{"id":4235,"date":"2015-11-24T17:16:28","date_gmt":"2015-11-24T16:16:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4235"},"modified":"2020-03-04T11:27:23","modified_gmt":"2020-03-04T10:27:23","slug":"hamburgs-olympia-bewerbung-2024-verfassungsaenderung-ermoeglicht-buergerschaftsreferendum-oder-wir-duerfen-darueber-abstimmen-ist-das-nicht-super","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4235","title":{"rendered":"Hamburgs Olympia-Bewerbung 2024:  Verfassungs\u00e4nderung erm\u00f6glicht B\u00fcrgerschaftsreferendum. Oder:  Wir d\u00fcrfen dar\u00fcber abstimmen &#8211; ist das nicht super?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn vor dem Hintergrund eines geplanten Gro\u00dfprojektes eine Verfassungs\u00e4nderung durchgef\u00fchrt wird, ist eine kritische Betrachtung dieses Umstands dringend notwendig. Denn: Ein Projekt wie Olympia ist ein singul\u00e4res, tempor\u00e4res Ereignis und dient in seiner Profitorientiertheit prim\u00e4r Partikularinteressen. Dem gegen\u00fcber steht das Allgemeinwohl, f\u00fcr das eine gesetzgebende Institution in erster Linie verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Am 29. November wird entschieden, ob Hamburg sich um die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 bewerben wird.<\/p>\n<p>Ich gebe es gerne zu: Ich habe mich anfangs \u00fcberhaupt nicht n\u00e4her mit dem Thema Volksabstimmung in diesem speziellen Fall auseinandergesetzt. F\u00fcr mich war klar: Wir d\u00fcrfen dar\u00fcber abstimmen &#8211; und damit genug.<\/p>\n<p>Bis dahin ist erst mal alles offen. Oder doch nicht? Wer durch die Stadt geht, bekommt den Eindruck, als sei die Bewerbung bereits in trockenen T\u00fcchern. Das k\u00f6nnte daran liegen, dass man von Plakatw\u00e4nden ausnahmlos mit \u201eOlympia, das wird super\u201c angel\u00e4chelt wird. Irgendwie einpr\u00e4gsam. Es k\u00f6nnte auch daran liegen, dass die Bewerbung offiziell ja schon tats\u00e4chlich eingereicht worden ist (s. <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/sport\/olympia\/Hamburg-und-DOSB-versenden-Bewerbungsbrief,bewerbung218.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>). Irgendwie merkw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Diese intensive und einseitige Werbung hat mich nachdenklich gemacht. Ist es eigentlich echte Demokratie, wenn die Einflussnahme von staatlicher Seite aus so deutlich in den Vordergrund tritt?<\/p>\n<p><strong>Das B\u00fcrgerschaftsreferendum: projektorientierte Demokratie?<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>\u201eNach Artikel 50 der Hamburger Verfassung kann das Volk direkt an der Gesetzgebung der B\u00fcrgerschaft mitwirken oder eine Befassung der B\u00fcrgerschaft mit bestimmten Gegenst\u00e4nden der politischen Willensbildung beantragen.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.hamburg.de\/volksabstimmungen\/54020\/volksabstimmungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die hierzu g\u00e4ngigen Volksabstimmungsverfahren sind Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid.<\/p>\n<p>Durch die Verfassungs\u00e4nderung zum 1. Juni 2015 gibt es eine weitere M\u00f6glichkeit, einen Volksentscheid herbeizuf\u00fchren: das B\u00fcrgerschaftsreferendum. Hierbei<\/p>\n<blockquote><p>\u201e(&#8230;) kann die B\u00fcrgerschaft auf Vorschlag oder mit Zustimmung des Senats einen Gesetzentwurf oder eine andere politische Frage von grunds\u00e4tzlicher und gesamtst\u00e4dtischer Bedeutung dem Volk zur Abstimmung stellen.