{"id":4678,"date":"2016-02-06T09:36:23","date_gmt":"2016-02-06T08:36:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4678"},"modified":"2020-03-04T11:30:24","modified_gmt":"2020-03-04T10:30:24","slug":"auch-wer-nichts-tut-bewirkt-etwas-aber-was-ueber-demokratie-und-verantwortung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4678","title":{"rendered":"Auch wer nichts tut, bewirkt etwas &#8211; aber was? \u00dcber Demokratie und Verantwortung"},"content":{"rendered":"<p>Aus meinen t\u00e4glichen Netzausfl\u00fcgen ziehe ich ein einfaches Res\u00fcmee: Viele Menschen sind unzufrieden mit Regierung und Politik. Das ist aus meiner Sicht mehr als verst\u00e4ndlich. Und immer wieder kommt auch bei mir die Frage auf: Was kann ich selbst eigentlich bewirken, um etwas zum Positiven zu ver\u00e4ndern? 2016 stehen mehrere Landtagswahlen an, 2017 Bundestagswahlen. Zeit also, sich zu informieren, zu vergleichen, zu entscheiden. Was man aber nicht tun kann, ist Nichtstun.<\/p>\n<p>Gestern stolperte ich in eine Diskussion auf Facebook, die mich mal wieder \u00fcberrascht hat. Die Person, die dort postete, sprach sich gegen TTIP aus und hatte dazu auch gleich den passenden Vorschlag, wie man dies verhindern k\u00f6nne: durch Nichtw\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Um ehrlich zu sein, habe ich selten D\u00fcmmeres gelesen.<\/p>\n<p>Nun bin ich auch ziemlich kritisch, was Arbeit und Wirken von Regierung und Opposition angeht. \u00dcber vieles bin ich ver\u00e4rgert und entt\u00e4uscht. Und auch bei mir hat sich eine Politikverdrossenheit eingestellt. Ich habe zwar schon im Hinterkopf, welche Stimme ich wann wem gebe, aber ich werde mir meine Optionen bis zuletzt offenhalten. Zu vieles passiert in letzter Zeit Schlag auf Schlag, Richtungen und Programme ver\u00e4ndern sich entsprechend st\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Gehe ich aus tiefster \u00dcberzeugung f\u00fcr eine Partei w\u00e4hlen? Nein. Ich mache das, was ich schon immer mache: Ich w\u00e4hle das f\u00fcr mich geringere \u00dcbel. Anders &#8211; also mit etwas mehr Begeisterung &#8211; w\u00e4re es mir freilich lieber, aber ich habe auch im Laufe meines Lebens eingesehen, dass \u201edie Regierung\u201c, \u201edie Partei\u201c etc. letztlich nur aus Menschen bestehen. Und diese sind auch nicht anders oder besser als andere Menschen. Also versuche ich, auf dem Teppich zu bleiben, was Erwartungen angeht.<\/p>\n<p><strong>Wahlverweigerung ist gef\u00e4hrlich<\/strong><\/p>\n<p>Man sollte glauben, dass jedes Kind es wei\u00df, aber dem scheint ja nicht so zu sein: Auch wer nicht w\u00e4hlen geht, entscheidet mit!<\/p>\n<p>Nehmen wir also Partei A (demokratisch orientiert) und Partei B (mit antidemokratischen Tendenzen). Partei A ist \u201eetabliert\u201c, hat aber im Laufe der Zeit entt\u00e4uscht. Die Stammw\u00e4hler sind sauer. Nun wollen sie \u201edenen da oben\u201c mal einen Denkzettel verpassen und gehen nicht mehr w\u00e4hlen. Partei B hingegen schafft es, ihre W\u00e4hler zu mobilisieren. Vorher hatten Partei A und Partei B je 50 % der Stimmen. Jetzt w\u00e4hlen davon nur noch die H\u00e4lfte der Leute, diese aber alle Partei B. Wie viel Prozent bekommt nun Partei B? 100 %? Huch?! Noch Fragen?