{"id":7978,"date":"2017-05-30T23:27:54","date_gmt":"2017-05-30T21:27:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=7978"},"modified":"2017-05-30T23:37:19","modified_gmt":"2017-05-30T21:37:19","slug":"das-feudale-steckt-in-uns-allen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=7978","title":{"rendered":"Das Feudale steckt in uns allen"},"content":{"rendered":"<p>Das feudale Denken ist uns allen eigen. Niemand ist davor gefeit. Sp\u00e4testens, wenn wir \u00fcber das Eigentum, unser pers\u00f6nliches Eigentum, n\u00e4her nachdenken w\u00fcrden, w\u00fcrden wir das auch erkennen k\u00f6nnen. Aber weil wir dies selten tun, meist gar nicht, ist es f\u00fcr uns so schwer, gegen den Feudalismus wirklich vorzugehen, genau das macht ihn derzeit wieder m\u00f6glich, verhilft ihm zum Sieg \u00fcber uns und unsere Freiheit. Denn das Feudale steckt in uns allen.<\/p>\n<p><em>Ein Gastbeitrag von Heinz Peglau<\/em><\/p>\n<p>Eigentum ist mehr als nur Besitz. Eigentum hei\u00dft Abgrenzung und auch Ausgrenzung, und damit wird das Wesen des Eigentums deutlich, welches letztendlich in der Macht zuerst \u00fcber Dinge und dann \u00fcber Menschen besteht, sich so zu verhalten, wie es dem Eigent\u00fcmer gef\u00e4llt, wie es uns allen gef\u00e4llt, wenn wir \u00fcber Eigentum verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Eigentum ist nun nichts, was man per se als schlecht definieren kann oder gar unnat\u00fcrlich, im Gegenteil. Wie immer ist es die Quantit\u00e4t, die hier \u00fcber Medizin oder Gift entscheidet.<\/p>\n<p>Eigentum demokratisch kontrolliert und so geregelt, dass keinem Menschen durch andere Menschen Schaden zugef\u00fcgt werden kann, ist nicht verwerflich, meist sogar n\u00fctzlich, und sehr oft entspringt auch Nutzen \u00fcber den Eigent\u00fcmer hinaus f\u00fcr die Gesellschaft. Demokratisch kontrolliert, kann dieser dem Menschen innewohnende Trieb zum Eigentum, zur eigenen Existenzsicherung, auch durch Eigentum, durchaus geduldet werden und auch genutzt werden. Aber nur dann und nur unter dem Anspruch der Endlichkeit, sowohl in der Menge als auch im Hinblick auf die Zeit.<\/p>\n<p>Die demokratische Begrenzung des Eigentums der H\u00f6he nach und auch im Zeithorizont ist f\u00fcr mich zur Rechtfertigung des Eigentums und zum Schutze des Menschen und der Natur unumg\u00e4nglich. Wir m\u00fcssen das Feudale in uns in den Griff bekommen, es einhegen. Nur dadurch kann es gelingen, dem Feudalismus oder anderen schrecklichen Regierungsformen entgegenzutreten, die Demokratie wieder mit Leben zu erf\u00fcllen, sie aus dem TINA-Tiefschlaf wiederzuerwecken.<\/p>\n<p>Da der Mensch die Natur braucht, wird diese auch dadurch, ihr Schutz, wie selbstverst\u00e4ndlich hier mitgedacht. Mehr noch wird gerade hier deutlich, wie sehr der feudale Gedanke, unkontrolliert wirksam, als Sinn des Handelns sogar alternativlos durchgesetzt, die Natur und damit unser aller Lebensgrundlage zunehmend sch\u00e4digt und am Ende zerst\u00f6rt. Immer sollten wir bedenken: Wir brauchen die Natur, die Natur uns aber nicht &#8211; und unsere Triebe schon gar nicht!<\/p>\n<p>Nur derzeit wird weder unser Trieb und schon gar nicht das Eigentum kontrolliert, geregelt schon gar nicht, und demokratisch ist er nur insofern mehrheitsf\u00e4hig, weil die Alternativlosigkeit beschworen und \u00fcber die Wettbewerbsgesellschaft auch durchgesetzt wird. Im Gegenteil wird durch den Wettbewerbswahn unserer Gesellschaft, beruhend auf dem Irrglauben der neoklassischen \u00d6konomie, dem Irrglauben des Liberalismus, dessen R\u00fcckzug n\u00e4mlich auf den Individualismus und auf den Egoismus des Einzelnen, der schon f\u00fcr das Gemeinwohl sorgen wird, gerade diese Rechtfertigung im t\u00e4glichen Erleben des \u00fcberwiegenden Teiles der Menschheit ad absurdum gef\u00fchrt, schon lange auch bei uns.<\/p>\n<p>Die viel beschworene Leistungsgesellschaft wird durch gro\u00dfe Verm\u00f6gen und ihre Erben immer mehr zu einer Leistungsverhinderungsgesellschaft. Die Menschen werden immer def\u00e4tistischer im Denken und auch im Handeln, wie mir die Demagogen des Populismus st\u00e4ndig vor Augen f\u00fchren, auch die, die wir derzeit in den Regierungen und Parlamenten haben, die einzig dem Schutz des Eigentums, unserem Trieb dazu, sich derzeit noch verpflichtet f\u00fchlen oder aber auch nur Angst haben, sich dagegenzustellen, wenn die Erkenntnis gereift ist.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus ist dabei nur Mittel, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Sicht auf ihn von Jean Ziegler teile ich, wenn auch seine L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge nicht die meinen sind. Auch der Kapitalismus hat letztendlich nur denselben Zweck: die Anh\u00e4ufung von Kapital, und zwar \u00fcber das produktive Kapital hinaus. Er dient zur Anh\u00e4ufung des Reichtums, zur Eigentumsakkumulation, zur Machtakkumulation.<\/p>\n<p>Er ist von einem Versprechen, Wohlstand f\u00fcr alle zu schaffen, zu einem Mittel der Restauration pervertiert worden, welche die Macht des Eigentums, der Eigent\u00fcmer \u00fcber uns zu altem \u201eGlanze\u201c verhelfen soll. Es ist sein Wesen, weil es das Wesen des Eigentums ist, wenn es sich der demokratischen Kontrolle und Begrenzung entziehen kann. Es ist unser Trieb, der dies m\u00f6glich macht, weil er unser Denken bestimmt und derzeit begrenzt, den wir einhegen sollten, um die Welt f\u00fcr alle Menschen wieder lebenswert zu machen, um die Natur vor uns zu retten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Heinz Peglau<\/p>\n<p>Das feudale Denken ist uns allen eigen. Niemand ist davor gefeit. Sp\u00e4testens, wenn wir \u00fcber das Eigentum, unser pers\u00f6nliches Eigentum, n\u00e4her nachdenken w\u00fcrden, w\u00fcrden wir das auch erkennen k\u00f6nnen. Aber weil wir dies selten tun, meist gar nicht, ist es f\u00fcr uns so schwer, gegen den Feudalismus wirklich vorzugehen, genau das macht ihn derzeit wieder m\u00f6glich, verhilft ihm zum Sieg \u00fcber uns und unsere Freiheit. Denn das Feudale steckt in uns allen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[50,52,51],"tags":[398,166,400,399],"class_list":["post-7978","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politisches","category-soziales","category-wirtschaftliches","tag-eigentum","tag-neoliberalismus","tag-refeudalisierung","tag-umweltzerstoerung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7978","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7978"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7978\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7987,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7978\/revisions\/7987"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7978"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7978"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7978"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}