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.hamburg.de\/volksabstimmungen\/54020\/volksabstimmungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir haben also zwei Varianten:<\/p>\n<p>Volksabstimmung auf Initiative<\/p>\n<p>1) des Volkes oder<\/p>\n<p>2) von Senat und B\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<p>Bef\u00fcrworter des B\u00fcrgerschaftsreferendums argumentieren damit, dass hier eine zus\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit der direkten Demokratie geschaffen wurde. Mehr B\u00fcrgerbeteiligung ist also zuk\u00fcnftig m\u00f6glich. Das klingt f\u00fcr mich zun\u00e4chst einleuchtend und positiv. Gerade im Hinblick auf kostenintensive Gro\u00dfprojekte ergibt es ja durchaus Sinn, die B\u00fcrger im Vorfeld dar\u00fcber abstimmen zu lassen.<\/p>\n<p>Gegner dieses Verfahrens sehen u. a. die Gefahr der m\u00f6glichen Blockierung von neuen oder noch laufenden Volksinitiativen, indem B\u00fcrgerschaft und Senat durch ein beschlossenes B\u00fcrgerschaftsreferendum Themen vorzeitig f\u00fcr eigene Ziele \u201ebesetzen\u201c.<\/p>\n<p>Vor allem auch der Hintergrund der Verfassungs\u00e4nderung, und das ist de facto die Bewerbung um die Olympischen Spiele, l\u00e4sst aufhorchen und meines Erachtens durchaus berechtigte Zweifel an der Ausrichtung einer solchen Ma\u00dfnahme auf das Allgemeinwohl aufkommen.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Verfassungs\u00e4nderung unter Zeitdruck<\/span><\/p>\n<p>Politker betonen gerne die gut ausgebaute direktdemokratische B\u00fcrgerbeteiligung in Hamburg, und entsprechend erg\u00e4nzt das B\u00fcrgerschaftsreferendum diese M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Worin liegt nun die Kritik?<\/p>\n<p>Die Verfassung\u00e4nderung, die das B\u00fcrgerschaftsreferendum erm\u00f6glicht, wurde themenbezogen initiert. Das Zugpferd ist die Olmpia-Bewerbung, ein vom Senat gewolltes Gro\u00dfprojekt. Damit einhergehend entstand Zeitdruck, da Bewerbungsfristen eingehalten werden m\u00fcssen. Argumentiert wird u. a. so:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEin sp\u00e4teres Referendum w\u00fcrde bedeuten, dass Hamburg sich bewirbt, ohne die verbindliche Zustimmung des Volkes zu haben &#8211; das ist weder sinnvoll noch demokratisch!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine z\u00fcgige Umsetzung ist zudem notwendig, um beim ersten Anwendungsfall Olympia das Verfahren f\u00fcr ein Referendum im Herbst so zu gestalten, dass noch ausreichend Zeit ist f\u00fcr eine Meinungsbildung und m\u00f6gliche Initiativen aus dem Volk.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.spd-hamburg.de\/128968\/EinfuehrungReferendum2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a>\u00a0f\u00fcr beide Zitate)<\/p><\/blockquote>\n<p>Akteure wie die Volksinitiative \u201eLex Olympia\u201c fordern hingegen, dass eine solche Verfassung\u00e4nderung mit mehr Sorgfalt und der notwendigen Zeit angegangen werden muss. Zeit auch deshalb, um ein solch komplexes Thema in der Bev\u00f6lkerung kommunizieren zu k\u00f6nnen und hier\u00fcber abstimmen zu lassen. Denn eins muss ganz klar gesagt werden: Es geht hier nicht um eine einmalige Sache und Olympia im Speziellen. Die Verfassung\u00e4nderung wird zuk\u00fcnftig auch andere Themen bzw. Volksabstimmungen betreffen.<\/p>\n<p>Die Kritiker fordern deshalb \u2013 aus meiner Sicht v\u00f6llig zu Recht \u2013 ein \u201eLex (lateinisch f\u00fcr \u201aGesetz\u2018) Olympia\u201c; hei\u00dft: Es wird f\u00fcr den Einzelfall Olympia eine vor\u00fcbergehende Verfassungs\u00e4nderung vorgeschlagen. Und erst danach wird mit der n\u00f6tigen Zeit \u00fcber die Einf\u00fchrung eines allgemeinen B\u00fcrgerschaftsreferendums diskutiert.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Aushebelung von Volksinitiativen?<\/span><\/p>\n<blockquote><p>\u201eIm Kern bleibt es dabei: Die B\u00fcrgerschaft besetzt ein Thema ohne konkreten Vorschlag, und neue oder noch laufende Volksinitiativen sind nicht mehr zul\u00e4ssig, sobald die B\u00fcrgerschaft ihren Beschluss gefasst hat.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.rettetdenvolksentscheid.de\/wordpress\/page\/2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Solche Aussagen lassen bei mir zus\u00e4tzlich ein mulmiges Gef\u00fchl aufkommen.