{"id":32416,"date":"2026-04-06T08:38:34","date_gmt":"2026-04-06T06:38:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=32416"},"modified":"2026-04-06T13:34:48","modified_gmt":"2026-04-06T11:34:48","slug":"lebenskonzepte-der-konflikt-der-generationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=32416","title":{"rendered":"Lebenskonzepte: Der Konflikt der Generationen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Verst\u00e4ndnis und die Akzeptanz f\u00fcr einander ist in fast allen Gesellschaften meistens auf das Beschr\u00e4nkt, was wir kennen. Unser Gehirn versucht energiesparend zu arbeiten und dabei werden Schubladen f\u00fcr Dinge gebildet, die wir bereits kennen und entsprechend versuchen wir die Dinge dort einzusortieren. Wenn man jung ist, dann gibt es noch nicht so viele Schubladen und wir beginnen welche anzulegen. Diese Erfahrungen bleiben pr\u00e4gend in unserem Gehirn, so dass wir uns z. B. an den ersten Sex, den ersten Rausch, den ersten Auslandsurlaub und Filme aus unserer Jugend ein Leben lang erinnern.<\/strong><\/p>\n<p>Besonders f\u00e4llt mir dies immer wieder bei dem Generationenkonflikt auf, der eigentlich kein Generationenkonflikt ist, denn es gibt auch \u00e4ltere Personen mit einem eher ungebundenem Lebensstil und j\u00fcngere Menschen mit einem verpflichtenden Lebensstiel. So kann es sein, dass gro\u00dfe Geschwister die Erziehung und Verantwortung f\u00fcr kleinere Geschwister bereits im Kindesalter \u00fcbernehmen m\u00fcssen oder das Personen im Alter noch immer ungebunden in en Tag hinein leben und keinerlei Bindungen und Verflichtungen eingegangen sind.<\/p>\n<p>Um zu verdeutlichen, was ich damit meine, hier eine Tabelle die weder den Anspruch erhebt vollst\u00e4ndig zu sein, noch der Spaltung in zwei Lager beabsichtig. Sie zeigt eher m\u00f6gliche Tendenzen oder Extreme auf, wobei die meisten Menschen sich wohl grob einem Lager zuordnen k\u00f6nnten, aber sich generell eher zwischen bei beiden Positionen wiederfinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table  class=\" table table-hover\" style=\"border-collapse: collapse; width: 100%;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Situation<\/strong><\/td>\n<td><strong>Ungebundenes Konzept (jung)<\/strong><\/td>\n<td><strong>Verpflichtendes Konzept (alt)<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Finanzielle Sicherheit<\/td>\n<td>Das Bankkonto ist am Ende des Monats fast jedes Mal so weit im Minus, wie der Dispo es zul\u00e4sst. Oder anders geschrieben: &#8222;Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat \u00fcbrig.&#8220;<\/td>\n<td>Es wird versucht ein Kapital aufzubauen, dass unplanm\u00e4\u00dfige Ausgaben br\u00fccksichtig und im Alter als R\u00fcckhalt dienen kann. Oder auch: &#8222;Haben ist besser als brauchen.&#8220;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Berufliche Bindung<\/td>\n<td>Flexible Jobs, die keine langfristige Bindung erfordern.<\/td>\n<td>Planungssicherheit und Absicherung im Alter stehen an oberster Stelle.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Partnerbindung<\/td>\n<td>Gemeinsame Aktivit\u00e4ten, keine gemeinsamen Verpflichtungen.<\/td>\n<td>Feste Bindungen f\u00fcr eine langristige Planung in Eigentum oder Kinder.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Politische Ausrichtung<\/td>\n<td>NGOs durch Mitmachen aktiv unterst\u00fctzen (bevorzugt Umweltschutz und Gleichberechtigung), etablierte Parteien werden als gesellschaftliche Bremse wahrgenommen.<\/td>\n<td>Ein stabiles Lebensmodell erfordert stabile (Alt-)Parteien, ggf. in NGOs finanziell einbringen (bevorzug Frieden und Hilfsprojekte).