{"id":6750,"date":"2016-12-07T09:16:50","date_gmt":"2016-12-07T08:16:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6750"},"modified":"2016-12-07T18:51:07","modified_gmt":"2016-12-07T17:51:07","slug":"personalchefs-sind-unzufrieden-mit-uni-absolventen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=6750","title":{"rendered":"Personalchefs sind unzufrieden mit Uni-Absolventen"},"content":{"rendered":"<p>So titelte gestern ein <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/karriere\/berufseinsteiger-personalchefs-sind-unzufrieden-mit-uniabsolventen-a-1124519.html\" target=\"_blank\">Artikel auf\u00a0<em>Spiegel Online<\/em><\/a>.\u00a0\u201eAch was?!\u201c, m\u00f6chte man entgegnen, denn das ist nun, wenn man sich ein wenig in den letzten Jahren mit Bildungspolitik besch\u00e4ftigt hat, eben auch nicht gerade \u00fcberraschend.\u00a0Laut einer Erhebung des Ifo-Instituts seien vor allem die Betriebe, in denen \u00fcberwiegend Absolventen von Bachelor- und Master-Studieng\u00e4ngen besch\u00e4ftigt sind, zunehmend unzufrieden mit deren Kompetenzen: Die Berufseinsteiger seinen\u00a0\u201eunselbstst\u00e4ndig, k\u00f6nnten keine Probleme l\u00f6sen und h\u00e4tten eine schlechte Allgemeinbildung\u201c.<\/p>\n<p>Dabei wurde doch das Bildungssystem extra nach den W\u00fcnschen \u201eder Wirtschaft\u201c umgebaut, indem deren W\u00fcnsche in Form des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bologna-Prozess\" target=\"_blank\">Bologna-Prozesses<\/a>\u00a0ber\u00fccksichtigt wurden. Was bei diesem betriebswirtschaftlich gedachten Mumpitz jedoch nicht ber\u00fccksichtigt wurde, ist, dass man eben den Erwerb von umfassenden Kompetenzen nicht in einer Excel-Tabelle protokollieren und entsprechend umsetzen kann.<\/p>\n<p>Man muss sich ja auch nur mal vor Augen halten, wie heute die Bildungskarriere eines Bachelor-Absolventen aussieht: Nach oftmals nur noch zw\u00f6lf Jahren Schule, in denen durch die zeitliche G8-Verdichtung schon einiges an kognitiven und sozialenKompetenzen nicht mehr vermittelt werden k\u00f6nnen, geht es dann an die dank Bologna verschulte Universit\u00e4t. Um das Abi zu schaffen, m\u00fcssen fast alle Sch\u00fcler heutzutage pauken wie bl\u00f6de und Nachhilfeunterricht bekommen, an der Uni geht&#8217;s dann genauso weiter. Zivildienst oder Bundeswehr gibt es nicht mehr, sodass immer j\u00fcngere Studenten auf eine zunehmend auf Unselbstst\u00e4ndigkeit ausgelegte Hochschulkultur treffen. Ist jetzt nicht so richtig schwer, drauf zu kommen, wieso die Uni-Absolventen dann weniger Hand zur Selbstst\u00e4ndigkeit haben als fr\u00fcher, oder?<\/p>\n<p>Wer letztlich immer nur versucht, sich selbst zu optimieren im Hinblick auf eine berufliche Karriere und Verwertbarkeit, der wird halt schnell zum Fachidioten. Und diese ehrgeizige Lebensplanung geht ja schon fr\u00fch los, oftmals im Kindergartenalter, wenn vermeintlich wohlmeinende Eltern ihre Spr\u00f6sslinge von einem Sprachkurs zum n\u00e4chsten Musikunterricht karren, und das m\u00f6glichst in der gesamten kindlichen Freizeit.<\/p>\n<p>Die Idiotie, die diesem Bildungssystem zugrunde liegt, wird ja auch schon daran ersichtlich, dass PISA das Nonplusultra bei der Bewertung schulischer Qualit\u00e4t ist. Wieder einmal wird versucht (wie eben in der Betriebswirtschaft \u00fcblich), Dinge mit Zahlen zu erfassen und zu vermessen (hier noch mal der Hinweis auf das exzellente <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=sefC_SoG1nc\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4ch von Richard David Precht mit Harald Lesch<\/a> zur Begrenztheit des Vermessungswahns), die eben nicht quantitativer, sondern qualitativer Natur sind. Und dann wird munter drauflos verglichen, sodass vollkommen sinnbefreite Vergleiche von Staaten angestellt werden, die von ihrer ganzen gesellschaftlichen Struktur (und damit auch von der Struktur ihres Bildungswesens) einfach nicht vergleichbar sind. Aber Hauptsache, man kann das dann in ein sch\u00f6nes Ranking packen. China ist in diesem Ranking dann \u00fcbrigens regelm\u00e4\u00dfig ganz vorn mit dabei &#8211; ich m\u00f6chte in jedem Fall nicht mit Sch\u00fclern tauschen, die im chinesischen Bildungsapparat ohne R\u00fccksicht auf Verluste gedrillt werden &#8211; die zahlreichen Suizide von Sch\u00fclern in China sprechen schlie\u00dflich auch eine deutliche Sprache. Treffend wurde dieser Irrsinn vor ein paar Jahren in dem Film\u00a0\u201eAlphabet\u201c dargestellt (hier ein <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GInqHl8MnIU\" target=\"_blank\">Trailer<\/a> dazu, es lohnt sich, sich die DVD zu besorgen).<\/p>\n<p>Wir sehen also, wie\u00a0\u201edie Wirtschaft\u201c mit ihrem eindimensionalen Denken mal wieder nichts auf die Reihe kriegt: Nicht nur dass die Kinder darunter leiden, die in einem zunehmend deformierten Bildungssystem getriezt werden, nun ist es sogar auch noch so, dass nicht einmal die Resultate erzielt werden, die man sich vonseiten der Unternehmen erhoffte, n\u00e4mlich m\u00f6glichst gut verwertbare Humanressourcen zu erhalten. Wenn man hingegen an den sozialen Kompetenzen sowie an einer Ausbildung zum kritischen Denken und m\u00fcndigen Handeln spart, wo es nur geht, dann mag das in einer Excel-Tabelle noch irgendwie Sinn ergeben &#8211; das Resultat in der Realit\u00e4t sieht dann nur bl\u00f6derweise komplett anders aus.<\/p>\n<p>Im radikalisierten Kapitalismus muss sich eben alles der Profitmaximierung unterordnen, und dabei bleiben dann entscheidende Qualit\u00e4ten auf der Strecke &#8211; die umfassende \u00d6konomisierung aller Lebensbereiche funktioniert nun mal in der Praxis nicht. Dass dies dann ausgerechnet von denen beklagt wird, die die Entwicklung in diese Richtung forciert haben, ist ein schlechter Scherz mit reichlich schalem Beigeschmack &#8211; der zudem auf Kosten einer ganzen Generation geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So titelte gestern ein Artikel auf Spiegel Online. \u201eAch was?!\u201c, m\u00f6chte man entgegnen, denn das ist nun, wenn man sich ein wenig in den letzten Jahren mit Bildungspolitik besch\u00e4ftigt hat, eben auch nicht gerade \u00fcberraschend. 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