{"id":8391,"date":"2017-07-25T22:35:38","date_gmt":"2017-07-25T20:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8391"},"modified":"2017-07-25T22:40:34","modified_gmt":"2017-07-25T20:40:34","slug":"wir-sind-auf-dem-weg-in-die-unmoderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.unterstroemt.de\/?p=8391","title":{"rendered":"Wir sind auf dem Weg in die Unmoderne"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland ist sicher noch eines der modernsten Industriel\u00e4nder der Welt, auch wenn wir die Digitalisierung verschlafen haben, noch viel zu sehr auf \u00fcberholte Technologien setzen und, mit unserer fast einseitigen Fixierung auf die Automobilindustrie, auch noch gef\u00e4hrliche strukturelle Probleme bekommen werden &#8211; trotz des derzeitigen Hypes um die individuelle E-Mobilit\u00e4t, vielleicht sogar gerade deshalb. Denn auch hier werden wir wieder einmal die Entwicklung wirklich moderner Verkehrskonzepte zugunsten einer alten Technologie, die der Automobilindustrie, verschlafen, das ist derzeit schon absehbar. Es k\u00f6nnte bald mit dem Aufschwung hier ein Ende haben, eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit. Schon lange fahren wir auf Verschlei\u00df und sind dadurch schon lange auf dem Weg in die \u201eUnmoderne\u201c, und das nicht nur \u00f6konomisch.<\/p>\n<p><em>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/em><\/p>\n<p>Gesellschaftlich sieht es genau genommen noch d\u00fcsterer aus, da sind wir n\u00e4mlich im vorletzten Jahrhundert, in der Gr\u00fcnderzeit, stecken geblieben. Wir denken und handeln so, nicht nur bez\u00fcglich unseres Denkens von Eigentum und Unternehmertum, auch im Hinblick auf Markt und Staat. Der Beschluss, die Versorger von der Verantwortung f\u00fcr den Atomm\u00fcll zu befreien, dieses Ablassgesch\u00e4ft der Parlamentarier mit den anderen Riesen der Wirtschaft, steht da f\u00fcr mich Pate. Das Eigentum muss gesch\u00fctzt werden, die Eigent\u00fcmerinteressen werden \u00fcber die der Gesellschaft gestellt, wieder einmal und bezeichnenderweise, auch weil wir die Riesen mit Unternehmern gleichsetzen und deren heutige Anonymit\u00e4t nicht begreifen und dadurch die Interessen der Anleger mit Unternehmertum verwechseln. Dabei hat der Unternehmer ganz andere Interessen als der Shareholder &#8211; die Quittung folgte ja in Form der Klage um die Brennelementesteuer auf dem Fu\u00dfe, diese durch Zugest\u00e4ndnisse abwehren zu k\u00f6nnen platze wie eine Seifenblase -, nur wahrhaben wollen wir es nicht, denn das Gr\u00fcnderzeitdenken verhindert die realistische Sichtweise.<\/p>\n<p>Es wundert mich auch nicht im Geringsten, dass wir derzeit einer Physikerin, einem Juristen und einigen \u00d6konomen das Sagen gegeben haben, also denjenigen uns und unsere Gesellschaft anvertrauen, die meist denken, dass eine \u00d6konomie wie der Stra\u00dfenverkehr geregelt werden k\u00f6nne, man im Grunde nur Regeln erlassen muss und ansonsten kaum einzugreifen h\u00e4tte, den Verkehr einfach rollen lassen sollte, genannt Ordoliberalismus, die Keimzelle des Neoliberalismus, wie ich meine, der zus\u00e4tzlich noch die Schleifung des Sozialstaates, des Rests vom aktiven Staat fordert und auch durchsetzt, und das fast alle diesen Gedanken derzeit nachhecheln. Und um es gleich mit zu sagen: Auch die sogenannte soziale Marktwirtschaft ist ordoliberales Denken, nur wenig praktikabler und nur wenig besser und hat eigentlich nur im Schatten von Bretton Woods, als Trittbrett\u00f6konomie quasi, und dem Kalten Krieg funktioniert.