{"id":4803,"date":"2016-02-24T12:07:37","date_gmt":"2016-02-24T11:07:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4803"},"modified":"2019-02-01T19:35:11","modified_gmt":"2019-02-01T18:35:11","slug":"armut-in-deutschland-darf-laut-spiegel-nicht-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4803","title":{"rendered":"Armut in Deutschland darf laut Spiegel nicht sein"},"content":{"rendered":"<p>Vor gut einem halben Jahr schrieb ich hier auf\u00a0<em>unterstr\u00f6mt<\/em> ja bereits einen <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=3181\" target=\"_blank\">Artikel<\/a>, der sich mit der Armut in Deutschland besch\u00e4ftigt. Nun ist gerade der j\u00e4hrliche\u00a0\u201eBericht zur Armutsentwicklung in Deutschland\u201c vom Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverband erschienen (hier die <a href=\"http:\/\/www.der-paritaetische.de\/armutsbericht\/\" target=\"_blank\">Pressemitteilung<\/a> dazu), der erneut nicht so recht in das medial und vonseiten der Politik vermittelte Bild, Deutschland w\u00fcrde es ja so gut gehen, passen will. Es kann nicht sein, was nicht sein darf &#8211; und schon wird dagegen auf unlauterste Art und Weise von den neoliberalen Schreiberlingen unserer sogenannten Qualit\u00e4tsmedien verbal geschossen, allen voran von Guido Kleinhubbert vom\u00a0<em>Spiegel<\/em>.<\/p>\n<p>In einem Kommentar, der von Unsachlichkeit nur so strotzt, versucht er doch tats\u00e4chlich, diesen Armutsbericht, der eben Dinge mit Zahlen belegt, die nicht in Kleinhubberts neoliberales Weltbild passen, zu diskreditieren, indem er ihn als \u201eUnterst\u00fctzung f\u00fcr AfD und Co.\u201c brandmarkt und als\u00a0\u201eSchwarzmalerei\u201c sowie\u00a0\u201egef\u00e4hrliche[n] Blues vom bitterarmen Deutschland\u201c herabw\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>Treffend dazu die Antwort vom derart kritisierten Verbandschef Ulrich Schneider auf seinem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ulrich.schneider.79\/posts\/1003065783118884\" target=\"_blank\"><em>Facebook<\/em>-Profil<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Jetzt brennen wohl bei einigen neoliberalen Hardlinern endg\u00fcltig alle journalistischen Sicherungen durch&#8230; Sehen wir mal von den zahlreichen sachlichen Fehlern in dem kurzen Kommentar ab &#8211; von den armen Studenten etwa oder davon, dass nach dem relativen Armutskonzept immer irgendjemand unter die Armutsgrenze fallen m\u00fcsse, &#8230;. Jetzt fangen die Neoliberalen sogar schon an, die Nazi-Keule zu schwingen, um uns zum Schweigen zu bringen: &#8218;Wer von Armut spreche, unterst\u00fctze letztlich AfD, NPD und Pegida, und handle deshalb unverantwortlich.&#8216; &#8230;. Eine offensive Sozialpolitik ist die beste Pr\u00e4vention gegen Rechtsextreme &#8230; Wer gegen Rechts ist, Herr Kleinhubbert, darf Armut nicht totschweigen, sondern mu\u00df sie bek\u00e4mpfen. Und es sind Menschen wie Sie, die offenbar genau das nicht wollen &#8230;<\/p><\/blockquote>\n<p>Und auch ein Kommentar von JK auf den <em>NachDenkSeiten<\/em>, wo in den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=31543#h01\" target=\"_blank\">Hinweisen des Tages<\/a> auf das Geschreibe von Kleinhubbert als Negativbeispiel hingewiesen wird, trifft den Nagel auf den Kopf:<\/p>\n<blockquote><p>Was f\u00fcr ein mieses St\u00fcck Meinungsmache. Die herrschenden Eliten scheinen das Thema jedenfalls zu f\u00fcrchten, sonst w\u00fcrden sie nicht ihre Lohnschreiber von der Kette lassen. Die Masche der \u201eQualit\u00e4tsmedien\u201c ist inzwischen wohl bekannt. Jede Kritik an den sozialen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse soll in die rechte Ecke gestellt und so delegitimiert werden. Es ist die gleiche Masche, die bereits die Proteste gegen das Freihandelsabkommen TTIP in die rechte und nationalistische Ecke stellte und die gleiche Masche, die den NachDenkSeiten andichtet, sie seien ein Bestandteil einer rechten Querfront. Niemand sollten auf diesen billigen Trick hereinfallen.