{"id":4274,"date":"2015-11-30T23:54:33","date_gmt":"2015-11-30T22:54:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4274"},"modified":"2015-11-30T23:54:33","modified_gmt":"2015-11-30T22:54:33","slug":"nein-zu-olympia-ein-positives-signal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4274","title":{"rendered":"Nein zu Olympia &#8211; ein positives Signal"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg hat abgestimmt in Form eines Referendums, ob die Stadt sich als Austragungsort f\u00fcr die Olympischen Spiele 2024 bewerben soll. Das Ergebnis d\u00fcrfte die meisten \u00fcberrascht haben, denn 51,6 % der abgegebenen g\u00fcltigen Stimmen lehnten die Bewerbung ab. Und dabei hatten sich doch die Bef\u00fcrworter so sicher gef\u00fchlt und eine riesige PR-Kampagne auf allen Kan\u00e4len losgetreten, die aber letztlich dann doch nicht zum Erfolg f\u00fchrte. Daraus kann man nun einige positive Erkenntnisse ableiten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal ist es bemerkenswert, dass 50,1 % der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben. Das sind mehr als bei so mancher Landtagswahl, und insofern f\u00fcr ein Referendum ein extrem gutes Ergebnis, da man ja davon ausgehen muss, dass es auch eine Menge W\u00e4hler gibt, denen der Abstimmungsgegenstand schlichtweg egal ist. Man sieht also, dass die Menschen durchaus bereit sind, sich mit einem politischen Thema zu besch\u00e4ftigen und dann auch Stellung zu beziehen. In Zeiten der zunehmenden Entpolitisierung und sinkender Wahlbeteiligungen in jedem Fall schon mal etwas sehr Positives, wie ich finde.<\/p>\n<p>Warum jeder einzelne Olympia-Gegner nun mit Nein abgestimmt hat, mag vielf\u00e4ltige Gr\u00fcnde haben. Vielen wird mit Sicherheit das noch nicht ausgearbeitete Finanzkonzept, das lediglich auf Mutma\u00dfungen und Versprechungen beruht, aber nicht auf konkreten Zusagen und dem viele Experten attestieren, sowieso viel zu niedrig angesetzt zu sein, gegen den Strich gegangen sein, sodass man der Stadt keinen Blankoscheck ausstellen wollte. Wenn n\u00e4mlich erst mal ein Zuschlag zu Olympischen Spielen gegeben worden w\u00e4re, dann g\u00e4be es auch kein Zur\u00fcck mehr. Und wenn dann pl\u00f6tzlich ein Bauunternehmer feststellt, dass Sportst\u00e4tte XY ein paar Millionen teurer wird, dann kann man nicht einfach klagen und dabei Zeitverluste in Kauf nehmen, sondern durch den verpflichtenden Termin w\u00e4re die Stadt erpressbar. Andere d\u00fcrften keine Lust auf die Einschr\u00e4nkungen, die den Hamburgern bei Olympischen Spielen ins Haus st\u00fcnden, haben: eingeschr\u00e4nkte Versammlungsfreiheit, weitgehende Sperrung der Innenstadt f\u00fcr den Verkehr, Touristenmassen, ewig viele Baustellen, Sicherheitsma\u00dfnahmen, die man noch nicht absch\u00e4tzen kann (wer wei\u00df, wie sich beispielsweise der Krieg gegen den IS bis 2024 entwickelt) &#8211; auch hier gibt es viele Gr\u00fcnde,\u00a0Olympische Spiele nicht in der Stadt haben zu wollen.<\/p>\n<p>In jedem Fall sind das alles Positionen, die jeder Nein-Abstimmer f\u00fcr relevanter erachtet als die doch recht leeren Phrasen der Olympia-Bef\u00fcrworter, in denen es meistens nur in Form von Allgemeinpl\u00e4tzen hie\u00df, dass die Spiele doch gut f\u00fcr Hamburg w\u00e4ren, dass Hamburg damit gut in der Welt dastehen w\u00fcrde oder dass man so Weltoffenheit zeigen k\u00f6nnte. Alles gut und sch\u00f6n, aber eben nicht so richtig greifbar wie die negativen Auswirkungen f\u00fcr viele Hamburger. Und damit schl\u00e4gt der Inhalt die Form &#8211; da haben auch weder Sonderausgaben der <em>BILD<\/em> oder vom <em>Hamburger Abendblatt<\/em> noch ein peinlicher Pro-Olympia-Schlager etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Apropos\u00a0<em>BILD<\/em>: Die Aussage, dass man in Deutschland nicht gegen dieses Blatt Politik machen k\u00f6nnte, hat sich als unwahr erwiesen. Schlie\u00dflich haben sich Springers PR-Schreiber (von einige f\u00e4lschlicherweise immer noch als Journalisten bezeichnet) richtig derb ins Zeug gelegt, um den Hamburgern eine Olympia-Bewerbung schmackhaft zu machen. Doch auch hier lohnte sich der massive finanzielle Aufwand nicht, denn es konnte keine Mehrheit davon \u00fcberzeugt werden, f\u00fcr Olympia zu votieren.