{"id":8332,"date":"2017-07-17T21:52:14","date_gmt":"2017-07-17T19:52:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8332"},"modified":"2019-10-03T17:03:20","modified_gmt":"2019-10-03T15:03:20","slug":"maischberger-hebt-journalistische-armseligkeit-auf-ein-neues-level","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8332","title":{"rendered":"Maischberger hebt journalistische Armseligkeit auf ein neues Level"},"content":{"rendered":"<p>Dass politische Talkshows selten dem Erkenntnisgewinn dienen und eher krawalliges Rumgebl\u00f6ke via Fernsehen in deutsche Wohnstuben transportieren, ist nun nichts ganz Neues. Ist ja auch praktisch, denn so verhindert man ja, dass sich die Menschen etwas tiefer gehend mit politischen Sachverhalten besch\u00e4ftigen. In der letzten Woche gab es dann in der\u00a0<em>ARD\u00a0<\/em>eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s3K90pXr2nM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sendung von Sandra Maischberger<\/a>\u00a0zum Thema G20, die diesbez\u00fcglich einen journalistischen Tiefpunkt in Bezug auf Desinformation und einseitige Parteinahme darstellt.<\/p>\n<p>Wie immer in solchen Sendungen ist schon die Auswahl der G\u00e4ste bezeichnend, denn es wird grunds\u00e4tzlich darauf geachtet, dass regierungsfreundliche Positionen von mehr G\u00e4sten vertreten werden als regierungskritische. So auch dieses Mal: Dem Linken-Politker Jan van Aken und der ehemaligen Gr\u00fcnen-Chefin Jutta Ditfurth sa\u00dfen der CDUler Wolfgang Bosbach, der Hamburger Polizeihauptkommissar Joachim Lenders (auch Mitglied der CDU in der Hamburger B\u00fcrgerschaft, wie man sp\u00e4ter in der Sendung erf\u00e4hrt), Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) und Hans-Ulrich J\u00f6rges, Journalist vom\u00a0<em>Stern<\/em>, gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Die Rollenverteilung war relativ schnell klar, und auch die Emotionen kochten recht z\u00fcgig hoch bei der Frage, wie es denn zu Eskalation der Gewalt kommen konnte. Lenders polemisierte in unertr\u00e4glicher Art und Weise, indem er jede Art von polizeilichen \u00dcbergriffen (die ja hinreichend dokumentiert wurden, s. dazu auch die <a href=\"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8273\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nachbetrachtung zum G20-Gipefel<\/a> hier auf\u00a0<em>unterstr\u00f6mt<\/em>), Bosbach schwafelte wie immer substanzloses Zeug (es ist mir ein R\u00e4tsel, warum ausgerechnet dieser Schw\u00e4tzer dauernd in Talkshows sitzt &#8211; na ja, vielleicht ja gerade deswegen, weil er ein Schw\u00e4tzer ist), Barley versuchte Schadensbegrenzung im Sinne von Hamburgs B\u00fcrgermeister Olaf Scholz (SPD) zu betreiben, J\u00f6rges erging sich auch \u00fcberwiegend in recht allgemeinem Palaver und zeigte vor allem, dass er nicht so richtig mitbekommen hat, was in Hamburg eigentlich genau passiert ist, van Aken stellte als einer der Mitorganisatoren der Demonstration vom Sonnabend in erster Linie auf deren friedlichen Verlauf ab und Ditfurth versuchte sich in Erkl\u00e4rungen, zum soziologischen Hintergrund der Randalierer (was ich, obwohl ich ansonsten Ditfurth auch oftmals reichlich daneben finde, doch noch als substanzhaltigsten Beitrag empfand).<\/p>\n<p>Normalerweise schaue ich mir solche Sendungen auch \u00fcberhaupt nicht an, da ich mir davon inhaltlich nichts verspreche. Was nun allerdings meine Aufmerksamkeit auf diese Ausgabe lenkte, war die Tatsache, dass Wolfgang Bosbach nach gut einer Stunde seine eigene argumentative Schwachbr\u00fcstigkeit damit zu kaschieren versuchte, dass er w\u00fctend die Sendung verlie\u00df. Wow, das ist ja irgendwie so richtig 70er-Jahre-Style, dachte ich mir, und da der Ausschnitt, den ich von diesem Vorfall in den sozialen Medien sah, nicht wirklich aufschlussreich war, beschloss ich, mir das ganze Fiasko anzuschauen, um zu sehen, wie es denn dazu kommen konnte.