<\/p>\n<p>Auf der Internetseite der SPD findet man hierzu die Aussage, dass die bestehende Volksgesetzgebung (Instrumente: Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid) nicht geschw\u00e4cht wird. Demzufolge k\u00f6nnen bereits laufende Volksinitiativen oder Volksbegehren auch nach dem Beschluss der B\u00fcrgerschaft \u00fcber die Einleitung eines Referendums ihre Verfahren weiter betreiben oder auch ihre Vorlagen dem Referendum als Gegenvorlage beif\u00fcgen. Tun sie Letzteres allerdings nicht, ruhen die Volksinitiative oder das Volksbegehren, sofern das Referendum erfolgreich war (s. dazu <a href=\"http:\/\/www.spd-hamburg.de\/128968\/EinfuehrungReferendum2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Diesen Punkt kann man durchaus kritisch so betrachten, dass das positive Ergebnis des Referendums \u00fcber dem (m\u00f6glichen) Ergebnis einer anderen Instanz der Volksgesetzgebung steht. Nur bei einem erfolglos gelaufenen Referendum k\u00f6nnen bestehende Initiativen weiterhin agieren.<\/p>\n<p>Auch ist zu beachten, dass es eine Sperrfrist gibt &#8211; hei\u00dft: Bei einem erfolgreichen Referendum d\u00fcrfen Initiativen zum gleichen Thema f\u00fcr eine bestimmte Zeit nicht mehr agieren (3-5 Jahre).<\/p>\n<p>Problematisch wird es auch dann, wenn eine Volksinitiative entweder noch nicht angemeldet ist oder aber bereits angemeldet, jedoch noch nicht zustande gekommen ist. In beiden F\u00e4llen ist sie dann &#8211; gem\u00e4\u00df Einsch\u00e4tzung aus dieser Quelle &#8211; nicht mehr zul\u00e4ssig (s. dazu <a href=\"http:\/\/rettetdenvolksentscheid.de\/wordpress\/?page_id=36\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Der Faktor Zeit spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle beim Zustandekommen von Initiativen. So ist das Beif\u00fcgen einer Gegenvorlage mit erheblichem Aufwand verbunden: dem Sammeln von Unterschriften, Verwaltungsakten etc. Gegebenenfalls wird der Beschluss zur Durchf\u00fchrung eines Referendums sehr kurzfristig gefasst, sodass eine Volksinitiative an zeitlichen Vorgaben scheitern muss, weil sie diese organisatorisch und personell nicht leisten kann (s. dazu <a href=\"http:\/\/rettetdenvolksentscheid.de\/wordpress\/?page_id=36\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Nun bin ich keine Juristin, und die Materie ist sehr komplex. Solche oben genannten Argumente unterst\u00fctzen aber gerade deshalb meine Meinung, dass zur Verfassungs\u00e4nderung viele offenen Fragen von fundamentalem Charakter bestehen. Und dies vor allem vor dem Hintergrund der Argumentation \u201eMehr Demokratie durch B\u00fcrgerschaftsreferendum\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Meinungsmache versus Dialog &amp; Information<\/span><\/p>\n<p>Ganz entscheidend sind in diesem Zusammenhang die Themen Werbung und \u00d6ffentlichkeitsarbeit, denn sie offenbaren, worum es hier wirklich geht: Stimmenfang statt \u00dcberzeugung, Meinungsmache statt Dialog &amp; Information.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wenn ein \u00f6ffentlicher Diskurs \u00fcber Pro und Kontra einer Bewerbung zustande k\u00e4me. In Internetforen ist dies an vielen Stellen sicherlich auch der Fall. Aber reicht das aus, um die Massen zu erreichen?<\/p>\n<p>Die SPD sagt hierzu:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEine z\u00fcgige Umsetzung ist zudem notwendig, um beim ersten Anwendungsfall Olympia das Verfahren f\u00fcr ein Referendum im Herbst so zu gestalten, dass noch ausreichend Zeit ist f\u00fcr eine Meinungsbildung und m\u00f6gliche Initiativen aus dem Volk.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.spd-fraktion-hamburg.de\/fileadmin\/pdfbibliothek\/pdf_Downloads\/QA_Referendum_29052015.