{"id":31172,"date":"2025-08-20T14:31:41","date_gmt":"2025-08-20T12:31:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=31172"},"modified":"2025-08-20T14:31:41","modified_gmt":"2025-08-20T12:31:41","slug":"das-denken-in-zusammenhaengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=31172","title":{"rendered":"Das Denken in Zusammenh\u00e4ngen &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; scheint etwas zu sein, was Konservativen ausgesprochen schwerf\u00e4llt. Anders l\u00e4sst sich vieles politische Handeln nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Gut, eine weitere Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeit ist nat\u00fcrlich vor allem bei Konservativen und noch weiter rechts Stehenden stets auch Korruption. Aber das gilt dann ja nur f\u00fcr die ausf\u00fchrenden Politiker und nicht f\u00fcr die W\u00e4hler, denn ich gehe mal davon aus, dass die allermeisten von denen Korruption auch nicht f\u00fcr eine gute Sache und somit nicht f\u00fcr eine politische Handlungslegitimation halten d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Wie ich gerade jetzt auf dieses Thema komme? Ich las k\u00fcrzlich in einem sehr lesenswerten <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2025\/august\/katherina-reiche-die-fossil-ministerin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel von Yves Venedy<\/a> in den <em>Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em>, in dem er sich mit der als Bundeswirtschaftministerin getarnten Gaslobbyistin Katherina Reiche besch\u00e4ftigte, folgenden, wie ich finde, sehr schlauen Satz:<\/p>\n<blockquote><p>H\u00e4tten wir nicht jahrelang Erdgas in Russland gekauft und so Putins Kriegskasse gef\u00fcllt, m\u00fcssten wir jetzt vielleicht nicht immense Summen in unsere Verteidigung stecken.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sehr \u00fcberzeugend in der Schlichtheit der Folgerung, zeigt Venedy damit ein Dilemma der heutigen (vor allem von Konservativen und Rechten dominierten) Politik auf: Es wird oft nicht in Zusammenh\u00e4ngen gedacht, sondern nur in zumeist kurzfristigen einzelnen Aspekten.<\/p>\n<p>Dass Wladimir Putin entgegen den Beteuerungen unseres Altbundeskanzlers Gerhard Schr\u00f6der kein lupenreiner Demokrat ist, ist ja schon ein bisschen l\u00e4nger bekannt &#8211; und dennoch wurde bis zum Februar 2022 noch allzu gern das g\u00fcnstige Erdgas aus Russland bezogen. Das war nicht nur in puncto Klimaschutz nicht besonders pfiffig, sondern auch deswegen, weil man auf diese Weise einem despotischen Regime erhebliche finanzielle Mittel hat zukommen lassen. Tja, und nun haben wir den Salat: Jetzt hei\u00dft es, dass wir massiv aufr\u00fcsten m\u00fcssen, weil wir uns vor demjenigen f\u00fcrchten, den wir selbst fett gef\u00fcttert haben.<\/p>\n<p>Ist jetzt insgesamt nicht so richtig clever, oder?<\/p>\n<p>Und wenn man das dann noch mal weiterdenkt, dann kommt man zu solchen \u00dcberlegungen: W\u00e4re es nicht konstruktiver (und vermutlich auch g\u00fcnstiger), wenn man, statt immer mehr Geld in R\u00fcstung zu pumpen, lieber Investitionen t\u00e4tigen w\u00fcrde, die kriegerische Auseinandersetzungen unwahrscheinlicher machten? Beispielsweise, indem man in despotischen L\u00e4nder finanzielle Mittel zur Unterst\u00fctzung von menschenrechtlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Bewegungen bereitstellen w\u00fcrde. Oder indem man Projekte f\u00f6rdert, die in \u00e4rmeren L\u00e4ndern nachhaltigen und langfristig konstanten Wohlstand sicherten. Menschen, denen es gut geht und die keine Existenz\u00e4ngste haben, neigen n\u00e4mlich normalerweise weniger dazu, sich f\u00fcr Kriege motivieren zu lassen &#8211; und begeben sich zudem auch seltener auf die Flucht aus ihrer Heimat, was ja auch immer wieder Spannungen hervorruft.<\/p>\n<p>Man muss sich ja nur mal vor Augen halten, was der Afghanistan-Krieg so insgesamt an Geld gekostet hat. Da ist allein von US-Seite von einer knappen Billion Dollar die Rede (s. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Krieg_in_Afghanistan_2001\u20132021#Monet\u00e4re_Kosten_des_Krieges\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Wow &#8211; h\u00e4tte man mit dem Geld nicht vielleicht was Besseres anfangen k\u00f6nnen, als das Land 20 Jahre lang mit Krieg zu \u00fcberziehen, nur um dann wieder den gleichen (wenn nicht gar einen schlimmeren) Zustand wie zu Beginn zu haben? Ich stell mir mal vor, es w\u00e4ren mit der Kohle Oppositionsgruppen unterst\u00fctzt worden, die dann beispielsweise Infrastrukturprojekte anschieben k\u00f6nnten. Oder man h\u00e4tte die Taliban direkt ein bisschen &#8222;erpresst&#8220;: &#8222;Hier, ihr k\u00f6nnt ein paar Milliarden bekommen f\u00fcr dies und jenes Projekt, aber daf\u00fcr m\u00fcsst ihr dann eben auch mal von eurer fundamentalistischen Linie abweichen.