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Gesundheitliche Ausrichtung<\/td>\n<td>Live fast, die young.<\/td>\n<td>Vorsorge, die beste Krankheit taugt nichts.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Ostermontag<\/td>\n<td>&#8222;Was, die Gesch\u00e4fte haben geschlossen? Ich kauf doch Montags immer ein?!&#8220;<\/td>\n<td>&#8222;9 Uhr zur Messe, 13 Uhr essen bei Luigi, 15 Uhr Kaffe &amp; Kuchenbei Oma. Vergesst Eure Regenjacken nicht!&#8220;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Vor- und\/oder Nachteil?<\/h2>\n<p>Es ist einfach Dinge als &#8222;besser&#8220; ider &#8222;schlechter&#8220; zu bezeichnen, was aber meistens mehr \u00fcber die eigenen Erfahrungen aussagt, als \u00fcber die Dinge selbst. Das gilt meiner Erfahrung nach vor allem um Personen: Meine Meinung \u00fcber andere Menschen sagt mehr \u00fcber meine gemachten Erfahrungen und entsprechenden Erwartungen aus, als \u00fcber die Person von der ich spreche. Wie schon beschrieben, k\u00f6nnen die Lebenskonzepte auch umgekehrt sein, so dass junge Menschen ein starkes Verantwortungsgef\u00fchl entwickeln unf \u00e4ltere Menschen in den Tag hinein leben.<\/p>\n<p>Was ich schon als relativ generell sagen w\u00fcrde: Wer l\u00e4nger lebt, hat auch mehr Erfahrungen gesammlt. Ein \u00e4lterer Mensch war wahrscheinlich auch einmal jung und ungebunden und kennt daher diesen Lebensabschnitt. Ein j\u00fcngerer Mensch war wahrscheinlich noch nicht alt und hat entsprechend weniger Bindungen oder Verpflichtungen. Auch da ist &#8222;besser&#8220; und &#8222;schlechter&#8220; kein Adjektiv f\u00fcr mich, denn ich sehe Vor- und Nachteile f\u00fcr beide Generationen. Wie kann es also sein, dass z. B. Erfahrungen und Bindungen Vor- und Nachteil sein k\u00f6nnen?<\/p>\n<h2>Lebenserfahrung: Das gehobene Alter<\/h2>\n<p>Ein gehobenes Alter zeichnet sich h\u00e4ufig durch ein starreres System an Schubladen aus (geringere Flexibilit\u00e4t im Einordnen), weil schon viele Erfahrungen in eine gefilterte Anzahl von Schubladen einsortiert wurde. Man kennt einige oder viele der Verhaltensmuster j\u00fcngerer Menschen, deren Fallstricke und Konsequenzen, oder zumindest meint man diese zu kennen. Das ist h\u00e4ufig auch richtig, denn wir haben diese Dinge selbst erlebt und f\u00fcr uns ist das vielleicht sogar &#8222;Schnee von gestern&#8220;. Wir denken es besser zu &#8222;wissen&#8220;, geben Ratschl\u00e4ge und sind pers\u00f6nlich betroffen, wenn diese nicht angenommen und umgesetzt werden (gerade Eltern wissen, wovon ich schreibe).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite unterliegen wir eben dem Denkfehler, dass die gleichen Erfahrungen bei anderen Menschen zu den gleichen Ergebnissen f\u00fchren wie bei uns selbst. Wir vergessen, dass auch wir unser Leben lang von der \u00e4lteren Generation Ratschl\u00e4ge erhalten haben, die wir h\u00e4ufig genug nicht in unseren Handlungen ber\u00fccksichtigt haben. Wir verdr\u00e4ngen, dass wir nicht immer die Einstellungen hatten, die wir jetzt gerade haben (und die sich wahrscheinlich in vielen Belangen auch weiterhin noch \u00e4ndern wird!). Es f\u00e4llt uns oft schwer, dass andere die gleichen Erfahrungen selbst machen &#8222;m\u00fcssen&#8220;, um \u00e4hnliche Konsequenzen daraus zu ziehen und eine Erz\u00e4hlung eben nicht die gleiche Qualit\u00e4t hat, wie eine selbst gemachte Erfahrung.<\/p>\n<h2>Unvoreingenommenheit: Das jugendliche Alter<\/h2>\n<p>Ein jugendliches Alter zeichnet sich durch ein liberaleres Weltbild mit vielen Schubladen aus (hohe Flexibilit\u00e4t im Einordnen), da viele Erfahrungen noch nicht in vorgefertigte Schubladen gesteckt werden (k\u00f6nnen). Ein sensibles Empfinden f\u00fcr Ungerechtigkeit und eine hohe Tolleranz f\u00fcr &#8222;Leben und Leben lassen&#8220; spiegeln die eigenen Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche wieder. Da es kaum schon etablierten Verfahrensweisen f\u00fcr den Alltag gibt besteht eine hohe zeitliche Flexibilit\u00e4t und damit einherrgehend die Option auf unregelm\u00e4\u00dfige Aktivit\u00e4ten (von der Demonstration mitten am Tag zu n\u00e4chtlichen Clubbesuchen).