<\/p>\n<p>Subventionen sind aus diesem Grunde gesellschaftlich genauso verp\u00f6nt wie staatliches Vorsorgedenken, staatliches Verm\u00f6gen muss dem der Privaten weichen, und sozial ist nur noch, was Arbeit schafft, wie prek\u00e4r oder unsinnig diese auch sein mag. Gut an den Sprechblasen der Politiker gerade wieder im Wahlkampf zu erkennen und sehr gut an den Sch\u00e4ublenomics abzulesen, denen der Deutsche, die Deutsche in seiner und ihrer Mehrheit anh\u00e4ngt. Gut am Feminismus zu sehen, der einzig und allein die Frau in Lohn und Brot zu bringen als Ideal auserkoren hat, alles unternimmt, um dieses Ideal zu verwirklichen, anstatt zu erkennen, dass dies im bestehenden System nur zur Ausbeutung der Frau beitr\u00e4gt, es das Leben der meisten Frauen kaum verbessert, im Gegenteil nur noch hektischer und anstrengender f\u00fcr sie gemacht hat, es l\u00e4ngst ein umfangreiches Zeitmanagement erfordert von der Frau, um nicht ganz und gar unterzugehen in ihren t\u00e4glichen\u00a0massenhaften Anforderungen. Nicht dass ich gegen die Frau in Arbeit bin, im Gegenteil, gerade die Rolle der Frau in Arbeit tr\u00e4gt zur Befreiung des Mannes aus der Rolle des Versorgers bei, w\u00fcrde ihm ungeahnte M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, w\u00fcrde er dies endlich begreifen, aber es ist mir zu kurz gedacht und zu kurz gehandelt. Denn anstatt den Mann einzubinden in die famili\u00e4ren Strukturen, dort, wo der Mann fehlt, gute staatliche Strukturen zu gestalten und daraus f\u00fcr die Frau die n\u00f6tigen Freir\u00e4ume zu schaffen, hat man l\u00e4ngst Strukturen geschaffen, die die Frau zur Mitarbeit zwingen, die Kinder in Betreuung zwingen, die Frau in Krankenh\u00e4user auf \u201eGeb\u00e4rstationen\u201c zwingen, anstatt in die H\u00e4nde von Hebammen, weil auch hier die Massenproduktion der Politik wieder Pate stand und steht und ein Recht geschaffen worden ist, das nicht im Sinne der Frauen ist, sondern in dem der Gesundheitsfabriken. Wer Chancengleichheit in Kinderg\u00e4rten und Krippen jetzt fordern muss, der hat m. E. den Menschen einen B\u00e4rendienst geleistet, der hat Gesellschaft nicht verstanden, denn der hat eine Gesellschaft vor Augen, die nur dem \u00f6konomischen Ideal am Ende zu dienen hat, dem industrie\u00f6konomischen Ideal genauer gesagt, dem der Massenproduktion und nicht umgekehrt. Die neoliberale Falle hat auch hier zugeschnappt!<\/p>\n<p>Und Europa ist auf dem gleichen Weg, in der gleichen neoliberalen Falle gefangen, vertraglich sogar, uns alle findend, uns alle bindend, uns alle knechtend. Gerade gut auch zu sehen in Frankreich, wo Macron, der franz\u00f6sische Schr\u00f6der, Hof h\u00e4lt und das Gesicht Frankreichs nachhaltig, nicht zum Besseren, ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n<p>Tafeln und andere Vereine pr\u00e4gen unser Stadtbild genauso wie Menschen, die in Papierk\u00f6rben nach Pfandflaschen suchen, um ihre Rente oder Unterst\u00fctzung aufzubessern. Schulen sind ohne die Unterst\u00fctzung von F\u00f6rdervereinen oder anderen mildt\u00e4tigen Vereinen oft kaum mehr in der Lage, einen ordnungsgem\u00e4\u00dfen Unterricht durchzuf\u00fchren, gammeln oft vor sich hin. Unl\u00e4ngst wurde hier f\u00fcr die sanit\u00e4ren Einrichtungen einer Hauptschule gesammelt, weil der Etat des Landkreises eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Renovierung nicht mehr hergab und das sehr engagierte Lehrpersonal keine andere M\u00f6glichkeit mehr sah, als um Hilfe bei der Bev\u00f6lkerung zu bitten. Schulspeisungen