{"id":3385,"date":"2015-07-29T16:06:02","date_gmt":"2015-07-29T14:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3385"},"modified":"2015-07-29T19:23:04","modified_gmt":"2015-07-29T17:23:04","slug":"was-sich-der-mensch-einbildet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3385","title":{"rendered":"Was sich der Mensch einbildet"},"content":{"rendered":"<p>Weil eine sprachbegabter Affe\u00a0sich selbst eine eigenst\u00e4ndige Artenbezeichnung gegeben hat, darf sich ein durchschnittlich aufgestelltes S\u00e4ugetier nun dem elit\u00e4ren \u201eHomo sapiens\u201c zugeh\u00f6rig f\u00fchlen (dem einzigen \u00dcberlebenden der Gattung \u201eHomo\u201c). Ein Gro\u00dfteil der Menschen h\u00e4lt sich f\u00fcr die Krone der Sch\u00f6pfung und benimmt sich auch entsprechend: Tiere werden als Dinge behandelt, Pflanzen sowieso. Aber was zeichnet uns Menschen wirklich als etwas Besonderes aus?<\/p>\n<p>Gerade jetzt sitzt Du wahrscheinlich vor einem technischen Ger\u00e4t, dass Dir diese Webseite anzeigt (Monitor, Notebook, Tablet, Mobiltelefon &#8230;). Erstaunlich, was \u201edie Menschheit\u201c da so hervorgebracht hat! Aber mal Hand aufs Herz: Was davon k\u00f6nntest Du bauen? Allein die Rohstoffe k\u00f6nnte ich weder vollst\u00e4ndig benennen noch f\u00f6rdern\/produzieren, geschweige denn verarbeiten. Die meisten von uns bilden sich etwas auf Dinge\u00a0ein, woran sie null Anteil haben. Und das, worauf wir uns was einbilden, k\u00f6nnen Tiere oft noch viel besser.<\/p>\n<p>Auch unsere hochgelobte Sprache f\u00fchrt nicht selten zu Missverst\u00e4ndnissen. Worte werden nicht \u00fcberall mit dem gleichen positiven oder negativen Beiklang belegt, und selbst in Deutschland gibt es Regionen, in denen ich dreimal nachfragen muss, bis ich den heimischen Dialekt verstehe. Das wird kaum besser, wenn man erst einmal in Nachbarl\u00e4nder f\u00e4hrt oder sogar andere Kontinente besucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Was Tiere besser k\u00f6nnen<\/h3>\n<p>Jeden Tag\u00a0sehe ich die Leute (vor allem in der Bahn), die auf ihre Smartphones und Tablets fixiert sind, um bunte Edelsteine in Reihen anzutippen, vermeintlich anspruchsvolle R\u00e4tsel zu knacken und Zahlenreihen zu sortieren. Dass jeder Menschenaffe das schneller und mit weitaus weniger Fehler kann, ist vielen nicht bewusst (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KHBThShCBdA\" target=\"_blank\">Video in Englisch<\/a>).<\/p>\n<p>K\u00f6rperlich brauchen wir den Vergleich erst gar nicht zu suchen, denn es gibt praktisch nichts, was nicht <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article2099075\/Groesser-staerker-giftiger-Superlative-bei-Tieren.html\" target=\"_blank\">irgendein anderes Tier besser kann als wir<\/a> minderbemittelten S\u00e4ugetiere. Ob es um Schnelligkeit, Kraft oder Ausdauer geht, mehr als Mittelma\u00df sind wir im Vergleich zu anderen Tieren nicht.<\/p>\n<p>Das moralische Verhalten entspricht, zumindest aus der Entfernung betrachtet, auch nicht gerade einer herausragenden Leistung: Zwar hauen die \u201ek\u00f6rperlich St\u00e4rksten\u201c nicht mehr alle um und leiten die Herde, aber bei uns sind es die skrupellosesten und \u201efinanziell St\u00e4rksten\u201c. Dieser Absatz br\u00e4uchte ja nur auf diesen gesamten Blog verlinken, denn hier kann man eine Vielzahl von politischen und gesellschaftlichen Fehlverhalten verlinkt finden. Konzerne, die ausbeuten und politisch manipulieren, Politiker, die sich kaufen lassen (durch Honorare oder den Dreht\u00fcreffekt), und Diktatoren, die das eigene Volk mit milit\u00e4rischer Gewalt\u00a0unterdr\u00fccken (die wiederum auf finanzieller Macht fu\u00dft).