob der T\u00e4ter vielleicht eine Katze gehabt hat. Da nun Katzen durchaus recht verbreitet sind, dauerte es auch nicht lange, bis man f\u00fcndig wurde. Und entsprechend lautete dann auch die Schlagzeile: &#8222;Messerangriff am Wochenende: schon wieder ein Katzenfreund!&#8220;<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes wurden dann die Rechercheergebnisse der Redakteure geballt als Hintergrundstory ver\u00f6ffentlicht: &#8222;Die blutige Spur der Katzenmenschen!&#8220; &#8211; der Titel sorgte dann schon f\u00fcr einiges an Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Und weiter ging&#8217;s: Nun brauchte L\u00e4ufer einen Wissenschaftler, der f\u00fcr seine steile These einen entsprechenden Background liefern w\u00fcrde. Den fand er auch schnell in einem emeritierten Philosophen, der durchaus eine gewisse Talkshow-Bekanntheit hatte und zudem einem kleinen Obolus vonseiten L\u00e4ufers nicht abgeneigt war.<\/p>\n<p>So lie\u00df dieser &#8222;Experte&#8220; dann verlauten, dass Katzen ja schon zur Eingebr\u00f6tlerei neigten, da sie keine Rudeltiere seien, und zudem auch schon mal kr\u00e4ftig austeilen k\u00f6nnten &#8211; was f\u00fcr eine gewisse labile Haltung ihrer Besitzer spr\u00e4che, die sich so was einfach gefallen lie\u00dfen. Ein Tierarzt wurde auch noch befragt, der best\u00e4tigte, dass Katzen h\u00e4ufiger kompliziertere Patienten seien als beispielsweise Hunde (oder gar Meerschweinchen), was dann ja irgendwie auch R\u00fcckschl\u00fcsse auf deren Besitzer zulassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Saat war ausgebracht, und Menschen finden an, ihre Nachbarn, die eine Katze hatten, skeptisch zu be\u00e4ugen.<\/p>\n<p>Da L\u00e4ufer selbst recht verm\u00f6gend war, war es sehr in seinem Interesse, dass nach solchen Gewaltverbrechen nicht nach anderen Ursachen gesucht w\u00fcrde, beispielsweise einer nicht ausreichenden psychosozialen Betreuung. Solche Diskussionen f\u00fchren ja nur zu Forderungen nach mehr \u00f6ffentlichen Interventionen, und L\u00e4ufers Credo lautete ja: je weniger Staat, desto besser (f\u00fcr ihn und seinesgleichen). Jugendarbeit, bessere Bildung, mehr Stellen f\u00fcr Psychotherapie &#8211; alles Teufelszeug in L\u00e4ufers Augen, denn das Geld, was so was kostet, k\u00f6nnte man doch schlie\u00dflich besser in Steuergeschenke (f\u00fcr ihn und seinesgleichen) investieren.<\/p>\n<p>Bl\u00f6derweise wurden allerdings auch Attentate von Menschen ver\u00fcbt, die keine Katze hatten. Wenn also L\u00e4ufers Redakteure nach einem Verbrechen das Social-Media-Profil des T\u00e4ters checkten und dort beispielsweise nur Bilder von Hunden, anderen Kleintieren oder gar keinen Vierbeinern fanden, dann wurde auch kein gro\u00dfer Aufriss darum gemacht. So was passiert halt &#8211; eine kleine Meldung auf Seite 3 (wenn \u00fcberhaupt) reicht da dann auch aus.<\/p>\n<p>Auch etliche Politiker, vor allem aus dem rechten und konservativen Spektrum, nahmen diese Erz\u00e4hlung gern auf. Damit konnte man klasse Stimmung machen, die Menschen im Land nach dem Teile-und-herrsche-Prinzip sch\u00f6n gegeneinander aufwiegeln und sich davor dr\u00fccken, wirklich wichtige Probleme anzugehen, indem ein Popanz aufgebaut wurde, auf den sich irgendwann alle fokussierten: Die Katzenbesitzer sind das gr\u00f6\u00dfte Problem in diesem Land!<\/p>\n<p>Schnell wurden dann auch Forderungen laut, hier gesonderte Strafen zu verh\u00e4ngen. Wer beispielsweise bei Rot \u00fcber eine Ampel f\u00e4hrt und eine Katze hat, dem sollte der F\u00fchrerschein gleich entzogen werden, da er ja ohnehin schon zu verd\u00e4chtigem Verhalten neigt. Bei mehrmaligen Verst\u00f6\u00dfen k\u00f6nnte dann auch der Stubentiger zwangsweise in ein Tierheim verbracht werden. Irgendwie musste man dieser Gefahr ja schlie\u00dflich Herr werden!