durch einen Verein sind seit Jahren hier bei uns allgemein akzeptierte Wirklichkeit. L\u00e4ngst haben wir uns daran gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>Wo w\u00e4ren wir bei uns hier vor Ort ohne den \u00f6rtlichen Lions Club beispielsweise, w\u00fcrde dieser &#8211; von mir nicht geliebte Club, weil ich solche Clubs im Allgemeinen nicht mehr mag, stehen sie doch f\u00fcr die Amerikanisierung unseres Staates -, nicht unsere Schule und andere Schulen mit den notwendigen Lexika und anderen B\u00fcchern einmal j\u00e4hrlich ausr\u00fcsten, die wir nun beispielsweise im Sprachunterricht mit unseren neuen Mitb\u00fcrgern aus vielen Regionen der Welt ben\u00f6tigen. Der Schuletat gibt es kaum mehr her, die Landkreise und Kommunen sind l\u00e4ngst am Ende ihres Lateins und ihrer finanziellen Mittel, das Land hilft nur zeitlich begrenzt und auch nicht in ausreichendem Ma\u00dfe, und der Bund, der steht unter den Sparzw\u00e4ngen des alten Mannes im Finanzministerium, seiner Herbheit, die als Austerit\u00e4t ganz Europa in seine Krallen genommen hat, nicht nur Griechenland, auch uns, in den L\u00e4nder als Schuldenbremse verfassungsm\u00e4\u00dfig sogar verankert; Sch\u00e4ublenomics eben. Trickle-down (gib den Reichen, damit bei den Armen gen\u00fcgend ankommt) in Reinkultur und die US-amerikanische Art und Weise, Gesellschaft zu denken, die auch der eigentlich ehrenwerte Lions Club verk\u00f6rpert, sind l\u00e4ngst Realit\u00e4t bei uns. Und das obwohl schon lange bewiesen ist, dass der Geiz mit dem Verm\u00f6gen zunimmt und die Spendenbereitschaft abnimmt. Aber wer schert sich schon darum, wenn die \u00d6konomen und die Politik anderes behaupten? Die, die sich\u00a0die Eintrittspreise in B\u00e4der, Museen und Theater noch leisten k\u00f6nnen, bestimmt nicht. Und die, die sich die Nachhilfe oder die Internate f\u00fcr ihre Kinder leisten k\u00f6nnen, interessiert das sowieso nicht. Erschreckt sind sie ein wenig, wenn sie lesen, wie heute in unserer Tageszeitung, dass die Zahl derer steigt, die ohne Abschluss ins Berufsleben hinaustreten m\u00fcssen. Mehr aber auch nicht. Obwohl: Ein flaues Bauchgef\u00fchl bleibt zur\u00fcck, denn wer soll denn ihre Renditen und Renten erwirtschaften, wenn das noch schlimmer werden k\u00f6nnte? Umdenken jedoch tun sie nicht!<\/p>\n<p>Selbst das Sponsoring von M\u00fclleimern ist hier bei mir im Ort unl\u00e4ngst vorgeschlagen worden, von einem Gr\u00fcnen, beif\u00e4llig beklatscht von den Konservativen im Ort, nicht einmal von einem Marktliberalen vorgeschlagen, denen ich dies am ehesten zugetraut h\u00e4tte bisher, von denen ich sogar nichts anderes mehr erwarte als dieses Almosen- und Sponsorendenken. Aber wo ist da noch der Unterschied im Denken der politisch Handelnden, wo doch alle in ihrer Marktgl\u00e4ubigkeit verharren, der Aufbruchstimmung der Gr\u00fcnderzeit nacheifern und dabei nicht merken, dass die meisten von uns l\u00e4ngst keinen Grund mehr haben zu dieser Stimmung, eher lethargisch versuchen, mit den Umst\u00e4nden zurechtzukommen oder uns in der Spa\u00dfgesellschaft suchen abzulenken und unser bisschen Eigentum, wenn wir denn noch etwas unser Eigen nennen k\u00f6nnen, es nicht l\u00e4ngst im Hartz-Staat aufgeben mussten, verscherbeln mussten, versuchen zu sch\u00fctzen?