{"id":7098,"date":"2017-02-03T17:53:41","date_gmt":"2017-02-03T16:53:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=7098"},"modified":"2019-08-25T19:10:50","modified_gmt":"2019-08-25T17:10:50","slug":"lebensmittelverschwendung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=7098","title":{"rendered":"Lebensmittelverschwendung"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich stie\u00df ich auf folgenden Wert: J\u00e4hrlich werden in Deutschland etwa 18 Mio. Tonnen Lebensmittel nicht gegessen, sondern weggeworfen oder anderweitig entsorgt. Das entspricht ungef\u00e4hr einem Drittel der in Deutschland verbrauchten Nahrungsmittel. Ganz sch\u00f6n starker Tobak, oder?<\/p>\n<p>Und als wenn diese Zahl allein schon noch nicht ausreicht, so wird es nicht eben besser, wenn man noch mal ein bisschen genauer dar\u00fcber nachdenkt: Im Jahr 2015, so eine <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF_Studie_Nahrungsmittelverbrauch_und_Fussabduecke_des_Konsums_in_Deutschland.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Studie des WWF<\/a>, lag\u00a0der durchschnittliche Nahrungsverbrauch eines Deutschen bei 679 Kilogramm. Wenn man dies mal zu Grunde legt, dann k\u00f6nnten mit den weggeworfenen Lebensmitteln etwa 26,5 Mio. Menschen sehr gut ern\u00e4hrt werden,\u00a0und zwar dem hohen deutschen Standard entsprechend.<\/p>\n<p>Wenn man sich nun noch \u00fcberlegt, dass hierzulande viele Menschen \u00dcbergewicht haben und sehr viel Nahrung einfach nur so nebenbei zu sich genommen wird (allein schon die\u00a0ganzen\u00a0S\u00fc\u00dfigkeiten, mit denen viele Kinder zu regelrechten Zucker-Junkies gemacht werden), dann d\u00fcrfte die Zahl derjenigen, deren existenzielle Ern\u00e4hrungsbed\u00fcrfnisse mit den 18 Mio. Tonnen weggeworfenem Essen gedeckt werden k\u00f6nnten, wohl noch deutlich h\u00f6her liegen. Ich kann da jetzt nur sch\u00e4tzen, aber ich tippe mal, auf 50 Mio. Menschen k\u00e4me man bestimmt.<\/p>\n<p>Und das muss man sich nun mal auf der Zunge zergehen lassen: 50 Mio. Menschen m\u00fcssten nicht hungern oder unter Mangelern\u00e4hrung leiden, wenn wir bei uns Essen nicht einfach nur f\u00fcr den M\u00fcll produzieren w\u00fcrden. Das ist schon ein bisschen pervers, oder?<\/p>\n<p>Da das in anderen Industriel\u00e4ndern bestimmt \u00e4hnlich aussieht, sollte der Hunger auf der Welt (laut UN World Food Programme zurzeit 796 Mio. Menschen) also nur durch eine Umverteilung der sowieso schon vorhandenen Nahrungsmittel schon drastisch reduziert, wenn nicht sogar beseitigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Insofern <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=NTi9lZxggnI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hat Jean Ziegler schon sehr recht<\/a>, wenn er meint, dass jeder Verhungernde im Grund ermordet wird, da es nur an der global ungerechten Verteilung der Lebensmittel liegt, dass Menschen hungern m\u00fcssen. Mal wieder eine Verteilungsproblem, und diesmal ein besonders perverses, da unsere Gier nach mehr, als wir ben\u00f6tigen, Menschen anderswo sehr direkt t\u00f6tet oder an Mangelerkrankungen leiden l\u00e4sst. Aber mit einem lokalen \u00dcberangebot bei zahlungskr\u00e4ftigen Kunden l\u00e4sst sich eben mehr Geld verdienen, als wenn man versuchen w\u00fcrde, m\u00f6glichst vielen Menschen Essen in ausreichendem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden Lebensmittel auf unterschiedliche Art und Weise verschwendet, und oftmals passiert das schon, bevor Sachen \u00fcberhaupt in den Handel und damit in Kontakt mit dem Endverbraucher kommen. Aber jeder von uns kann selbst dazu beitragen, dass weniger Nahrung weggeschmissen wird und somit auch weniger Nahrung f\u00fcr uns produziert werden muss (und damit n\u00e4mlich anderen Menschen vorenthalten wird). Das f\u00e4ngt beim intelligenten Einkaufen an: Wenn im Supermarkt nicht von Sonderangebot zu Sonderangebot gehastet wird, sodass dann haufenweise Lebensmittel im Einkaufswagen landen, die man eigentlich gar nicht braucht und nur deswegen kauft, weil sie billig sind, dann sollte sich die Menge an sp\u00e4ter zu entsorgenden Nahrungsmitteln schon mal reduzieren lassen.