&#8220; Den Menschen in Afghanistan d\u00fcrfte es heute dann vermutlich besser gehen, als das jetzt gerade der Fall ist. Und das Ansehen der USA und ihrer Verb\u00fcndeten (also des sogenannten &#8222;Wertewestens&#8220;) w\u00e4re vermutlich auch deutlich weniger ramponiert.<\/p>\n<p>Stattdessen werden nach wie vor Gesch\u00e4fte mit Despoten gemacht, gerade im Bereich fossile Energietr\u00e4ger. Die sind nun mal leider vor allem dort vorhanden, wo wenig coole Typen am Ruder sind. Und solche Typen sind nun mal immer auch ein potenzielles Sicherheitsrisiko &#8211; wie man ja an Putin mehr als deutlich gesehen hat.<\/p>\n<p>Somit k\u00e4me man dann auch zur Erkenntnis, dass Investitionen in erneuerbare Energien zugleich auch Investitionen in eine verbesserte Sicherheit sind. Aber dazu muss man eben in etwas gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4ngen denken.<\/p>\n<p>Dass das nicht hinhaut bei den W\u00e4hlern von konservativen und rechten Parteien (bei deren Parteigranden wohl schon, aber da spielt eben Korruption eine gro\u00dfe Rolle, und sowohl die Fossile-Energien-Industrie als auch die R\u00fcstungsindustrie sind nun mal sehr, sehr zahlungskr\u00e4ftig), sieht man auch daran, dass sich diese Klientel immer wieder \u00fcber Gefl\u00fcchtete aufregt, die Politik der von ihnen pr\u00e4ferierten Parteien aber eben immer mehr Menschen in die Flucht treibt. Das ist keine neue Erkenntnis, denn ich habe beispielsweise schon vor fast zehn Jahren einen <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3899\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel<\/a> dar\u00fcber geschrieben. Wenn einem jedoch immer nur die eigene Plauze kurzfristig wichtiger ist (billige Produkte im \u00dcberfluss wie Schokolade, Bananen, Kaffee, Fisch, Fleisch Ger\u00e4teakkus, alles M\u00f6gliche mit Palm\u00f6l usw.), als dass man mal versucht, solche Zusammenh\u00e4nge zu durchschauen, dann verschlie\u00dft man sich eben auch solcher eigentlich offenkundigen Erkenntnis.<\/p>\n<p>Es gab ja immer schon mal Studien, die herausgefunden haben wollen, dass Konservative d\u00fcmmer sind als Progressive (s. beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/intelligenz-und-evolution-konservative-haben-geringeren-iq-a-680956.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.politik-kommunikation.de\/politik\/das-hirn-waehlt-links\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) &#8211; und die auch entsprechend kontrovers diskutiert wurden. Mir scheint es allerdings schon logisch zu sein, dass es eine h\u00f6here intellektuelle Leistung ist, sich auf Neues einzulassen, als einfach an Altem festzuhalten &#8211; selbst wenn dieses Alte nicht mehr funktional oder sogar sch\u00e4dlich ist. Wenn man hierzu dann noch die generell zunehmende Verbl\u00f6dung (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=28213\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>) nimmt, dann wundert es einen nicht, dass Konservative immer mehr Probleme haben, selbst offensichtlichste Zusammenh\u00e4nge zu erkennen.<\/p>\n<p>Und genau das wird von konservativen und rechten Politikern &#8211; denen diese Zusammenh\u00e4nger sehr wohl bewusst sind, allerdings passen sie ihnen eben nicht in den Kram &#8211; schamlos ausgenutzt, um ihre Anh\u00e4ngerschaft immer wieder dazu zu bringen, Dingen zuzustimmen, die sich bei n\u00e4herer Betrachtung der Zusammenh\u00e4nge als komplett d\u00e4mlich erweisen.<\/p>\n<p>Kaum jemand d\u00fcrfte Bock auf Kriege, Wetterkatastrophen und menschliches Elend haben &#8211; aber die konservative\/rechte Mehrheit stimmt leider immer genau daf\u00fcr ab bei Wahlen. Genauso wie sie sich gern \u00fcber verarmte Rentner, aussterbende Innenst\u00e4dte und steigende Sozialausgaben echauffieren, ohne zu raffen, dass dies alles eine Konsequenz des von ihnen unterst\u00fctzten Wirtschaftssystems ist. Weil sie eben nicht (mehr) in der Lage sind, Zusammenh\u00e4nge zu erfassen, schon gar nicht, wenn diese etwas komplexer sind. Sie selbst werden dann auch darunter zu leiden haben, aber eben auch alle anderen, die sehenden Auges mit auf den sich deswegen auftuenden Abgrund zurasen.<\/p>\n<p>Aber daran etwas zu \u00e4ndern, w\u00fcrden eben genau das Denken in Zusammenh\u00e4ngen erfordern. Was f\u00fcr ein Teufelskreis &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; scheint etwas zu sein, was Konservativen ausgesprochen schwerf\u00e4llt. 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