{"id":5681,"date":"2016-07-04T23:29:06","date_gmt":"2016-07-04T21:29:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=5681"},"modified":"2016-07-05T09:05:41","modified_gmt":"2016-07-05T07:05:41","slug":"zerschlagt-die-konzerne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=5681","title":{"rendered":"Zerschlagt die Konzerne"},"content":{"rendered":"<p>Mit diesem Motto waren schon unsere Eltern und Gro\u00dfeltern auf der Stra\u00dfe. Trotz der immer weiter sinnlos anschwellenden Produktpaletten hat man faktisch kaum eine Wahl, wenn es um den Hersteller geht. Das liegt einfach daran, dass kleinere Unternehmen bei erfolgreichem Agieren, sofort von gr\u00f6\u00dferen Unternehmen aufgekauft werden. Das wurde ja bereits 2014 durch eine Studie der ETH-Z\u00fcrich best\u00e4tigt und bei diesem <a href=\"https:\/\/netzfrauen.org\/2014\/03\/03\/weltherrschaft-weniger-konzerne-wer-mit-wem\/\" target=\"_blank\">Artikel der <em>Netzfrauen<\/em><\/a> schon aufgearbeitet. Und wer sich mal ein wenig bei Lebensmitteln in Deutschland schlau macht, der merkt schnell: Ich kann fast nichts essen, dass nicht von Nestl\u00e9 oder Kraftfood hergestellt wird.<\/p>\n<p>Wer von uns kennt\u00a0das nicht aus eigener Erfahrung:\u00a0Ein brauchbares Unternehmen wird aufgekauft, und es gibt praktisch keine sp\u00fcrbaren Vorteile f\u00fcr den Verbraucher. Im Gegenteil: Es werden Mitarbeiter entlassen, und damit wird der Kundenservice oft schlechter. H\u00e4ufig trifft es aber uns alle, auch wenn wir ein bestimmtes Produkt nicht benutzen oder konsumieren! Hier also ein paar Gr\u00fcnde, warum gerade bei Unternehmen\u00a0\u201eweniger oft mehr \u201c oder\u00a0\u201eQualit\u00e4t der Quantit\u00e4t vorzuziehen\u201c ist:<\/p>\n<p><strong>Kundenservice und Stellenabbau<\/strong><\/p>\n<p>Eine der ersten Ma\u00dfnahmen nach einer Fusionen oder dem \u00dcbernehmen eines Unternehmens: Stellenabbau. Das betrifft nicht nur die Logistik (Transport, Verwaltung, Werbung etc.), sondern auch gern den Kundenservice (telefonischer Support, Reklamationsannahme, Verkaufspersonal etc.). W\u00e4hrend also die Geh\u00e4lter und Boni der verbliebenen Manager in unrealistische Sp\u00e4hren abdriften, werden die Leute entlassen, die den Betrieb wirklich am Laufen halten. Das bedeutet: Im \u201eFachgesch\u00e4ft\u201c sucht man vergeblich nach einem Ansprechpartner, man verbringt teilweise Stunden in der telefonischen Hotline (um anschlie\u00dfend an ungeschultes Personal zu gelangen, was stupide einen Fragebogen abarbeitet), und durch das Zusammenlegen werden gern auch noch Filialen geschlossen.<\/p>\n<p><strong>Produktionsst\u00e4tten, Arbeitsschutz und Lohndumping<\/strong><\/p>\n<p>Was nicht durch Stellenabbau gespart wird, wird durch Verlagerung der Stellen\u00a0\u201eoptimiert\u201c. Zuerst werden Landesregierungen unter Druck gesetzt, um steuerliche Erleichterungen zu erzwingen, und der Belegschaft kann man mit solchen Drohungen ebenfalls Druck machen (siehe dazu auch hier auf unterstr\u00f6mt \u201e<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=1234\" target=\"_blank\">Globale Konzerne vs. nationale Regierungen<\/a>\u201c).