{"id":3181,"date":"2015-06-10T15:22:13","date_gmt":"2015-06-10T13:22:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3181"},"modified":"2019-11-12T18:22:02","modified_gmt":"2019-11-12T17:22:02","slug":"deutschland-gehts-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3181","title":{"rendered":"Deutschland geht&#8217;s gut!"},"content":{"rendered":"<p>So lautet zumindest der Tenor, der uns immer wieder und \u00fcberall um die Ohren gehauen wird und sich mittlerweile in den K\u00f6pfen der Menschen verfestigt hat. Klar, im Vergleich zu den armen Teufeln, die beispielsweise aus Syrien fl\u00fcchten und dabei Kopf und Kragen riskieren, um \u00fcbers Mittelmeer nach Europa zu kommen, geht es uns in Deutschland nat\u00fcrlich ausgesprochen gut, und auch im Vergleich mit anderen industrialisierten L\u00e4ndern sieht es hier noch recht manierlich aus, was den Lebensstandard und die soziale Absicherung betrifft, aber sind solche Vergleiche nicht eher Augenwischerei, um tats\u00e4chliche M\u00e4ngel und Risse im deutschen Wohlstand zu kaschieren? Mir fallen zumindest gen\u00fcgend Aspekte ein, die hier zurzeit \u00fcberhaupt nicht gut laufen und aufgrund derer es vielen Menschen in unserem Land zunehmend schlechter geht, und die Betrachtung der eigenen Entwicklung sollte doch Priorit\u00e4t haben vor dem beschwichtigenden Herabschauen auf die, denen es schlechter geht.<\/p>\n<p>Immer mehr Menschen (zurzeit 12,5 Mio., s. dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26178\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/asansoerpress35\/dortmund-arm_in_arm-in-aktion?utm_content=bufferc1e0f&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=facebook.com&amp;utm_campaign=buffer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/43\/43403\/1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/955790.ein-fuenftel-ohne-weihnachten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) in Deutschland gelten als arm, was bedeutet, dass sie von einem Einkommen, was weniger als 60 % des Durchschnittseinkommens betr\u00e4gt, leben m\u00fcssen. Die Tafeln boomen, da viele Menschen sich keine regelm\u00e4\u00dfigen warmen Mahlzeiten mehr leisten k\u00f6nnen, immer mehr Kinder wachsen in Armut auf, was sich wiederum schlecht auf ihre Bildungschancen auswirkt. Auch die Gesundheit leidet unter der Armut, die Teilhabe am sozialen Leben sowieso (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/beduerftigkeit-wie-arm-ist-arm-1.2357149\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/44\/44186\/1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/debatte-um-armut-wer-in-deutschland-arm-ist-1.2419798\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>), und auch Stromsperren sind mittlerweile ein viel zu h\u00e4ufiges Ph\u00e4nomen (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.rp-online.de\/nrw\/panorama\/ein-leben-daheim-bei-null-grad-und-kerzenschein-aid-1.4756873\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/strom-laut-bundesnetzagentur-waren-345-000-haushalte-mit-stromsperre-a-1004435.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>)\u00a0. Es gibt circa 6,8\u00a0Millionen Menschen in Deutschland, die Transferleistungen empfangen, teilweise sogar, obwohl sie in Vollzeit arbeiten, dazu kommen noch gesch\u00e4tzte 3,1 bis 4,9 Millionen Menschen, die zwar einen Anspruch auf Transferleistungen h\u00e4tten, diesen aber aus Scham oder Unwissenheit nicht wahrnehmen w\u00fcrden (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.gegen-hartz.de\/nachrichtenueberhartziv\/anzahl-der-hartz-iv-empfaenger-ueber-millionen-90016313.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Der Mindestlohn soll hier zwar ein wenig Abhilfe schaffen, allerdings wurde er auch schon mit etlichen Schlupfl\u00f6chern und Ausnahmen konstruiert (Zeitungszusteller, Minderj\u00e4hrige und Langzeitarbeitslose sind beispielsweise davon ausgenommen). Und notfalls l\u00e4sst man den 8,50-Euro-Stundenlohn-Empf\u00e4nger dann halt zwei Stunden mehr am Tag arbeiten &#8211; nat\u00fcrlich unbezahlt! Wenn ihm das nicht passen sollte, kann er ja gehen und sich einen neuen Job suchen &#8211; dann vielleicht sogar als Leih-\/Zeitarbeiter, mit einem Werkvertrag oder nur noch\u00a0in Teilzeit, was nicht gerade eine bessere finanzielle Situation verspricht. Armut und die damit verbundenen Unsicherheiten und krank machenden Lebensumst\u00e4nde sind also keine Randerscheinung, sondern ein Massenph\u00e4nomen in Deutschland geworden, das dank Agenda 2010 immerhin den gr\u00f6\u00dften Niedriglohnsektor der Eurozone vorweisen kann (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/gastwirtschaft\/arbeit-gespaltene-gesellschaft,29552916,29759770.