{"id":31105,"date":"2025-08-13T11:51:34","date_gmt":"2025-08-13T09:51:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=31105"},"modified":"2025-08-13T11:51:34","modified_gmt":"2025-08-13T09:51:34","slug":"die-gute-alte-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=31105","title":{"rendered":"Die gute alte Zeit &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ja mittlerweile auch schon 55 Jahre alt, also zumindest physisch ein alter wei\u00dfer Mann (wenngleich nicht mit der so bezeichneten Geisteshaltung), und da sei mir auch mal ein bisschen Nostalgie gestattet. Bitte nicht alles allzu bierernst nehmen. ;o)<\/p>\n<p>Und bitte auch nicht falsch verstehen: Ich geh\u00f6re mit Sicherheit nicht zur &#8222;Fr\u00fcher war alles besser&#8220;-Fraktion. Meinen iPod liebe ich zum Beispiel, um unterwegs Musik zu h\u00f6ren, da vermisse ich den ollen Walkman nicht wirklich. Auch mein sch\u00f6nes Heimkino, auf dem ich DVDs und BluRays schaue, finde ich deutlich besser als das fr\u00fchere Pantoffelkino mit wackeligen Videobildern auf kleinen Fernsehern. Dass erneuerbare Energien auf dem Vormarsch waren in den letzten Jahren (wobei die ja jetzt leider gerade wieder ausgebremst werden von der als Bundeswirtschaftsministerin getarnten Lobbyistin der Gasindustrie), gef\u00e4llt mir ebenfalls, genauso wie die Tatsache, dass mein Auto heute, obwohl es gr\u00f6\u00dfer ist, nur etwa die H\u00e4lfte von dem Sprit schluckt, den mein erstes Auto verbraucht hat. Zudem entdecke ich st\u00e4ndig neue Musik, die ich bestimmt auch nicht missen m\u00f6chte. Und: Unsere Gesellschaft ist wesentlich emanzipatorischer und inklusiver geworden. Ach ja: Trotz aller negativen Begleiterscheinungen ist das Internet im Grunde auch eine sehr gute Sache. Nur um mal einige Beispiele zu nennen.<\/p>\n<p>Dennoch gibt es so ein paar Sachen, die sind fr\u00fcher einfach besser gelaufen, finde ich. Und vielleicht k\u00f6nnt Ihr ja einiges davon nachvollziehen. Ein paar Sachen davon sind noch gar nicht so lange her, einiges schon deutlich l\u00e4nger.<\/p>\n<p>Erinnert Ihr Euch noch an die gute alte Zeit, als &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; die Post noch f\u00fcnf- oder sogar sechsmal in der Woche zugestellt wurde und nicht nur maximal zwei- bis dreimal?<\/p>\n<p>&#8230; man nicht monatelang auf einen Facharzttermin warten musste?<\/p>\n<p>&#8230; als (Pseudo-)Gel\u00e4ndewagen vor allem im Gel\u00e4nde rumgefahren sind?<\/p>\n<p>&#8230; als man interessante neue Musik regelm\u00e4\u00dfig einfach so im Radio und Fernsehen entdecken konnte?<\/p>\n<p>&#8230; als es noch als unh\u00f6flich galt, sich in Gesellschaft mit seinem Handy zu besch\u00e4ftigen?<\/p>\n<p>&#8230; Innenst\u00e4dte in der Regel belebte Orte waren, in denen es kaum Leerstand gab?<\/p>\n<p>&#8230; ein Gehalt oftmals ausgereicht hat, um einen Familie gut zu versorgen?<\/p>\n<p>&#8230; bezahlbarerer Wohnraum eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit und Wohnungsmiete nicht allzu h\u00e4ufig ein Armutsrisiko war?<\/p>\n<p>&#8230; die Bahn generell zuverl\u00e4ssig und p\u00fcnktlich war?