<\/p>\n<p>Auch hilft es, vorher mal in den K\u00fchl- und K\u00fcchenschrank zu schauen, was denn \u00fcberhaupt noch da ist, sodass man dann gezielt erg\u00e4nzende Lebensmittel einkauft, um mit den bereits vorhandenen dann Mahlzeiten zubereiten zu k\u00f6nnen. Generell ist es auch sinnvoll, lieber \u00f6fter kleinere Mengen einzukaufen, als Gro\u00dfeink\u00e4ufe zu t\u00e4tigen, bei denen man dann leicht schon nach ein paar Tagen den \u00dcberblick verloren hat, was man denn \u00fcberhaupt noch zu essen im Haus hat.<\/p>\n<p>Und auch wenn man in Restaurants essen geht, kann man zusehen, dass m\u00f6glichst keine Lebensmittel verschwendet werden. Habe ich wirklich so viel Hunger, dass ich noch eine Vorspeise brauche? Oder schaffe ich dann das Hauptgericht nicht mehr, sodass die H\u00e4lfte davon weggeschmissen werden muss? Es kann auch sinnvoll sein, z. B. bestimmte Beilagen bei weniger Hunger abzubestellen oder um eine reduzierte Portion zu bitten. Aber das f\u00e4llt vielen, die mit der\u00a0\u201eGeiz ist geil\u201c-Mentalit\u00e4t aufgewachsen sind, schon reichlich schwer &#8211; das Gleiche zahlen f\u00fcr weniger? Ist nicht drin, dann lieber einen Batzen wegschmei\u00dfen! Und nat\u00fcrlich kann man sich in den meisten Restaurants auch nicht Gegessenes einpacken lassen, sodass man das am n\u00e4chsten Tag noch zu Hause aufw\u00e4rmen kann und dann noch eine Mahlzeit hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist auch der Gesetzgeber gefragt, etwas gegen Lebensmittelverschwendung zu machen, und da hat man ja 2015\u00a0in Frankreich gesehen, was getan werden kann, denn <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2015-05\/lebensmittel-verschwendung-frankreich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">dort d\u00fcrfen Superm\u00e4rkte keine Nahrungsmittel mehr wegwerfen<\/a>. In jedem Fall schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, um so der gedankenlosen Lebensmittelverschwendung entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Ich will nun gar nicht noch zus\u00e4tzlich darauf eingehen, dass weniger Fleischkonsum auch schon einiges Positives bewirken w\u00fcrde f\u00fcr hungernde Menschen in anderen L\u00e4ndern und auch f\u00fcr die Umwelt (f\u00fcr die Tiere, die in industrieller Massentierhaltung leiden m\u00fcssen, sowieso) und dass es auch sinnvoller ist, regionale Dinge zu essen und sich seine Nahrung nicht um den halben Globus herankarren zu lassen, denn dar\u00fcber k\u00f6nnte man schon wieder einen eigenen Artikel schreiben. Zudem geht es mir jetzt gerade explizit nur um die Verschwendung beim derzeitigen Status quo unsere Ern\u00e4hrung.<\/p>\n<p>Hunger ist also ein hausgemachtes Problem unseres ungerechten Weltwirtschaftssystem, und auch wenn wir auf der Seite derer sind, die davon \u00fcberwiegend profitieren, sollten wir unsere Augen nicht davor verschlie\u00dfen, wie m\u00f6rderisch unsere Lebensweise f\u00fcr andere Menschen ist. 18 Mio. Tonnen &#8211; es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn dieser Wert zuk\u00fcnftig deutlich niedriger ausfallen\u00a0w\u00fcrde!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich stie\u00df ich auf folgenden Wert: J\u00e4hrlich werden in Deutschland etwa 18 Mio. Tonnen Lebensmittel nicht gegessen, sondern weggeworfen oder anderweitig entsorgt. Das entspricht ungef\u00e4hr einem Drittel der in Deutschland verbrauchten Nahrungsmittel. 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