{"id":4946,"date":"2016-03-31T00:49:17","date_gmt":"2016-03-30T22:49:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4946"},"modified":"2016-04-01T09:29:46","modified_gmt":"2016-04-01T07:29:46","slug":"verstehen-statt-verurteilen-afd-pegida-und-co","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=4946","title":{"rendered":"Verstehen statt verurteilen &#8211; AfD, PeGiDa und Co."},"content":{"rendered":"<p>Es ist ja alles nicht so einfach: An allen Ecken und Enden von Deutschland, Europa und der Welt wird die Gesellschaft polarisiert und zeigt mit dem Finger auf die anderen. Das ist verst\u00e4ndlich, aber aus meiner Erfahrung wenig produktiv und f\u00f6rdert die\u00a0Spaltung der Gesellschaft. Sicherlich ist der Grund f\u00fcr die verurteilende Haltung gegen unsolidarische Gruppen wie AfD-W\u00e4hler oder PeGiDa-Anh\u00e4nger gerechtfertigt, aber am Ende agiere ich dann nicht viel diplomatischer als die verurteilte Gruppe, wenn ich diese kategorisch ablehne und beschimpfe. Oder provokativ geschrieben: Ein links denkender Mensch ist nicht von Haus aus weniger radikal oder mehr einsichtig als ein rechts denkender Menschen und kann genauso schnell ganze Gruppen verurteilen.\u00a0Daher kann das aus meiner Sicht nicht das Mittel der Wahl sein, und es gibt durchaus Alternativen, aber die sind eben nicht\u00a0\u201eso einfach\u201c oder\u00a0\u201emal eben\u201c.<\/p>\n<p><strong>Warum nicht verurteilen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel des Beitrags sagt es ja schon: verstehen statt verurteilen. Das ist zun\u00e4chst einmal einfacher gesagt als getan und auch ein St\u00fcck weit utopisch, denn die Aussichten auf\u00a0einen schnellen Erfolg sind m\u00e4\u00dfig. Aber erst einmal einen Schritt zur\u00fcck. Nehmen wir das Beispiel \u201eAfD-W\u00e4hler\u201c: Das ist genauso wenig eine homogene Gruppe wie die von ihnen selber stigmatisierten Gruppen (z. B.\u00a0\u201eDIE Ausl\u00e4nder\u201c). Was die meisten von ihnen aber eint, ist Angst. Angst vor \u00dcberfremdung, vor Kriminalit\u00e4t und\/oder vor sozialem Abstieg. Auch Wut ist in dem Zusammenhang nur ein anderes Gesicht der gleichen Angst, die aus Ohnmacht und dem Gef\u00fchl, ungerecht behandelt zu werden, resultiert. (Ich stie\u00df erst k\u00fcrzlich \u00fcber den <a href=\"http:\/\/einschlafen-podcast.de\/podcast\/ep-360-meditation-und-der-kleine-prinz\/\" target=\"_blank\">Einschlaf-Podcast Folge 360<\/a>\u00a0auf das Zitat von Meister Yoda aus Star Wars:\u00a0\u201eFurcht f\u00fchrt zu Wut, Wut f\u00fchrt zu Hass. Hass f\u00fchrt zu uns\u00e4glichem Leid.\u201c)<\/p>\n<p>Die Leute haben also Angst\/Furcht und kanalisieren diese\u00a0auf das (vermeintlich) n\u00e4chst schw\u00e4chere Glied in der Gesellschaft. Das ist grundlegend verkehrt und sollte auch auf keinen Fall toleriert oder verteidigt werden! Aber \u201eAngst\u201c an sich ist keine intellektuelle Einstellung oder eine bewusste Entscheidung, sodass man diese nicht einfach abschalten kann. Es ist wie mit dem Hunger oder der H\u00f6henangst: Wenn jemand kommt und sagt: \u201eH\u00f6r jetzt mal auf damit!\u201c, dann hilft das nicht ein St\u00fcck weiter. Aber was hilft weiter?<\/p>\n<p><strong>Was hilft?<\/strong><\/p>\n<p>In der Verhaltenstherapie wird meistens erst einmal mit einer schrittweise N\u00e4herung an die\u00a0Angst ausl\u00f6sende Situation begonnen (sofern es nicht k\u00f6rperliche Ursachen f\u00fcr die Angst gibt). So setzt man die Person mit H\u00f6henangst schrittweise gr\u00f6\u00dferen H\u00f6hen aus. Gleiches sollte im Prinzip auch bei Fremdenangst gehen, denn ich nehme einmal an, dass fast jeder AfD-W\u00e4hler auch einen oder mehrere (f\u00fcr sie)\u00a0\u201egute\u201c Ausl\u00e4nder kennt.\u00a0Ob Arbeitskollege\/Arbeitskollegin, Service aus der D\u00f6nerbude\/dem Restaurant oder auch nur aus dem Fernseher. Okay, das ist ein kleiner Anfang &#8230; ein sehr kleiner Anfang &#8230; aber es ist mehr als das stumpfe Beschimpfen und Verurteilen und in jedem Fall der Versuch, konstruktiv zu wirken.<\/p>\n<p>Auch wenn die Erfahrung uns 1.000-mal gelehrt hat, dass man mit \u201eRechten nicht reden kann\u201c oder \u201edie Ausl\u00e4nder alle faul sind\u201c, so hat auch der 1.001. das Recht auf eine Betrachtung als Individuum und damit die Chance, die bisher gemachten Erfahrungen zu widerlegen. Menschen sind keine Gegenst\u00e4nde, und stumpfe Vergleiche wie\u00a0\u201eSchneidest Du Dich nun auch 1.001-mal an einem Messer, um zu sehen, ob es scharf ist?\u201c kann man sich sparen, denn diese Art der Polarisierung ist es, die uns einander so schnell verurteilen l\u00e4sst. Also noch einmal deutlich: Verurteilen durch Vorurteile kann jeder.<\/p>\n<p>Und warum soll ich solche\u00a0\u201eIdioten\u201c jetzt versuchen zu verstehen? Wo ihre Einstellung doch grundlegend falsch ist? Die Frage beantwortet sich eben anders herum: Was denn sonst? An die Wand stellen? Die\u00a0\u201eSchei\u00dfe rauspr\u00fcgeln\u201c? Mich davorstellen und sie beschimpfen? Wie es schon <em>die \u00c4rzte<\/em> sangen:\u00a0\u201e<a href=\"http:\/\/www.songtexte.fm\/die-arzte\/mitten-in-die-fresse\" target=\"_blank\">Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man Dir das nicht erkl\u00e4rt?<\/a>\u201c (wobei das Zitat hier doch schon b\u00f6se aus dem Zusammenhang gerissen ist *schmunzel*). Und so bleibt nur der m\u00fchsame Weg, sich mit jedem Einzelnen auseinanderzusetzen, ihn zu verstehen und auch seine\u00a0Argumente erst einmal anzuh\u00f6ren. Von jeder Einzelnen und jedem Einzelnen &#8230; (Ich wollte eigentlich auch noch schreiben, dass man sie trotzdem schei\u00dfe finden darf, aber dann kann man sich die Auseinandersetzung mit jemandem auch gleich sparen!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Titel des Beitrags sagt es ja schon: verstehen statt verurteilen. Das ist zun\u00e4chst einmal einfacher gesagt als getan und auch ein St\u00fcck weit utopisch, denn die Aussichten auf einen schnellen Erfolg sind m\u00e4\u00dfig. 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