{"id":6384,"date":"2016-10-12T23:56:12","date_gmt":"2016-10-12T21:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6384"},"modified":"2016-10-12T23:56:12","modified_gmt":"2016-10-12T21:56:12","slug":"soziale-medien-ein-hort-der-rechten-radikalisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6384","title":{"rendered":"Soziale Medien &#8211; ein Hort der rechten Radikalisierung?"},"content":{"rendered":"<p>Heute habe ich einen <a href=\"http:\/\/katapult-magazin.de\/de\/artikel\/artikel\/fulltext\/wie-facebook-rassisten-produziert\/\" target=\"_blank\">Artikel von Tim Ehlers<\/a> im Magazin <em>Katapult<\/em> gelesen, in dem es um eine US-amerikanische Studie geht, in der zwei Psychologinnen den\u00a0Zusammenhang zwischen\u00a0<em>Facebook<\/em>-Nutzung und Zustimmung zu rassistischen Positionen untersucht haben. Die Quintessenz: Vielnutzer des sozialen Netzwerks tendieren dazu, auch rassistischen Standpunkten zuzustimmen, da zum einen die Nutzung von\u00a0<em>Facebook\u00a0<\/em>die F\u00e4higkeit zur Konzentration und das Erinnerungsverm\u00f6gen negativ beeinflussen w\u00fcrde und zum anderen viele Nutzer vor allem wegen Zugeh\u00f6rigkeit zu anderen dort Zeit verbringen w\u00fcrden, sodass sie weniger kritisch und mehr zustimmend auch an fremdenfeindliche und rechtslastige Beitr\u00e4ge herangingen und diesen sogar zustimmten.<\/p>\n<p>Und dann ist da ja auch immer noch die Sache mit den in letzter Zeit viel besprochenen sogenannten Filterblasen. Hierzu stie\u00df ich dann (sogar auf <em>Facebook<\/em>) ebenfalls heute\u00a0auf folgenden <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/FAS.research\/photos\/a.128433027214650.21584.116510725073547\/1169562326435043\/?type=3&amp;theater\" target=\"_blank\">Artikel von\u00a0<em>FAS research<\/em><\/a>:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-6391 size-large\" src=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/14206028_1169562326435043_7947731016884489762_o-505x1024.jpg\" alt=\"14206028_1169562326435043_7947731016884489762_o\" width=\"505\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/14206028_1169562326435043_7947731016884489762_o-505x1024.jpg 505w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/14206028_1169562326435043_7947731016884489762_o-148x300.jpg 148w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/14206028_1169562326435043_7947731016884489762_o-768x1558.jpg 768w, https:\/\/www.unterstroemt.de\/wp-content\/uploads\/14206028_1169562326435043_7947731016884489762_o.jpg 1133w\" sizes=\"auto, (max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><\/p>\n<p>Ist es also tats\u00e4chlich so, dass die Internetnutzung, insbesondere in sozialen Medien, die Menschen zunehmen radikalisiert, und das auch noch in die eher rechte Richtung? Wenn man sich so den Rechtsruck in unserer Gesellschaft anschaut und sich dann noch vor Augen f\u00fchrt, wie oft rechte Hetzer lautstark auf\u00a0<em>Facebook<\/em> nach Zustimmung heischen (und diese auch bekommen), dann ist man zun\u00e4chst mal geneigt, dem so zuzustimmen.<\/p>\n<p>Allerdings finde ich auch, dass diese Sichtweise dann doch ein bisschen zu einfach ist.\u00a0Sicher tragen diese Algorithmen zur Blasenbildung bei, doch gibt es ja auch ausgesprochen heterogene Gruppen und Seiten auf <em>Facebook<\/em>, in denen unterschiedliche Meinungen vorkommen. Zudem finden sich auch alle m\u00f6gliche progressiven Seiten und Inhalte dort, zum Beispiel die auch hier oft verlinkten <em>NachDenkSeiten<\/em>, aber auch\u00a0<em>unterstr\u00f6mt<\/em> selbst. Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand aufgrund unseres Blogs auf einmal anf\u00e4ngt, rechte Positionen zu vertreten &#8211; zumindest hoffe ich, dass eher das Gegenteil der Fall ist.<\/p>\n<p>Und wenn ich mir dann anschaue, was mir pers\u00f6nlich\u00a0vorgeschlagen wird von <em>Facebook<\/em> an Seiten, dann hat das wenig mit meiner pers\u00f6nlichen \u201eBlase\u201c zu tun, denn da finden sich beispielsweise oft genug Seiten aus dem AfD-Umfeld &#8230;<\/p>\n<p>Zudem bleibt die Frage, ob diejenigen, die sich in sozialen Medien mit ihresgleichen \u201eJa, genau!\u201c br\u00fcllend einigeln nun ausgerechnet diejenigen sind, die in der nicht virtuellen Welt offen auf andere Menschen zugehen &#8211; oder ob die nicht vielleicht auch dort nur mit Leuten zusammenhocken, die einer \u00e4hnlichen Denkweise und Weltsicht anh\u00e4ngen. Meinungsblasen gibt es n\u00e4mlich nicht nur im virtuellen Raum.<\/p>\n<p>Tja, und dann sind da die US-Amerikaner, die sich so viel \u00fcbers Netz informieren und nun Trump geil finden (was ja auch das Bild in dem Artikel verdeutlichen soll). Das scheint ja nun die These des Autors zu best\u00e4tigen. Doch wie kommt es dann, dass sich der nun \u00fcberhaupt nicht mit Ressentiments um sich schmei\u00dfende Bernie Sandes ausgerechnet bei jungen Menschen, die sich vornehmlich \u00fcber das Internet informieren, so gro\u00dfer Beliebtheit erfreut und nur mit recht unlauteren Mitteln (und viel Unterst\u00fctzung der professionellen journalistischen Medien) um die Kandidatur f\u00fcrs Pr\u00e4sidentenamt gebracht werden konnte? Hier haben sich die Internetinformierer also anscheinend als weitaus weltoffener und progressiverem Denken gegen\u00fcber offener gezeigt als diejenigen, die mehr auf die \u00fcblichen Medien zugreifen.<\/p>\n<p>Ist also anscheinend alles nicht ganz so einfach &#8230;<\/p>\n<p>Insofern sollte man sich also vielleicht eher die Frage stellen,\u00a0was schwerer wiegt: die M\u00f6glichkeit, sein eigenes Weltbild immer wieder zu best\u00e4tigen im Internet, oder aber die M\u00f6glichkeit, mithilfe des Internets medial pr\u00e4sentierte Meinungen zu hinterfragen. Denn auch fr\u00fcher in Zeiten ohne Internet gab es ja schon solche Blasen im gro\u00dfen Stil: Die Amis waren lieb, der Iwan b\u00f6s &#8211; das hat beispielsweise bis in die 80er-Jahre fast jeder in Deutschland einfach so f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen. Und da lassen sich bestimmt auch noch andere Beispiele finden.<\/p>\n<p>Nun kann man noch weitergehend anf\u00fchren, dass die sozialen Medien ein St\u00fcck weit enpolitisierend wirken, da man nicht mehr wie in einer Tageszeitung oder im Radio\/Fernsehen mit Meinungen konfrontiert wurde, die von der eigenen abweichen. Online besteht halt eher die M\u00f6glichkeit, sich h\u00e4ppchenweise nur Inhalte rauszusuchen, die auch das eigene Weltbild best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Eine Entpolitisierung hat allerdings auch\u00a0auch in anderen Medien in den letzten Jahrzehnten\u00a0stattgefunden hat, dar\u00fcber hat Albrecht M\u00fcller mal einiges in seinem Buch \u201eMeinungsmache\u201c geschrieben: Politische Magazine im Fernsehen beispielsweise wurden gek\u00fcrzt, auf sp\u00e4tere Sendetermine gelegt\u00a0oder ganz eingestellt, stattdessen gibt es vermehrt Krawall-Talkshows, in