{"id":8275,"date":"2017-07-28T09:51:05","date_gmt":"2017-07-28T07:51:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8275"},"modified":"2017-08-31T16:49:37","modified_gmt":"2017-08-31T14:49:37","slug":"autonomes-fahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8275","title":{"rendered":"Autonomes Fahren"},"content":{"rendered":"<p>Neben der E-Mobilit\u00e4t steht ja das Prinzip des autonomen Fahrens f\u00fcr viele im Fokus einer Entwicklung hin zu einem modernen Stra\u00dfenverkehr. Ich kann die diesbez\u00fcgliche Euphorie allerdings nicht so ganz teilen, vielmehr sollten wir uns gerade jetzt, da ja die kriminelle Energie der F\u00fchrungsebenen von Automobilkonzernen nach der Abgasaff\u00e4re mit der illegalen Kartellbildung erneut mehr als deutlich zutage getreten ist, doch lieber ein paar Fragen stellen, wie es denn mit der praktischen Umsetzung von autonomem Fahren bei kritischen Verkehrssituationen aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Wie reagiert ein Auto bei einem Unfall?<\/strong><\/p>\n<p>Bei autonomem Fahren denken die meisten daran, dass Autos gem\u00fctlich und unfallfrei durch die Gegend gondeln. Doch leider ist ja nicht sogleich der komplett Verkehr automatisiert, sonder es wird nicht nur Fahrer von nicht autonom fahrenden Fahrzeugen geben, sondern auch Fu\u00dfg\u00e4nger, Radfahrer, Tiere &#8230;<\/p>\n<p>Ein gewisses chaotisches Element wird also immer im Stra\u00dfenverkehr vorhanden bleiben, und wo es das gibt, da besteht auch immer die Gefahr von Unf\u00e4llen. Wenn also ein Unfall nicht mehr zu vermeiden ist, da die technischen Voraussetzungen des autonom fahrenden Autos nicht zulassen, dass eine Kollision verhindert werden kann, stellt sich nun die Frage, nach welchen Gesichtspunkten das Fahrzeug nun versucht, den Schaden m\u00f6glichst gering zu halten.<\/p>\n<p>Wird versucht, m\u00f6glichst geringen Personenschaden zu haben? Oder werden gezielt Personensch\u00e4den in Kauf genommen, um andere zu sch\u00fctzen (beispielsweise Kollision mit einer Einzelperson statt mit einer Gruppe)? Wie wird der Insasse des Fahrzeugs dabei priorisiert, also wird beispielsweise lieber der Wagen gegen eine Mauer gelenkt mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit, dass der Fahrer zu Schaden kommt, als dass er in einen anderen Kleinwagen gelenkt wird, wobei dessen Insassen den gr\u00f6\u00dferen Schaden h\u00e4tten?<\/p>\n<p>Solche Entscheidungen stellen sich heute im personengef\u00fchrten Individualverkehr kaum, da die Handlungen bei Unf\u00e4llen bzw. beim Versuch, diese zu vermeiden oder zumindest den Schaden gering zu halten, zumeist recht schnell und instinktiv erfolgen. Algorithmen haben da eine andere Reaktionsgeschwindigkeit als Menschen und k\u00f6nnen derartigen Abw\u00e4gungen treffen. Oder vielmehr m\u00fcssen diese vorher von ihren Programmierern so festgelegt werden.<\/p>\n<p>Und damit geben wir nun nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das von anderen Menschen in die Hand von diesen Leuten. Ich wei\u00df nicht, ob vielen Menschen sich noch mal hinters Steuer eines autonom fahrenden Autos setzen w\u00fcrden, wenn sie bei einem Unfall aufgrund eines Algorithmus als am wenigsten sch\u00fctzenswert bestimmt worden und so mit schweren Verletzungen im Krankenhaus gelandet w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wie es dann nach solchen Unfallszenarien mit Schadensersatzklagen aussehen w\u00fcrde, kann ich mir zumindest jetzt noch nicht vorstellen. Wer w\u00e4re dann verantwortlich f\u00fcr die Unfallfolgen vom Unbeteiligten, die aufgrund eines solchen Algorithmus einfach nur als M\u00f6glichkeit mit dem geringsten Gesamtschaden ausgemacht worden w\u00e4ren? Der Programmierer? Der Fahrer? Der Automobilkonzern? Der Verursacher des kritischen Ereignisses, das zum Unfall f\u00fchrte?<\/p>\n<p>Klingt nun alles vielleicht etwas abgehoben, aber bei der gro\u00dfen Anzahl von Unf\u00e4llen, die es t\u00e4glich gibt, d\u00fcrfte eine solche Situation recht schnell eintreten &#8211; und dann w\u00fcrde ich es zumindest beruhigend finden, wenn solche Fragen vorher gekl\u00e4rt w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>Werden K\u00e4ufer von 300-PS-Kisten akzeptieren, dass sich ihre Autos defensiv im Stra\u00dfenverkehr verhalten?