{"id":32491,"date":"2026-04-20T15:38:05","date_gmt":"2026-04-20T13:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=32491"},"modified":"2026-04-20T16:30:59","modified_gmt":"2026-04-20T14:30:59","slug":"lebenskonzepte-der-konflikt-der-erfahrungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=32491","title":{"rendered":"Lebenskonzepte: der Konflikt der Erfahrungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eDas Verst\u00e4ndnis und die Akzeptanz f\u00fcreinander sind in fast allen Gesellschaften meistens auf das beschr\u00e4nkt, was wir kennen.&#8220; So fing schon mein letzter Beitrag an, und hier m\u00f6chte ich noch einmal ansetzen, jedoch mit einem anderen Fokus. Ein g\u00e4ngiger Spruch ist, dass jemand so oder so \u201etickt&#8220;. Das ist na\u00fcrlich erst einmal sehr generalisierend, denn es vermittelt den Eindruck, dass man eine Person in eine bestimmte Schublade\/Kategorie einsortiert (und fertig?). Das trifft auf einzelne Eigenschaften sicher auch oft zu, wobei man selbst sich nicht gern in einer solchen Schublade sieht und aus meiner Sicht die meisten Personen und Dinge nicht schwarz oder wei\u00df sind, sondern sich eher in dem Grau dazwischen aufhalten. So wie ich die Dinge gruppieren oder einsortiere, sagt erst einmal etwas \u00fcber mich aus, denn ich kann Dinge nur in die Schubladen sortieren, die ich selbst (aufgrund meiner Erfahrungen) angelegt habe. Und hier kommt der Punkt: Was nicht passt, wird passend gemacht.<\/strong><\/p>\n<p>Was ich damit meine, klingt vielleicht erst einmal trivial. Aber in welchem Ma\u00dfe das unsere eigene Weltsicht und Meinung \u00fcber andere bestimmt, ist vielleicht tieferliegend, als man selbst f\u00fcr sich annehmen mag oder m\u00f6chte. Die Evolution ist ein selbstorganisierender Prozess, bei dem die \u201enat\u00fcrliche Selektion&#8220; durch Fortpflanzung und Mutation bestimmte Merkmale hervorbringt oder auf den Scheiterhaufen der Geschichte verbannt. Ein Konzept, das nicht seine Funktion erf\u00fcllt, wird wahrscheinlich nicht oder nur in geringem Umfang an die n\u00e4chste Generation weitergereicht. Und das trifft nat\u00fcrlich auch auf das Gehirn zu! Wir k\u00f6nnen also derzeit (!) davon ausgehen, dass ein perfektes Erinnerungsverm\u00f6gen und eine objektive Weltsicht evolution\u00e4r keinen ausgepr\u00e4gten Vorteil darstellen. Die meisten Eigenschaften unseres Gehirns laufen bei allen S\u00e4ugetieren scheinbar sehr \u00e4hnlich ab, und eine Entwicklung zu einem detaillierteren Speichern von Daten oder einer objektiveren Einordnung der Erfahrungen ist \u00fcber die Jahrhunderte nicht wirklich feststellbar (der IQ ver\u00e4ndert sich minimal, aber gerade dieser Wert h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich von unserer Definition ab und h\u00e4lt aus meiner Sicht keiner wirklich \u201eobjektiven&#8220; Pr\u00fcfung stand).<\/p>\n<p>Wo liegt also der Konflikt in der Erfahrung, wie ich es im Titel angedeutet habe? Das Gehirn speichert erstaunlich wenig Informationen p\u00e4zise ab und passt diese bei jedem Abruf einer Erinnerung unseren neuen Erfahrungen und Ansichten an. Und da kommt nun eine der ma\u00dfgeblichsten Eigenschaften zum Tragen: Es versucht, uns ein m\u00f6glichst in sich stimmiges Weltbild zu pr\u00e4sentieren (siehe \u201eKoh\u00e4renz&#8220;). Wenn wir also jemanden in der Schublade \u201eunf\u00e4hige Person&#8220; ablegen, dann wird jede Folgeerfahrung versuchen, dieses Bild aufrechtzuerhalten, um nicht in Konflikt mit dem bereits Erlebten zu geraten. Theoretisch ist es auch m\u00f6glich, dass die Schublade gewechselt wird, wenn wir eine andere Erfahrung machen (die Person ist gar nicht immer unf\u00e4hig!), aber generell kostet es uns weniger Energie, jede weitere Erfahrung wieder unserem Weltbild anzupassen. So festigen sich auch radikale Sichtweisen, und es wird klarer, warum wir nicht einfach unsere Sicht auf Dinge \u00e4ndern k\u00f6nnen. Und das gilt nat\u00fcrlich f\u00fcr alle Menschen mit Gehirn (und wahrscheinlich auch bei den Personen, denen wir kein Gehirn attestieren w\u00fcrden). Daher auch hier der Aufruf: Wir sollten mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr und Geduld mit Personen haben, die eine f\u00fcr uns nicht nachvollziehbare Sicht auf die Dinge haben. Erinerungen \u00e4ndern sich, und was auch immer Du f\u00fcr ein Bild von Dir hast, wie Du in der Vergangenheit warst und was Du damals gedacht hast, wahrscheinlich ist auch das Bild verzerrt und an Deine heute Sichtweise angepasst, um Dir ein stimmiges Weltbild zu suggerieren.<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich leiden Personen, die sich alle Details der Vergangenheit wieder ins Ged\u00e4chtnis rufen k\u00f6nnen, h\u00e4ufig unter Depressionen. Zumndest legen das Studien nahe, da solche Personen f\u00fcr die Wissenschaft nat\u00fcrlich von gro\u00dfem Interesse sind. Funfact: Personen, die sich parktisch an jedes Detail der Vergangenheit erinnern (z. B. was sie am 17. 1. 2025 im Biosupermarkt eingekauft und bezahlt haben), verbrauchen nicht mehr Energie f\u00fcr diese Ged\u00e4chtnisleistungen, aber es kostet eben viel Zeit, wenn man sich alle Details wieder zeitlich in Erinnerung ruft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas Verst\u00e4ndnis und die Akzeptanz f\u00fcreinander sind in fast allen Gesellschaften meistens auf das beschr\u00e4nkt, was wir kennen.&#8220; So fing schon mein letzter Beitrag an, und hier m\u00f6chte ich noch einmal ansetzen, jedoch mit einem anderen Fokus. Ein g\u00e4ngiger Spruch ist, dass jemand so oder so \u201etickt&#8220;. Das ist na\u00fcrlich erst einmal sehr generalisierend, denn es vermittelt den Eindruck, dass man eine Person in eine bestimmte Schublade\/Kategorie einsortiert (und fertig?). Das trifft auf einzelne Eigenschaften sicher auch oft zu, wobei man selbst sich nicht gern in einer solchen Schublade sieht und aus meiner Sicht die meisten Personen und Dinge nicht schwarz oder wei\u00df sind, sondern sich eher in dem Grau dazwischen aufhalten. So wie ich die Dinge gruppieren oder einsortiere, sagt erst einmal etwas \u00fcber mich aus, denn ich kann Dinge nur in die Schubladen sortieren, die ich selbst (aufgrund meiner Erfahrungen) angelegt habe. Und hier kommt der Punkt: Was nicht passt, wird passend gemacht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[585,52],"tags":[1255],"class_list":["post-32491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-psychologisches","category-soziales","tag-lebenskonzepte"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=32491"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32512,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/32491\/revisions\/32512"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=32491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=32491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=32491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}