{"id":3899,"date":"2015-10-16T17:51:15","date_gmt":"2015-10-16T15:51:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3899"},"modified":"2025-02-04T23:08:25","modified_gmt":"2025-02-04T22:08:25","slug":"fluchtursachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3899","title":{"rendered":"Fluchtursachen"},"content":{"rendered":"<p>In einer Diskussion kam neulich die Frage auf, ob es nicht irgendwo eine \u00dcbersicht g\u00e4be \u00fcber die zurzeit ja viel genannten Fluchtursachen, die es zu bek\u00e4mpfen gilt, wenn die Zahlen der Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcckgehen sollten. Da ich keinen solche \u00dcbersicht\u00a0gefunden habe, dachte ich mir, dass es ja vielleicht sinnvoll sein k\u00f6nnte, diese einmal selbst aufzustellen, da meiner Erfahrung nach vielen Menschen gar nicht klar ist, warum \u00fcberhaupt zurzeit weltweit ca. 60 Mio. Menschen auf der Flucht sind &#8211; und was auch wir damit zu tun haben.<\/p>\n<p>Die zurzeit sehr oft gebrauchte Einteilung in Kriegsfl\u00fcchtlinge und Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge, wobei Erstere von vielen irgendwie noch als o. k. angesehen\u00a0und Letztere oftmals konsequent abgelehnt werden, ist dabei vor allem weit von der Realit\u00e4t entfernt und eine wenig sachdienliche Vereinfachung. Daher sei zun\u00e4chst vor allem mal eines festgestellt: Wer fluchtartig\u00a0seine Heimat verl\u00e4sst, oft mit nicht mehr als einem Koffer und dem, was er\/sie am Leib hat, wird in der Regel immer einen triftigen Grund daf\u00fcr haben, den es ernst zu nehmen gilt. Doch nun zu den Fluchtursachen, zu unserem Anteil daran und Ans\u00e4tzen, was gemacht werden k\u00f6nnte, um diese zu minimieren:<\/p>\n<p>1. Krieg<\/p>\n<p>Der Krieg in Syrien ist zurzeit ja in aller Munde, da sehr viele Menschen von dort fl\u00fcchten. Und wenn man sich die Bilder der zerst\u00f6rten syrischen St\u00e4dte anschaut, dann verwundert das auch nicht. Daneben gibt es aber noch zahlreiche andere Kriege und durch (auch innerstaatliche) milit\u00e4rische Konflikte heimgesuchte L\u00e4nder, wie beispielsweise den Irak, Afghanistan, Libyen, Mali, Nigeria, S\u00fcdsudan, Jemen, die Ukraine, um nur mal einige aufzuz\u00e4hlen. Dazu kommen dann noch Milizen wie beispielsweise <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lord\u2019s_Resistance_Army\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lord&#8217;s\u00a0Resistance Army<\/a> von Joseph Kony, die grenz\u00fcberschreitend Angst und Schrecken in mehreren afrikanischen L\u00e4ndern verbreitet. Und auch bereits beendete Kriegen sind zu beachten, so zum Beispiel in den Balkanstaaten,\u00a0in denen die Nachwirkungen des v\u00f6lkerrechtswidrigen Kriegs der NATO (auch mit deutscher Beteiligung) nach wie vor sp\u00fcrbar sind.<\/p>\n<p>Und das ist auch ein entscheidender Punkt, der zu beachten ist: Deutschland und\/oder seine milit\u00e4rischen Verb\u00fcndeten mischen bei vielen dieser Konflikte nicht nur mit, sondern sind sogar ein ausl\u00f6sendes oder eskalierendes Moment. Das geschieht zum einen durch unmittelbare Milit\u00e4rmissionen, zum anderen durch Waffenlieferungen, die zwar in der Regel nicht direkt in Krisengebiete erfolgen d\u00fcrfen, allerdings geraten \u00fcber Drittstaaten immer wieder Waffen genau dorthin, wo es gerade m\u00e4chtig knallt (Saudi-Arabien ist beispielsweise ein guter Kunde der deutschen R\u00fcstungsindustrie und verteilt Waffen gern an Glaubensbr\u00fcder \u00fcberall in der Welt weiter). Hier zeigt sich die spezifische Verantwortung, die wir als Deutsche f\u00fcr Kriegsfl\u00fcchtlinge haben. Mehr Zur\u00fcckhaltung bei Kriegseins\u00e4tzen im Ausland und eine drastische Beschr\u00e4nkung des R\u00fcstungsexports k\u00f6nnten hier dazu beitragen, die Anzahl der Kriegsfl\u00fcchtlinge langfristig zu verringern.