<\/p>\n<p>&#8230; Krankenh\u00e4user noch eine medizinische Vollversorgung boten und &#8222;blutige Entlassungen&#8220; eigentlich nicht vorkamen?<\/p>\n<p>&#8230; Franz Josef Strau\u00df noch die rechteste Type in der prominenten politischen Landschaft war?<\/p>\n<p>&#8230; Mobbing nur ein vereinzeltes Ph\u00e4nomen war, sodass es noch nicht mal einen eigenen Namen daf\u00fcr gab?<\/p>\n<p>&#8230; in jeder Schulklasse ein bis zwei verhaltensauff\u00e4llige Sch\u00fcler waren &#8211; und nicht ein bis zwei nicht verhaltensauff\u00e4llige?<\/p>\n<p>&#8230; Medikamente keine Zuzahlung kosteten?<\/p>\n<p>&#8230; es nachfolgenden Generationen generell materiell besser ging als den vorangegangenen?<\/p>\n<p>&#8230; das noch nicht demontierte Umlageverfahren f\u00fcr eine ausk\u00f6mmliche Rente f\u00fcr die meisten alten Menschen gesorgt hat?<\/p>\n<p>&#8230; es zwar Million\u00e4re gab, aber eigentlich keine Milliard\u00e4re?<\/p>\n<p>&#8230; Politiker nach Verfehlungen zur\u00fcckgetreten sind?<\/p>\n<p>&#8230; Burn-out noch keine Volkskrankheit war?<\/p>\n<p>&#8230; nur ein- bis zweimal in der Woche Fleisch zu essen, ganz normal war, sodass Massentierhaltung erst vereinzelt aufkam?<\/p>\n<p>&#8230; es noch eine Verm\u00f6genssteuer gab, Kapitalertr\u00e4ge wie Einkommen versteuert wurden und der Spitzensteuersatz bei 53 % lag?<\/p>\n<p>&#8230; eine Million Arbeitslose als alarmierende Massenarbeitslosigkeit galten?<\/p>\n<p>&#8230; es Fast Fashion und x Modetrends pro Jahr noch nicht gab, sondern man seine Klamotten vor allem aufgrund von Qualit\u00e4tskriterien kaufte?<\/p>\n<p>&#8230; &#8222;bio&#8220; und &#8222;unverpackt&#8220; oftmals Standard waren beim Lebensmittelkauf, ohne extra ausgezeichnet zu werden?<\/p>\n<p>&#8230; Wohneigentum zu erwerben noch eine ganz normal zu finanzierende Sache f\u00fcr viele junge Familien war?<\/p>\n<p>&#8230; 40-Grad-Sommerhitze in Deutschland nur in BILD-Schlagzeilen existierte?<\/p>\n<p>Vielleicht fallen Euch ja auch noch ein paar Dinge ein, an die Ihr gern zur\u00fcckdenkt, weil sie irgendwie fr\u00fcher mal besser funktioniert haben, stressfreier oder einfach nur angenehmer waren.<\/p>\n<p>Wie gesagt: &#8222;Fr\u00fcher war alles besser&#8220; gilt f\u00fcr mich nicht. Dennoch muss ich feststellen, das vor allem das neoliberale Profitstreben daf\u00fcr gesorgt hat, dass vieles nicht besser wurde. Absurderweise sind es gerade diejenigen mit den reaktion\u00e4rsten gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen, die dieses Wirtschaftsprinzip mit seinem Wachstumsdogma \u00fcberhaupt nicht infrage stellen. O. k., die wollen dann eben die Sachen wiederbeleben, die nicht so richtig cool waren, beispielsweise was die Geschlechtergerechtigkeit angeht.<\/p>\n<p>Denen sollte man also bei aller durchaus angebrachten kritischen Nostalgie nicht auf den Leim gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja mittlerweile auch schon 55 Jahre alt, also zumindest physisch ein alter wei\u00dfer Mann (wenngleich nicht mit der so bezeichneten Geisteshaltung), und da sei mir auch mal ein bisschen Nostalgie gestattet. 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