{"id":8338,"date":"2017-07-20T14:43:01","date_gmt":"2017-07-20T12:43:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8338"},"modified":"2017-07-20T22:11:51","modified_gmt":"2017-07-20T20:11:51","slug":"im-zweifel-fuer-den-eigentuemer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8338","title":{"rendered":"Im Zweifel f\u00fcr den Eigent\u00fcmer"},"content":{"rendered":"<p>Der Kapitalismus der Moderne hat aus dem Menschen, der arbeitet, um zu leben, den Menschen gemacht, der lebt, um arbeiten zu m\u00fcssen. Bedient hat er sich dazu einerseits des technischen Fortschritts und andererseits, wie Max Weber eindr\u00fccklich dargestellt hat, der protestantischen Ethik. Und beides wurde in den Dienst nur eines kleinen, aber hier \u00fcberm\u00e4chtigen Artikels der Menschenrechte gestellt: des Eigentums.<\/p>\n<p><em>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/em><\/p>\n<p>Die neu entstandene Klasse ist deshalb &#8211; einen l\u00e4ngeren Zeithorizont angewendet &#8211; nicht die der Kapitalisten, wie Marx behauptete &#8211; die war nur eine des \u00dcbergangs, verliert zunehmend an Bedeutung -, sondern die der Eigent\u00fcmer. Und das hat Folgen, hat vor allem eine Folge: im Zweifel immer f\u00fcr die Eigent\u00fcmer, dem Wert ihres Eigentums entsprechend.<\/p>\n<p>Die neue Spaltung geht heute entlang des Eigentums, auch innerhalb des Eigentums.<\/p>\n<p>Eigentum ist zwar nicht per se schlecht, erst die Macht, die es aus\u00fcben kann, macht es zu dem, was es heute geworden ist: das einzige \u00fcberm\u00e4chtige Menschenrecht, dem sich alle anderen Menschenrechte unterzuordnen haben, deren Erw\u00e4hnung in der Charta der Menschenrechte wohlfeil wird, weil sie in Abw\u00e4gung immer dem Eigentum weichen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dieser neue, moderne Kapitalismus nimmt dadurch immer feudalere Z\u00fcge an, hat einen neuen Adel geschaffen: den Geldadel. Und nicht genug, dass dieser Geldadel in Saus und Braus leben kann, w\u00e4hrend andere daf\u00fcr darben m\u00fcssen, er hat auch l\u00e4ngst die politische Macht an sich gerissen, l\u00e4dt zum Tee, zu Festen, auf Jachten oder nur zu einem kleinen informellen Treffen am Rande eines Geburtstages. Alles das ist geschehen, nur zu schnell vergessen. Alles das geschieht t\u00e4glich, nur wir wollen es nicht sehen. Warum? Weil auch unser bisschen Eigentum in Gefahr geraten k\u00f6nnte, so meinen wir, w\u00fcrden wir es wirklich angehen und \u00e4ndern. Weil wir es l\u00e4ngst akzeptiert haben, auch aus der Erkenntnis unserer eigenen Hilflosigkeit heraus, der st\u00e4ndigen Indoktrination der angeblich \u00fcberm\u00e4chtigen M\u00e4rkte geschuldet, der eigenen Selbstoptimierung zur eigenen Wettbewerbsf\u00e4higkeit geschuldet, denn Wettbewerb ist das Mantra einer solchen Gesellschaft.<\/p>\n<p>So und nur so ist f\u00fcr mich zu erkl\u00e4ren, warum ein wenig mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung zul\u00e4sst, das die anderen weiter geg\u00e4ngelt werden, sogar beleidigt werden, weil man ihnen st\u00e4ndig mangelnde Bildung vorwirft &#8211; zu Unrecht, wie ich meine &#8211; und sie ihrer Freiheiten beraubt. Nur so ist es f\u00fcr mich erkl\u00e4rbar, dass es st\u00e4ndig Vorschl\u00e4ge gibt, \u201eden Armen\u201c helfen zu wollen, aber diese Vorschl\u00e4ge am Ende immer nur dem Erhalt dieser Art des modernen Kapitalismus dienen, auch dann, wenn Gegenteiliges behauptet wird. Nur so erkl\u00e4rt sich f\u00fcr mich, das Willkommenskultur zur Unwillkommenskultur werden konnte, dass wir immer noch auf Kosten der Zweiten und Dritten Welt leben, es beklagen, aber nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>An das Eigentum traut sich niemand heran, dessen Wirkung wird weiter verdr\u00e4ngt oder sogar als \u00f6konomische Notwendigkeit, einem Naturgesetz gleich, angesehen und vom Geldadel unterst\u00fctzt, den Menschen mit auf den Weg gegeben, l\u00e4ngst in den Schulen, bald wohl auch im Kindergarten, vielleicht auch bald in den Krippen, denn davon, Chancengleichheit dort herstellen zu m\u00fcssen, spricht man ja schon lange.<\/p>\n<p>Mich erinnert deshalb dies alles nicht so sehr an die Moderne, sondern an die Renaissance, die Zeit, die uns diese protestantische Ethik des Arbeitenm\u00fcssens im Sinne der Gottgef\u00e4lligkeit, aber auch die\u00a0Gier nach Reichtum und Macht erneut beschert hatte und in vielem Blaupause f\u00fcr den Manchester-Kapitalismus in meinen Augen war und heute wieder geworden ist.<\/p>\n<p>Mich wundert die merkantilistische Politik unserer Tage \u00fcberhaupt nicht mehr, die Sucht nach immer mehr, das Verharren der Politik in der Neoklassik der \u00d6konomie, die allein noch darauf beruhenden Vorschl\u00e4ge zur gesellschaftlichen Gestaltung.<\/p>\n<p>Mich wundert der Weg der Menschheit auf den Abgrund hin, die Ignoranz der tats\u00e4chlichen Notwendigkeiten angesichts von Kriegen, Flucht, Vertreibung, Klimawandel nicht mehr. Im Gegenteil ist dieser Weg konsequent in meinen Augen. Denn alles muss dem Eigentum heutzutage dienen, dem gro\u00dfen wie dem kleinen. Es ist Selbstzweck geworden. Es hat einen neuen Menschentypus geschaffen: den Eigent\u00fcmer.<\/p>\n<p>Wir sollten diesem neuen Menschentyp mehr Aufmerksamkeit widmen, ihn ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit r\u00fccken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/p>\n<p>Der Kapitalismus der Moderne hat aus dem Menschen, der arbeitet, um zu leben, den Menschen gemacht, der lebt, um arbeiten zu m\u00fcssen. Bedient hat er sich dazu einerseits des technischen Fortschritts und andererseits, wie Max Weber eindr\u00fccklich dargestellt hat, der protestantischen Ethik. 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