<\/p>\n<p>Die W\u00e4hler waren anscheinend in der Lage, sich \u00fcber ein komplexes Thema selbstst\u00e4ndig zu informieren und dabei nicht nur auf die Hochglanzformate zur\u00fcckzugreifen, sondern sich eben auch anderweitig schlau zu machen, n\u00e4mlich auf Webseiten wie der von\u00a0<em>NOlympia<\/em>, in kritischen Blogs, in sozialen Netzwerken oder auch in Form von pers\u00f6nlicher Diskussion. Dass nun vonseiten der schlechten Verlierer deswegen gezetert wird, ist kein Wunder, aber eben auch bezeichnend. So wetterte die CDUlerin Bettina Machaczek beispielsweise auf ihrem Facebook-Profil (am 29. 11. um 21:49 Uhr):<\/p>\n<blockquote><p>Diese unglaublich peinliche Niederlage bei der Abstimmung zu Olympia wird Hamburg noch lange sp\u00fcren. Wir haben uns auch in ganz Norddeutschland l\u00e4cherlich gemacht und die Hoffnungen vieler Norddeutscher entt\u00e4uscht. Hamburg hat keinen Mut zur Zukunft. Bitter.<br \/>\nIch stimme Herrn Mantell vom Hamburger Sportbund, ehem. Bezirksamtsleiter, zu. Wir m\u00fcssen uns fragen, ob es nicht doch besser ist, wohl abgewogene repr\u00e4sentative Entscheidungen in Parlamenten zu fassen. Gro\u00dfe Entscheidungen f\u00fcr die Zukunft sind sonst bald in Deutschland nicht mehr m\u00f6glich.<\/p><\/blockquote>\n<p>Und diesen Tenor traf ich heute in vielen \u00c4u\u00dferungen von Olympia-Bef\u00fcrwortern an: Die W\u00e4hler sind zu engstirnig, nicht weltoffen, zu dumm f\u00fcr solche Themen usw. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall, denn selbst die wirklich gro\u00df angelegte Werbekampagne, die Millionen Euro gekostet hat, hat nicht den erw\u00fcnschten Erfolg gebracht. Geld kauft also keine Zustimmung bzw. politische Legitimation.<\/p>\n<p>Wenn man sich nun \u00fcberlegt, wie das Ergebnis des Referendums wohl ausgefallen w\u00e4re ohne diese PR-Kampagne, sondern wenn nur jeweils die Olympia-Bef\u00fcrworter und -Gegner jeweils einen Flyer mit ihren Argumenten an die Hamburger Haushalte verteilt h\u00e4tten und weiter nichts und wenn die gro\u00dfen Hamburger Medien tats\u00e4chlich ausgewogen \u00fcber die Pro- und Kontrapositionen berichtet h\u00e4tten, das Ergebnis w\u00e4re wohl noch viel deutlicher gegen die Olympia-Bewerbung ausgefallen. So kann man dieses Resultat vor allem auch als Sieg der reflektierten Entscheidung gegen stimmungsmachende Werbung sehen, und das sollte in einer Demokratie doch zumindest als gutes Zeichen wahrgenommen werden, finde ich. Dass die schmollenden Abstimmungsverlierer nun ganz im Gegenteil den nicht werbungsh\u00f6rigen B\u00fcrgern die M\u00fcndigkeit abzusprechen versuchen, zeigt, welch pervertiertes Demokratieverst\u00e4ndnis dort vorliegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg hat abgestimmt in Form eines Referendums, ob die Stadt sich als Austragungsort f\u00fcr die Olympischen Spiele 2024 bewerben soll. Das Ergebnis d\u00fcrfte die meisten \u00fcberrascht haben, denn 51,6 % der abgegebenen g\u00fcltigen Stimmen lehnten die Bewerbung ab. Und dabei hatten sich doch die Bef\u00fcrworter so sicher gef\u00fchlt und eine riesige PR-Kampagne auf allen Kan\u00e4len losgetreten, die aber letztlich dann doch nicht zum Erfolg f\u00fchrte. 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