{"id":3723,"date":"2015-09-04T16:25:32","date_gmt":"2015-09-04T14:25:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3723"},"modified":"2015-09-04T16:25:32","modified_gmt":"2015-09-04T14:25:32","slug":"aylan-kurdi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3723","title":{"rendered":"Aylan Kurdi"},"content":{"rendered":"<p>Das Bild des dreij\u00e4hrigen kurdischen Jungen Aylan Kurdi, der tot an einem t\u00fcrkischen Mittelmeerstrand liegt, weil er\u00a0bei dem Versuch, Europa mit einem kleinen Boot zu erreichen, ertrunken ist, bewegt zurzeit viele Menschen und geht durch s\u00e4mtliche Medien. Dabei sind die Reaktionen darauf recht unterschiedlich: Trauer spricht aus den meisten, aber die Geister scheiden sich sehr daran, ob man so ein Bild \u00f6ffentlich pr\u00e4sentieren sollte oder nicht. In der Tat eine recht ambivalente Sache, wie ich finde &#8230;<\/p>\n<p>Zweifellos gibt es immer Sensationsgier, wenn Bilder von Toten irgendwo gezeigt werden, andererseits ist dieser kleine tote K\u00f6rper eben auch Realit\u00e4t, und zwar eine Realit\u00e4t, die wir zumindest so weit mitzuverantworten haben, als dass unsere gew\u00e4hlte Regierung eine Politik betreibt, die dazu f\u00fchrt, dass Tausende Fl\u00fcchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Nur liest sich ein Satz wie &#8222;Boot mit x Fl\u00fcchtlingen im Mittelmeer gekentert, alle sind ertrunken&#8220; dann doch als reine Buchstabenfolge recht steril, an dem Bild von Aylan Kurdi kann man nicht mal eben einfach so vorbeischauen und danach zum Allt\u00e4glichen \u00fcbergehen. (Ein recht guter <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2015-09\/fluechtling-mittelmeer-bodrum-toter-junge-syrien?utm_content=zeitde_redpost_link_sf&amp;utm_campaign=ref&amp;utm_source=facebook&amp;utm_medium=social&amp;utm_term=facebook_zonaudev_int&amp;wt_zmc=sm.int.zonaudev.facebook.ref.zeitde.redpost.link.sf\" target=\"_blank\">Artikel<\/a> zur Wucht dieses Bildes findet sich in der\u00a0<em>Zeit<\/em>.)<\/p>\n<p>Drei Statements habe ich in den sozialen Medien gefunden, die zusammengenommen recht gut wiedergeben, was ich selbst nach einiger Reflexion beim Anblick von Aylan empfinde:<\/p>\n<p>Niema Movassat von den Linken schreibt auf seinem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Movassat.Niema?fref=ts\" target=\"_blank\"><em>Facebook<\/em>-Profil<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Es gibt Bilder, die aufger\u00fcttelt, die die Welt ver\u00e4nderte haben. Ohne die Leichenbilder aus den KZs der Nazis w\u00e4re das wahre Ausma\u00df des Vernichtungswahns des Deutschen Reiches nie so klar geworden. Ohne das Bild von Kim Ph\u00fac im Vietnamkrieg h\u00e4tte\u00a0<span class=\"text_exposed_show\">es kein Aufr\u00fctten gegeben. Und so steht nun jenes Bild des toten kleinen Jungen, von Aylan Kurdi, an einem t\u00fcrkischen Strand, was durch alle Medien geht, ebenfalls f\u00fcr etwas: F\u00fcr die Schande der europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingsspolitik. Sie ist verbrecherisch, weil sie den Tod dieses kleinen Jungen und vieler anderer Menschen in Kauf nimmt. Macht die Tore auf, die Festung Europa muss weg!<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Auch der von uns schon oft mit seinen Videobeitr\u00e4gen verlinkte Rayk Anders meldet sich via <em><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ohraykanders\" target=\"_blank\">Facebook<\/a><\/em>:<\/p>\n<blockquote><p>Europas Herz f\u00fcr Verfolgte: Tote Kinder am Strand.<br \/>\nUnfassbar trauriger Blick in den Spiegel f\u00fcr uns. Aber die Richtung, in die die Diskussion um tote Fl\u00fcchtlinge jetzt abdriftet, ist so typisch. Es bewegt sich weg von der Frage, warum diese Leute j\u00e4mmerlich und qualvoll sterben m\u00fcssen, hin zu &#8222;sind die Bilder nich&#8217;n bisschen hart f\u00fcr&#8217;s Fr\u00fchst\u00fcck?&#8220;<br \/>\nWie dem auch sei: Wenn sich die Politik mit der Frage &#8222;D\u00fcrfen wir Kinder ertrinken lassen&#8220; so besch\u00e4ftigen w\u00fcrde, wie die Medien mit &#8222;D\u00fcrfen wir ertrunkene Kinder fotografieren&#8220;, w\u00e4re schon viel erreicht.