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Dabei hat die Altersarmut (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/inhalt.dgb-schlaegt-alarm-bayerns-rentner-werden-immer-aermer-vor-allem-die-frauen.5969486d-a2fc-45fc-af02-6dd0b9a69419.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/aktuelle-sozialpolitik.blogspot.de\/2014\/11\/4-altersarmut.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) noch nicht mal die Dimensionen angenommen, die in den n\u00e4chsten Jahrzehnten zu erwarten sind, da das Niveau der gesetzlichen Rente deutlich abgesenkt wird (Absenkung des Prozentsatzes vom letzten Lohn, Erh\u00f6hung der Abgabenzahlungen auf die Rente, sp\u00e4teres Renteneintrittsalter). Diese Entscheidungen fielen im Zuge der Privatisierung der Altersabsicherung, die Teil des Agenda-2010-Konzepts von Rot-Gr\u00fcn war (und die auch Gerhard Schr\u00f6ders Intimus Carsten Maschmeyer bzw. dessen AWD einen ordentlichen Batzen Geld eingebracht haben). Als Ausgleich hierf\u00fcr war die private Altersvorsorge gedacht, beispielsweise die nach ihrem &#8222;Erfinder&#8220; benannte Riester-Rente (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.saarbruecker-zeitung.de\/nachrichten\/themen\/Berlin-Altersarmut-Arbeitsminister-Beitragssaetze-Bergarbeiter-Gesetze-und-Rechtsnormen-Gesetzliche-Rentenversicherung-Inflation-Kanzler-Not-Elend-und-Leid-Pflichtversicherungen;art2825,5535470\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/125-jahre-altersvorsorge-altersarmut-wird-zunehmen.1008.de.html?dram:article_id=304939\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Das Problem dabei ist nur, dass die Privatrente die in sie gesetzten Hoffnungen nicht ansatzweise erf\u00fcllen kann (wovor umsichtige Kritiker schon bei deren Einf\u00fchrung gewarnt hatten): Zu viel Geld bleibt bei den Versicherungen h\u00e4ngen f\u00fcr Provision und Verwaltung, zudem sind die derzeitigen niedrigen Zinsen ein Problem f\u00fcr die kapitalgedeckte Altersvorsorge, da eben die Anlagen nicht mehr die Renditen abwerfen, mit denen noch vor zehn Jahren gerechnet wurde (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/altersvorsorge-bundesregierung-fehlt-durchblick-bei-riester-rente-1.2277060\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Hinzu kommt au\u00dferdem eine gro\u00dfe Unsicherheit: Wenn es wieder einen Finanzcrash wie im Jahr 2008 gibt (und davon ist ja beim unver\u00e4nderten Spekulationsverhalten der Finanzindustrie schon zu rechnen), wer wei\u00df, welcher Anbieter von Privatrente danach \u00fcberhaupt noch existiert? Wer also heute circa 2500 Euro brutto verdient (und das ist ja nun nicht ganz wenig, da gibt es etliche Berufe, in denen es deutlich weniger gibt), der kann sich schon mal darauf einstellen, als Rentner nicht mehr als den Hartz-IV-Regelsatz zu bekommen &#8211; es sei denn, er schafft es noch, sich von seinem Gehalt irgendeine private nennenswerte Vorsorge abzuzwacken. Tolle Aussichten &#8230;<\/p>\n<p>Doch nicht nur f\u00fcr die Rentner, Niedrigl\u00f6hner, Leiharbeiter (s. dazu\u00a0<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2015-05\/die-linke-leiharbeit-leiharbeiter-bundestag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>), Zeitarbeiter, Minijobber (oft noch neben dem regul\u00e4ren Arbeitsplatz als Zweiteinkommen, s. dazu <a href=\"http:\/\/www.gegen-hartz.de\/nachrichtenueberhartziv\/26-millionen-deutsche-sind-multijobber-90016319.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>), Scheinselbstst\u00e4ndige,\u00a0Arbeitslose (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/arbeit--unsere-religion-\/langzeitarbeitslose-neue-deutsche-verachtung,30242698,30288942.