<\/strong><\/p>\n<p>Und noch mal m\u00f6chte ich die Aussage vom vorherigen Punkt aufgreifen:\u00a0Bei autonomem Fahren denken die meisten daran, dass Autos gem\u00fctlich und unfallfrei durch die Gegend gondeln.<\/p>\n<p>Nun sind in den letzten Jahren vor allem solche Autos erfolgreich (und gerade von den deutschen Herstellern), die extrem PS-stark, schnell, sportlich und auch gro\u00df sind. Man muss sich nur mal anschauen, wie solche Fahrzeuge beworben werden: Das ist selten mit Gem\u00fctlichkeit verbunden, sondern meistens mit rasanter Fahrweise.<\/p>\n<p>Wer sich nun also so ein Geschoss kauft, dass in deutlich unter zehn Sekunden von 0 auf 100 beschleunigt und bis zu 250 km\/h f\u00e4hrt, der hat bestimmt einen anderen Fahrstil im Sinn als ein m\u00f6glichst defensives und immer vorschriftsm\u00e4\u00dfiges Fahren mit maximal der erlaubten H\u00f6chstgeschwindigkeit. Und wird sich garantiert die Kr\u00e4tze \u00e4rgern, wenn er an einer Kreuzung nicht wegkommt, weil andere, noch personengesteuerte Autos die Vorfahrtsregeln forsch auslegen und eben nicht erst fahren, wenn es eindeutig so ist, dass es zu keinem Unfall kommen kann.<\/p>\n<p>Gerade diese Fahrzeuge sind auch sehr teuer, deren K\u00e4ufer also schon etwas, was der Automobilhersteller in jedem Fall nicht verlieren m\u00f6chte. Wenn diese nun aber zunehmend genervt von ihren freundlich und gar nicht mal nur eine Spur r\u00fccksichtslos fahrenden Autos sind &#8211; werden die dann zuk\u00fcnftig als Kunden bei der Stange gehalten werden k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Vermutlich wohl eher nicht &#8230;<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte also ein Automobilhersteller machen, um so den Kundenw\u00fcnschen nach forscher, sportlicher und zum Teil auch r\u00fccksichtsloser (klingt etwas hart, kann aber jeder jeden Tag auf deutschen Stra\u00dfen beobachten) Fahrweise entgegenzukommen? Es k\u00f6nnte beispielsweise eine menschliche Komponenten, die auf genau solchen aggressiveren Handlungsmustern besteht, in die Fahralgorithmen implementiert werden. So was gibt es beispielsweise schon bei Sequencer-Programmen, mit denen Schlagzeugspuren programmiert werden: Damit diese nicht so steril klingen, wird einen Humanize-Funktion aktiviert, die kleine Ungenauigkeiten einbaut, die das Spiel menschlicher klingen lassen.<\/p>\n<p>Nun sind Schlagzeugspuren nicht daf\u00fcr gedacht, zweieinhalb Tonnen Stahl durch den Stra\u00dfenverkehr zu man\u00f6vrieren, aber ich denke, das Prinzip d\u00fcrfte ein \u00e4hnliches sein. Bleibt dann nur die Frage, was geschieht, wenn sich in einer Verkehrssituation dann mehrere auf diese Weise vermenschlichte Algorithmen begegnen, die nicht aus der gleichen Programmierschmiede stammen. Ich wei\u00df nicht, mir ist da das zwar fehlerhafte, aber intuitive menschliche Verhalten dann doch ein bisschen lieber als so eine Vorstellung &#8230;<\/p>\n<p><strong>Besteht Vertrauen in Automobilhersteller, dass sie solche Fragen wertfrei zu l\u00f6sen versuchen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man einigen Werbeprospekten glaubt, dann haben die Automobilhersteller vor allem das Ziel, den Stra\u00dfenverkehr unfallfrei und m\u00f6glichst fl\u00fcssig zu gestalten. Das ist nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn, denn das haupts\u00e4chliche Ziel eines Konzerns ist es eben immer, m\u00f6glichst hohen Profit zu machen &#8211; alles andere muss sich diesem unterordnen.<\/p>\n<p>Wie wenig moralisch dabei gerade die Automobilindustrie vorgeht, konnte man in letzter Zeit ja nun versch\u00e4rft beobachten: Da war die Abgasaff\u00e4re mit reihenweise manipulierten Emissionswerten, was f\u00fcr Mensch und Umwelt erheblich Sch\u00e4den verursacht. Da waren gerade aktuell die kartellm\u00e4\u00dfigen Absprachen, die Nachteile f\u00fcr Mitbewerber, Zulieferer und Verbraucher zur Folgen hatten (s. beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/volkswagen-audi-porsche-bmw-und-daimler-unter-kartellverdacht-a-1159052.