<\/p>\n<p>Mich wundern deshalb die vielen Probleme, die wir haben, \u00fcberhaupt nicht mehr. Alters- und Kinderarmut, Wohnungsnot, Gentrifizierung, immer gr\u00f6\u00dfere Aggressivit\u00e4t, die ich meine zu versp\u00fcren, die ich auch zugetragen bekomme von Menschen, die mit Menschen arbeiten, die nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft geboren sind, die leicht in den Jobcentern zu sehen ist, sind f\u00fcr mich ebenso leicht erkl\u00e4rbar wie die Unwillkommenskultur, die der Willkommenskultur forschen Schrittes gefolgt ist, oder dass man junge Menschen zur Arbeit, zur Ausbildung zwingt, anstatt ihnen die Weiterbildung zu erm\u00f6glichen, dann, genauer gesagt, wenn sie nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft geboren worden sind. Die anderen k\u00f6nnen es sich ja leisten &#8211; und wollen die nicht sowieso auch lieber unter sich bleiben? Manche Ziele bei Klassenfahrten lassen mich das vermuten, manch Lehrmittelanforderung auch.<\/p>\n<p>Banlieues und No-go-Areas werden bald auch hier die Realit\u00e4t sein, ebenso wie gesch\u00fctzte Bereiche f\u00fcr die, die sich diesen Schutz noch leisten k\u00f6nnen. Es gibt sie schon, seit Jahren gibt es diese Viertel schon, und l\u00e4ngst haben investigative Reporter dar\u00fcber berichtet, gezeigt, wie abgeschottet Menschen dort leben in ihren Villen. Nur sehen wollen wir sie nicht oder k\u00f6nnen es nicht, weil wir viel zu sehr abgelenkt sind, abgelenkt werden, bewusst hinter die Fichte gef\u00fchrt werden. Im Gegenteil, wir lassen uns weiter missbrauchen, sehen nur die im Schatten und deren Wut, aber nicht die Ursachen.<\/p>\n<p>Aber alles das wundert mich nicht mehr! Es regt mich nicht einmal mehr auf! Ich nehme es zur Kenntnis, denn \u00e4ndern kann ich es sowieso nicht. Das werden andere tun, verschlimmbessern werden sie bestenfalls, weshalb ich auch ebenso wenig verwundert bin \u00fcber die derzeitigen Diskussionen zur Verbesserung der nicht mehr zu versteckenden Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Mich wundern die, im meinen Augen untauglichen, vorgeschlagenen L\u00f6sungen nicht mehr. Beispielsweise die Altersarmut \u00fcber die private Vorsorge zu bek\u00e4mpfen, mit Betrieb oder ohne, wo es doch diese war, die seit Rot-Gr\u00fcn, seit deren \u00dcbertreibungen in diesem Bereich, erst so richtig die gute, alte gesetzliche Rente unter Druck gesetzt hat, das erfolgreiche Umlageverfahren, dem nur die Reichen und Sch\u00f6nen nichts abgewinnen konnten. Die gleichen Sch\u00f6nen und Reichen, die dann\u00a0zus\u00e4tzlich noch von den Steuerreformen dieser Zeit profitieren konnten und k\u00f6nnen. Sind doch die gesetzliche Rente, wie auch die Sozialkassen insgesamt, erst durch diese Fehler, zugunsten der Banken und Versicherungen, wirklich in Schieflage geraten. Deren Krise hat sich nun fast zur Katastrophe ausgewachsen, macht diesen Aktivismus erst m\u00f6glich, nutzt anscheinend sogar den Aktivisten, um den Restsozialstaat noch weiter zu schleifen durch ein BGE (bedingungsloses Grundeinkommen, oft auch nur Grundeinkommen genannt) oder B\u00fcrgergeld zu ersetzen, wie die nun unheilige Allianz, wieder der Gr\u00fcnen, diesmal gemeinsam mit den Marktradikalen, dies ganz aktuell in Schleswig-Holstein vorschl\u00e4gt, es aber auch von Bundestagsabgeordneten anderer L\u00e4nder, meist reicher Bundesl\u00e4nder, vehement vertreten wird. Denn im Zweifel f\u00fcr das Eigentum, f\u00fcr die Eigent\u00fcmer, gilt hier immer noch.