\u00a0Durch die dann irgendwann doch kommende Verlagerung der Produktionsst\u00e4tte verl\u00e4ngern sich Lieferwege (was die Umwelt zus\u00e4tzlich belastet), und die regionalen Arbeitspl\u00e4tze entfallen (was zur pers\u00f6nlichen Belastung werden kann und h\u00e4ufig Lohnersatz\/Arbeitslosengeld aus den \u00f6ffentlichen Kassen erfordert). Was diese Verlagerung in die Billiglohnl\u00e4nder f\u00fcr die Arbeiter(innen) vor Ort bedeutet, haben wir alle schon in den thail\u00e4ndischen Textilproduktionsst\u00e4tten, den asiatischen Mobiltelefonzusammenschraubfabriken und bei den kongolesischen Kinderbergwerkbauarbeitern gesehen. Und einig Dinge treffen uns auch ganz pers\u00f6nlich: die Gifte in unseren Textilien und Spielzeugen, die im Produktionsland erlaubt oder geduldet werden, und die Zerst\u00f6rung der Umwelt durch r\u00fccksichtslose Ausbeutung der Natur.<\/p>\n<p><strong>Steuern<\/strong><\/p>\n<p>Auch das ist ein Punkt, der genauso\u00a0diejenigen betrifft, die ein Produkt nicht konsumieren: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/40\/40534\/1.html\" target=\"_blank\">Steuerflucht<\/a>. Da werden in Deutschland Milliardengewinne durch Gro\u00dfkonzerne wie Apple, Starbucks oder Fiat erzielt, und nur der geringste Teil davon wird in Deutschland versteuert. Das l\u00e4uft h\u00e4ufig \u00fcber Patent- oder Lizenzrechte, die an Tochterunternehmen in sogenannten Steueroasen gezahlt und so aus dem zu versteuernden Gewinn herausgerechnet werden. Die fehlenden Steuergelder betreffen das geschlossene Freibad in kleineren Orten genauso wie die seit Jahren nicht ausgebesserte\u00a0Stra\u00dfe mit Schlagl\u00f6chern. Das betrifft die K\u00fcrzungen diverser Sozialleistungen und an Bildungseinrichtungen sowie\u00a0die fehlenden Polizisten und Richter.<\/p>\n<p><strong>Fehlender Konkurrenzkampf und Produktvielfalt<\/strong><\/p>\n<p>Da wird immer von der Vielfalt durch den freien Markt geschwafelt, aber am Ende werfen <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/ministererlaubnis-wie-aus-der-edeka-tengelmann-fusion-ein-eklat-wurde-1.2911655\" target=\"_blank\">Minister die Empfehlung eines Kartellamtes<\/a> \u00fcber den Haufen. Bei den Providern (Internet\/Telefon) in Deutschland ist die Wahl eines regionalen Anbieters vielerorts nicht m\u00f6glich, \u00c4hnliches kann man \u00fcber den Strommarkt behaupten (der sogenannte \u201e<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/erklaer-mir-die-welt-34-warum-sind-monopole-gefaehrlich-1410952.html\" target=\"_blank\">Monopolismus<\/a>\u201c). Gerade hatten wir bei der Bandprobe einen herben R\u00fcckschlag hinzunehmen: Unser favorisiertes Flaschenbier wurde vom Konkurrenten aufgekauft und die Produktion in der Flasche eingestellt. Okay, ein etwas egoistisches Beispiel &#8230; ;)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da wird immer von der\u00a0\u201eunsichtbaren Hand\u201c geschrieben, die den Markt kontrolliert, aber die gibt es nicht! Es gibt die unsichtbaren Gro\u00dfinvestoren und Aktion\u00e4re, die uners\u00e4ttlichen Finanzinstitute und Fondsmanager. Und dort geht es genau um einen einzigen Punkt: Profitmaximierung. Dabei spielen regionale oder nationale Interessen keine Rolle, sondern Rendite. Und das geht immer auf Kosten der Allgemeinheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was kann ich da nun tun?<\/strong><\/p>\n<p>Das Konsumverhalten: Ist das neue Mobiltelefon wirklich n\u00f6tig? Tut es der alte Staubsauger nicht auch prima und muss ich wirklich einen Quadrocopter haben, um damit zwei- bis dreimal zu spielen? Kann der Kaffee nicht auch in Ruhe im B\u00fcro getrunken werden anstatt \u201eto go\u201c? Wann hast Du das letzte Mal etwas\u00a0\u201ezur Reparatur\u201c gegeben, dessen Garantie lange abgelaufen ist?