{"id":4440,"date":"2016-01-05T12:46:26","date_gmt":"2016-01-05T11:46:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4440"},"modified":"2016-01-05T12:49:24","modified_gmt":"2016-01-05T11:49:24","slug":"12-years-a-slave","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4440","title":{"rendered":"12 Years A Slave"},"content":{"rendered":"<p>Einen wirklich beeindruckenden Film hat Regisseur\u00a0<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm1055413\/?ref_=tt_ov_st_sm\" target=\"_blank\">Steve McQueen<\/a>\u00a0(nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schauspieler)\u00a0mit <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt2024544\/?ref_=nv_sr_1\" target=\"_blank\">\u201e12 Years A Slave\u201c<\/a> (2013, 134 Min.) geschaffen, der allerdings alles andere als leichte Kost f\u00fcr eine beschwingte Abendunterhaltung ist. Das Thema ist n\u00e4mlich ein sehr ernstes: Es geht um das Schicksal eines Sklaven in den S\u00fcdstaaten der USA in der Zeit vor dem B\u00fcrgerkrieg, was McQueen in gro\u00dfartigen Bildern und mit tollen Schauspielern umsetzt. Besonders beklemmend dabei: Es handelt sich um die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Solomon Northup, in dem dieser schilderte, was ihm selbst widerfahren ist &#8211; es handelt sich also nicht um Fiktion, sondern um eine wahre Begebenheit.<\/p>\n<p>Zur Story: Solomon Northup, dargestellt von <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0252230\/?ref_=tt_cl_t1\" target=\"_blank\">Chiwetel Ejiofor<\/a>, lebt als freier Mann in der Gegend von New York, wo er mit seiner Familie ein sch\u00f6nes Haus bewohnt, als selbstst\u00e4ndiger Tischler arbeitet und nebenbei leidenschaftlich als Violinist t\u00e4tig ist. Eines Tages wird er von zwei M\u00e4nnern gefragt, ob er diese auf einer Art kleiner Tournee mit einem Zirkus begleiten k\u00f6nnte. Northup willigt ein, wird am Ende dann allerdings mit Alkohol derart abgef\u00fcllt, dass er die Besinnung verliert. Als er wieder zu sich kommt, findet er sich angekettet in einem Verlies wieder, von wo aus er in die die S\u00fcdstaaten und damit in die Sklaverei verkauft werden soll.<\/p>\n<p>Nun nimmt Solomons Leidensgeschichte ihren Lauf, denn als Afroamerikaner gilt sein Wort in den S\u00fcdstaaten nichts, er ist dort lediglich ein Sklave wie jeder andere Dunkelh\u00e4utige auch. Was er nun erlebt, ist eine Folge von Grausamkeiten und menschenunw\u00fcrdiger Behandlung, gipfelnd in seiner Zeit bei dem sadistischen Fiesling Edwin Epps, gro\u00dfartig und absolut \u00fcberzeugend dargestellt von <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm1055413\/?ref_=tt_ov_st_sm\" target=\"_blank\">Michael Fassbender<\/a>. Auch wenn der Titel des Filmes sowie die Tatsache, dass Solomon Northup seine Geschichte aufschreiben konnte, schon den Ausgang des Films ein St\u00fcck weit nahelegen, will ich nun allerdings nicht weiter spoilern &#8230;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch immer wieder Menschen, die eine gewisse Barmherzigkeit gegen\u00fcber Solomon und den anderen Sklaven zeigen, allerdings sind auch diese letztlich in einem System involviert, dass Sklaverei toleriert und somit Menschen zweiter Klasse als etwas ganz Normales empfinden &#8211; was deren vermeintliche Empathie dann schon relativiert, wie ich finde. Die allt\u00e4gliche Grausamkeit und Menschenverachtung sind vor allem vor dem Hintergrund, dass