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Was wir nicht wissen (wollen)<\/h3>\n<p>Tiere und Pflanzen werden von einem Gro\u00dfteil von uns wie Gegenst\u00e4nde behandelt und gesch\u00e4tzt. Abgesehen davon, dass wir Tiere essen, verbringen selbige das Leben meist unw\u00fcrdig als Ware. So werden <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article117413914\/Hoden-werden-ohne-Betaeubung-herausgeschnitten.html\" target=\"_blank\">Ferkel ohne Bet\u00e4ubung (z. B. mit dem Kartoffelsch\u00e4ler) kastriert<\/a>, damit das Fleisch sp\u00e4ter nicht durch die Hormone \u201estinkt\u201c. \u00dcber die Verh\u00e4ltnisse in der Massentierhaltung wissen wir eigentlich alle genug, aber unser Verhalten \u00e4ndern wir trotzdem nicht. In Deutschland werden <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/landwirtschaft-maennliche-kueken-duerfen-in-den-schredder-13418771.html\" target=\"_blank\">jedes Jahr ca. 45 Millionen m\u00e4nnliche K\u00fcken vergast und\/oder lebendig geschreddert<\/a> (niedliche, kleine, flauschige K\u00fcken). Und dann sprechen wir bei bestialischen Taten doch ernsthaft davon, dass etwas \u201eunmenschlich\u201c sei, obgleich es zutiefst menschlich ist.<\/p>\n<p>Aktuelle Studien\u00a0weisen darauf hin, dass auch <a href=\"https:\/\/www.sein.de\/pflanzen-kommunizieren-mit-uns-warum-wir-die-natur-brauchen\/\" target=\"_blank\">Pflanzen eine weit komplexere Kommunikation<\/a> haben, als bisher vermutet. Es geht so weit, dass sich Pflanzen \u00fcber Duftstoffe, elektrische Signale\u00a0und (wie k\u00fcrzlich entdeckt)\u00a0Klickger\u00e4usche in ihren Wurzeln\u00a0vor R\u00e4ubern warnen oder Hilfe bei Sch\u00e4dlingsbefall anfordern! Wieso h\u00e4lt sich diese fixe Idee, dass wir die Einzigen sind, die zu komplexer Kommunikation f\u00e4hig sind? Weil wir die anderen einfach nicht \u201everstehen\u201c.<\/p>\n<p>Den moralischen Aspekt hatte ich bereits angesprochen, und auch hier scheint es eine ganze Menge zu geben, was\u00a0wir nicht wissen wollen. Zu unserer ausgedehnten \u201e<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?s=Komfortzone&amp;x=0&amp;y=0\" target=\"_blank\">Komfortzone<\/a>\u201c finden sich hier auf unterstr\u00f6mt auch einige Beitr\u00e4ge. Schnell werden humanit\u00e4re Katastrophen und Einzelschicksale ausgeblendet, um das eigene Weltbild nicht damit zu belasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<p>Ich m\u00f6chte einfach zu viel von uns! Wir schaffen es nicht einmal, untereinander friedlich und freundlich zu sein. Es wird immer wieder ein Feindbild ben\u00f6tigt, um die eigene Position zu st\u00e4rken und zu bestimmen, weil wir in dieser schnellen, technisierten Welt nicht wirklich hinterherkommen. Unsere Hauptsorge scheint zu sein, nicht genauso viel zu bekommen wie der Nachbar oder die Vorbilder aus dem TV.<\/p>\n<p>Ich meine nicht, dass wir keine Pflanzen und Tiere mehr verzehren sollten. Ich meine aber wohl, dass wir uns &#8230;<\/p>\n<ol>\n<li>&#8230; viel zu viel auf etwas einbilden, zu dem wir selber nichts beigesteuert haben.<\/li>\n<li>&#8230; auf Dinge etwas einbilden, die auf unsere Umwelt bezogen keinen Nutzen haben.<\/li>\n<li>&#8230; von den \u201eTieren\u201c sehr viel weniger unterscheiden, als uns bewusst ist (denn wir <span style=\"text-decoration: underline;\">sind<\/span> S\u00e4ugetiere).<\/li>\n<li>&#8230; respektvoller und verantwortungsbewusster mit jeder Form von Leben auseinandersetzen\u00a0sollten.<\/li>\n<li>&#8230; ideologisch damit zurechtfinden m\u00fcssen, dass nur die \u201eLiebe\u201c universell ist\u00a0und alles Leben gleichwertig.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In einem sind wir auf jeden Fall bisher ungeschlagen an der Spitze der Evolution: r\u00fccksichtslose Ausbeutung in jeder erdenklichen Art und Weise und ein riesiges Ma\u00df an Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil eine sprachbegabter Affe sich selbst eine eigenst\u00e4ndige Artenbezeichnung gegeben hat, darf sich ein durchschnittlich aufgestelltes S\u00e4ugetier nun dem elit\u00e4ren \u201eHomo sapiens\u201c zugeh\u00f6rig f\u00fchlen (dem einzigen \u00dcberlebenden der Gattung \u201eHomo\u201c). 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