{"id":5727,"date":"2016-07-08T10:13:22","date_gmt":"2016-07-08T08:13:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=5727"},"modified":"2016-11-07T22:48:02","modified_gmt":"2016-11-07T21:48:02","slug":"landraub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=5727","title":{"rendered":"Landraub"},"content":{"rendered":"<p>Der \u00f6sterreichische Filmemacher Kurt Langbein hat sich mit seiner im M\u00e4rz dieses Jahres herausgekommenen Dokumentation eines sehr wichtigen Themas angenommen: Landraub oder Landgrabbing. Dies hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da die Preise f\u00fcr Lebensmittel seit 2007 etwa deutlich nach angestiegen sind. Da zeitgleich nach der Finanzkrise von 2008 die rentablen Anlagem\u00f6glichkeiten f\u00fcr Investoren immer weniger geworden sind, st\u00fcrzen sich nun alle aufs Agrarland &#8211; mit fatalen Folgen f\u00fcr viele Menschen!<\/p>\n<p>70 % der weltweiten Nahrungsmittel werden von Kleinbauern hergestellt, die dabei zehnmal mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen &#8211; ganz im Gegenteil zur industriellen Landwirtschaft, die zehnmal mehr Energie verbraucht, als sie herstellt. Das sind einige der sehr interessanten und aufschlussreichen Zahlen, die man in dem Film pr\u00e4sentiert bekommt.<\/p>\n<p>Dass Investoren in immer gr\u00f6\u00dferem Stil Land aufkaufen, um dort dann m\u00f6glichst gewinnbringend industrielle Landwirtschaft zu betreiben, hat vor allem f\u00fcr viele Menschen in Afrika und Asien, aber auch in Europa unsch\u00f6ne Konsequenzen. Kurt Langbein l\u00e4sst die\u00a0unterschiedlichsten Menschen, die von der Landwirtschaft leben, zu Wort kommen und begab sich daf\u00fcr nach Kambodscha, Indonesien, Sierra Leone, \u00c4thiopien, aber auch nach London und Rum\u00e4nien. Investoren und Manager von Agrarkonzernen kommen dabei ebenso zu Wort wie Kleinbauern, die von (teilweise mit Gewalt) von ihrem Land vertrieben wurden.<\/p>\n<p>Dabei kommentiert Langbein wenig, sondern liefert nur ab und zu erg\u00e4nzend Zahlen zu den dargestellten Konflikten. So kann sich der Zuschauer selbst ein Bild machen, wie es um unsere globale Landwirtschaft bestellt ist und welche Folgen das Landgrabbing hat. Wobei nat\u00fcrlich einige Perversionen schon eine recht deutliche Sprache sprechen: Menschen m\u00fcssen hungern und verelenden, weil ihnen das Land, welches sie seit Generationen bewohnen und bestellen, weggenommen wird, damit dort nun Palm\u00f6l oder Zuckerrohr angebaut wird, das wir uns dann nach der Verarbeitung in die Tanks unserer Autos sch\u00fctten &#8230;<\/p>\n<p>Doch nicht nur unter ethischen Gesichtspunkten ist der Landraub, der in dem Film vom Agrarwissenschaftler und Biobauern Felix Prinz zu L\u00f6wenstein treffend auch als\u00a0\u201eKolonialismus 2.0\u201c bezeichnet wird, ausgesprochen fragw\u00fcrdig, sondern auch unter \u00f6kologischen Aspekten. Die Monokulturen, denen oftmals die Zerst\u00f6rung von gro\u00dfen Fl\u00e4chen Regenwaldes vorangeht, zerst\u00f6ren die Biodiversit\u00e4t und beschleunigen durch den Humusabbau zudem noch den Klimawandel. Und wozu? Es geht nat\u00fcrlich wieder mal ums Geldverdienen, und da werden ja bekanntlich keine Gefangenen mehr gemacht in unserem marktradikalen Kapitalismus.<\/p>\n<p>Dass es auch anders geht, zeigt dann ein Beispiel in \u00c4thiopien, wo Kleinbauern dabei unterst\u00fctzt werden, ihre traditionellen Anbaumethoden zu optimieren, damit sie sich nicht nur ern\u00e4hren k\u00f6nnen, sondern auch noch etwas zum Verkauf produzieren. Nur l\u00e4sst sich damit nat\u00fcrlich keine Rendite f\u00fcr Anleger erwirtschaften &#8230;<\/p>\n<p>In 92 Minuten bekommt man auf eindr\u00fcckliche Art und Weise vermittelt, wie gro\u00df das Problem das Landgrabbings mittlerweile global gesehen ist. Das macht streckenweise w\u00fctend und frustriert auch, dennoch ist es ein wichtiges Thema, \u00fcber das hierzulande noch viel zu wenig berichtet wird, und dass, obwohl unser Lebensstil bzw. dessen Aufrechterhaltung urs\u00e4chlich daf\u00fcr verantwortlich ist, dass immer mehr Menschen von ihrem Land vertrieben und so in der Regel dem Elend preisgegeben werden. Und vor allem wird auch deutlich angesprochen, wie EU-Politik den Landraub bef\u00f6rdert\u00a0&#8211; die sogenannte westliche Wertegemeinschaft l\u00e4sst mal wieder gr\u00fc\u00dfen!<\/p>\n<p>Einen Trailer des Films kann man sich <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9SNlMP_GMk8\" target=\"_blank\">hier auf <em>YouTube<\/em><\/a> anschauen, die DVD bekommt man zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/movie\/detail\/-\/art\/landraub\/hnum\/8473504\" target=\"_blank\">hier bei JPC.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00f6sterreichische Filmemacher Kurt Langbein hat sich mit seiner im M\u00e4rz dieses Jahres herausgekommenen Dokumentation eines sehr wichtigen Themas angenommen: Landraub oder Landgrabbing. Dies hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da die Preise f\u00fcr Lebensmittel seit 2007 etwa deutlich nach angestiegen sind. 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