<\/p>\n<p>Alternative Anbieter: Wenn man ein wenig im Internet sucht, gibt es zu vielen Produkten und Dienstleitungen auch alternative kleinere Anbieter (siehe z. B.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=2574\" target=\"_blank\">hier<\/a> auf <em>unterstr\u00f6mt<\/em>). Das bringt mich auch gleich zum n\u00e4chsten Punkt &#8230;<\/p>\n<p>Regional und nachhaltig kaufen: Gerade in puncto Lebensmittel ist der Besuch auf dem Wochenmarkt ein Erlebnis. Das regionale Einkaufen ist bei Elektroartikeln sicherlich kaum m\u00f6glich, aber auch in Sachen Kleidung oder Schmuck, Schuhwerk oder M\u00f6bel gibt es oft regionale Anbieter. So kann man das Regal auch nach 20 Jahren noch weiterverkaufen oder vererben, anstatt \u201eBilly\u201c beim Umzug zu verschrotten. Und der doppelt so teure Pullover aus dem Handwerksladen\u00a0wird wertgesch\u00e4tzt, ist einzigartig und h\u00e4lt achtmal\u00a0so lange wie die Alternative von Kick oder C&amp;A.<\/p>\n<p>Sein Kreuz machen: Hier sitzt der indirekte Hebel, um weit mehr als seine wirtschaftlichen Interessen gewahrt zu wissen! Wenn ich st\u00e4ndig diese wirtschaftsh\u00f6rigen Gro\u00dfparteien mit meiner Stimme bei Wahlen unterst\u00fctze, dann bin ich auch mit schuld am Dilemma. Ich verweise zu gern auf den\u00a0\u201e<a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/politik\/wahlen\/wahl-o-mat\/\" target=\"_blank\">Wahl-O-Mat<\/a>\u201c, um sich selbst einen besseren \u00dcberblick \u00fcber die Deckungsgleichheit mit anderen (kleineren) Parteien zu verschaffen. Das ist schnell gemacht und verr\u00e4t oft mehr, als das Lesen eines Parteiprogramms (wobei Letzteres meines Erachtens meistens wenig mit der Realpolitik der etablierten Gro\u00dfparteien zu tun hat und man auch den Wahl-O-Mat daher eher als Wegweiser nutzen sollte).<\/p>\n<p>Und an das \u201eeine Prozent\u201c: Investiere Deine Millionen und Milliarden doch in etwas, das die Menschheit als Ganzes weiterbringt! Die Rendite \u00fcber Bord werfen, trotzdem genug f\u00fcr ein angenehmes Leben haben, sich nicht mit\u00a0den Geiern mit noch mehr Zaster messen und deshalb f\u00fcr einen weitaus gr\u00f6\u00dferen Teil der Menschen ein\u00a0\u201ecooler Typ\u201c sein (anstatt ein geldgeiler, geistloser, nimmersatter \u201eSchlecht-Mensch\u201c).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit diesem Motto waren schon unsere Eltern und Gro\u00dfeltern auf der Stra\u00dfe. Trotz der immer weiter sinnlos anschwellenden Produktpaletten hat man faktisch kaum eine Wahl, wenn es um den Hersteller geht. Das liegt einfach daran, dass kleinere Unternehmen bei erfolgreichem Agieren sofort von gr\u00f6\u00dferen Unternehmen aufgekauft werden. Und was bedeutet das f\u00fcr die Mehrheit?<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[52,51],"tags":[159,330,155,329,332],"class_list":["post-5681","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-eigeninitiative","tag-fusion","tag-konsumverhalten","tag-konzerne","tag-regional"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5681"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5704,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5681\/revisions\/5704"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}