{"id":32538,"date":"2026-04-30T14:51:04","date_gmt":"2026-04-30T12:51:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=32538"},"modified":"2026-04-30T14:51:04","modified_gmt":"2026-04-30T12:51:04","slug":"die-sache-mit-den-spritpreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=32538","title":{"rendered":"Die Sache mit den Spritpreisen"},"content":{"rendered":"<p>Die hohen Spritpreise, die seit dem Irankrieg reichlich in die H\u00f6he geschossen sind (und den Mineral\u00f6lkonzernen mal wieder traumhafte Gewinne bescheren), sorgen f\u00fcr viel Aufregung in Deutschland. Neulich bin ich in einer von mir administrierten Facebook-Gruppe in eine Diskussion geraten, in der es um eine Aussage der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer ging, die sie in einer Talkshow get\u00e4tigt hat.<\/p>\n<p>Erst mal hier der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/MenschundPolitikheute\/posts\/26761872570122177\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag<\/a> als Screenshot:<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-32539\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-205x300.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"877\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-205x300.png 205w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-700x1024.png 700w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-768x1123.png 768w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-1050x1536.png 1050w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-1401x2048.png 1401w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34-1320x1930.png 1320w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2026-04-24-um-16.03.34.png 1406w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Darunter ging es dann in den Kommentaren hoch her. Die einen meinten, dass so was in der Tat recht abgehoben und arrogant w\u00e4re, w\u00e4hrend andere anmerkten, dass Schnitzer ja durchaus recht habe mit ihrer Aussage. Dabei wurden dann Dinge erw\u00e4hnt wie beispielsweise, dass nach wie vor sehr viele sehr gro\u00dfe Autos mit sehr hoher (und damit auch sehr viel Sprit verbrauchender) Geschwindigkeit unterwegs seien. Zudem sei es eben so, dass ein Auto schon ein St\u00fcck weit ein Luxusgut sei, was sich ganz arme Leute nicht leisten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Alles nicht von der Hand zu weisen, aber ich finde, man sollte dabei dann doch den einen oder anderen Punkt bedenken.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst mal gibt es viele Menschen, die in Regionen wohnen, in denen der \u00d6PNV kaum oder sogar gar nicht vorhanden ist. Wenn diese Menschen dann also zur Arbeit kommen m\u00fcssen und die Entfernung zu weit ist zum Radfahren, dann sind sie aufs Auto angewiesen. Das ist dann kein Luxus, sondern eine schlichte Notwendigkeit, wenn man seinen Lebensunterhalt bestreiten m\u00f6chte. Und diese Menschen sind auch nicht alle automatisch mit einem hohen Einkommen gesegnet, nur weil sie ein Auto haben. Im Gegenteil: In Gegenden ohne funktionierenden \u00d6PNV wohnen oft Menschen mit nicht so hohem Verdienst, weil die sich einfach die Wohnungen in Ballungsr\u00e4umen nicht leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Hier spielt also auch die vollkommen verfehlte Wohnungspolitik der letzten Jahrzehnte mit rein, die dazu gef\u00fchrt hat, dass Mieten in St\u00e4dten oder auch vorst\u00e4dtischen R\u00e4umen f\u00fcr immer mehr Menschen zum Armutsrisiko geworden sind. Und die eben auch eine Verdr\u00e4ngung bewirkt hat von Menschen mit niedrigerem Einkommen in eher l\u00e4ndliche R\u00e4ume, in denen das Wohnen noch halbwegs bezahlbar ist.<\/p>\n<p>Wenn nun Menschen in solchen Regionen leben und Kinder haben, dann sind sie oft noch mal extra aufs Auto angewiesen. Klar, das t\u00e4gliche Elterntaxi zur Schule, das auch von vielen Schnitzer-Bef\u00fcrwortern als Kritikpunkt vorgebracht wurde, muss es ja nun wirklich nicht sein, aber da die kommunalen Infrastrukturen in den letzten Jahrzehnten unter der permanenten Misswirtschaft von CDU-gef\u00fchrten Bundesregierungen mehr und mehr abgebaut wurden oder verfallen sind, ist dann eben auch der Weg ins Schwimmbad oftmals deutlich l\u00e4nger geworden, weil es das \u00f6rtliche Bad einfach nicht mehr gibt. Oder der Weg zum Sportverein oder Musikunterricht.<\/p>\n<p>So was kann man nun nat\u00fcrlich auch alles als Luxus deklarieren, aber ich finde, dass es schon zur sozialen Teilhabe in einem an und f\u00fcr sich reichen Land wie Deutschland geh\u00f6rt, dass Kinder eben die M\u00f6glichkeit haben, solche Angebote in Anspruch zu nehmen. Mal davon abgesehen, dass das ja auch gut f\u00fcr die k\u00f6rperliche und mentale Gesundheit ist sowie das Sozialverhalten st\u00e4rkt, beispielsweise beim Mannschaftssport.