<\/p>\n<p>Zwar gab es etliche Wissenschaftler, die belegen konnten, dass Katzenbesitzer nicht gef\u00e4hrlicher seien als Nichtkatzenbesitzer, und auch die Kriminalit\u00e4tsstatistik gab nichts her, was die L\u00e4ufer-Kampagne untermauern w\u00fcrde, sondern zeigte sogar auf, dass das Land immer sicherer geworden sei in den letzten Jahrzehnten und zunehmend weniger Gewaltverbrechen begangen wurden. Aber das interessierte leider kaum jemanden, denn Angst ist ein probates Mittel, um zu herrschen, seine Interessen durchzusetzen und zudem Menschen dazu zu bringen, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln.<\/p>\n<p>Und so gab es bald unsch\u00f6ne Szenen, zun\u00e4chst in den sozialen Medien. Wenn jemand schrieb, dass er traurig sei, weil seine Katze gestorben sei, dann hagelte es h\u00e4mische Kommentare von Katzenfeinden. Zudem wurden irgendwann auch Menschen auf offener Stra\u00dfe verbal oder sogar physisch attackiert, wenn sie Katzenfutter in ihrem Einkaufskorb hatten und dies f\u00fcr andere sichtbar transportierten. Zwar wurden solche Angriffe von sogenannten Katzisten immer wieder in Medien und vonseiten der Politik verurteilt, andererseits tat man auch nicht wirklich was dagegen, sondern sch\u00fcttete lieber weiter \u00d6l ins Feuer, um die Nebelkerze weiter am Brennen zu halten.<\/p>\n<p>Es war ja auch zu bequem: Vor Wahlen sprachen alle nur noch \u00fcber die Katzenbesitzer, sodass s\u00e4mtliche anderen Probleme, f\u00fcr die man keine L\u00f6sungen anzubieten hatte, unter den Tisch fielen. Wie praktisch!<\/p>\n<p>Und so wurde die Stimmung immer weiter angeheizt mit L\u00fcgen, die aber so oft wiederholt wurden, dass sie irgendwann zu einer gef\u00fchlten Wahrheit wurden: Katzen w\u00fcrde bei Tier\u00e4rzten bevorzugt behandelt werden. Katzenbesitzer wollten alle Hunde und deren Besitzer t\u00f6ten. Und so weiter und so fort &#8230;<\/p>\n<p>Als die Menschen dann irgendwann merkten, dass es ihnen selbst ja gar nicht besser ging, obwohl immer mehr gegen Katzenbesitzer unternommen und diese zunehmend diskriminiert wurden, dass sie immer weniger Geld zur Verf\u00fcgung hatten, immer mehr Misstrauen und Argwohn herrschten, immer mehr charakterlich untaugliche Typen in politische F\u00fchrungspositionen gesp\u00fclt wurden und auch sie immer mehr \u00fcberwacht wurden, obwohl sie ja gar keine Katzen hatten, da war es dann zu sp\u00e4t, um noch umzusteuern. L\u00e4ufer und seinesgleichen hatten den Staat zu einer katzistischen Oligarchie umgebaut, und in der hatten nun alle &#8211; ob Katzenbesitzer oder nicht &#8211; nicht mehr viel zu lachen.<\/p>\n<p>Klingt absurd? Nun, \u00e4hnlich absurd mag f\u00fcr die Menschen aus diesem Paralleluniversum anmuten, was hier bei uns gerade geschieht &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellt Euch vor, in einem Paralleluniversum w\u00e4ren Katzenbesitzer in der Weise S\u00fcndenb\u00f6cke, wie das bei uns zurzeit mit Migranten der Fall w\u00e4re &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,50,52],"tags":[203,132,218,1188],"class_list":["post-30352","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medial-manipulatives","category-politisches","category-soziales","tag-auslaenderfeindlichkeit","tag-migranten","tag-rassismus","tag-rechtsrutsch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30352","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=30352"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30352\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30365,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/30352\/revisions\/30365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=30352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=30352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=30352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}