<\/p>\n<p>Mich wundert mittlerweile gar nichts mehr oder, besser gesagt, fast nichts mehr, sind es doch auch meist Eigent\u00fcmer, denen wir in den Parlamenten f\u00fcr uns zu sprechen erlaubt haben. Was auch einer gewissen Logik entspringt, dass wir das getan haben und tun m\u00fcssen. Denn Politik zu machen ist l\u00e4ngst auch abh\u00e4ngig vom Geldbeutel in unserem Land, muss man sich schon lange auch leisten k\u00f6nnen, finanziell und zeitlich und an mindestens einem von beiden, meist an beidem, hapert es bei den Menschen in prek\u00e4rer Lage. Entweder sie arbeiten bis zum Umfallen oder sie haben die n\u00f6tigen finanziellen Mitteln nicht, oft arbeiten sie sogar bis zum Umfallen und haben trotzdem keine Mittel dazu, oder sie sind im Ehrenamt eingebunden, auch und immer \u00f6fter, um die Folgen der Privatisierung auszugleichen. Ein Teufelskreis!<\/p>\n<p>Was mich, genauer gesagt, gar nicht mehr verwundert, ist auch, warum meist die gleichen Protagonisten nun auch noch behaupten, den Stein der Weisen gefunden zu haben, unverfroren dies behaupten k\u00f6nnen, auch im Angesicht ihrer groben Fehler der Vergangenheit es frech behaupten d\u00fcrfen, ihre oft zu beobachtende Weltfremdheit weiter ausleben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Wirklich verwundern mich nur diejenigen der Betroffenen, die nicht auf der Sonnenseite leben, diejenigen, die bald auf die Schattenseite wechseln k\u00f6nnten, gerade weil man das soziale Netz immer l\u00f6chriger hat werden lassen, besser gesagt, gemacht hat, die den ewigen Protagonisten der Marktkonformit\u00e4t der Gesellschaft aber dennoch Glauben schenken, die nicht merken, dass die Fehler der Vergangenheit einerseits deren heutiges Handeln begr\u00fcnden und andererseits die gleichen Fehler im Denken wiederholt werden. Mann und Frau machen den Bock zum G\u00e4rtner und merken es nicht einmal mehr. Unglaublich, k\u00f6nnte man meinen, wenn Noam Chomsky nicht \u00c4hnliches schon festgestellt h\u00e4tte, wie ich letztens lesen durfte.<\/p>\n<p>Unglaublich k\u00f6nnte man auch diese Chuzpe nennen, wenn man mildt\u00e4tig die Agenda der Parteien, die uns dieses Denken hier in die K\u00f6pfe gepflanzt haben, nur als Chuzpe bezeichnen will. Dass diese Parteien, die diese Fehler gemacht haben, immer weiter ihr Unwesen treiben d\u00fcrfen, nun mit noch waghalsigeren Vorschl\u00e4gen, aber verwundert mich nicht, denn diese Chuzpe f\u00e4llt gar nicht auf. Die wenigsten durchschauen sie noch. K\u00f6nnen sie auch gar nicht durchschauen, denn- wie schon gesagt, das Denken hier entspricht dem der Gr\u00fcnderzeit, wenn es um das Eigentum geht und wie Gesellschaft zu funktionieren h\u00e4tte. Und dieses Denken verhindert das Durchschauen!<\/p>\n<p>Wirklich den Kapitalismus verstanden, wie Geld funktioniert, wie Preisbildung tats\u00e4chlich funktioniert, haben sie allesamt nicht mehr. Sie denken im Kleinen und handeln im Gro\u00dfen, indem sie das Kleine auf das gro\u00dfe Ganze \u00fcbertragen, so als ob sie den Umlauf der Erde um die Sonne mit den Gesetzen der Quantenphysik anstatt mit denen der Relativit\u00e4t erkl\u00e4ren, und wundern sich ob\u00a0der \u201ekomischen\u201c Ergebnisse, die sie verursachen. Irgendwie scheinen sie alle irgendwelche unsichtbaren H\u00e4nde hinter allem zu vermuten, sind die meisten hier im Lande und auf der politischen B\u00fchne im Merkantilismus der Gr\u00fcnderzeit stecken geblieben. Die Kinder des bourgeoisen B\u00fcrgertums, die Eigent\u00fcmer eben, die neue Schicht des modernen Kapitalismus, die ich meine, identifiziert zu haben, will uns ihre Weltsicht aufoktroyieren und ist damit sehr erfolgreich &#8211; leider.