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und auf dem <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/refugeeswelcome20357?fref=nf\" target=\"_blank\"><em>Facebook<\/em>-Account von <em>Refugees welcome &#8211; Karoviertel <\/em><\/a>findet sich folgendes Statement:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Dieses Bild, des am Strand angesp\u00fclten, ertrunkenen, dreij\u00e4hrigen Aylan Kurdi wird sich in unser kollektives Ged\u00e4chtnis einbrennen, wie das der brennenden Twin-Tower. Man wird auf ewig fragen: Wie konnten die Menschen und Politiker in Europa so etwas Schreckliches nur passieren lassen, warum hat keiner etwas gegen diese Katastrophe im Mittelmeer unternommen, warum hat man keine sicheren Wege zur\u00a0<span class=\"text_exposed_show\">Flucht eingerichtet? Und wir m\u00fcssen uns alle fragen lassen, wie wir es zulassen konnten, dass auf dem Landweg Z\u00e4une gebaut und Wege versperrt wurden, dass Menschen die Alternative zur Flucht \u00fcber das Mittelmeer verwehrt wurde. Die Politik ruft zum \u201aAufstand der Anst\u00e4ndigen\u2018 gegen die Neonazis auf, die Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Brand stecken. Es m\u00fcsste aber einen \u201aAufstand der Anst\u00e4ndigen\u2018 geben, gegen das menschenverachtende Treiben der europ\u00e4ischen Politiker, die mit der Politik und der Verwehrung von Hilfe f\u00fcr Bilder, wie das von Aylan sorgen, genau, wie es einen \u201aAufstand der Anst\u00e4ndigen\u2018 gegen uns alle geben m\u00fcsste, dass wir sie haben machen lassen. Ich bin traurig, auch weil ich wei\u00df, dass das eine Bild, von einem einzigen Jungen stellvertredend f\u00fcr tausende Tote im Mittelmeer steht.&#8220; Danke Till, f\u00fcr diesen Text! <\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn dieses Bild des kleinen Aylan\u00a0nun das bewirkt, was die schon seit L\u00e4ngerem immer wieder bei uns eintreffenden Nachrichten von Tausenden Toten im Mittelmeer nicht bewirken konnten, so w\u00e4re er wenigstens (wenngleich das weder f\u00fcr ihn noch f\u00fcr seine Angeh\u00f6rigen ein Trost sein mag) nicht ganz umsonst gestorben. Und zumindest von David Cameron sind heute schon moderatere T\u00f6ne zu h\u00f6ren in Bezug auf die Aufnahme von Fl\u00fcchtlingen als noch vor ein paar Tagen. Andererseits wurden gerade gestern Fl\u00fcchtlinge in Ungarn statt nach \u00d6sterreich mit Z\u00fcgen in Internierungslager gekarrt &#8211; gegen ihren Widerstand und unter Einsatz von erheblicher Polizeigewalt. Und wenn ich sehe, dass die\u00a0<em>BILD<\/em> oder auch Schmierfinken wie Ulf Poschardt nun Betroffenheit heucheln, dann frage ich mich, wie sich etwas \u00e4ndern soll, wenn statt Einsicht oder wenigstens etwas Demut bei denjenigen,\u00a0die sich eben vor allem durch eine Rechtfertigung der Fl\u00fcchtlinge hervorrufenden unmenschlichen Politik hervorgetan haben, nun\u00a0vor allem im Fokus steht, den toten Jungen f\u00fcr sich zu vereinnahmen und so ein paar Bonuspunkte bei ihren Lesern zu ergattern.<\/p>\n<p>Aylan und die vielen Tausend anderen Menschen, die allein in diesem Jahr im Mittelmeer ertrunken sind, weil sie vor Krieg, Gewalt, Tod und Folter geflohen sind oder einfach nur von der Seite der Verlierer unseres globalen Wirtschaftssystems zur Gewinnerseite wechseln wollten, macht das alles nicht wieder lebendig. Und die stumpfen Rechtsau\u00dfen wird auch ein solches Bild nicht anr\u00fchren. Aber vielleicht besinnt sich ja der eine oder andere aufgrund dieses Schnappschusses von Aylan, dass es vor allem solidarisches Handeln ist, was uns Menschen als Spezies auszeichnet und \u00fcberhaupt erst hat \u00fcberleben lassen in urzeitlicher Vergangenheit, und dass hinter allen Zahlen und abstrakten Begriffen wie &#8222;Fl\u00fcchtlinge&#8220; oder &#8222;Asylbewerber&#8220; doch vor allem immer Einzelschicksale stehen. Und das w\u00fcrde dann eine Verbreitung dieses Bildes meiner Meinung nach schon rechtfertigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bild des dreij\u00e4hrigen kurdischen Jungen Aylan Kurdi, der tot an einem t\u00fcrkischen Mittelmeerstrand liegt, weil er bei dem Versuch, Europa mit einem kleinen Boot zu erreichen, ertrunken ist, bewegt zurzeit viele Menschen und geht durch s\u00e4mtliche Medien. 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