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/arbeitslosigkeit-arbeitslose-in-deutschland-muessen-armut-fuerchten-a-1001042.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) und Hartz-IV-Empf\u00e4nger (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.gegen-hartz.de\/nachrichtenueberhartziv\/hartz-iv-reform-weniger-geld-fuer-kinder-90016346.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>; zum sogenannten versteckten Hunger bei vielen Hartz-IV-Empf\u00e4ngern\u00a0s.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.hartziv.org\/news\/20150122-versteckter-hunger-und-mangelernaehrung-durch-hartz-iv.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.heilpraxisnet.de\/naturheilpraxis\/versteckter-hunger-durch-hartz-iv-901853447324.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) und nat\u00fcrlich auch deren Familien (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/dgb-studie-zu-hartz-iv-kinderarmut-waechst-wieder-1.2168473\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) sieht das Leben alles andere als gut aus. Immer mehr Menschen in regul\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen klagen \u00fcber zunehmende Arbeitsverdichtung, steigenden Druck und zunehmende vor allem psychische Erkrankungen\u00a0aufgrund von Stress (Burn-out und Depression beispielsweise) (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/stress-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/bayern\/bericht-der-bildungsexperten-die-lehrer-sind-am-ende-ihrer-kraft-1.2260860\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Stagnierende L\u00f6hne, gerade im unteren Einkommensbereich, seit den 90er-Jahren bieten zudem f\u00fcr viele Arbeitnehmer keinen hinreichenden finanziellen Ausgleich f\u00fcr die Mehrbelastungen (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/loehne-ungleichheit-entsteht-durch-tarifflucht-a-1024155.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article136734154\/Jedem-sechsten-Deutschen-droht-die-Armutsfalle.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2015-02\/armut-einkommen-mindestlohn-vermoegen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Hinzu kommt die Unsicherheit, den Arbeitsplatz zu verlieren, sollte der eigene Arbeitgeber\u00a0beispielsweise gegen globale gr\u00f6\u00dfere Konkurrenz nicht bestehen\u00a0k\u00f6nnen oder seine Jobs aus Kostengr\u00fcnden ins Ausland verlagern. Gerade \u00e4ltere Arbeitnehmer haben kaum noch Chancen, einen neuen Job zu finden, und dann droht sehr schnell Hartz IV, was nicht nur zu sehr niedrigem Einkommen f\u00fchrt, sondern auch bedeutet, dass alle bisherigen Ersparnisse (beispielsweise f\u00fcrs Alter oder f\u00fcr die Ausbildung der Kinder) zun\u00e4chst mal aufgebraucht werden m\u00fcssen (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23972\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.neopresse.com\/politik\/dach\/zehn-jahre-hartz-iv-professor-butterwegge-giesst-wasser-den-wein-der-jubilare\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Von dem oftmals menschenunw\u00fcrdigen Umgang vonseiten der Beh\u00f6rden mit den Hartz-IV-Empf\u00e4ngern (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/system-hartz-iv-wir-statten-arbeitgeber-mit-billigem-menschenmaterial-aus-1.2375543\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) mal ganz zu schweigen &#8230;<\/p>\n<p>Versch\u00e4rfend kommt in so einer Situation, in der breite Teile der Bev\u00f6lkerung immer weniger Geld zur Verf\u00fcgung haben, hinzu, dass gerade in gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten die Mieten in den letzten Jahren teilweise explosionsartig gestiegen sind. Und das sind ja nun keine Kosten, an denen man mal eben so sparen kann, denn wohnen muss man ja schlie\u00dflich irgendwie, und der Wunsch, nicht in einem engen Loch im heruntergekommensten Quartier der Stadt leben zu m\u00fcssen, ist ja nun auch nichts besonders Anspr\u00fcchiges, finde ich. Die Folgen: Die Zahl der Obdachlosen in Deutschland steigt und immer mehr Menschen leben in zu beengten Wohnverh\u00e4ltnissen (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/zahl-der-wohnungslosen-ist-in-deutschland-drastisch-gestiegen-a-914380.html#spRedirectedFrom=www&amp;referrrer=http:\/\/m.facebook.