{"id":33059,"date":"2026-08-15T13:16:39","date_gmt":"2026-08-15T11:16:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=33059"},"modified":"2026-08-15T13:16:39","modified_gmt":"2026-08-15T11:16:39","slug":"manipulation-durch-selektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=33059","title":{"rendered":"Manipulation durch Selektion"},"content":{"rendered":"<p>Manipulation in Medien zeigt sich nicht nur dadurch, dass Unwahrheiten berichtet oder einseitige Stellungnahmen ver\u00f6ffentlicht werden. Vielmehr geht die Beeinflussung der Leser, Zuschauer oder H\u00f6rer schon damit los, wor\u00fcber denn \u00fcberhaupt berichtet wird \u2013 und wor\u00fcber nicht. Ein sehr anschauliches Beispiel daf\u00fcr konnte man gerade beobachten.<\/p>\n<p>Was war das im letzten Jahr f\u00fcr ein mediales Brimborium, als es darum ging, dass Frauke Brosius-Gersdorf ans Bundesverfassungsgericht berufen werden sollte und es dann aufgrund einer \u00fcblen Kampagne von Springer, CDU und AfD doch nicht wurde (s. <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=30999\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Neben einer verzerrten Darstellung ihrer Ansichten zum Schwangerschaftsabbruch wurde auch der Vorwurf erhoben, dass sie bei ihrer Dissertation nicht sauber gearbeitet haben und plagiiert haben soll.<\/p>\n<p>Und diese Unterstellung h\u00e4lt sich nach wie vor hartn\u00e4ckig, denn sobald Frauke Brosius-Gersdorf oder eine Aussage von ihr irgendwo thematisiert wird, ist meistens auch ein rechter Schreihals schnell am Start, der ihr vorwirft, bei ihrer Doktorarbeit betrogen zu haben. Dabei beruht diese Anschuldigung nur auf \u00c4u\u00dferungen des dubiosen (und rechtslastigen) selbsternannten &#8222;Plagiatj\u00e4gers&#8220; Stefan Weber, eine offizielle Pr\u00fcfung der Universit\u00e4t Hamburg stand noch aus. Aber so sind die Rechten von CDU bis AfD (und bei Springer ja sowieso) eben drauf: Belege, Beweise und \u00fcberpr\u00fcfbare Tatsachen sind da nicht so wichtig, wenn man auch einfach mal haltlos irgendwas raushauen kann, um entsprechende Stimmung zu machen oder andere (unliebsame) Menschen zu diskreditieren.<\/p>\n<p>Die Pr\u00fcfung der Uni erfolgte dann n\u00e4mlich tats\u00e4chlich, und das jetzt gerade ver\u00f6ffentlichte Ergebnis lautete: Der Plagiatsverdacht (denn mehr war das bisher nicht) wurde &#8222;nicht best\u00e4tigt&#8220;, Frauke Brosius-Gersdorf hat also sauber gearbeitet (s. <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/bildung\/frauke-brosius-gersdorf-universitaet-hamburg-sieht-plagiatsverdacht-gegen-brosius-gersdorf-nicht-bestaetigt-a-819cc8f1-1d48-461a-80f2-82b349835ec6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Wenn ich mir nun \u00fcberlege, wie medial pr\u00e4sent das Thema gewesen ist, dann finde ich es mal wieder recht unpassend (aber auch sehr bezeichnend), dass nun die Reinwaschung dieser kompetenten Juristin von den schmierigen Vorw\u00fcrfen nicht ansatzweise so prominent in den Medien verbreitet wird wie vor gut einem Jahr die falschen Beschuldigungen.<\/p>\n<p>Da kann man nun nat\u00fcrlich sagen, dass ein Skandal eben immer zugkr\u00e4ftiger ist als eine Richtigstellung, und die Leute wollen sich halt lieber aufregen, als etwas zu lesen, was deeskalierend ist und ihre Echauffierung als ungerechtfertigt dastehen l\u00e4sst. Dagegen l\u00e4sst sich erst mal auch recht wenig sagen, allerdings finde ich, dass man dann schon auf die Verantwortung der Medien abstellen k\u00f6nnte, den \u00f6ffentlichen Diskurs nicht immer weiter verrohen zu lassen, indem eben \u00fcberproportional viel Futter f\u00fcr die Krakeeler und Daueremp\u00f6rten bereitgestellt wird, anstatt lieber ausgewogen zu berichten.