hier reale Ereignisse wiedergegeben werden,\u00a0schon recht starker Tobak, sodass hier eine andere Art von Nachhall erzeugt wird als beispielsweise bei Quentin Tarantinos\u00a0<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1853728\/?ref_=nv_sr_1\" target=\"_blank\">\u201eDjango Unchained\u201c<\/a>,\u00a0in dem es zwar\u00a0ebenfalls um Sklaverei in den USA geht, der allerdings auch humorige Einlagen aufweist und zudem von den f\u00fcr Tarantino \u00fcblichen \u00dcberzeichnungen lebt (was jetzt gar keine schlechte Beurteilung sein soll, denn ich fand auch \u201eDjango Unchained\u201c ausgesprochen sehenswert, nur eben auf eine ganz andere Art und Weise).<\/p>\n<p>Bei mir war das vorherrschende Gef\u00fchl nach dem Betrachten des Films Fassungslosigkeit: Wie konnte ein Land, das sich selbst als zivilisiert und freiheitlich bezeichnet, dabei auch noch vermeintlich christliche Werte hochh\u00e4lt, vor nicht einmal 200 Jahren ganz selbstverst\u00e4ndlich derartige Barbarei im gro\u00dfen Stil zulassen? Und es ist ja nicht so, dass nach dem Sieg der n\u00f6rdlichen Unionsstaaten gegen die Armee der Konf\u00f6derierten im <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1853728\/?ref_=nv_sr_1\" target=\"_blank\">US-amerikanischen B\u00fcrgerkrieg von 1861 bis 1865<\/a>\u00a0nun das Thema durch gewesen w\u00e4re, denn \u00fcbler Rassismus, gerade in den s\u00fcdlichen US-Bundestaaten, besteht ja zum Teil noch bis heute fort.<\/p>\n<p>Die immense Menschenverachtung, die Solomon Northup entgegenschl\u00e4gt, nachdem er als Sklave klassifiziert wurde, ist best\u00e4ndig und eindr\u00fccklich sp\u00fcrbar, und dass (so zumindest mein Eindruck) hier wenig Besch\u00f6nigendes dargestellt wird, macht den Film so sehenswert, wenngleich\u00a0auch teilweise schwer ertragbar. Demzufolge gibt&#8217;s von mir eine klare Empfehlung, sich auf diese Weise mal mit einem der finsteren Kapitel US-amerikanischer Geschichte zu besch\u00e4ftigen, dass auf diese Weise eine ad\u00e4quate filmische\u00a0Aufarbeitung erf\u00e4hrt, die allerdings so bei vielen US-Amerikanern anscheinend noch nicht stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Zwei Anmerkungen noch: Als erster Film, der sich mit der Geschichte der Sklaverei in den USA besch\u00e4ftigt und keinen wei\u00dfen Hauptdarsteller hat, konnte\u00a0\u201e12 Years A Slave\u201c\u00a0den Oscar als\u00a0\u201eBester Film\u201c einheimsen (erstmalig wird damit auch mit Steve McQueen ein afroamerikanischer Regisseur in dieser Kategorie ausgezeichnet),\u00a0zwei weitere Oscars\u00a0gab es f\u00fcr das\u00a0\u201eBeste adaptierte Drehbuch\u201c sowie f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm2143282\/?ref_=ttfc_fc_cl_t38\" target=\"_blank\">Lupita Nyong&#8217;o<\/a> als\u00a0\u201eBeste weibliche Nebendarstellerin&#8220;.\u00a0Zudem ist zum Ende des Films Mitproduzent <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/name\/nm0000093\/?ref_=ttfc_fc_cl_t53\" target=\"_blank\">Brad Pitt<\/a> in einer kleineren Nebenrolle zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einen wirklich beeindruckenden Film hat Regisseur Steve McQueen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Schauspieler) mit \u201e12 Years A Slave\u201c (2013, 134 Min.) geschaffen, der allerdings alles andere als leichte Kost f\u00fcr eine beschwingte Abendunterhaltung ist. 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