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Und die steigenden Mieten sind hier in mehrerlei Hinsicht eine Art Brandbeschleuniger: Zum einen wird das Geld von denen, die mieten m\u00fcssen und daher in der Regel nicht zu den Verm\u00f6genden geh\u00f6ren, nun st\u00e4rker zu denen, die verm\u00f6gend sind, Immobilienbesitz haben und daher auch Wohnraum vermieten k\u00f6nnen, umverteilt, zum anderen bleibt so f\u00fcr diese Menschen nun auch weniger Geld \u00fcber, das sie f\u00fcr andere Konsumg\u00fcter ausgeben k\u00f6nnen, was sich wiederum negativ auf den\u00a0Binnenkonsum auswirkt und den Einzelhandel belastet (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/45167_51581.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Verm\u00f6gende Menschen geben n\u00e4mlich weit weniger von ihrem Geld tats\u00e4chlich f\u00fcr Konsumg\u00fcter aus, sondern investieren dies zunehmend in Finanzprodukten, sodass es aus der realen Wirtschaft abgezogen wird.<\/p>\n<p>Und damit sind wir auch schon bei einem weiteren Indikator, warum es Deutschland &#8211; oder vielmehr einem Gro\u00dfteil der dort lebenden Menschen &#8211; alles andere als gut geht: Die Ungleichheit von Einkommen und Verm\u00f6gen nimmt stetig zu, immer weniger Menschen besitzen einen immer gr\u00f6\u00dferen Anteil des Verm\u00f6gens (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/sixcms\/detail.php?id=diw_01.c.496861.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/statistik-ueber-vermoegen-sehr-viel-reicher-als-gedacht-1.2345008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/risiko-fuer-junge-geringverdiener-lebenseinkommen-gehen-immer-weiter-auseinander-1.2248513\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>\u00a0und <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/studie-zu-vermoegen-deutschland-hat-mehr-superreiche-als-gedacht\/11357040.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Das schw\u00e4cht, wie eben geschildert, nicht nur die Binnenwirtschaft (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/geld\/wachsende-ungleichheit-armut-ist-teuer-1.2392438\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>), sondern f\u00fchrt auch zu sozialen Verwerfungen und zu Unzufriedenheit, vor allem, da die Produktivit\u00e4t der deutschen Wirtschaft nach wie vor von Jahr zu Jahr steigt &#8211; nur kommt der Produktivit\u00e4tszuwachs nicht bei denen an, die ihn auch tats\u00e4chlich erwirtschaften. Da aufgrund der schwachen Binnennachfrage Investitionen in Betriebe, Produktionsst\u00e4tten und\u00a0\u00c4hnliches, die\u00a0also wieder Arbeit und damit zus\u00e4tzliche Einkommen schaffen w\u00fcrden, nicht so\u00a0hohe Renditen versprechen wie internationale Finanzprodukte (und wenn es damit schiefgeht, dann kommt ja der Staat und hilft gro\u00dfz\u00fcgig mit Steuergeldern aus), der Staat hingegen als Investor aufgrund der sogenannten Schuldenbremse immer h\u00e4ufiger ausfallen wird, sind durch die zunehmende Verm\u00f6gensakkumulation in den H\u00e4nden einiger weniger (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/michael-jaeger\/wann-wachen-wir-auf?utm_content=buffer69f15&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=facebook.com&amp;utm_campaign=buffer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>) auch kaum die Wirtschaft belebende Impulse zu erwarten (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.querschuesse.de\/deutschland-hohe-unternehmensgewinne-und-niedrige-nettoinvestitionen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Die zunehmende Ungleichheit wird die beschriebene Entwicklung der Verarmung immer gr\u00f6\u00dferer Teile der deutschen Bev\u00f6lkerung also noch weiter beschleunigen.