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle<\/a>)<\/p><\/blockquote>\n<p>Meinungsbildung ben\u00f6tigt seine Zeit und vor allem Dingen ein Medium. Gegenargumente m\u00fcssen erarbeitet, zusammengestellt und publiziert werden. Wer macht das und vor allem: Wer bezahlt das?<\/p>\n<p>Die Stadt Hamburg hat hingegen aus offensichtlichen Gr\u00fcnden kein Interesse daran, Argumente, die gegen eine Bewerbung sprechen, \u00f6ffentlichkeitswirksam darzustellen. So wird eine aggressive und kostenintensive \u201eMeinungsbildung\u201c betrieben, die nat\u00fcrlich nur ein Ziel hat: Das \u201eJA\u201c in der Abstimmung.<\/p>\n<p>Wie genau soll denn nun diese Meinungsbildung vonstattengehen? Vergessen wir in dem Zusammenhang auch nicht, welchen zeitlichen Vorlauf die Olympia-Propaganda bereits hat. Monate im Voraus!<\/p>\n<p>Das f\u00e4ngt an mit unz\u00e4hligen Plakatierungen, geht \u00fcber den \u201eOlympia-Song\u201c bis hin zu regelm\u00e4\u00dfigen Stellungnahmen, in denen Olaf Scholz Werbung macht. Nat\u00fcrlich PRO.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist auch der kommunikative Schachzug, die Einsendung der (ersten) Bewerbungsunterlagen medial auszuschlachten. Nat\u00fcrlich, die Bewerbung l\u00e4uft ja eh schon. Da kann man ja nur noch mit JA abstimmen, oder?<\/p>\n<p>Den Gipfel erreichte man mit der zeitgleichen Auslieferung von amtlichen Abstimmungsunterlagen und der Bild-Zeitung. Ich zumindest hatte beides an einem Tag im Briefkasten. Wer das Bl\u00e4ttchen dann aufschl\u00e4gt, liest gleich auf Seite 2 ein gro\u00dfformatiges Interview mit \u2013 nat\u00fcrlich! \u2013 Olaf Scholz. Und auch sonst wird erwartungsgem\u00e4\u00df nichts Neues geboten \u2013 au\u00dfer der Tatsache, dass alles toll sei mit der Bewerbung. Noch Fragen?<\/p>\n<p>Auch das beigef\u00fcgte Heftchen mit Stellungnahmen enth\u00e4lt Denkw\u00fcrdiges. So sind beispielsweise die Statements von LINKEN und der AfD (beide sind f\u00fcr \u201eNein\u201c, aber das sollte schon alles sein an Gemeinsamkeit) auf einer Seite abgedruckt. Das ist nicht nur irritierend, sondern mehr als unpassend. Die Gr\u00fcnen eiern herum mit einer \u201eJa-nein-vielleicht\u201c-Stellungnahme und sind eigentlich f\u00fcr \u201eJa\u201c. Aber nichts Genaues wei\u00df man nicht. Auch wenn die Parteien nat\u00fcrlich selbst f\u00fcr die Inhalte ihrer Stellungnahmen verantwortlich sind, so ist die Zusammenstellung im Heft ungl\u00fccklich \u2013 und darin sehe ich wiederum die pure Absicht der Beeinflussung.<\/p>\n<p>Kleine Events vor Ort heben das Thema zus\u00e4tzlich auf die ganz pers\u00f6nliche Ebene. So str\u00f6mten z. B. am 21. 11. Menschen mit einem \u201eFackellauf\u201c von der Bergedorfer City zum Rathaus. Dort hielt der Bezirksamtsleiter eine (sicherlich flammende) Rede, anschlie\u00dfend konnte man bei Musik und Gl\u00fchwein den Stimmzettel abgeben. Das nennt sich dann \u201eStadtmarketing\u201c.<\/p>\n<p>Sicher, Werbung ist erlaubt. Fakt ist aber: Mit solch einer medialen Rundumschlacht kann eine private Gegeninitiative nat\u00fcrlich nicht mithalten \u2013 weder finanziell noch personell.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Meine Kritik: nur Schein, kein Sein<\/span><\/p>\n<p>Die Propaganda ist rein emotional ausgerichtet und lebt haupts\u00e4chlich von \u201eArgumenten\u201c wie \u201eDas kommt nie wieder\u201c. So h\u00e4lt B\u00fcrgermeister Scholz \u201eflammende Reden\u201c, kann aber bis heute nicht schl\u00fcssig darlegen, wie Olympia von der Stadt Hamburg (re-)finanziert wird. So soll der L\u00f6wenanteil der Kosten vom Bund \u00fcbernommen werden, nur gibt es hierzu noch keine Best\u00e4tigung. Um abstimmen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen aber alle Fakten auf dem Tisch liegen. Das betrifft nat\u00fcrlich in erster Linie die Kosten, aber auch andere Themen wie die Nachhaltigkeit der Spiele.