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite fehlt das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr tiefgehende Verpflichtungen, die einen geregelten Tagesablauf (z. B. durch Kinder und Pflege der Eltern) und Verantwortungsbewu\u00dftsein gegen\u00fcber dem Arbeitsalltag (fr\u00fch aufstehen und p\u00fcnklich erscheinen, Entlassung oder Haftung bei beruflichem Versagen) mit sich bringen, so dass der \u00e4lteren Generation geistige und k\u00f6rperliche Unflexibilit\u00e4t zugesprochen wird. Hier ist es nicht die fehlende Qualit\u00e4t der Erfahrung, sondern schlicht weg die Erfahrung selbst, die fehlt.<\/p>\n<h2>Was k\u00f6nnen wir daraus ziehen?<\/h2>\n<p>Das, was sich eigentlich jeder Mensch w\u00fcnscht: Akzeptiert zu werden, wie man ist und lebt. Die meisten Menschen suchen sich nicht aus, wie sie sein wollen, sondern sind Produkt ihrer Erfahrungen, bzw. Sozialisation. Jeder Gedanke und jedes Urteil \u00fcber andere Menschen sollte in meinen Idealvorstellungen direkt hinterfragen, warum ich selbst so denke (welche Erfahrungen brachten mich zu diesem Urteil \u00fcber eine andere Person?) und unter welchen Umst\u00e4nden ein Mensch vielleicht so geworden ist, wie ich die Person gerade beurteile (fehlende Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Kindheit oder vielleicht sogar Gewalt?).<\/p>\n<p>Gef\u00fchle entstehen vor dem logischen Gedanken, deshalb ist es normal als erstes ein Gef\u00fchl zu haben. Gerade negative Gef\u00fchle wie Ablehnung, Hass und Herabw\u00fcrdigung sind eine schnelle und wirkungsvolle Reaktion, um einen Menschen vorzuverurteilen. Doch es ist der zweite und dritte Gedanke, der uns die Option l\u00e4sst die eigenen Gef\u00fchle und damit einherrgehenden Gedanken zu hinterfragen und anderen Personen die Aufmerksamkeit und Wertsch\u00e4tzung zukommen zu lassen, die wir selbst uns auch von anderen w\u00fcnschen. Warum nicht heute damit anfangen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Verst\u00e4ndnis und die Akzeptanz f\u00fcr einander ist in fast allen Gesellschaften meistens auf das Beschr\u00e4nkt, was wir kennen. Unser Gehirn versucht energiesparend zu arbeiten und dabei werden Schubladen f\u00fcr Dinge gebildet, die wir bereits kennen und entsprechend versuchen wir die Dinge dort einzusortieren. Wenn man jung ist, dann gibt es noch nicht so viele Schubladen und wir beginnen welche anzulegen. Diese Erfahrungen bleiben pr\u00e4gend in unserem Gehirn, so dass wir uns z. B. an den ersten Sex, den ersten Rausch, den ersten Auslandsurlaub und Filme aus unserer Jugend ein Leben lang erinnern.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52],"tags":[1253],"class_list":["post-32416","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziales","tag-generationenkonflikt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32416","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32416"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32416\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32446,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32416\/revisions\/32446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32416"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32416"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32416"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}