{"id":4052,"date":"2015-10-28T10:53:02","date_gmt":"2015-10-28T09:53:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4052"},"modified":"2015-10-29T11:42:06","modified_gmt":"2015-10-29T10:42:06","slug":"alles-hat-ein-ende-nur-die-wurst-hat-zwei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4052","title":{"rendered":"Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei"},"content":{"rendered":"<p>Da hat gestern eine Meldung f\u00fcr reichlich Aufregung in der \u00d6ffentlichkeit gesorgt: Die Weltgesundheitsorganisation WHO\u00a0hat eine Mitteilung herausgegeben, in der steht, dass der h\u00e4ufige Genuss von verarbeitetem Fleisch das Darmkrebsrisiko erh\u00f6hen kann (s. dazu exemplarisch diesen <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/technologie\/forschung\/krebserregendes-fleisch-who-warnt-vor-wuerstchen-und-schinken\/12498824.html\" target=\"_blank\">Artikel in der <em>WirtschaftsWoche<\/em><\/a>). Panik ist nun zwar wohl nicht angebracht, aber zumindest schwingt in der Aussage mit, dass es sinnvoll sein kann, seinen Fleischkonsum ein wenig zu reduzieren, auch wenn die \u00dcberschrift des WiWo-Artikels durchaus alarmistisch gestaltet ist:\u00a0\u201eKrebserregendes Fleisch &#8211; WHO warnt vor W\u00fcrstchen und Schinken\u201c. Und da viele (gerade im Internet) ja nur die \u00dcberschrift lesen und nicht den dazugeh\u00f6rigen Artikel, ist da nun schon ein Imageschaden f\u00fcr die Fleischindustrie zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Also muss reagiert werden: Sogleich waren die Dementi der Fleischindustrie in den Medien (wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/politik\/fleischindustrie-wehrt-sich-gegen-krebs-einstufung-der-who,26577298,32266450.html\" target=\"_blank\">hier in der\u00a0<em>Frankfurter Rundschau<\/em><\/a>), mit denen man sich gegen die Anschuldigungen verwehrt und der WHO wissenschaftlich ungenaues Vorgehen vorwirft. So weit, so gut, k\u00f6nnte man jetzt sagen, denn was soll man von Industrieverb\u00e4nden auch anderes erwarten, als dass Anschuldigungen widersprochen wird? Bemerkenswert fand ich dann allerdings einen <a href=\"http:\/\/www.nordbayern.de\/panorama\/menschen-dna-in-vegetarischen-wursten-entdeckt-1.4746543\" target=\"_blank\">Artikel auf der Webseite\u00a0<em>nordbayern.de<\/em><\/a> mit dem Titel\u00a0\u201eMenschen-DNA in vegetarischen W\u00fcrsten entdeckt\u201c. Wow, das klingt nach\u00a0<em>Soylent Green<\/em>, nach Horrorvorstellungen &#8211; und vor allem beruhigend f\u00fcr die verunsicherten Fleischesser. Dann doch lieber ein etwas erh\u00f6htes Krebsrisiko, als zum Kannibalen zu werden!<\/p>\n<p>Und in der Tat wirkt der Artikel in seiner unsauberen Darstellung und wohl bewussten Ausblendung von Fakten doch reichlich so, als w\u00fcrde hier die Fleischindustrie die Feder gef\u00fchrt haben. Zun\u00e4chst einmal wird auf die WHO-Untersuchung verwiesen, und dann geht&#8217;s weiter mit einer US-amerikanischen Studie &#8211; allerdings ohne den Hinweis, dass sich diese nur auf den US-amerikanischen Markt bezieht und auf dortige Hersteller. Nun w\u00e4re es interessant zu erfahren, wie es denn in den USA im Vergleich zur EU oder zu Deutschland mit den Lebensmittelsicherheitsrichtlinien aussieht, doch dar\u00fcber erf\u00e4hrt man nat\u00fcrlich nichts, sodass ein Bezug von dieser Studie auf\u00a0m\u00f6gliche Parallelen bei uns in Deutschland nicht schlie\u00dfen lassen, obwohl diese m. E. schon bewusst durch den Artikel nahegelegt werden sollen. Oder wie sind sonst solche Passagen zu erkl\u00e4ren?<\/p>\n<blockquote><p>Vegetarier tangierte das herzlich wenig, ern\u00e4hren sie sich doch fleischlos. Doch seit Dienstag ist es vorbei mit der Gelassenheit: Eines von zehn vegetarischen W\u00fcrstchen enth\u00e4lt laut einer US-Studie Fleisch.<\/p>\n<p>Auf die H\u00e4ufung bei vegetarischen Produkten wird im Ergebnis der Untersuchung ausdr\u00fccklich hingewiesen.