<\/p>\n<p><strong>Mein Fazit: wenig Demokratie dank manipulativer Aktionen im Zuge des Beschlusses zum Referendum<\/strong><\/p>\n<p>Die Einf\u00fchrung eines B\u00fcrgerschaftsreferendums mag per se in Ordnung sein. Aber es ist die Kombination der Mittel, die den demokratischen Anspruch einer solchen Ma\u00dfnahme wie ein Placebo wirken lassen:<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung unter Zeitdruck in Kombination mit manipulativer, emotional ausgelegter Werbepolitik OHNE Pr\u00e4sentation der entscheidenden Fakten, die f\u00fcr eine demokratisch-orientierte Meinungsbildung unerl\u00e4sslich sind, ist f\u00fcr mich v\u00f6llig inakzeptabel. Auch den Willen zum Dialog vermisse ich.<\/p>\n<p>Wenn die Partei des Regierenden B\u00fcrgermeisters auf ihrer Internetseite solche Artikel unter dem Thema zitiert \u201eWie bewerten die Medien den Vorschlag f\u00fcr ein B\u00fcrgerschaftsreferendum und die daran ge\u00e4u\u00dferte Kritik?\u201c, dann muss ich mich fragen, wie sehr Nachdenken und Nachfragen \u2013 und echte Zustimmung zur Arbeit von B\u00fcrgerschaft und Senat \u2013 gewollt sind:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDirekte Demokratie von unten ist eine noch recht junge Errungenschaft, aber sie funktioniert. Etliche Volksinitiativen waren erfolgreich, andere scheiterten. Das Wichtigste: Viele Themen, die vom Volk angesto\u00dfen wurden, bewegten die Menschen und trugen zu einer fruchtbaren politischen Diskussion bei. Warum nun ein solches Instrument Teufelszeug sein soll, weil es von oben angewendet wird, bleibt r\u00e4tselhaft. Als ob Politik stets B\u00f6ses will oder aber weniger legitimiert ist, das Volk zu befragen. Die Gegner des geplanten Referendums werfen reflexartig mit Kritik um sich und unterstellen nur \u00fcble Absichten. Damit leisten sie ihren Beitrag zur Politikverdrossenheit.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und dieses Instrument kann auch zuk\u00fcnftig nicht neutral bewertet werden, ohne den dazugeh\u00f6rigen Rattenschwanz an Meinungsmache zu betrachten. Denn der wird jedes Mal folgen. Und so bleibt beim Argument \u201emehr Demokratie\u201c durch das Referendum dann doch nur ein fader Beigeschmack \u00fcbrig. Schade.<\/p>\n<p>Wir sind deshalb mehr denn je gefragt, uns selbst zu informieren und uns damit in die Lage zu versetzen, eine Entscheidung treffen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und was wir noch tun k\u00f6nnen: Initiativen zu unterst\u00fctzen, die sich f\u00fcr die Thematik Volksentscheid und mehr direkte Demokratie einsetzen, wie z. B. diese hier: <a href=\"http:\/\/rettetdenvolksentscheid.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/rettetdenvolksentscheid.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn vor dem Hintergrund eines geplanten Gro\u00dfprojektes eine Verfassungs\u00e4nderung durchgef\u00fchrt wird, ist eine kritische Betrachtung dieses Umstands dringend notwendig. Denn: Ein Projekt wie Olympia ist ein singul\u00e4res, tempor\u00e4res Ereignis und dient in seiner Profitorientiertheit prim\u00e4r Partikularinteressen. Dem gegen\u00fcber steht das Allgemeinwohl, f\u00fcr das eine gesetzgebende Institution in erster Linie verantwortlich ist.<\/p>\n<p>Ein Gastbeitrag von Tina Voggenreiter.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,50,52,51],"tags":[228,236,283,282],"class_list":["post-4235","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medial-manipulatives","category-politisches","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-hamburg","tag-olympische-spiele","tag-referendum","tag-volksentscheid"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4235"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4235\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19702,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4235\/revisions\/19702"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4235"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4235"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}