<\/p>\n<p>Und in der Gesamtbetrachtung ergab sich dann in der Tat ein Bild der journalistischen Armseligkeit, in dem Maischberger wie ein aufgeregt gackerndes Huhn bem\u00fcht war, ihre zeternden und sich st\u00e4ndig unterbrechenden G\u00e4ste (Ausnahmen hier: Jan van Aken und zumeist auch Katarina Barley) irgendwie in einem zivilisierten Diskursrahmen zu halten. Dabei fiel Bosbach schon zeitig als Jammerlappen auf, der Ditfurths Rhetorik nichts entgegenzusetzen hatte und dann den t\u00e4ppischen Lenders als Argument vorschob, dem er beizuspringen gedachte gegen \u201eJutta die F\u00fcrchterliche\u201c &#8230;<\/p>\n<p>Und so w\u00e4hlte der solariumsgebr\u00e4unte Medienprofi Bosbach den Zeitpunkt seines Abgang dann auch taktisch sehr geschickt, da sein Parteisoldat Lenders sich gerade nicht nur hochgradig l\u00e4cherlich machte mit seinem\u00a0\u201eDie Polizei, die Polizei, die hat immer recht\u201c-Sermon, sondern tats\u00e4chlich auch der Punkt zur Sprache kam, der mir auch als einer der entscheidenden bei dem ganzen G20-Ged\u00f6ns erscheint: die gezielte Gewalt gegen Journalisten. Als Ditfurth darauf zu sprechen kam, wusste Lenders sich nicht anders zu helfen, als seiner Kontrahentin\u00a0\u201edummes Gesabbel\u201c vorzuwerfen &#8211; und ihr vorzuhalten, dass sie einen F\u00e4cher benutzen w\u00fcrde. Na, das nenne ich mal stichhaltige Argumentation vom wackeren Wachtmeisterchen. Um die Misere nicht noch schlimmer werden zu lassen, entschloss sich Bosbach in dem Moment, Ditfurth pers\u00f6nliche Angriffe gegen Lenders vorzuwerfen &#8211; und keifend die Runde zu verlassen.<\/p>\n<p>Taktisch kein schlechter Schachzug (aber eben leider auch sehr offensichtlich &#8211; was aber bedauerlicherweise keiner der Anwesenden aufs Tableau brachte): Die Diskussion geht in eine Richtung, die man (aus Bosbachs Sicht) nicht mehr verharmlosen oder sch\u00f6nreden kann, dann setzt man einen markanten Punkt mit skandalisierender Wirkung &#8211; und danach ist das Thema ein komplett anderes. Und nicht nur das: Maischberger zeigte einfach, dass sie Bosbachs Formatlosigkeit noch toppen kann, indem sie Ditfurth aufforderte, die Sendung nun auch zu verlassen, damit die Parit\u00e4t der Runde wieder hergestellt sei &#8211; die ja, wie eingangs erl\u00e4utert, so ohnehin nie bestanden hat.<\/p>\n<p>Maischberger meint ja bestimmt, in irgendeiner Weise so etwas wie eine Journalistin zu sein &#8211; sollte man da nicht erwarten, dass sie vielleicht ein wenig das Thema aufgreifen w\u00fcrde, wenn es darum geht, dass ihre Berufskollegen mit Gewalt an der Arbeit gehindert wurden? So im Sinne von ein bisschen kollegialer Solidarit\u00e4t? Pustekuchen, ich hatte den Eindruck, dass sie froh war, sich nicht weiter mit dem Thema besch\u00e4ftigen zu m\u00fcssen. Was f\u00fcr ein Armutszeugnis!<\/p>\n<p>So konnte Lenders die Sendung mit seinem fies-feisten Grinsen beenden in der Gewissheit, dem deutschen Fernsehpublikum unwidersprochen L\u00fcgen auftischen zu d\u00fcrfen, w\u00e4hrend Ditfurth danach in der Sendung nicht einmal mehr zu Wort kam. Da f\u00e4llt es f\u00fcr mich auch nicht mehr ins Gewicht, dass <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Maischberger-entschuldigt-sich-bei-Ditfurth-article19934426.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Maischberger sich im Nachhinein bei Ditfurth noch entschuldigte<\/a>. Da war das Kind ja schon in den Brunnen gefallen bzw. die Message beim Fernsehzuschauer angekommen. Das Einzige, was nun noch eine \u00dcberlegung wert ist: Ist Maischberger nun hochgradig unprofessionell oder hochgradig charakterschwach? Na ja, es gibt Gehaltvolleres, als sich \u00fcber die Defizite dieser GEZ-gem\u00e4\u00dfteten Talk-Tante Gedanken zu machen.<\/p>\n<p>So bleibt diese Sendung ein gutes Lehrst\u00fcck, wie Indoktrination im deutschen \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen funktioniert. Unbequeme Inhalte, die eine zu vermittelnde Position gef\u00e4hrden k\u00f6nnten, werden mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln beiseitegeschoben. Journalistischer Anstand? Ach was, doch nicht bei Maischberger &#8211; so was L\u00e4stiges k\u00f6nnen dann die\u00a0<em>ZDF<\/em>-Kollegen von\u00a0\u201eDie Anstalt\u201c ein paarmal im Jahr praktizieren. Und dann ist es damit aber auch mal gut!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass politische Talkshows selten dem Erkenntnisgewinn dienen und eher krawalliges Rumgebl\u00f6ke via Fernsehen in deutsche Wohnstuben transportieren, ist nun nichts ganz Neues. 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