<br \/>\nDie Definition von Armut ist nat\u00fcrlich immer abh\u00e4ngig vom sozialen und \u00f6konomischen Kontext. Jemand, der 500 Euro im Monat verdient kann in Litauen vielleicht gut davon leben, in M\u00fcnchen oder Hamburg k\u00f6nnte er vermutlich nicht einmal eine 1-Zimmerwohnung bezahlen. Ist die betreffende Person nun arm oder nicht? Aber solche Differenzierung m\u00fcssen deutsche Qualit\u00e4tsjournalisten nicht tangieren. Hauptsache die neoliberale Gesinnung sitzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bleibt die Frage, was einen Journalisten wie Kleinhubbert dazu treibt, so eindeutig einseitig Stimmung zu machen. Klar, als gut bezahlter Festangestellter beim\u00a0<em>Spiegel<\/em>\u00a0w\u00e4hnt er sich vermutlich noch auf der Gewinnerseite und sympathisiert deswegen als Angeh\u00f6riger der oberen Mittelschicht mit der Oberschicht, da er hofft, irgendwann auch dazuzugeh\u00f6ren &#8211; ein Trugschluss, wenngleich ein weit verbreiteter, wie schon vor gut f\u00fcnf Jahren Ulrike Herrmann in einem <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1288660066399\/Die-Mittelschicht-glaubt-sie-gehoere-zu-den-Reichen\" target=\"_blank\">Interview mit dem\u00a0<em>Standard<\/em><\/a> treffend dargelegt hat. Aber dar\u00fcber jede professionelle Distanz vermissen zu lassen\u00a0ist dann schon reichlich hart, wie ich finde. In jedem Fall sieht man daran, wie weit der\u00a0<em>Spiegel<\/em> mittlerweile von dem progressiven Journalismus entfernt ist, der das Blatt vor Jahrzehnten einmal ausgezeichnet und zu einer anerkannten kritischen Stimme im Land hat werden lassen. Selbst in der\u00a0<em>FAZ<\/em> oder irgendwelchem\u00a0<em>Springer<\/em>-Kram w\u00fcrde man wohl kaum dreistere Meinungsmache finden als in diesem Kommentar von Kleinhubbert.<\/p>\n<p>Deutlich wird daran vor allem auch: Das Establishment merkt schon, dass es vorn und hinten hakt in unserem Wirtschaftssystem, also werden die Mittel, dieses mit Klauen und Z\u00e4hnen von den eigenen Schreiberlingen\u00a0verteidigen und rechtfertigen zu lassen, auch entsprechend kruder. Und letztlich werden\u00a0durch solche als Journalismus getarnte PR-Schmiererei in einem reichweitenstarken Leitmedium wie dem <em>Spiegel\u00a0<\/em>nicht nur wesentlich mehr\u00a0Menschen\u00a0erreicht, als die Gegendarstellungen dies schaffen d\u00fcrften, sondern es wird zudem die Glaubw\u00fcrdigkeit des Journalismus weiter in den Schmutz gezogen und zudem noch die sinnvolle Arbeit der Verb\u00e4nde, die diesen Armutsbericht herausgeben, diskreditiert. Und da wird es dann nur noch sch\u00e4big &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor gut einem halben Jahr schrieb ich hier auf unterstr\u00f6mt ja bereits einen Artikel, der sich mit der Armut in Deutschland besch\u00e4ftigt. Nun ist gerade der j\u00e4hrliche \u201eBericht zur Armutsentwicklung in Deutschland\u201c vom Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverband erschienen der erneut nicht so recht in das medial und vonseiten der Politik vermittelte Bild, Deutschland w\u00fcrde es ja so gut gehen, passen will. Es kann nicht sein, was nicht sein darf &#8211; und schon wird dagegen auf unlauterste Art und Weise von den neoliberalen Schreiberlingen unserer sogenannten Qualit\u00e4tsmedien verbal geschossen, allen voran von Guido Kleinhubbert vom Spiegel.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67,50,52,51],"tags":[258,486,112,150],"class_list":["post-4803","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medial-manipulatives","category-politisches","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-armut","tag-hartz-iv","tag-rente","tag-vermoegensverteilung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4803"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4805,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4803\/revisions\/4805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}