<\/p>\n<p>2. Klima<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Klimafl\u00fcchtlinge&#8220; taucht in der \u00f6ffentlichen Debatte nur sehr selten auf, und doch ist der Klimawandel daf\u00fcr verantwortlich, dass zahlreiche Menschen aus ihrer Heimat fliehen m\u00fcssen, da sie ihrer Existenzgrundlagen beraubt wurden (s dazu beispielsweise <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/flucht-aus-der-verantwortung?utm_content=bufferf58bc&amp;utm_medium=social&amp;utm_source=facebook.com&amp;utm_campaign=buffer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.klimaretter.info\/umwelt\/nachricht\/19764-un-qklimafluechtlinge-anerkennenq\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen treffen besonders Kleinbauern in afrikanischen L\u00e4ndern,\u00a0die das Land, was sie teilweise seit Generationen bestellen, nun nicht mehr bewirtschaften k\u00f6nnen. Bleibt der Umzug in eine Stadt, der\u00a0in den meisten F\u00e4llen auch keine guten Perspektiven bietet und allzu oft in einem Slum endet, oder eben die Flucht in ein anderes Land.<\/p>\n<p>Wenn man nun mal betrachtet, in welchen L\u00e4ndern die h\u00f6chsten Kohlendioxidemissionen produziert werden, dann f\u00e4llt einem schnell ein Ungleichgewicht auf: Durch unseren hohen Fleischkonsum, den gro\u00dfen Anteil von emissionsintensiver Industrie an der Wirtschaft sowie\u00a0unseren hohen Energie- und Ressourcenverbrauch im privaten Alltag\u00a0beschleunigen Deutschland, die anderen westlichen Industriestaaten, Russland und China den Klimawandel \u00fcberproportional, die Ergebnisse davon bekommen vor allem Menschen auf der s\u00fcdlichen Halbkugel durch die oben genannten Folgen zu sp\u00fcren. Das\u00a0ewige Wachstumsmantra und das zeitgleiche Verschleppen (aus monet\u00e4ren Interessen vor allem gro\u00dfer Konzerne) eines \u00f6kologischen Umbaus unserer Wirtschaft, von der Energieversorgung \u00fcber\u00a0ressourcenschonende, recyclingfreundliche Produktionsweisen und konsequente M\u00fcllvermeidung bis hin zur Einsicht, dass es nicht immer mehr von allem geben kann, bef\u00f6rdern somit den Klimawandel, was dann wiederum steigende Zahlen von Klimafl\u00fcchtlingen zur Folge hat. Ein konsequentes Umdenken w\u00fcrde hier zumindest langfristig Abhilfe schaffen, steht aber leider auch im Widerspruch zum neoliberalen Zeitgeist, der vor allem in der Wirtschaftspolitik omnipr\u00e4sent ist. Wird also schwer, da was dran zu \u00e4ndern &#8230;<\/p>\n<p>3.\u00a0Mutwillige Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen<\/p>\n<p>Gerade Afrika ist f\u00fcr die westlichen Industriestaaten und damit auch f\u00fcr Deutschland vor allem Rohstofflieferant und M\u00fcllhalde: Um unseren Konsum zu erm\u00f6glichen, werden nicht nur monokulturelle Plantagen von Nutzpflanzen, die unsere Wirtschaft ben\u00f6tigt (z. B. Palm\u00f6l in ganz gro\u00dfem Stil, aber auch Kaffee und Tabak), angelegt, es werden auch viele Rohstoffe (besonders eklig ist hier beispielsweise Uran) aus den afrikanischen L\u00e4ndern importiert. Da spr\u00e4che ja nun grunds\u00e4tzlich erst mal nichts dagegen, wenn das nicht allzu oft mit Ausbeutung, Kinderarbeit, Umweltzerst\u00f6rung, Enteignung von Kleinbauern und \u00e4hnlichen Schweinereien einherginge. Im Gegenzug werden die afrikanischen Staaten dann mit Freihandelsabkommen wie EPA \u00fcber den Tisch gezogen (s. dazu exemplarisch <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2014\/februar\/hunger-durch-handel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2015-01\/exporte-gefluegel-afrika\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>), sodass die einheimischen\u00a0Bauern mit den hochsubventionierten landwirtschaftlichen \u00dcberschussprodukten aus der EU, vor denen sie nun keine Z\u00f6lle mehr sch\u00fctzen, nicht mehr konkurrieren k\u00f6nnen. Und als besonderes Dankesch\u00f6n kriegen die Menschen dort dann auch noch unseren Elektroschrott vor die F\u00fc\u00dfe gekippt, der in Ghana beispielsweise schon ganze Landstriche verw\u00fcstet und ruiniert hat (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.3sat.de\/page\/?source=\/scobel\/160141\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Zudem haben immer mehr transnationale Konzerne aus westlichen Industriestaaten entdeckt, dass Land die Ressource der Zukunft schlechthin ist, und betreibe daher Landgrabbing in immer gr\u00f6\u00dferem Stil. Eine kleine Elite in den afrikanischen L\u00e4ndern profitiert dann meistens davon, die Menschen, deren Land ihnen mal eben unter dem Hintern weg verkauft wurde, schauen in die R\u00f6hre (s. dazu <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2013\/mai\/der-grosse-raub\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> &#8211; leider nur als Bezahlartikel, die Investition von 3 Euro lohnt sich allerdings auch).<\/p>\n<p>Die Folgen dieser Wirtschaftspolitik liegen auf der Hand: Die Menschen werden entwurzelt, ihnen wird ihre Existenzgrundlage entzogen, sie leben in Armut und Elend, ihre Umwelt wird zerst\u00f6rt. Dass viele dieser Menschen nun irgendwann vor diesen Umst\u00e4nden davonlaufen, ist wohl nicht wirklich verwunderlich. Neben einer \u00c4nderung der schon fast als postkolonial zu bezeichnenden Politik gegen\u00fcber \u00e4rmeren L\u00e4ndern w\u00e4re als Handlungsoption unserer Politik, um diese Fluchtursachen zu entsch\u00e4rfen, auch eine \u00c4nderung in der Entwicklungshilfe bedenkenswert, wie dieser (leider auch nur gegen Bezahlung lesbare) <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/archiv\/jahrgaenge\/2015\/juli\/gegen-den-strich-afrika-ohne-entwicklungshilfe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel in den\u00a0<em>Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik<\/em><\/a> nahelegt, da von der momentan geleisteten Entwicklungshilfe wenig bei der Bev\u00f6lkerung ankommt und der Gro\u00dfteil in den Taschen korrupter Beamten und Politiker versickert. Es sollte also das vorrangige Ziel sein, stabile politische und wirtschaftliche Strukturen in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern zu schaffen, die den \u00f6rtlichen Gegebeneheiten und den spezifischen Lebensgewohnheiten der Menschen dort entgegenk\u00e4men. Dies ist allerdings leider ebenfalls ein schwer zu realisierendes Ziel, da es dem Neoliberalismus eigen ist, die Situation am &#8222;l\u00e4ngeren Hebel&#8220;, an dem die westlichen Industriestaaten nun mal sitzen, auch\u00a0gnadenlos auszunutzen.<\/p>\n<p>4.\u00a0Unterdr\u00fcckung<\/p>\n<p>Nicht nur Kriegshandlungen bedrohen das Leben von Menschen in vielen L\u00e4ndern, sondern auch die verschiedensten Formen von Unterdr\u00fcckung, Verfolgung und Diskriminierung. Und das kann vollkommen unterschiedliche Ursachen haben: Religion f\u00e4llt einem da sicher als Erstes ein, wenn man vor allem den Terror des IS vor Augen hat, aber auch Homosexualit\u00e4t ist in vielen L\u00e4ndern noch ein Grund f\u00fcr Verfolgung bis hin zur Lebensgefahr. Ethnische Konflikte sind ebenfalls in vielen Staaten vorhanden, besonders in ehemaligen Kolonien (aber nicht nur, man braucht sich ja nur die