denen wenig Inhalte, aber viel Streitereien vermittelt werden, und Formate wie Dschungelcamp und Castingshows, welche die Menschen vor den Fernseher ziehen. Auch die immer gr\u00f6\u00dfere mediale Pr\u00e4senz (und damit einhergehend auch einger\u00e4umte Wichtigkeit) von Sport-Events geht zulasten von politischer Information, da f\u00fcr diese dann einfach weder beim Sender noch beim Zuschauer Kapazit\u00e4ten vorhanden sind. Es handelt sich hierbei also keineswegs um ein Ph\u00e4nomen, das nur durch die Internetnutzung hervorgerufen wird.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der verk\u00fcrzten, selektiven Wahrnehmung: Diese wird nat\u00fcrlich durch Onlinemagazine und entsprechende Ausgabemedien bef\u00f6rdert: Gerade kleine Smartphone-Displays verf\u00fchren dazu, nur die \u00a0\u00dcberschrift und den Anrisstext zu lesen &#8211; und das war&#8217;s dann. Dieses Verhalten kann man ja auch auf <em>Facebook\u00a0<\/em>oft beobachten, und es gibt ja auch schon entlarvende Artikel, die extra so gestaltet werden, dass in der \u00dcberschrift etwas ganz anderes steht als im Text &#8211; nur damit man anhand der Reaktionen anderer User dann sehen kann, wer mal wieder nur die \u00dcberschrift gelesen hat und sich daraufhin dann (in dem Fall nat\u00fcrlich intendiert unqualifiziert) \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Doch auch dies\u00a0ist ein schon l\u00e4nger bekanntes Vorgehen im Printjournalismus. Da wird eine \u00dcberschrift rausgehauen, und im Text wird das darin Gesagte dann komplett relativiert, was aber nicht so viel ausmacht, wenn die \u00dcberschrift die Message transportieren soll &#8211; denn die kommt vor allem bei vielen an. Journalisten wissen um die Tendenz des Menschen, oftmals nur die \u00dcberschrift zu lesen, und wenden diese Technik dann entsprechend an.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich verst\u00e4rkt das Internet diese geschilderten Tendenzen, aber das geht eben m. E. in beide Richtungen: Man kann sich einfacher sch\u00f6n nur auf verk\u00fcrzte Parolen zur\u00fcckziehen und die auch en masse geliefert bekommen, man kann sich allerdings auch selbst umfassender informieren als fr\u00fcher, als man nur von Zeitungen und Nachrichtensendungen Vorselektiertes erhalten hat.<\/p>\n<p>Was dann letztlich aus den M\u00f6glichkeiten des Internets gemacht wird, ist die Sache jedes Einzelnen &#8211; wobei die Medienkompetenz nat\u00fcrlich daf\u00fcr sehr wichtig ist, und diese d\u00fcrfte leider kaum gewachsen sein in den letzten Jahren. Zumindest in Schulen ist daf\u00fcr schon lange kein Platz mehr, da dort ja vor allem gut funktionieren Humanressourcen herangezogen werden sollen, und dabei w\u00e4re m. E. ein eigenes Schulfach Medienkompetenz ausgesprochen wichtig. So liegt es also an uns selbst, Menschen in unserem Umfeld und nat\u00fcrlich auch Kindern entsprechendes Wissen f\u00fcr den Umgang mit unterschiedlichen Medien zu vermitteln. Dann sollte es auch mit\u00a0<em>Facebook<\/em> und Co. klappen, ohne dort gleich in Richtung rechter Radikalisierung abzudriften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute habe ich einen Artikel von Tim Ehlers im Magazin Katapult gelesen, in dem es um eine US-amerikanische Studie geht, in der zwei Psychologinnen den Zusammenhang zwischen Facebook-Nutzung und Zustimmung zu rassistischen Positionen untersucht haben. 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