<\/p>\n<p>Die WHO-Studie besch\u00e4ftigte indes am Dienstag die Politik. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) versuchte die Wogen etwas zu gl\u00e4tten und mahnte zur Gelassenheit. \u201eNiemand muss Angst haben, wenn er mal eine Bratwurst isst. Die Menschen werden zu Unrecht verunsichert, wenn man Fleisch mit Asbest oder Tabak auf eine Stufe stellt\u201c, sagte Schmidt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zudem werden auch m\u00f6gliche Ursachen f\u00fcr das Auftauchen von menschlicher DNA in dem Artikel nicht hinreichend dargestellt. Zwar ist generell von hygienischen M\u00e4ngeln die Rede, welche die US-Studie einem Teil der Firmen attestierte, dass diese allerdings wohl auch der Grund f\u00fcr menschliche DNA (beispielsweise durch Speicheltr\u00f6pfchen, abgel\u00f6ste Hautschuppen, verlorene Haare usw.) in den W\u00fcrstchen sind, wird dann leider verschwiegen. Erw\u00e4hnt wird hingegen, dass sich in einigen vegetarischen Produkten auch Spuren von Fleisch fanden. Und auch hier w\u00e4re es interessant zu \u00fcberlegen, wie diese da reingekommen sein k\u00f6nnten. Ich tippe mal, dass dies einfach aufgrund von unzureichend gereinigten Maschinen zur Verarbeitung der vegetarischen Produkte der Fall sein d\u00fcrfte, wenn mit denselben Maschinen zuvor Fleischprodukte verarbeitet wurden. Die Hinweise f\u00fcr Allergiker auf allen m\u00f6glichen Lebensmitteln wie\u00a0\u201eKann Spuren von N\u00fcssen oder Sellerie enthalten\u201c kennt ja schlie\u00dflich auch jeder, und die sind eben auch diesem Umstand geschuldet, dass viele Maschinen in der industriellen Nahrungsproduktion nicht nur f\u00fcr ein bestimmtes Lebensmittel genutzt werden.<\/p>\n<p>Inhaltlich etwas differenzierter, aber in der \u00dcberschrift und den prominenten Textpassagen nicht weniger rei\u00dferisch behandelt ein\u00a0<a href=\"http:\/\/www.tz.de\/welt\/labor-findet-menschen-dna-vegetarischen-wuerstchen-5694990.html\" target=\"_blank\">Artikel der M\u00fcnchener\u00a0<em>tz<\/em><\/a> das Thema, denn es wird zumindest darauf hingewiesen, dass die menschliche DNA wohl in Form von Haaren und Fingern\u00e4geln in die Wurst kam. Aber auch hier gilt: Die meisten lesen dann doch wieder nur dir \u00dcberschrift und den Anrisstext, und da hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote><p>Labor findet Menschen-DNA in vegetarischen W\u00fcrstchen<\/p>\n<p>Nun schockt ein US-Labor mit einer Analyse, bei der auch vegetarische W\u00fcrste untersucht wurden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und in der Bildunterschrift \u00fcber dem Artikel:<\/p>\n<blockquote><p>Vegetarische Wurst auf der Messe \u201eVeggie World\u201c. In den USA wurden Fleischr\u00fcckst\u00e4nde in einigen dieser Produkte gefunden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Fazit bei diesen Formen des \u201edeutschen Qualit\u00e4tsjournalismus\u201c: Hier scheint schnell auf eine f\u00fcr die Fleischindustrie sch\u00e4dliche Meldung reagiert zu werden, indem die Alternative zum Fleischkonsum erst mal auf recht unsachliche Art und Weise zu diskreditieren versucht\u00a0wird. Inwieweit die Fleischindustrie hier nun die Finger mit im Spiel hat, z. B. in Form von Werbeanzeigen oder regionaler Verbundenheit zu den beiden zitierten Medien, l\u00e4sst sich nun so ohne Weiteres auf die Schnelle nicht herausfinden, erscheint mir allerdings auch nicht komplett unwahrscheinlich. Aber das w\u00e4re nun ja auch nur Spekulation &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da hat gestern eine Meldung f\u00fcr reichlich Aufregung in der \u00d6ffentlichkeit gesorgt: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Mitteilung herausgegeben, in der steht, dass der h\u00e4ufige Genuss von verarbeitetem Fleisch das Darmkrebsrisiko erh\u00f6hen kann. 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