<\/p>\n<p>Aber klar: Klicks und Reichweite sind heute eine wichtige W\u00e4hrung in der Medienwelt. Doch sollte das wirklich der alles entscheidende Aspekt sein f\u00fcr Medien, die etwas auf sich halten und sich selbst als qualitativ hochwertig verstehen?<\/p>\n<p>Gut, das ist nun eine rhetorische Frage, deren Beantwortung von meiner Seite aus eindeutig mit &#8222;Nein!&#8220; zu erfolgen hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass man sich in den meisten Redaktionen auch durchaus bewusst ist, was man mit einer derart krawallfokussierten Berichterstattung so anrichtet.<\/p>\n<p>Das Resultat ist dann n\u00e4mlich, dass die Vorw\u00fcrfe des Plagiats gegen Frauke Brosius-Gersdorf nach wie vor f\u00fcr viele Menschen im Raum stehen, und das gar nicht mal nur, weil sie das eben glauben wollen (was ja heutzutage leider f\u00fcr viele der entscheidende Faktor bei der Ausgestaltung des eigenen Horizonts ist), sondern weil sie das entlastende Pr\u00fcfungsergebnis der Uni Hamburg \u00fcberhaupt gar nicht mitbekommen haben.<\/p>\n<p>Ihr k\u00f6nnt ja mal die Probe aufs Exempel machen und im eigenen Bekanntenkreis rumfragen, wie es eigentlich mit der Dissertation von Frauke Brosius-Gersdorf aussieht. Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass da die meisten Menschen vor allem in Erinnerung haben, dass damit doch irgendwas nicht ganz koscher gewesen ist, und die neusten Erkenntnisse bez\u00fcglich der Pr\u00fcfung durch die Universit\u00e4t nicht so bekannt sind.<\/p>\n<p>Insofern sieht man daran, wie man die \u00f6ffentliche Meinung manipulieren kann, ohne falsche Dinge zu verbreiten, n\u00e4mlich einfach, indem etwas gar nicht mal verschwiegen wird, sondern nur unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig unauff\u00e4llig dar\u00fcber berichtet wird. Vor allem nicht so prominent, wie es zuvor geschah mit unmittelbar damit Zusammenh\u00e4ngendem. Dann kann man vonseiten der Medien sagen, dass man das ja nicht ignoriert hat, aber die urspr\u00fcngliche Erz\u00e4hlung bleibt dennoch f\u00fcr viele Menschen unangetastet.<\/p>\n<p>Doch warum sollten unsere angeblich so linksgr\u00fcnen Medien denn so etwas machen? Nun, weil die vielleicht nicht ganz so linksgr\u00fcn sind, wie immer (vor allem von CDU, AfD und denen nahestehenden Stimmen) behauptet wird. Und da passt es dann nicht so gut ins neoliberale Weltbild, wenn man zugeben m\u00fcsste, dass die Leser, H\u00f6rer und Zuschauer vor gut einem Jahr von den neoliberalsten politischen und medialen Akteuren m\u00e4chtig an der Nase herumgef\u00fchrt wurden \u2013 zumal wenn man selbst noch dabei mitgetan hat.<\/p>\n<p>Und so wird in diesem Fall einfach in Kauf genommen, dass die demokratische Institution der unabh\u00e4ngigen Justiz besch\u00e4digt wird, indem eine kompetente Juristin, die m. E. sehr gut ans Bundesverfassungsgericht gepasst h\u00e4tte, nicht mit gleicher Intensit\u00e4t medial rehabilitiert wird, wie sie zun\u00e4chst diffamiert wurde. Dabei sollten doch demokratische Medien eigentlich daran interessiert sein, Demokratie und Rechtsstaat zu st\u00e4rken, oder?<\/p>\n<p>Auf diese Weise wird dann weiter der Rechtsrutsch bef\u00f6rdert, indem Demokratieverdrossenheit gesch\u00fcrt wird. Ist das nun Medienversagen oder Absicht? Schwierige Frage, aber die Antwort k\u00f6nnte einen dann doch reichlich beunruhigen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manipulation in Medien zeigt sich nicht nur dadurch, dass Unwahrheiten berichtet oder einseitige Stellungnahmen ver\u00f6ffentlicht werden. Vielmehr geht die Beeinflussung der Leser, Zuschauer oder H\u00f6rer schon damit los, wor\u00fcber denn \u00fcberhaupt berichtet wird \u2013 und wor\u00fcber nicht. 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