<\/p>\n<p><strong>Das moralische \u201eMuss\u201c in einer Demokratie<\/strong><\/p>\n<p>Sicher, formal hei\u00dft es \u201eWahlrecht\u201c und nicht \u201eWahlpflicht\u201c. Wenn ich aber solche Kommentare lese, werde ich direkt sauer:<\/p>\n<p>\u201eWer w\u00e4hlen will, kann das gerne tun. Den erhofften Unterschied wird es wohl nicht machen. Bin weder daf\u00fcr, noch dagegen. Ist wie Joggen &#8211; wem es gef\u00e4llt, kann es gerne machen. Es ist weder obligatorisch, noch verheerend.\u201c<\/p>\n<p>(Entnommen aus o.\u00a0g. Facebook-Diskussion.)<\/p>\n<p>Nein, W\u00e4hlen ist nicht wie Joggen. Es ist auch nicht vergleichbar mit der Frage: \u201eSchaue ich heute Tatort oder Topmodel?\u201c W\u00e4hlen ist ein wesentliches Merkmal einer Demokratie und kein Freizeitsport. Es ist ein Vorrecht, ein Privileg und Teil der Verantwortung, die man \u00fcbernimmt, wenn man in solch einer Staatsform lebt.<\/p>\n<p>Es ist doch schon traurig genug, dass sich viele Menschen \u00fcberhaupt nicht mal im Ansatz f\u00fcr Politik und Wahlen interessieren, generell geringe Wahlbeteiligungen legen das zumindest nahe. Aber von Menschen, die immerhin halbwegs nachdenken (und das kann man hier implizieren, auch wenn das o.\u00a0g. Diskussionsthema auf Facebook f\u00fcr mich fragw\u00fcrdig ist, aber immerhin wird diskutiert), erwarte ich doch etwas mehr Grips und Verantwortungsgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Wir sind vielleicht auch zu bequem geworden, und Kritik zu \u00fcben ist einfach und in gewisser Weise auch eine Art Freizeitsport geworden, aber: Freiheit &#8211; und das verbinden wir doch mit einer Demokratie &#8211; w\u00e4chst nicht auf B\u00e4umen und sollte nicht als selbstverst\u00e4ndlich betrachtet werden. Sie mag mit vielen M\u00e4ngeln behaftet sein, aber dennoch gibt es f\u00fcr unsere jetztige Form des demokratischen Zusammenlebens aktuell keine bessere Alternative.<\/p>\n<p>Auch ist es anscheinend einfacher, \u201eBedrohungen\u201c der Demokratie von au\u00dfen zu sehen (Kriege, Fl\u00fcchlingsstr\u00f6me &#8230;), doch vergessen wir doch dabei nicht, dass wir selbst auch die moralische Verpflichtung haben, ein Mindestma\u00df an Mitgestaltung zu leisten, darin besteht die Verantwortung jedes Einzelnen.<\/p>\n<p>Also, Leute, informiert Euch, seid aktiv und macht Euer Kreuzchen. Nur macht eins nicht: nichts.<\/p>\n<p>PS: Wahltermine gibt es hier zu sehen: <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/wahltermine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.bundestag.de\/wahltermine<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus meinen t\u00e4glichen Netzausfl\u00fcgen ziehe ich ein einfaches Res\u00fcmee: Viele Menschen sind unzufrieden mit Regierung und Politik. Das ist aus meiner Sicht mehr als verst\u00e4ndlich. Und immer wieder kommt auch bei mir die Frage auf: Was kann ich selbst eigentlich bewirken, um etwas zum Positiven zu ver\u00e4ndern? 2016 stehen mehrere Landtagswahlen an, 2017 Bundestagswahlen. Zeit also, sich zu informieren, zu vergleichen, zu entscheiden. Was man aber nicht tun kann, ist Nichtstun.<\/p>\n<p>Ein Gastbeitrag von Tina Voggenreiter.<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,52],"tags":[159,229],"class_list":["post-4678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","category-soziales","tag-eigeninitiative","tag-wahl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4678"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4678\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19704,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4678\/revisions\/19704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}