<\/p>\n<p>Nun sind es nicht nur monet\u00e4re Gesichtspunkte, sondern, wie oben bei der Beschreibung der abnehmenden Qualit\u00e4t vieler Arbeitspl\u00e4tze\u00a0schon angedeutet, auch andere Aspekte der Lebensqualit\u00e4t, die zunehmend abnehmen und die Aussage, dass es Deutschland ja so gut gehe, konterkarieren. Hier sei das Bildungswesen genannt: Immer mehr Sch\u00fcler klagen, vor allem aufgrund der G8-Verk\u00fcrzung, \u00fcber Leistungsverdichtung und dass sie kaum noch Zeit h\u00e4tten f\u00fcr Freizeitaktivit\u00e4ten neben der Schule. PISA und Bologna sei Dank, geht zudem die Schulausbildung immer weniger in Richtung, dass kritisch und weltoffen denkende junge Menschen herangebildet werden sollen, sondern vielmehr wirtschaftlich gut verwertbare Humanressourcen. Besonders deutlich wird dies dann bei den mittlerweile \u00fcberwiegend verschulten Bachelor- und Master-Studieng\u00e4ngen, die keine Kapazit\u00e4ten mehr lassen f\u00fcr ein freies und interessengeleitetes Studieren, sondern nur noch bestimmte zielf\u00fchrende Inhalte vermitteln.<\/p>\n<p>Unter Ber\u00fccksichtigung des Geschilderten davon zu sprechen, dass es Deutschland gut ginge, ist entweder\u00a0mit grenzenloser Unwissenheit oder bodenlosem Zynismus zu erkl\u00e4ren. Da ich Ersteres bei Merkel und Co. ausschlie\u00dfe und Letzteres nicht als alleinige Motivation annehme, kann man wohl davon ausgehen, dass hier dem Volk ganz bewusst Sand in die Augen gestreut werden soll. Daf\u00fcr ist es nat\u00fcrlich auch wichtig, immer wieder auf andere verweisen zu k\u00f6nnen, denen es nicht so gut geht wie uns, und dabei die national-indentit\u00e4re Karte auszuspielen: &#8222;Wir Deutschen sind halt flei\u00dfig, darum geht&#8217;s uns gut, und alle anderen wollen uns was wegnehmen.&#8220; Die Resultate daraus sind dann nicht nur zunehmend mangelnde Empathie, sondern auch PEGIDA und Co. Eine n\u00fcchterne Betrachtung, wem es denn bei uns im Land \u00fcberhaupt gut und wem nicht gut geht, f\u00fchrt dann eher zu der Erkenntnis, dass der deutsche Niedrigl\u00f6hner, Rentner oder Arbeitslose doch eher etwas mit den verarmten Bev\u00f6lkerungsgruppen anderer L\u00e4nder gemeinsam hat als mit der sogenannten &#8222;Elite&#8220; im eigenen Land. Aber diese Erkenntnis soll nat\u00fcrlich tunlichst vermieden werden &#8230;<\/p>\n<p>Eine kurze Anmerkung noch zum Schluss: Ich habe mich hier nun auf inl\u00e4ndische und vor allem wirtschaftliche Aspekte bezogen. Wenn man dar\u00fcber hinaus noch die enormen globalen Probleme mitber\u00fccksichtigt, wie den Klimawandel oder die zunehmende Kriegsgefahr, dann wird es noch absurder, ernsthaft zu sagen, es w\u00e4re doch alles klasse im Land. Ist ja nicht so, dass solche Dinge an L\u00e4ndergrenzen haltmachen w\u00fcrden, auch wenn wir zurzeit noch nicht unmittelbar in so starkem Ma\u00dfe wie die Menschen in anderen L\u00e4ndern davon betroffen sind. Aber irgendwann m\u00fcssen\u00a0Komplexit\u00e4t und Umfang eines Blog-Artikels eben auch mal beschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So lautet zumindest der Tenor, der uns immer wieder und \u00fcberall um die Ohren gehauen wird und sich mittlerweile in den K\u00f6pfen der Menschen verfestigt hat. Klar, im Vergleich zu den armen Teufeln, die beispielsweise aus Syrien fl\u00fcchten und dabei Kopf und Kragen riskieren, um \u00fcbers Mittelmeer nach Europa zu kommen, geht es uns in Deutschland nat\u00fcrlich ausgesprochen gut, und auch im Vergleich mit anderen industrialisierten L\u00e4ndern sieht es hier noch recht manierlich aus, was den Lebensstandard und die soziale Absicherung betrifft, aber sind solche Vergleiche nicht eher Augenwischerei, um tats\u00e4chliche M\u00e4ngel und Risse im deutschen Wohlstand zu kaschieren? Mir fallen zumindest gen\u00fcgend Aspekte ein, die hier zurzeit \u00fcberhaupt nicht gut laufen und aufgrund derer es vielen Menschen in unserem Land zunehmend schlechter geht, und die Betrachtung der eigenen Entwicklung sollte doch Priorit\u00e4t haben vor dem beschwichtigenden Herabschauen auf die, denen es schlechter geht.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,52,51],"tags":[258,486,112,150],"class_list":["post-3181","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-armut","tag-hartz-iv","tag-rente","tag-vermoegensverteilung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3181","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3181"}],"version-history":[{"count":24,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17970,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3181\/revisions\/17970"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}