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>). Und wenn man sich dann noch den gerade gesendeten gut viermin\u00fctigen <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/vw-in-brasilien-williger-komplize-der-militaerdiktatur.1773.de.html?dram:article_id=391812\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beitrag des <em>Deutschlandfunks<\/em><\/a> anh\u00f6rt (liegt dort auch in transkribierter Form vor), aus dem hervorgeht, dass VW in Brasilien in den Jahren von 1964 bis 1985 wohl sehr aktiv mit der Milit\u00e4rdiktatur zusammengearbeitet hat bei der Verfolgung von kommunistischen Arbeitern, die danach oft genug gefoltert wurden, dann wirft das ein noch mal schlechteres Licht auf die Ethikvorstellungen zumindest dieses Automobilkonzerns.<\/p>\n<p>Diesen Konzernen sollen nun also derart sensible Entscheidungen wie die oben geschilderten anvertraut werden &#8211; in der Hoffnung, dass sie dabei nur m\u00f6glichst einen reibungslosen Ablauf f\u00fcr alle Verkehrsteilnehmer, hohe ethische Standards und nicht in erster Linie die eigenen Ums\u00e4tze und Gewinne im Kopf haben. Scheint mir nun doch ein bisschen naiv zu sein &#8230;<\/p>\n<p>Vielmehr k\u00f6nnte ich mir vorstellen, dass da andere \u00dcberlegungen f\u00fcr autonom fahrende Autos ins Spiel kommen, wenn diese in Unfallsituationen verwickelt werden: W\u00e4re es nicht aus Sicht der Hersteller lohnend, wenn als bevorzugtes \u201eCrashobjekt\u201c Autos anderer Marken herhalten m\u00fcssten?Zumindest s\u00e4hen dadurch die eigenen Unfallstatistiken besser aus, und diesen d\u00fcrfte bei autonom fahrenden Autos eine hohe Bedeutung zukommen. Wenn also schon in ein anderes Fahrzeug hingefahren werden muss, dann bitte in eines von der Konkurrenz &#8211; egal, ob der Personen- und Sachschaden dann h\u00f6her ist &#8211; Marketing rules!<\/p>\n<p>Oder w\u00e4re es nicht sinnvoll, eher in kleinere Fahrzeuge hineinzufahren im Zweifelsfall, wenn es schon zu einem Crash kommen muss? Gut, f\u00fcr deren Insassen w\u00e4re das nicht so sch\u00f6n, aber es erg\u00e4be sich weniger Schaden sowohl f\u00fcr das eigene Fahrzeug als auch insgesamt &#8211; was auch wieder gut f\u00fcr die eigene Statistik w\u00e4re. Hier kommen wir nun in den sehr kritischen Bereich der Abw\u00e4gung von Personensch\u00e4den gegen materielle Sch\u00e4den. Wie VW diesbez\u00fcglich in Brasilien entschieden hat, kann beim <em>Deutschlandfunk\u00a0<\/em>nachgeh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Und daraus ergeben sich dann weitere Fragen: Wer legt denn \u00fcberhaupt derartige Parameter f\u00fcr das Verhalten autonom fahrender Autos bei Unfallszenarien fest? Und wer achtet auf welche Weise darauf, dass diese auch eingehalten werden? So wie ich die Politik der letzten Jahrzehnte einsch\u00e4tze, d\u00fcrfte es da wohl auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne hinauslaufen. Und das hat ja bisher auch immer so richtig super geklappt &#8230;<\/p>\n<p><strong>Autonomes Fahren ist eine Idiotie sondergleichen<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorstellung vom autonomen Fahren ist also, wie ich finde, aus den oben dargelegten \u00dcberlegungen heraus ein ziemlich unsinniges Unterfangen, da wir so die Programmierer von nachweislich wenig moralisch agierenden Konzernen zu Herren \u00fcber Leben und Tod machen w\u00fcrden. Und das kann ja nun nicht ernsthaft im Interesse von uns allen als Verkehrsteilnehmern sein, oder?<\/p>\n<p>Davon abgesehen: Die beste Methode, Unf\u00e4lle zu vermeiden, w\u00e4ren ohnehin nicht autonom fahrende Autos, sondern weniger Verkehr auf den Stra\u00dfen, und das ginge am besten \u00fcber die Reduzierung des Individualverkehrs. Ganz andere Baustelle, die auch noch aus vielen anderen Gr\u00fcnden sinnvoll w\u00e4re (Reduzierung von Ressourcenverbrauch, Umweltverschmutzung und Feinstaubbelastung w\u00e4re da nur ein Aspekt). Aber das d\u00fcrfte kaum im Sinne von unseren Automobilkonzernen sein &#8211; und die zeigen sich ja gegen\u00fcber den Parteien und Politikern als ausf\u00fchrenden Organen nicht umsonst schon seit Jahren immer ausgesprochen gener\u00f6s &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben der E-Mobilit\u00e4t steht ja das Prinzip des autonomen Fahrens f\u00fcr viele im Fokus einer Entwicklung hin zu einem modernen Stra\u00dfenverkehr. 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