{"id":6337,"date":"2016-10-04T23:19:49","date_gmt":"2016-10-04T21:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6337"},"modified":"2016-10-04T23:19:49","modified_gmt":"2016-10-04T21:19:49","slug":"we-feed-the-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6337","title":{"rendered":"We Feed The World"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich sah ich den Film\u00a0<a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0478324\/?ref_=fn_al_tt_1\" target=\"_blank\">\u201eWe Feed The World\u201c<\/a> von Erwin Wagenhofer, der auch mit seinen Filmen\u00a0\u201eAlphabet\u201c und\u00a0\u201eLet&#8217;s Make Money\u201c f\u00fcr Aufsehen gesorgt hat. Nun mag man sich die Frage stellen, inwiefern eine Dokumentation aus dem Jahr 2005 noch von gro\u00dfer Relevanz sein kann, zumal wenn sie sich mit einem so aktuellen Thema wie der globalen Nahrungsmittelproduktion besch\u00e4ftigt &#8211; ist das dann nicht alles ein wenig veraltet? Mitnichten, und gerade aus dem Umstand, dass der Film schon elf Jahre auf dem Buckel hat, ergibt sich sogar ein besonderer Reiz.<\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst mal zum Film an sich: In der f\u00fcr ihn typischen Art l\u00e4sst Wagenhofer Menschen zu Wort kommen, die auf unterschiedlichste Weise mit Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie zu tun haben oder davon betroffen sind. Er selbst nimmt sich dabei sehr zur\u00fcck und tritt nur sehr indirekt in Erscheinung, indem er einige passende Fakten oder Fragen als Schriftz\u00fcge an den entsprechenden Stellen einblendet. So kann sich der Zuschauer selbst ein Bild von dem Gezeigten machen, selbst wenn die Intention des Filmemachers schon auch hervortritt.<\/p>\n<p>Wagenhofer spricht mit unterschiedlichsten Menschen an unterschiedlichen Orten: So besuchte er Bauern in Nordbrasilien, die in einem Land mit einem der gr\u00f6\u00dften weltweiten Landwirtschaftssektoren an Hunger leiden, begleitet einen Manager eines Agrarkonzerns, der in Rum\u00e4nien die Industrialisierung der Landwirtschaft vorantreiben soll, allerdings privat so gar nichts von den so produzierten Nahrungsmitteln h\u00e4lt, l\u00e4sst den damaligen UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jean_Ziegler\" target=\"_blank\">Jean Ziegler<\/a> zu Wort kommen, der mit deutlichen Worten die globale Ungleichverteilung der Nahrungsmittelverteilung gei\u00dfelt und als bewusst in Kauf genommen bezeichnet, zeigt, wie sich Landwirtschaft und Fischfang in \u00d6sterreich, Spanien und Frankreich ver\u00e4ndert haben, gibt erschreckende Einblicke in die Massengefl\u00fcgelhaltung undl\u00e4sst zu guter Letzt noch den CEO vom Lebensmittelkonzern Nestl\u00e9 zu Wort kommen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich ein Bild, dass die Folgen der Globalisierung f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Menschen in den verschiedenen Regionen unseres Planeten aufzeigt, und dies ist selten ein besonders sch\u00f6nes. Ausbeutung, Umweltzerst\u00f6rung, Tierqual und Vernichtung von Existenzen sind da eher die Regel als die Ausnahme, damit vor allem die Menschen in den industrialisierten Staaten einen gut gedeckten Tisch haben. Auf diese Weise wird uns deutlich vor Augen gef\u00fchrt, wie destruktiv unser Lebensstil ist.<\/p>\n<p>Und das ist er eben auch aktuell immer noch, und das, obwohl nun diese Missst\u00e4nde schon vor mehr als zehn Jahren in einem Film aufgezeigt wurden. Was hat sich seitdem ge\u00e4ndert? Nun, zumindest nichts zum Positiven f\u00fcr diejenigen, die auch in\u00a0\u201eWe Feed The World\u201c als Verlierer dastehen &#8211; ganz im Gegenteil: Die Anzahl derjenigen, die hungern oder keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, w\u00e4chst global weiter. Und auch diejenigen, deren kleinb\u00e4uerliche Lebensgrundlage dank <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wirtschaftspartnerschaftsabkommen\" target=\"_blank\">EPA-Handelsabkommen<\/a>\u00a0vernichtet wird, ist seitdem nur gr\u00f6\u00dfer geworden &#8211; alles zum Wohle des Marktes resp. einiger transnationaler Konzerne.<\/p>\n<p>Es sagt viel \u00fcber die Ignoranz in unserer Gesellschaft aus, dass wir solche Zust\u00e4nde einfach \u00fcber Jahre hinweg hinnehmen, obwohl sie hinreichend dokumentiert und \u00f6ffentlich gemacht wurden.<\/p>\n<p>Und noch eine Sache ist hochinteressant und brandaktuell an der Doku: Es werden n\u00e4mlich dort schon genau die Fluchtursachen thematisiert, die nun dazu f\u00fchrten, dass in den letzten Jahren immer mehr Menschen aus Afrika \u00fcbers Mittelmeer nach Europa zu gelangen versuchen, kumulierend schlie\u00dflich in der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise (die wohl de facto eher eine Humanit\u00e4tskrise ist). Unsere Politiker, die sich davon ja ach so \u00fcberrascht zeigten, h\u00e4tten einfach nur mal von ihren Beratern auf diesen Film aufmerksam gemacht werden m\u00fcssen. Obwohl: Kaum zu glauben, dass einem Filmemacher Dinge bekannt sind, von denen\u00a0dann die Politik zehn Jahre lang nichts mitbekommt, oder?<\/p>\n<p>Insofern ist\u00a0\u201eWe Feed The World\u201c nach wie vor ein wichtiger Film, der aufr\u00fcttelt (wenn man \u00fcber die dort gezeigten Dinge bisher noch nichts wei\u00df) und globale Zusammenh\u00e4nge darstellt. Gute Laune hat man danach zwar nicht unbedingt, aber das sollte einen nicht abhalten, sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen.\u00a0Bei <a href=\"https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/movie\/detail\/-\/art\/We-Feed-the-World\/hnum\/3066887\" target=\"_blank\">JPC<\/a> ist die DVD schon f\u00fcr wenig Geld zu haben &#8211; ein Anschaffung, die sich lohnt, auch damit man den Film dann im Freundeskreis weitergeben oder eventuell eine Schulauff\u00fchrung beim eigenen Nachwuchs (so ab der zehnten Klasse sollte das gut hinhauen) anregen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich sah ich den Film \u201eWe Feed The World\u201c von Erwin Wagenhofer, der auch mit seinen Filmen \u201eAlphabet\u201c und \u201eLet&#8217;s Make Money\u201c f\u00fcr Aufsehen gesorgt hat. Nun mag man sich die Frage stellen, inwiefern eine Dokumentation aus dem Jahr 2005 noch von gro\u00dfer Relevanz sein kann, zumal wenn sie sich mit einem so aktuellen Thema wie der globalen Nahrungsmittelproduktion besch\u00e4ftigt &#8211; ist das dann nicht alles ein wenig veraltet? Mitnichten, und gerade aus dem Umstand, dass der Film schon elf Jahre auf dem Buckel hat, ergibt sich sogar ein besonderer Reiz.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[60],"tags":[183,155],"class_list":["post-6337","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cineastisches","tag-ernaehrung","tag-konsumverhalten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6337"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6337\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6341,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6337\/revisions\/6341"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}