{"id":3110,"date":"2015-05-26T17:56:37","date_gmt":"2015-05-26T15:56:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3110"},"modified":"2015-05-26T17:56:37","modified_gmt":"2015-05-26T15:56:37","slug":"bild-boykott-runde-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3110","title":{"rendered":"BILD-Boykott, Runde 2"},"content":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen berichtete ich <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2737\" target=\"_blank\">hier<\/a> \u00fcber einen Boykott der <em>BILD<\/em>\u00a0vonseiten einiger Einzelh\u00e4ndler, die keine Lust mehr haben, das hetzerische Blatt zu verkaufen.\u00a0Nun l\u00e4sst sich die BILD allerdings nicht so leicht aus dem Sortiment verdr\u00e4ngen, wie es aussieht, denn auf der <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/501381636616266\/photos\/a.557766277644468.1073741830.501381636616266\/842874139133679\/?type=1&amp;fref=nf\" target=\"_blank\"><em>Facebook<\/em>-Seite<\/a> eines BILD nicht mehr verkaufenden EDEKA-Marktes findet sich heute folgendes Statement:<\/p>\n<blockquote><p>Sehr geehrte Kundschaft,<br \/>\nheute Morgen nun erreichte uns die K\u00fcndigung des MITTELDEUTSCHEN PRESSEVERTRIEBES!<br \/>\nMit der Begr\u00fcndung, dass wir uns standhaft weigern die BILD Zeitung zur Auslage zu bringen. Gek\u00fcndigt wurde die Belieferung zum 22.05.2015 . Da es ein Gebietsrecht gibt, d\u00fcrfen wir uns von keinem anderen Grossisten beliefern lassen, das hei\u00dft wir d\u00fcrfen uns ab sofort keine Zeitschriften von einem Pressevertrieb liefern lassen.<br \/>\nF\u00fcr alle Freunde der Printmedien hei\u00dft es nun, bitte zum Kiosk gehen. Dieser befindet sich aber direkt neben unserem Haupteingang. Somit m\u00fcssen Sie keinen Umweg machen. Wir hoffen, dass unsere treue Kundschaft Verst\u00e4ndnis hat und die 3 Schritte zum Zeitschriftenh\u00e4ndler gegen\u00fcber kein gro\u00dfer Umstand sind.<\/p>\n<p>Desweiteren haben wir uns \u00fcberlegt die frei gewordene Fl\u00e4che sinnvoll zu nutzen.<br \/>\nSo wird in den n\u00e4chsten Tagen dort ein Sortiment an Kinderb\u00fcchern, Malb\u00fcchern und Bestsellern ausliegen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist schon ein starkes St\u00fcck, wie ich finde. Da wird also einem Ladenbesitzer vorgeschrieben, welche Zeitungen er zu verkaufen hat &#8211; und ausgerechnet im Interesse derjenigen, die immer schon das neoliberale Mantra predigen, dass einen m\u00f6glichst unregulierten Markt verlangt. Wie passt das denn bitte sch\u00f6n zusammen? Pikantes Detail dabei ist zudem, dass der Springer-Verlag laut Aussage des EDEKA-Marktes ein Gesellschafter des Mitteldeutschen Pressevertriebes ist.<\/p>\n<p>Ich hab ja keine Ahnung, wie die Vertr\u00e4ge aussehen, die so ein Lebensmittelmarkt mit diesem Pressevertrieb abgeschlossen hat und wie da nun die exakte Gesetzeslage ist, aber in jedem Fall finde ich es bedenklich, dass es nicht m\u00f6glich zu sein scheint, bestimmte, als unethisch empfundene Presseprodukte nicht verkaufen zu wollen. Es ist ja nun nicht so, dass jeder, der Zeitschriften verkauft, auch alle, die es in Deutschland gibt, im Angebot haben muss (was ja schon aus rein platztechnischen Gr\u00fcnden nicht geht), sondern eben ein Sortiment zusammenstellt. Warum sollte es daf\u00fcr nicht m\u00f6glich sein, die\u00a0<em>BILD<\/em> auszuklammern? Oder muss nun auch ein Laden, selbst wenn er es nicht m\u00f6chte, irgendwelche rechten oder deutschnationalen Bl\u00e4tter anbieten? Als ich vor einigen Jahren im Tontr\u00e4gerhandel gearbeitet habe, war es zumindest ohne Weiteres m\u00f6glich, CDs von den B\u00f6hsen Onkelz nicht verkaufen zu wollen. Wieso sieht das bei Zeitungen und Zeitschriften anders aus?<\/p>\n<p>Meines Erachtens wird hier eine monopolistische Struktur, n\u00e4mlich die des allein f\u00fcr eine Region zust\u00e4ndigen Pressevertriebs, ausgenutzt, um bestimmte Produkte fl\u00e4chendeckend im Verkauf zu positionieren. Angebot und Nachfrage? Voll egal, notfalls wird eben entsprechend Druck gemacht, um den Leuten das vorzusetzen, was sie gef\u00e4lligst kaufen und lesen sollen. So funktioniert letztlich die neoliberale Variante der Marktwirtschaft: Unternehmen werden irgendwann so gro\u00df, dass sie keine Konkurrenz mehr haben und ihr Marktsegment nach Belieben dominieren. Sch\u00f6n, dass das nun mal so deutlich anhand eines Hetzblattes zutage tritt, das ja gern immer behauptet, nur ein entfesselter Markt w\u00fcrde tats\u00e4chlich kundenad\u00e4quat und verbraucherfreundlich agieren. Tja, sieht nicht ganz so aus &#8230;<\/p>\n<p>Der EDEKA-Markt wird den Verzicht auf seine Zeitungs- und Zeitschriftensparte wohl verkraften k\u00f6nnen, zumindest sind die Reaktionen bei\u00a0<em>Facebook<\/em> durchweg positiv, sodass sich hier schon ein Werbeeffekt zu ergeben scheint. Bei Kiosken oder im reinen Zeitschriftenhandel wird das allerdings schon anders aussehen, denn dort ist der Anteil der Presseerzeugnisse am Gesamtumsatz schlie\u00dflich deutlich h\u00f6her, sodass nicht mal eben so darauf verzichtet werden kann. Dort d\u00fcrfte dann eine derartige Erpressung (&#8222;Entweder du verkaufst die\u00a0<em>BILD<\/em> oder wir machen dir dein Gesch\u00e4ft kaputt!&#8220;) schon eher fruchten. In jedem Fall passt ein solch sch\u00e4biges Gesch\u00e4ftsgebaren genau zum sch\u00e4bigen, hetzerischen Inhalt dieses Schmierblattes.<\/p>\n<p>Insofern ist es an jedem von uns, L\u00e4den zu unterst\u00fctzen, von denen man mitbekommt, dass sie keine\u00a0<em>BILD<\/em> mehr verkaufen wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen berichtete ich \u00fcber einen Boykott der BILD vonseiten einiger Einzelh\u00e4ndler, die keine Lust mehr haben, das hetzerische Blatt zu verkaufen. 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