<\/p>\n<p>Diese neue Schicht \u201etickt\u201c anders, als wir uns das bisher zu erkl\u00e4ren versucht haben, wie Mensch in \u00d6konomie und Gesellschaft \u201ezu ticken\u201c scheint, ganz anders, als uns dies Homo oeconomicus, Homo ludens oder wer auch immer weismachen will. Der Mensch dieser Schicht ist Eigent\u00fcmer, und alles leitet er aus seinem Eigentum ab, ob nun der gro\u00dfe oder der kleine Eigent\u00fcmer, selbst der Facharbeiter behandelt seinen Arbeitsplatz nicht mehr rein als Besitz, hebt gedanklich die Trennung von Besitz und Eigentum auf und sieht darin ein Eigentum, das es zu verteidigen gelte, komme, was da wolle. \u201eDer hart arbeitende Mensch\u201c steht daf\u00fcr ebenso als Floskel wie \u201ein Wohlstand leben\u201c. Selbst vor dem Nationalismus schreckt man nicht zur\u00fcck, sieht hinter allem eine Verschw\u00f6rung gegen das eigene Unternehmen, gegen das eigene Eigentum, gegen die eigenen Existenz, die immer mehr mit dem Eigentum verbunden worden ist in den letzten Dekaden. Schuld sind immer die anderen!<\/p>\n<p>Politik und \u00d6konomie haben darauf m. E. noch keine Antwort gefunden, werden getrieben, k\u00f6nnen nicht mehr gestalten, m\u00fcssen sich den vielf\u00e4ltigen W\u00fcnschen des Eigentums, der Eigent\u00fcmer letztendlich beugen, denn alles geht entlang dieser neuen Klassengesellschaft, besser Schichtengesellschaft des Eigentums, des B\u00fcndnisses der Eigent\u00fcmer, die in allen gesellschaftlichen Gruppen l\u00e4ngst die Meinungsf\u00fchrerschaft \u00fcbernommen haben. Und deshalb behaupte ich &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; Der Kapitalist ist tot! Es lebe der Eigent\u00fcmer! &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; und mit dem sollten wir uns schnellstm\u00f6glich intensiver besch\u00e4ftigen, denn er ist der neue M\u00e4chtige und gleichzeitig Ohnm\u00e4chtige, denn er ist es derzeit, der die unerh\u00f6rten M\u00f6glichkeiten des technischen Fortschritts allein dem Eigentum, dem Eigent\u00fcmer zum Nutzen kommen l\u00e4sst und dabei fast ausschlie\u00dflich den gro\u00dfen Eigent\u00fcmern den Profit sichert und gerade dadurch Gefahr l\u00e4uft, sein kleines Eigentum letztendlich auch an die Gro\u00dfen zu verlieren. Oder wie will man anders erkl\u00e4ren, dass 84 Milliard\u00e4re mittlerweile so viel besitzen an Eigentum wie der Rest der Weltbev\u00f6lkerung? Der Mensch an sich hat nicht viel mehr vom technischen Fortschritt als marktf\u00e4hige Produkte mit einer immer k\u00fcrzeren Halbwertzeit und verwechselt deren Konsum dann auch noch mit Lebensqualit\u00e4t, wenn er denn als Konsument \u00fcberhaupt eine Rolle spielt und nicht gleich an den verl\u00e4ngerten Werkb\u00e4nken der Zweiten und Dritten Welt schuften muss, den Preis f\u00fcr unser bisschen Eigentum bezahlen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastartikel von Heinz Peglau<\/p>\n<p>Deutschland ist sicher noch eines der modernsten Industriel\u00e4nder der Welt, auch wenn wir die Digitalisierung verschlafen haben, noch viel zu sehr auf \u00fcberholte Technologien setzen und, mit unserer fast einseitigen Fixierung auf die Automobilindustrie, auch noch gef\u00e4hrliche strukturelle Probleme bekommen werden &#8211; trotz des derzeitigen Hypes um die individuelle E-Mobilit\u00e4t, vielleicht sogar gerade deshalb. Denn auch hier werden wir wieder einmal die Entwicklung wirklich moderner Verkehrskonzepte zugunsten einer alten Technologie, die der Automobilindustrie, verschlafen, das ist derzeit schon absehbar. Es k\u00f6nnte bald mit dem Aufschwung hier ein Ende haben, eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit. 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