menschenunw\u00fcrdige Behandlung der Sinti und Roma in vielen osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern vor Augen zu f\u00fchren), da die Kolonialherren bei ihren willk\u00fcrlichen Grenzziehungen wenig R\u00fccksicht auf traditionelle Stammesgebiete, Nomadenrouten oder Lebensr\u00e4ume der Einheimischen genommen haben. Wie sich solche ethnischen Konflikte auf bestialischste Weise entladen k\u00f6nnen, haben wir vor gut 20 Jahren in Ruanda mit ansehen m\u00fcssen, aber auch wenn es nicht gleich zum Genozid kommt, so reicht es doch in vielen L\u00e4ndern aus, einer bestimmten Ethnie anzugeh\u00f6ren, um kein wirklich gutes Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Und dann gibt es nat\u00fcrlich auch noch die Verfolgung aufgrund von politischen Ansichten, die sich nicht mit denen des herrschenden Despoten decken, wobei es manchmal auch schon ausreicht, der Berufsgruppe der Journalisten anzugeh\u00f6ren, um sich Verfolgung ausgesetzt zu sehen.<\/p>\n<p>Menschen, die sich gegen eine derartige Unterdr\u00fcckung unterschiedlichster Art\u00a0nicht mehr zu wehren wissen, fliehen dann eben aus ihrem Heimatland. Hier w\u00e4re eine m\u00f6gliche Handlungsoption f\u00fcr unsere Politiker, die entsprechenden Regierungen unter Druck zu setzen oder sogar mit Sanktionen zu belegen, aber stattdessen werden lieber Vertr\u00e4ge mit den Despoten geschlossen, damit diese die von ihnen geknechteten Menschen konsequenter daran hindern, aus dem Land abzuhauen, wie ein <a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/daserste\/monitor\/sendungen\/grenzen-dicht-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bericht der\u00a0<em>ARD<\/em>-Sendung\u00a0<em>Monitor<\/em><\/a> belegt. Es kann nat\u00fcrlich nicht darum gehen, in die innenpolitischen Angelegenheiten eines anderen Landes einfach so einzugreifen (denn das f\u00fchrt dann \u00fcber Milit\u00e4rinterventionen selten zu einer Verbesserung f\u00fcr den Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung), aber man k\u00f6nnte zum Beispiel finanzielle Unterst\u00fctzungen an die Einhaltung der Menschenrechte und das Durchf\u00fchren demokratischer Wahlen koppeln. Allerdings gilt hier leider eher das Prinzip: Wenn ein Schweinehund sein Volk unterdr\u00fcckt, aber sonst auf unserer Linie ist und gute Gesch\u00e4fte mit ihm zu machen sind, dann lassen wir ihn eben gew\u00e4hren.<\/p>\n<p>5. Pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde<\/p>\n<p>Letztlich gibt es immer auch ganz individuelle Gr\u00fcnde, die Menschen dazu veranlassen, alles zur\u00fcckzulassen und ihr Gl\u00fcck lieber in einem anderen Land zu versuchen. Und auch dies k\u00f6nnen durchaus lebensbedrohliche Gr\u00fcnde sein, denn Blutrache ist beispielsweise immer\u00a0in viel zu vielen L\u00e4ndern gang und g\u00e4be (u. a. auch in Albanien und im Kosovo). Aber auch mafi\u00f6se Strukturen in Politik und Gesellschaft, die leider vielerorts \u00fcblich sind,\u00a0k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, das jemand einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war oder etwas Falsches gesagt hat, um sich seines Lebens nicht mehr sicher sein zu k\u00f6nnen. Da kann ein Herkunftsland noch so sehr als sicher deklariert werden: Wenn jemand deswegen um sein Leben f\u00fcrchten muss, weil sein Cousin irgendeinen \u00c4rger mit einer anderen Familie gehabt hat, dann ist das ein legitimer Grund, das Weite zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man also sagen: Wir leben auf Kosten der Menschen in \u00e4rmeren L\u00e4ndern, und wenn wir weiterhin einfach so weitermachen\u00a0wollen wie bisher, dann m\u00fcssen