<\/p>\n<p>Ich selbst hab auch viele Jahre lang als Student ein Auto gehabt, dessen Unterhalt ich mir vom Mund absparen musste. Aber anders bin ich nicht von meinem Wohnort zur Uni gekommen oder eben zu meinen Jobs, die ich nebenbei machen musste. Da gab es schlichtweg keine ad\u00e4quaten \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel.<\/p>\n<p>Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Leute gibt, denen es heute \u00e4hnlich geht, zumal ja, wie gesagt, mittlerweile Wohnraum in Ballungsgebieten f\u00fcr immer mehr Menschen nicht bezahlbar ist und die \u00d6ffis vielfach noch weniger fahren als damals zu meinen Studentenzeiten in den 1990ern.<\/p>\n<p>Diese Lebensrealit\u00e4ten bekommt Frau Schnitzer in ihrer Bubble anscheinend nicht mit \u2013 und sie selbst d\u00fcrfte das auch nicht sonderlich interessieren, weil sie vermutlich eh ein recht hohes Einkommen hat. Die Arroganz liegt nun also darin, dass gerade diejenigen, die immer nur &#8222;Mehr Markt, mehr Markt, mehr Markt&#8220; propagieren und damit daf\u00fcr sorgen, dass Mieten steigen, \u00d6ffis nicht mehr fahren und Arbeitsbedingungen nicht besser werden, nun denjenigen, die darunter zu leider haben, vorhalten, sie sollen sich mal nicht so anstellen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich fahren immer noch viele \u00fcbergro\u00dfe, \u00fcbermotorisierte Autos herum, die viel Sprit verbrauchen. Dabei sollte man dann aber auch bedenken, dass immer mehr Neuwagen als Firmenwagen zugelassen werden. Wer also damit unterwegs ist, dem k\u00f6nnen die Spritpreise auch relativ egal sein, denn er bekommt das ja sowieso vom Arbeitgeber bezahlt \u2013 und der kriegt das dann zum Teil \u00fcber die Steuer wieder zur\u00fcck, also letztlich von uns allen.<\/p>\n<p>Was nun nicht hei\u00dfen soll, dass gerade f\u00fcr kleinere Betriebe, die f\u00fcr ihre Arbeit auf die Nutzung von Lieferwagen oder Pkw angewiesen sind, die hohen Spritpreise kein Problem darstellen. Wenn da mal eben ein paar Hundert Euro mehr im Monat anfallen, dann kann das schon eine ziemliche Belastung sein. Aber solche Betriebe kommen wahrscheinlich in der Welt von Monika Schnitzer auch nicht vor.<\/p>\n<p>Daraus sollte jetzt bitte nur nicht geschlossen werden, dass ich so etwas wie den Tankrabatt, den die schlechteste Bundesregierung aller Zeiten da nun ins Leben gerufen hat (obwohl sie genau das vor einigen Wochen noch vehement abgelehnt hat und es auch scharf kritisierte, als die Ampel-Regierung seinerzeit einen Tankrabatt einf\u00fchrte), guthei\u00dfen w\u00fcrde. Solche Ma\u00dfnahmen nach dem Gie\u00dfkannenprinzip kommen letztlich ja ohnehin in erster Linie denen zugute, die nicht wirklich darauf angewiesen sind, weil sie derart gro\u00dfe Autos fahren, dass ihnen der Verbrauch sowieso komplett egal ist. Zudem d\u00fcrfte ein gro\u00dfer Teil dieses Rabatts dann wieder (wie schon beim letzten Mal) auf den Konten der \u00d6lkonzerne landen. Dass genau das geschieht, ist zumindest f\u00fcr die idiotische Ma\u00dfnahme, dass der Spritpreis nur noch einmal am Tag um 12 Uhr erh\u00f6ht werden darf, mittlerweile sogar nachgewiesen worden (s. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/spritpreise-12-uhr-regel-profit-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Hier w\u00e4ren Ma\u00dfnahmen wie eine \u00dcbergewinnsteuer, um die Mineral\u00f6lkonzerne ein bisschen in ihrer Gier einzubremsen (die haben n\u00e4mlich ihre Profite massiv nach oben geschraubt mit der Erh\u00f6hung der Spritpreise), oder ein Tempolimit auf Autobahnen, um den generellen Verbrauch und damit eben auch die Nachfrage zu senken (was dann gerade in einer Verknappungssituation zu niedrigeren Preisen f\u00fchren w\u00fcrde), wesentlich sinnvoller.<\/p>\n<p>Aber so was wird dann gar nicht mehr diskutiert, wenn sich die K\u00f6pfe \u00fcber eine Aussage wie die von Schnitzer hei\u00dfgeredet werden. In jedem Fall wird so der Fokus wieder auf den Einzelnen verschoben, weg von systemischen Problemen, f\u00fcr die eigentlich die Politik zust\u00e4ndig ist. Ob das vielleicht die Intention war f\u00fcr ihr Statement? Dar\u00fcber kann man nur spekulieren, aber ganz abwegig finde ich das zumindest nicht &#8230;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/c6a5ce2da25f49aaac8ba958d4f32896\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die hohen Spritpreise, die seit dem Irankrieg reichlich in die H\u00f6he geschossen sind (und den Mineral\u00f6lkonzernen mal wieder traumhafte Gewinne bescheren), sorgen f\u00fcr viel Aufregung in Deutschland. 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