{"id":4714,"date":"2016-02-13T11:20:03","date_gmt":"2016-02-13T10:20:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4714"},"modified":"2016-02-13T11:20:03","modified_gmt":"2016-02-13T10:20:03","slug":"bedingungsloses-grundeinkommen-und-die-arbeitsmotivation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4714","title":{"rendered":"Bedingungsloses Grundeinkommen und die Arbeitsmotivation"},"content":{"rendered":"<p>Auf dem Internetportal\u00a0<em>YouGov.de<\/em> wird das <a href=\"https:\/\/yougov.de\/news\/2016\/02\/11\/mehrheit-halt-bedingungsloses-grundeinkommen-grund\/\" target=\"_blank\">Ergebnis einer Umfrage zum bedingungslosen Grundeinkommen<\/a> pr\u00e4sentiert, aus der hervorgeht, dass die generelle Zustimmung dazu von 2015 auf 2016 recht deutlich zugenommen hat. So weit, so erfreulich, allerdings lohnt es sich auch, einen Blick darauf\u00a0zu werfen, warum viele Menschen ein derartiges Grundeinkommen ablehnen.<\/p>\n<p>Dass Skepsis bez\u00fcglich der Finanzierbarkeit bestehen, ist f\u00fcr mich durchaus nachvollziehbar, da es dabei ja doch um derart gro\u00dfe Summen geht, die die Vorstellungskraft der meisten Leute \u00fcbersteigen d\u00fcrften. Zudem w\u00e4re in der Tat bei einem bedingungslosen Grundeinkommen eine komplett andere Gestaltung der staatlichen Finanzen notwendig, sodass hierf\u00fcr schon differenzierte Konzepte ausgearbeitet werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Die Sichtweise, die als Einzelnes immer noch die meisten Befragten teilen, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen abzulehnen sei, da die Menschen dann keine Motivation mehr h\u00e4tten, arbeiten zu gehen, finde ich schon ein wenig erschreckend fantasielos und wenig vorausschauend. Hier zeigt sich dann n\u00e4mlich deutlich, wie sehr wir in dem Fetisch gefangen sind, dass Menschen eben 40 Stunden in der Woche arbeiten m\u00fcssten &#8211; egal, ob nun genug Arbeit daf\u00fcr vorhanden ist oder nicht. Und genau das ist ja zurzeit ein Problem in unserer Volkswirtschaft: Wir haben nicht mehr genug Arbeit f\u00fcr alle, wenn jeder 40 Stunden in der Woche arbeitet, und das, obwohl die Produktivit\u00e4t nach wie vor steigt. Klar, das ist eben durch den technischen Fortschritt bedingt.<\/p>\n<p>Doch anstatt dass diese technischen Entwicklungen genutzt werden, die Arbeitsverh\u00e4ltnisse f\u00fcr alle zu verbessern, bleiben die einzelnen T\u00e4tigkeiten vom zeitlichen Umfang her gleich, sodass eben etliche Menschen \u00fcberhaupt keine Besch\u00e4ftigung mehr finden. Fortschritt wird eben vor allem\u00a0dazu verwendet, Profite Einzelner zu erh\u00f6hen, anstatt Lebensbedingungen in der Breite zu verbessern. Und diese Haltung ist mittlerweile bei vielen Menschen derart selbstverst\u00e4ndlich vorhanden, was sich dann eben in der Aussage widerspiegelt, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Arbeitsmotivation senken w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich bin ja der Ansicht, dass die allermeisten Menschen durchaus gern einer T\u00e4tigkeit nachgehen (es mag psychische Erkrankungen geben, wo das nicht der Fall ist) bzw. nachgehen w\u00fcrde, wenn sie denn die M\u00f6glichkeit dazu h\u00e4tten. Daf\u00fcr w\u00e4re es m. E. sinnvoll, die in einer Gesellschaft notwendige Arbeit einigerma\u00dfen gleichm\u00e4\u00dfig so auf alle Mitglieder zu verteilen, dass f\u00fcr jeden ein gutes Auskommen und ausreichend freie Zeit dabei herauskommen. Davon sind wir zurzeit leider sehr, sehr weit entfernt: Einige Menschen arbeiten bis zum Umfallen, machen \u00dcberstunden und leisten Mehrarbeit, sodass neben der Arbeit kaum noch Zeit f\u00fcr andere Besch\u00e4ftigungen bleibt, andere hingegen sitzen den ganzen Tag nur rum, w\u00fcrden gern was Sinnvolles machen, aber finden keine T\u00e4tigkeit. Wieder andere scheffeln mehr Geld, als sie jemals werden ausgeben k\u00f6nnen, wohingegen es immer mehr Menschen gibt, die von existenziellen finanziellen Problemen geplagt sind &#8211; nicht wenig von ihnen, obwohl sie Vollzeit arbeiten.<\/p>\n<p>Und diese Verh\u00e4ltnisse werden mittlerweile von den meisten als quasi gottgegeben hingenommen, obwohl sie eigentlich vollkommen idiotisch sind.\u00a0Wenn nun also ein bedingungsloses Grundeinkommen dazu f\u00fchren w\u00fcrde, diese Strukturen ordentlich durcheinanderzubringen, dann w\u00e4re das doch im Grunde nur positiv, finde ich. Wenn dadurch die Motivation, eine unangenehme und dazu noch mies bezahlte Arbeit anzunehmen, sinken w\u00fcrde, so w\u00e4re das doch eher positiv zu bewerten, da dann eben unangenehme T\u00e4tigkeiten auch entsprechend entlohnt werden m\u00fcssten &#8211; und es w\u00e4re zudem\u00a0noch ein Unterschied zum derzeitigen Status quo, ob man etwas vier statt\u00a0acht Stunden am Tag macht und trotzdem gut \u00fcber die Runden kommt.<\/p>\n<p>Ein bedingungsloses Grundeinkommen w\u00fcrde einen gro\u00dfen Schritt hin zu mehr Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr alle bedeuten und dadurch letztlich wohl auch zu einer produktiveren Gesellschaft f\u00fchren. Dazu m\u00fcssten nur vor allem jahrelang zementierte Denkstrukturen und Meinungsbilder ab- und aufgel\u00f6st werden, die uns die Fetischisierung der 40-Stunden-Woche und dass nur der was z\u00e4hlt, der m\u00f6glichst viel bezahlte Arbeit verrichtet, eingebrockt haben. Dass es dabei zumindest langsam in eine richtige Richtung geht, das ist der positive Aspekt, den man aus dem Ergebnis der oben verlinkten Umfrage ableiten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf dem Internetportal YouGov.de wird das Ergebnis einer Umfrage zum bedingungslosen Grundeinkommen pr\u00e4sentiert, aus der hervorgeht, dass die generelle Zustimmung dazu von 2015 auf 2016 recht deutlich zugenommen hat. 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