wir anderen Menschen Wohlstand und teilweise sogar existenziell wichtige \u00dcberlebensbedingungen vorenthalten. Wenn tats\u00e4chlich alle Menschen auf der Welt unseren Lebensstandard h\u00e4tten mit unserer ressourcenintensiven Art zu leben (Technik, Fleischkonsum, Konsum von Massen- und Wegwerfprodukten, Autos usw.), dann w\u00e4ren die Ressourcen unseres Planten rasend schnell ersch\u00f6pft. Also m\u00fcssen infolge der neoliberalen Logik viele Menschen arm gehalten werden, damit wenige Menschen in einigen ausgesuchten L\u00e4ndern im \u00dcberfluss konsumieren k\u00f6nnen.\u00a0Die Fl\u00fcchtlinge sind letztlich nur ein kleiner Ausdruck dieser Vorgehnsweise, die \u00fcber 50 Mio. Menschen, die jedes Jahr verhungern, an unsauberem Trinkwasser, Epidemien und Mangelerkrankungen sterben, fallen da auch als &#8222;Kollateralsch\u00e4den&#8220; unseres Lebensstils an &#8211; aber die m\u00fcssen wir hier ja nicht so unmittelbar sehen,\u00a0sodass man die besser ausblenden kann. Bl\u00f6derweise haben die Menschen in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern nur mittlerweile auch Internet und Fernsehen, was dazu f\u00fchrt, dass sie sehen k\u00f6nnen, wie wir hier leben, und f\u00fcr wen\u00a0schon ein Dach \u00fcber dem Kopf und einigerma\u00dfen sauberes Trinkwasser einen gewissen Luxus darstellt, der f\u00fchlt sich bei einem Blick auf unseren Lebensstandard mit ausreichender Ern\u00e4hrung, medizinischer Versorgung, hoher Sicherheit vor Gewalt usw. vermutlich wie bei einem Blick ins Schlaraffenland &#8211; und macht sich dann auf den Weg genau dorthin.<\/p>\n<p>Eine Anmerkung noch zum Schluss, da sie auch mit dem Thema Fl\u00fcchtlinge zu tun hat: Ein immer wieder erw\u00e4hnter Grund, sich den Fl\u00fcchtlingstrecks anzuschlie\u00dfen, ist ja, dass auf diese Weise angeblich IS-Terroristen in unser Land kommen wollen. Dass dies ziemlicher Mumpitz ist, sagt einem nicht nur der gesunde Menschenverstand (Fl\u00fcchtlingsrouten sind sehr riskant, der IS ist gut organisiert und w\u00fcrde seine Terroristen vermutlich eher mit entsprechenden Reisedokumenten ausstatten, sodass sie in normalen Fliegern nach Europa kommen k\u00f6nnten), sondern auch ein <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/fluechtlinge-in-deutschland-die-maer-vom-eingeschlichenen-terroristen-1.2691972\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Artikel der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em><\/a>, in dem belegt wird, dass an allen vermeintlichen Hinweisen auf\u00a0eingeschleuste Terroristen, die sich unter Fl\u00fcchtlinge gemischt haben, nichts dran ist, denn die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden k\u00f6nnen bisher keinen davon best\u00e4tigen. Ich finde es zumindest bezeichnend f\u00fcr unsere Gesellschaft, dass wir die wahren Fluchtursachen zu einem guten Teil ignorieren, uns dann aber vermeintliche Fluchtursachen konstruieren, die nichts mit der Realit\u00e4t zu tun haben, sondern nur Ausdruck unserer eigenen Angst sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Diskussion kam neulich die Frage auf, ob es nicht irgendwo eine \u00dcbersicht g\u00e4be \u00fcber die zurzeit ja viel genannten Fluchtursachen, die es zu bek\u00e4mpfen gilt, wenn die Zahlen der Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcckgehen sollten. Da ich keinen solche \u00dcbersicht gefunden habe, dachte ich mir, dass es ja vielleicht sinnvoll sein k\u00f6nnte, diese einmal selbst aufzustellen, da meiner Erfahrung nach vielen Menschen gar nicht klar ist, warum \u00fcberhaupt zurzeit weltweit ca. 60 Mio. 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